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Teilen lernen – Tipps & Beispiele, um es deinem Kind beizubringen

zuletzt aktualisiert:

Inhaltsverzeichnis

„Gib doch mal dem Lukas deine blaue Schaufel, der möchte auch damit spielen. Du musst teilen lernen!“

Wie oft hab‘ ich diesen Satz so oder so ähnlich schon auf dem Spielplatz gehört … Kennt ihr ganz bestimmt auch!

Das ist natürlich ein Elternsatz. Die passenden Kindersätze dazu sind beispielsweise „Ich hatte das zuerst“ 

oder 

„Das ist aber meins!“ 

Auch diese Art von Sätzen wirst du schon sehr, sehr oft gehört haben, stimmt’s?

Wie cool wäre es denn, wenn Teilen keine Pflicht mehr ist, sondern etwas, das dein Kind freiwillig tut?

Im Rahmen der bedürfnisorientierten Elternschaft und der Gewaltfreien Kommunikation ist genau das unser Ziel. Komm mit und lass uns gemeinsam schauen, wie das gehen kann!

Wenn mein Kind nicht teilen möchte

„Du musst teilen“ – das ist erst mal so ein Glaubenssatz, der ganz tief in unseren Köpfen drin steckt.

Zum einen ist das sicher etwas, das wir selber in unserer Kindheit so vermittelt bekommen haben:

„Kinder müssen teilen lernen.“

Zum Zweiten ist Teilen-Können für uns als Erwachsene oft ein Wert, in dem wir viel Gutes und Richtiges finden.

Was wir vielleicht manchmal vergessen: dass es auch für uns ein langer Prozess war, dorthin zu kommen.

Was hat das Thema „Teilen“ mit uns als Eltern zu tun?

Die Gewaltfreien Kommunikation verzichtet auf solche Zwänge wie „man muss teilen können“.

Wir müssen gar nichts, und wer ist überhaupt „man“?

Ich möchte ganz klar in die Freiwilligkeit rein, und auch das Teilen ist eine freiwillige Verhaltensweise. Jeder entscheidet selbst, wann er bereit ist zu teilen!

Für viele Eltern ist das ein geradezu revolutionärer Denkansatz, weil solche Verhaltensnormen einfach ganz tief in uns drin sitzen und wir uns dadurch dem Erziehen ohne Schimpfen annähern.

Und dann ist es sehr schwierig auszuhalten, wenn unser Kind gerade nicht teilen möchte. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es schwer sein kann, diesen Prozess zu begleiten, weil wir dabei selber gegen tiefsitzende Glaubenssätze anarbeiten.

Ich kann nur sagen: Es lohnt sich. Für dich und dein Kind.

Was passiert, wenn mein Kind nicht teilen möchte?

Wenn ein Kind nicht teilen möchte, ist das auch deswegen schwer auszuhalten, weil das immer Frust schafft.

Entweder mein Kind ist gefrustet, weil ich es dazu bringe, etwas zu teilen, was es gerade nicht teilen möchte – oder ein anderes Kind ist gefrustet, weil es etwas haben möchte, was mein Kind gerade für sich haben möchte.

Und wir als Eltern sind sowieso gefrustet, weil wir auszuhalten haben, dass mindestens ein Kind gefrustet ist.

Ganz interessant an dem Thema finde ich übrigens auch, was für unterschiedliche Charaktere unsere Kinder da mitbringen. Manche Kinder wollen alles für sich behalten, von dem sie der Meinung sind, dass es ihnen gehört.

Andere sind vor allem froh, mit anderen Kindern spielen zu dürfen, und teilen dafür gerne ihre Spielzeuge. Für uns in der GfK ist immer wichtig, dass alle Verhaltensweisen von Grund auf in Ordnung sind.

Es gibt da kein „Richtig“ oder „Falsch“ oder “Besser” oder “Schlechter”.

Beispiel: Mein Kind möchte etwas von einem anderen Kind

Ich finde, am besten und leichtesten lernen wir die Gewaltfreie Kommunikation und die bedürfnisorientierte Begleitung unserer Kinder immer an konkreten Beispielsituationen aus dem Alltag mit Kindern.

