Hilfe, mein Teenagerkind ist neurodivergent! So gehst du damit um

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Dein Teenager explodiert scheinbar aus dem Nichts und wirkt im Alltag häufig überfordert? Dein Kind reagiert auf Veränderungen und Herausforderungen stärker als andere? Du hast den Eindruck, dass es irgendwie „anders“ ist, und spürst, wie schwer es ihm fällt, in einer Welt zurechtzukommen, die wenig Raum für besondere Menschen lässt?

Gegebenenfalls ist dein Kind neurodivergent und hat ADHS, Hochsensibilität, Autismus oder eine andere Besonderheit. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum diese Diagnosen für mich keine große Bedeutung haben. Weil es so viel wichtiger ist, bei jedem einzelnen Kind zu schauen, was es gerade braucht und welche Strategien ihr entwickeln könnt, damit dein Kind alles hat, was es braucht – Diagnostik hin oder her.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Neurodivergente Teenager benötigen noch mehr Elterliche Führung als andere Kinder.

Wie bei allen anderen Kindern gilt, dass hinter herausforderndem Verhalten unerfüllte Bedürfnisse stecken.

Es ist keineswegs das Ziel, dass dein Kind sich bedingungslos anpasst – sondern dass es lernt, sich selbst zu verstehen und sich um seine Bedürfnisse zu kümmern.

Deine liebevolle Elterliche Führung schenkt deinem Kind Sicherheit und Orientierung, ohne sein Bedürfnis nach Autonomie aus dem Blick zu verlieren.

Passende Alltagsstrategien helfen sowohl deinem Kind, mit Herausforderungen umzugehen, als auch dir selbst und eurem gesamten Familiensystem.

Wenn das Verhalten deines Teenagers dich regelmäßig triggert, darfst du auf dein eigenes Inneres Kind schauen.

Neurodivergenz bei Teenagern verstehen – was steckt wirklich dahinter?

Bevor wir ins Thema eintauchen, möchte ich dich darauf hinweisen, dass ich keine medizinische Expertin bin. Ich teile hier mein Wissen und meine Erfahrung mit der Gewaltfreien Kommunikation und mit meinem Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe®, weil es mein Ziel ist, Eltern zu stärken und Verbindung zu fördern.

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind gegebenenfalls ADHS, Hochsensibilität, Autismus oder eine andere Form der Neurodivergenz hat, kannst du entscheiden, ob du jemanden zur Diagnostik hinzuziehst – weil eventuell eine fachliche Einschätzung für dich und dein Kind hilfreich sein könnte.

Für mich persönlich ist die Diagnostik weniger wichtig. Denn alle Menschen haben grundsätzlich die gleichen Bedürfnisse. Nur die Bedürftigkeit ist individuell: je nach Persönlichkeit und je nach Situation. Das gilt immer und völlig unabhängig von irgendwelchen Diagnosen.

Und wenn du merkst, dass dein Kind mit starken Gefühlen reagiert, wenn beispielsweise Veränderungen anstehen oder Übergänge stattfinden, dann ist seine Bedürftigkeit größer. Dann fragst du dich wahrscheinlich, warum das so ist. Und dann ist es sinnvoll, dass du dich mit bestimmten Themen auseinandersetzt.

In meinem Konzept der LilaLiebe®, das die Bedürfniswelt von Kindern und Jugendlichen anhand der drei Autonomiephasen erklärt, hat jede dieser Phasen einen anderen Schwerpunkt bezüglich der jeweils wichtigen Bedürfnisse. Und das baut alles aufeinander auf. Das heißt: Wenn bei deinem Teenagerkind das Bedürfnis nach Sicherheit (das Oberbedürfnis der ersten Autonomiephase) weitgehend unerfüllt ist, so wird dein Teenager so lange nach Sicherheit fragen, bis passende Strategien gefunden sind. Denn erst dann, wenn das Bedürfnis nach Sicherheit weitgehend erfüllt ist, wird sich dein Kind mit den Bedürfnissen der zweiten und dann eben auch der dritten Autonomiephase wie Achtung, Individualität, Freiheit, Respekt oder Wertschätzung befassen können.

Und das Bedürfnis nach Sicherheit hat immer mit deiner Elterlichen Führung zu tun.

Das heißt für dich:

Als Mama/Papa eines neurodivergenten Kindes darfst du dich noch mal mehr mit Elterlicher Führung auseinandersetzen. Und das ist bei Teenagern natürlich ein Drahtseilakt: dass du deinem Kind deine Elterliche Führung schenkst und gleichzeitig sein Autonomiebedürfnis im Blick behältst.

