„Jetzt reicht’s hier aber mal so langsam! Ich habe dir schon dreimal gesagt, dass du endlich mal deine Schuhe und deine Jacke anziehen sollst!“
Deine Stimme ist laut, dein Ton gereizt. Dein Kind steht vor dir, verschränkt die Arme, bewegt sich keinen Millimeter und sieht aus, als ob es alles auf der Welt eher tun würde, als sich anzuziehen. Und du merkst, wie es in dir kocht und brodelt. Dein Herz schlägt schneller. Du würdest am liebsten explodieren, schreien, weinen, wüten.
Und du fragst dich: Warum reagiere ich in solchen Situationen eigentlich so intensiv? Warum fühle ich mich dann so überfordert, so hilflos, so ausgeliefert, so wütend, so allein?
Ich spoiler mal ein bisschen: Wahrscheinlich reagierst du so stark, weil die Situation mit deinem Kind etwas sehr Altes in dir berührt. Nämlich Erfahrungen, die du selbst als Kind gemacht hast und die dein Nervensystem gepaart mit sehr unangenehmen Gefühlen abgespeichert hat. Die führen dazu, dass bei dir der Alarmknopf knallrot leuchtet und du all deine Vorhaben bezüglich einer bedürfnisorientierten, friedvollen Begleitung deines Kindes vorübergehend mal eben in den Wind schlägst.
Was dein heutiges Verhalten mit deinem Inneren Kind zu tun hat und wie du dich im Hier und Jetzt als Erwachsene:r darum kümmern, also dein Inneres Kind nachbeeltern kannst – darum geht’s in diesem Artikel.
Die wichtigsten Infos zusammengefasst:
Starke Reaktionen auf dein Kind haben in der Regel mit deiner eigenen Geschichte zu tun.
Dein Kind ist nur der Auslöser, keinesfalls die Ursache für deine heftigen Gefühle.
In herausfordernden Situationen voller Wut, Ohnmacht oder Gefühlen der Überforderung meldet sich dein Inneres Kind.
Nachbeeltern bedeutet, im Hier und Jetzt Verantwortung für die unerfüllten Bedürfnisse deiner Kindheit zu übernehmen und sie zu erfüllen.
Wenn du dein Inneres Kind nachbeelterst, kannst du nach und nach als Mama oder Papa in Situationen mit deinem Kind gelassener reagieren
Nachbeeltern braucht keine Perfektion: Jeder kleine Schritt hin zu mehr Verständnis für dich selbst darf gefeiert werden.
Hat mein Ausraster wirklich etwas mit meinem Kind zu tun?
Kurze Antwort: Ja. Nur: Dein Kind ist der Auslöser dafür, dass du dich anders verhältst, als du möchtest – keineswegs der Grund dafür. Das ist ein entscheidender Unterschied. Denn für deine Gefühle, deine Bedürfnisse und dein Verhalten bist allein du verantwortlich.
Menschen, Dinge, Wörter, Gerüche … – einfach alles, was du erlebst, löst bei dir Gefühle aus. Und du bist dafür verantwortlich, was du fühlst. Es ist deine Entscheidung, wie lange du in einem bestimmten Gefühl badest und wie du damit umgehst.
Das heißt: Dein Kind macht dich niemals traurig oder wütend – oder verletzt dich gar. Sondern: Du bist traurig oder wütend. Es bleibt bei dir. Es ist dein Gefühl.
Und das ist eine riesengroße Chance. Denn das Verhalten anderer Menschen zu verändern, Iiegt außerhalb deines Tanzbereichs. Doch bei dir selbst kannst du unglaublich viel verändern. Und wenn dich das Verhalten deines Kindes regelmäßig auf die Palme bringt, dann ist das auch deine Verantwortung: Schau hin und versuche zu verstehen, was da bei dir passiert. Und dann kannst du die unerfüllten Bedürfnisse aus deiner Kindheit im Hier und Jetzt nachbeeltern und dadurch Schritt für Schritt heilen. Klingt krass? Ist es auch.