Deswegen lade ich dich jetzt ein, dir einmal Folgendes vorzustellen:

Du kommst mit deiner Tochter auf den Spielplatz und sie sieht dort ein total cooles Laufrad eines anderen Kindes und ruft: „Mama, ich will mit dem Laufrad fahren!“

Jetzt hast du mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

Ich würde das so lösen:

„Okay, du möchtest gerne mit dem Laufrad fahren. Wenn ich es richtig sehe, gehört es dem Kind mit dem roten T-Shirt.“

Dann geh ich vielleicht noch ein bisschen in die Empathieschleife, zum Beispiel so:

„Sieht ja schon cool aus, das Laufrad, mit den Farben und so, hm? Würdest du echt gerne mal ausprobieren, oder? Ja, gehört halt dem Kind mit dem roten T-Shirt. Was können wir da jetzt machen?“

Vermutlich kommt dein Kind auf die Idee, das andere Kind zu fragen oder du begleitest dein Kind dabei auf diese Idee zu kommen. Gemeinsam fragen wir die Leute:

„Entschuldigen Sie, das Laufrad da vorne, ist das Ihres? Meine Tochter würde gerne einmal damit fahren.“

Stellen wir uns jetzt vor, die Mama oder der Papa fragt den Laufradbesitzer:

„Du schau mal, das Mädchen da würde gerne einmal mit deinem Laufrad fahren, ist das okay für dich?“

… und der kleine Laufradbesitzer sagt.

„Nein! Die darf das nicht! Das ist mein Laufrad!!“

Dann würde ich das auf jeden Fall so akzeptieren! Der Junge möchte sein Laufrad nicht teilen, das ist okay!

Dann kann es natürlich sein, dass meine Tochter einen Wutausbruch bekommt, frustriert ist oder enttäuscht. Na gut, dann ist es meine Aufgabe, ihren Wutausbruch oder ihre anderen starken Gefühle zu begleiten.

Für mich ist ganz klar:

Für mich ist ganz klar:

Das andere Kind „muss“ das Laufrad nicht abgeben, wenn es nicht möchte. Und wenn das Kind sein Laufrad doch hergibt, darf es auch entscheiden, wann es sein Laufrad zurückhaben möchte.

Klingt gut und richtig für dich? Für mich auch.

Doch was ist, wenn deine Tochter das Laufrad haben darf und dann nicht mehr hergeben möchte? Na dann bist du eingeladen, dein Kind dabei zu begleiten, das Laufrad wieder zurückzugeben.

Also gehen wir wieder in die Empathie:

„Das Laufrad gefällt dir total gut, stimmt’s? Damit kannst du voll schnell fahren. Und die Farben – die sind auch einfach meeeeega … Am liebsten würdest du es behalten, hm?“

und so weiter.

Damit verbalisierst du das Bedürfnis deines Kindes: Das Laufrad ist so toll, ich möchte es gar nicht mehr hergeben. Indem ich das Bedürfnis meines Kindes in Worte fasse, umarme ich es zugleich.

Ich drücke aus, was bei meinem Kind gerade Fakt ist. Ich sage, was gehört werden möchte. Ich nehme mein Kind mit seinem Bedürfnis wahr.

Und immer wichtig:

Und immer wichtig:

Ich gehe dabei mit meinem Kind auf Augenhöhe. Das heißt, ich knie mich nieder oder setz mich hin und berühre mein Kind leicht, zum Beispiel indem ich meine Hand auf seine Schulter oder seinen Rücken lege. Außerdem erwähne ich nach der Einfühlung, dass das Laufrad dem anderen Kind gehört und dieses Kind entscheidet, wer das Laufrad haben darf. Ich schenke so lange Einfühlung gepaart mit der Klarheit der Fakten, bis mein Kind bereit ist, das Laufrad wieder zurückzugeben.

Das ist jetzt ein bisschen ein ideales Szenario. Es kann natürlich auch sein, dass die Mutter des Laufradbesitzers wirklich gerade gehen will und keine Zeit hat, bis ich das in aller Ruhe mit meiner Tochter geklärt habe.

Dafür bleibe ich offen. Wenn das der Fall ist, würde ich meine Tochter zur Not vom Laufrad herunterheben, damit der Junge seinen Besitz zurück bekommt. Den dann sicher folgenden Tobsuchtsanfall meiner Tochter zu begleiten – das ist meine Aufgabe.

Besser wäre es, wir hätten die Zeit, das ohne jegliche Art von Gewalt zu klären. Und meine Erfahrung ist: Wenn ich meinem Kind genügend Empathie gegeben habe, ihm mein Verständnis, mein Mitfühlen genügend spürbar gemacht habe, dann ist es auch bereit dazu, das Laufrad wieder herzugeben.