Wenn andere Kinder 100 % Elterliche Führung brauchen, dann brauchen neurodivergente Kinder 500 % Führung. Das heißt: Bei einem neurodivergenten Teenager darfst du die Unterbedürfnisse von Sicherheit 24/7 an 365 Tagen im Jahr auf dem Schirm haben.

Ich weiß:

Das ist ein fettes Brett. Das ist ein großer Haufen an Elterlicher Verantwortung. Und ich schenke an dieser Stelle den Eltern, die neurodivergente Kinder begleiten dürfen, unglaublich viel Mitgefühl. Und ich ziehe meinen Hut vor allen Eltern, die bereit sind, in ihre liebevolle Elterliche Führung zu kommen und ihren Kindern alles zu geben, was sie brauchen.

„Mein Teenager ist anders“ – ändere deine Perspektive

Ich bin mir sicher: Wir brauchen neurodivergente Menschen mit ihrer Energie in unserem System. Sonst wären sie schon längst ausgestorben. Denn unser System kümmert sich evolutionär bedingt darum, dass wir als Spezies weiterleben können. Und es gibt unter uns viel mehr Menschen mit solch besonderen Begabungen, als wir denken. Ich liebe die Energie dieser Menschen (die natürlich auch herausfordernd sein kann) und würde behaupten, dass viele der Genies, die wir in unserer menschlichen Geschichte hatten, rückblickend hochsensibel waren oder ADHS hatten. Nur: Damals stand keine entsprechende Diagnostik zur Verfügung.

Die Herausforderung ist halt, dass unsere Gesellschaft ein Konzept davon entwickelt hat, wie Menschen zu funktionieren haben. Und da passen diese Menschen mit ihren besonderen Fähigkeiten schlecht in die vorhandenen Schubladen rein.

Und als Mama oder Papa eines neurodivergenten Kindes machst du dir gegebenenfalls Sorgen, dass dein Kind ständig aneckt und wenig gesellschaftskonform ist. Das kann große Panik auslösen.

Nur:

Dein Kind hat in keine Schublade zu passen. Dein Kind braucht keineswegs mit Lärm umgehen zu können. Es ist okay, wenn dein Kind es herausfordernd findet, sofort mit neuen Menschen und neuen Situationen klarzukommen. Dein Kind muss einen Scheiß. Sondern dein Kind darf lernen, in Verbindung mit sich zu kommen und zu gucken, was ihm guttut, und was es tun kann, damit es ihm gut geht. Und an diesem Punkt kommt ihr ins aktive Gestalten.

Ich weiß: Das ist eine krasse Herausforderung – beispielsweise im Schulsystem dein Kind zu begleiten, weil es dich noch mehr als andere Kinder als Schutzschild braucht, noch mehr deine Klarheit in deiner Elterlichen Führung und noch mehr, dass du ihm liebevoll Grenzen setzen lernst.

Doch ich möchte dich ermutigen, für dein Kind einzustehen, statt zu versuchen, es so zu verbiegen, dass es am Ende einfach friedlich bei allen anderen mitläuft. Wie du dein neurodivergentes Kind dabei im Alltag unterstützen kannst – dazu kommen wir gleich.

Unterstützung im Alltag – so stärkst du dein neurodivergentes Kind

Vielleicht fragst du dich, wie dein Kind mit seinen besonderen Fähigkeiten jemals klarkommen kann. Und da sag ich: Dein Kind lernt klarzukommen, indem du ihm hilfst, zu lernen, sich selbst zu verstehen und zu checken, was es braucht und wie es sich darum kümmern kann.

Ich habe ja weiter oben schon geschrieben, dass die Bedürfnisse bei allen Menschen grundsätzlich gleich sind – nur die Bedürftigkeit ist jeweils unterschiedlich. Daraus folgt, dass ein neurodivergentes Kind genau so behandelt wird wie alle anderen auch: Du beobachtest es, lernst, die unerfüllten Bedürfnisse hinter seinem Verhalten zu verstehen, und findest gemeinsam mit deinem Teenager passende Strategien, um die Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Und neurodivergente Kinder und Jugendliche brauchen da gegebenenfalls mehr Unterstützung und feingliedrigere Strategien als andere. Dabei kannst du dir auch Hilfe holen.