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Beispiel: Mein Kind möchte nicht mit einem anderen Kind teilen

So, jetzt mal das andere Beispiel:

Meine Tochter und ich sind am Spielplatz und haben die tollen neuen Sandförmchen für den Sandkasten dabei. Ein anderes Kind kommt und nimmt sich ungefragt eines der Förmchen. Klar, wir versuchen unsere Kinder dazu anzuhalten, dass sie fragen, bevor sie die Sachen anderer Kinder nehmen.

Und ihnen nahezubringen, dass andere Kinder über ihre Spielsachen selbst entscheiden – siehe oben.

Das klappt manchmal besser und manchmal schlechter. In diesem Fall finde ich es völlig in Ordnung, wenn meine Tochter sagt, dass es ihre Sandförmchen sind und dass sie es blöd findet, wenn ein anderes Kind sie sich einfach nimmt, ohne zu fragen.

Genauso wäre mein Ziel, dass meine Tochter wartet, bis das andere Kind bereit ist, das Sandförmchen zurückzugeben, wenn es bereit dazu ist.

Dem anderen Kind das Sandförmchen aus der Hand zu reißen, wäre schon eine recht gewaltsame Art von Kommunikation. Ich würde versuchen, meine Tochter darin zu bekräftigen, dass ihr Gefühl in Ordnung ist – es sind ihre Sandförmchen.

Gleichzeitig würde ich versuchen wollen, dass mein Kind sein Bedürfnis, das Förmchen zurückzubekommen, anders als mit Gewalt durchzusetzen versucht.

„Du bekommst deine Sandförmchen zurück! Das sind deine! Doch wir warten, bis das andere Kind dazu bereit ist.”

Auch hier darf ich gegebenenfalls den Frust meiner Tochter begleiten.

So bringst du deinem Kind das Teilen bei

Für mich wäre es ein Ansatz, dass wir zunächst einmal reflektieren, was Teilen eigentlich für uns bedeutet. Was bedeutet Teilen für mich? Wo teile ich gerne? Wo ist für mich eine Grenze?

Für mich ganz persönlich ist zum Beispiel beim Essen eine Grenze. Ich teile total ungern mein Essen. Das kann ich eigentlich überhaupt nur dann gut finden, wenn meine Kinder der Meinung sind, dass es von meinem Teller am besten schmeckt.

Dennoch können wir schon in vielen Bereichen zu dem Punkt kommen, dass wir sagen: 

Für uns als Erwachsene bedeutet Teilen beispielsweise, dass ich gerne etwas abgebe. Teilen macht mir dagegen keine Freude, wenn ich etwas abgeben muss. Wenn ich etwas abgeben darf, und der andere Freude daran hat – dann ist das eine wunderbare Erfahrung. Und das wollen wir unseren Kindern doch eigentlich vermitteln: dass Teilen Freude macht.

In der Gewaltfreien Kommunikation ist es uns ein wichtiger Leitsatz, dass wir unser Kind und dass wir überhaupt auch niemanden sonst für bestimmte Verhaltensweisen verurteilen. Dein Kind ist der Meinung, alle seine Spielsachen gehören ihm? 

Na gut, dann ist das so! Natürlich darf dein Kind es doof finden, wenn andere Kinder mit seinen Sachen spielen! Der nächste Schritt in seiner Entwicklung kommt bestimmt. 

Und dann gibt dein Kind freiwillig seine Spielsachen ab. Weil es weiß, dass es schön ist, mit anderen Kindern harmonisch zusammenzuspielen. 

Und weil es schön ist, Anderen etwas Gutes zu tun. Und dabei dürfen wir unsere Kinder mit der Gewaltfreien Kommunikation begleiten.

Fazit

Wodurch lernen unsere Kinder am besten? Indem wir es ihnen vorleben. Es ist völlig natürlich, dass Kinder in der ersten Autonomiephase darauf beharren, dass dies oder jenes ihnen gehört. 

Es ist sogar ein wichtiger Entwicklungsschritt, bei dem sie zwischen „dein“ und „mein“, zwischen „innen“ und „außen“ genauer unterschieden lernen. 

Erst auf dieser Grundlage kann der nächste Schritt erfolgen:

dass es große Freude bereiten kann, von dem, was wir als „mein“ betrachten“, abzugeben. Weil Geben Freude bereitet – mehr Freude als Nehmen.

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