Hole dir Unterstützung

Ich bin ja grundsätzlich kein Fan davon, einem Kind so einen Diagnose-Stempel aufzudrücken. Und ich würde dem Kind gerne die Diagnostik ersparen, denn da wird ganz viel mit Belohnung und Bestrafung gearbeitet – was ich ablehne, weil jeder Mensch das Recht hat, mit bedingungsloser Liebe aufzuwachsen.

Doch es ist auch schon vorgekommen, dass ich Eltern in einer meiner Beratungen dazu geraten habe, eine Diagnose erstellen zu lassen. Denn es gibt gewisse Förderungen. Und wenn du innerhalb des Schulsystems eine Förderung beantragen möchtest, brauchst du eben die Diagnostik. Da würde ich dann nur genau hinschauen: Wo gehst du mit deinem Kind hin und wo fühlt ihr euch wohl? Wo werdet ihr so betreut, dass es für euch machbar erscheint?

Und vorab würde ich Gespräche mit den betreuenden Pädagog:innen darüber führen, welche Lösungen es gibt.


Achte auf Veränderungen

Viele neurodivergente Kinder und Jugendliche reagieren stark auf Veränderungen. Und das können bei Kindern und Teenagern mit diesen besonderen Fähigkeiten Kleinigkeiten sein, die du erst mal kaum auf dem Schirm hast:

Wenn dein Kind Veränderungen herausfordernd findet, braucht es besonders viel Orientierung und Sicherheit. Ich würde mich keinesfalls darauf verlassen, dass das in der Kita oder Schule jemand checkt und deinem Kind diese Orientierung schenkt. Sondern das ist dein Job und deine Verantwortung.

Verabschiede dich von deinem Perfektionsdruck


Ich habe ja weiter oben bereits geschrieben, dass neurodivergente Kinder 500 % Führung brauchen. Wie du das schaffen sollst, fragst du dich? Ich glaube: Es wird am Ende nie wirklich reichen. Doch es ist keinesfalls nötig, dass du Bedürfnisse immer und alle und sofort erfüllst. Sondern es geht darum, dass du deinem Kind hilfst zu lernen: Welche Bedürfnisse habe ich und wie kann ich mich darum kümmern?

Und das Allerallerwichtigste ist, dass dein Kind lernen darf, dass es gut ist – so wie es ist. Und dass es seinen Platz hier auf der Welt verdient hat und dass es einen Weg finden wird, sich um sich kümmern zu können.

 

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Mit einem neurodivergenten Kind kennst du das, wenn im Familienalltag die Luft brennt und du dich fragst, was eigentlich mit deinem Kind los ist und was es gerade braucht, um mitmachen zu können. Wenn du auch in stressigen Situationen schneller checken willst, worum’s gerade eigentlich geht, dann hol die meinen dreiteiligen Bedürfnisübersetzer für
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3 Strategien für Eltern – was tun, wenn der Alltag mit neurodivergentem Kind überfordert

Schütze dein Kind

Die Frage, was du für dich tun kannst, wenn dich der Alltag mit deinem neurodivergenten Kind überfordert, ist ja gleichzeitig die Frage, was du für dein Kind tun kannst. Denn Strategien, die deinem Kind das Leben leichter machen, helfen gleichzeitig dir.

Und da darfst du genau hinschauen: Welche Situationen sind das eigentlich, auf die dein Kind regelmäßig mit starken Gefühlen reagiert – womit genau ist es überfordert? Ist es der Lärm? Sind es neue Menschen? Neue Situationen?

Und dann darfst du kreativ werden: Was kannst du tun, um dein Kind vor Überreizung zu schützen? Das können Ohrstöpsel sein oder dass dein Kind lernt, dass es bei Überforderung aus der Situation rausgehen darf. Du darfst deinem Kind vorleben, dass es sich abgrenzen darf, beispielsweise sich Zeit nehmen darf, bevor es mit neuen Menschen spricht. Du kannst neue Situationen, sofern sie vorab absehbar sind, mit deinem Kind vorbereiten. Und so weiter und so fort. Das ist immer von der jeweiligen Situation abhängig.


Bleib in herausfordernden Momenten bei dir

Gleichzeitig kannst du deinem neurodivergenten Kind niemals alle Herausforderungen aus der Welt schaffen. Das heißt: Es wird immer wieder Situationen mit starken Gefühlen geben. Das ist okay, das darf so sein!

Und dann bleibst du bei dir und bei deiner Haltung im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation und weißt: Alle Gefühle dürfen da sein. Und sie dürfen Raum bekommen. Du wirst Räume schaffen, damit die starken Gefühle deines Kindes raus dürfen, und du wirst es empathisch begleiten.

Und du weißt: Dein Kind macht das keinesfalls, um dich zu ärgern. Sondern weil es krass überfordert ist mit dem, was es gerade erlebt hat.

Genauso wie dein Kind darfst selbstverständlich auch du wütend und überfordert sein. Du darfst auch schreien – meine Empfehlung wäre, dass du beim Giraffenschrei bleibst. Wie du vom Wolfsschrei zum Giraffenschrei kommst, erzähle ich dir in meinem Podcast.

Kümmere dich um dein Inneres Kind

Und wenn du merkst, dass es immer wieder die gleichen Verhaltensweisen deines Teenagers sind, die dich auf die Palme bringen: Schau bei dir selber hin. Denn das ist dann gegebenenfalls die Bedürftigkeit deines eigenen Inneren Kindes, dessen Bedürfnisse früher weitgehend unerfüllt geblieben sind. Deshalb springt dein Nervensystem dann so intensiv an.

Und das grenzgenial Geile ist, dass du da keineswegs beim Bedauern darüber, dass es in deiner Kindheit und Jugend anders gelaufen ist, als du es gebraucht hättest, stehenzubleiben hast. Sondern du bist jetzt erwachsen und darfst Verantwortung für dich und für dein Inneres Kind übernehmen. Und du darfst deinem Inneren Kind im Hier und Jetzt das schenken, was ihm damals gefehlt hat. Das nenne ich „Nachbeeltern“. Das ist definitiv ein Prozess und wird seine Zeit brauchen, doch nach und nach wirst du merken, wie dich das Verhalten deines Teenagers immer weniger triggert, während du selbst Schritt für Schritt heilen darfst.

Wenn du mehr darüber wissen willst, warum du bei deinem Kind so heftig reagierst und wie du dich mit deinem Inneren Kind aussöhnst: Dazu habe ich auch eine Vlog-Folge für dich.

Fazit

Das hier ist ein Plädoyer für die Einzigartigkeit jedes Menschen. Ich möchte all die Besonderheiten feiern, die es bei den Menschen gibt, und ich möchte Schluss machen mit all den Schubladen, in die Leute reingesteckt werden sollen. Ich möchte dazu beitragen, dass immer mehr Platz für diese Menschen ist, weil sie so wundervoll und wertvoll sind für uns, wie alle anderen auch.

Deshalb: Lass uns anfangen, zu beobachten, statt zu bewerten. Denn wenn du mit offenem Herzen beobachtest, dann siehst und hörst du Gefühle. Du erkennst Bedürfnisse. Und du bist bereit zu helfen, dass diese Bedürfnisse erfüllt werden.

Und dann kriegen alle Menschen, was sie brauchen. Und dann kriegen auch die Menschen mit diesen besonderen Begabungen endlich das, was sie brauchen.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich ADHS oder ADS im Jugendalter? 

Jeder Mensch hat Gefühle. Und jeder Mensch hat starke Gefühle. Menschen mit ADHS oder ADS neigen dazu, auf bestimmte Situationen emotional stärker als andere Menschen zu reagieren. Ob das auf dein Kind zutrifft, findest du raus, indem du es beobachtest. Und dann erkennst du vielleicht, dass dein Kind in bestimmten Situationen mit stärkeren Gefühlen reagiert als sonst.

Nur: Ich für mich brauche da gar keine Diagnostik. Denn für mich geht’s drum zu checken, welche Bedürfnisse mein Kind da hat und welche Strategien wir dafür entwickeln können.

Mein Kind ist hochsensibel – was muss ich beachten? 

Und das Gleiche gilt bei Hochsensibilität. Da gibt es ja auch verschiedene Klassifizierungen.
Ich zum Beispiel bin hochsensibel, was Geräusche betrifft. Ich komme einfach bei einer gewissen Geräuschkulisse und mit bestimmten Tönen schlecht klar.

Und dann kümmere ich mich, indem ich Grenzen setze. Ich sage beispielsweise: „Können wir eine andere Musik hören?“ Oder ich verlasse den Raum. Oder ich setze mir Kopfhörer auf.

Also das sind halt meine Strategien, die ich im Laufe der Jahre für mich entwickelt habe. Und für dich und dein Kind gilt ebenso, dass ihr genau hinschaut, um welche Situationen es eigentlich geht, und dass ihr dann Strategien dafür entwickelt.

Wie reagiere ich richtig, wenn mein Kind wegen seiner Neurodivergenz überfordert ist? 

kurz & prägnant beantworten

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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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