Was ist Nachbeeltern eigentlich?
In meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® definiere ich die Bedürfniswelt von Kindern (und ganz nebenbei übrigens auch von allen Inneren Kindern). Die LilaLiebe® steht dafür, dass Kinder alles bekommen, was sie brauchen.
So und nun bist du sehr wahrscheinlich – ebenso wie ich – auf die Art und Weise aufgewachsen, dass deine Bedürfnisse weitgehend unerfüllt blieben. Weil du zu funktionieren hattest und deine unangenehmen Gefühle zu laut und zu herausfordernd waren – und vermutlich auch, weil das Wissen fehlte, dass es Bedürfnisse gibt und welche das sind und wie wir da hinkommen, dass unsere Bedürfnisse weitestgehend erfüllt sind.
Das kannst du bedauern. Dazu lade ich dich sogar herzlich ein.
Nur: Lass uns keineswegs beim Bedauern stehenbleiben. Dann bist du für immer in so einer Opfer-Position nach dem Muster: „Manno, keiner hat sich um meine Bedürfnisse gekümmert, ich hab echt solche Defizite bei meinen Bedürfnissen nach Sicherheit, Liebe und Geborgenheit.“
Denn, hey: Du bist jetzt erwachsen und du darfst die Verantwortung für dich übernehmen. Und wenn da in deiner Kindheit und Jugend etwas gefehlt hat, darfst du dein Inneres Kind und deinen Inneren Teenager in den Arm nehmen und ihm im Hier und Jetzt das schenken, was ihm damals gefehlt hat, damit sich deine Bedürfnistanks nachträglich auffüllen. Und das nenne ich nachbeeltern.
Das Geile ist: Dafür ist es nie zu spät. Du kannst immer damit anfangen.
Warum ist mein Inneres Kind hier so wichtig?
Das Innere Kind steht für Anteile von dir, die in deiner Kindheit und Jugend bestimmte einprägsame Erfahrungen gesammelt haben. Anhand dieser Erfahrungen hat dein System gelernt, mit Situationen umzugehen: sowohl mit angenehmen als auch mit unangenehmen. Immer wenn du in bestimmten Situationen mit deinem Kind heftig reagierst (mit Wut, Traurigkeit oder sogar Hass), ist da bei dir ein Innerer-Kind-Prozess am Start.
Und oft ist dein Kind ein Spiegel deines Inneren Kindes und zeigt dir, wo du hinschauen darfst. Weil es sich vielleicht so verhält, wie du dich damals nie verhalten durftest. Weil es für dich gefährlich war, dich so und so zu verhalten.
Gleichzeitig kannst du jetzt, da du erwachsen bist, herausfinden, welche Bedürfnisse da bei dir unerfüllt waren, und diese eben nachbeeltern, sodass du Schritt für Schritt dein Inneres Kind heilst und bei herausfordernden Situationen künftig immer mehr im Hier und Jetzt bleiben kannst.
Wie entwickle ich mehr Mitgefühl für mich selbst?
Du bist gut so, wie du bist. Das gilt immer und ohne Einschränkungen. Das gilt auch, wenn du Dinge anders machst, als du sie eigentlich machen möchtest – in deiner Elternschaft beispielsweise.
Wenn das so ist, dann darfst du ins Bedauern kommen. (Das ist etwas grundlegend anderes als Schuldgefühle, die dich eventuell bisher plagen.) Das kannst du dir selbst gegenüber machen und auch deinem Kind gegenüber: „Ich bedaure, dass ich XY gemacht habe, weil mir …“ und dann nennst du ein Bedürfnis, das dir wichtig ist und das durch das, was du getan hast, unerfüllt geblieben ist, also beispielsweise „weil mir Empathie wichtig ist“.
So kommst du raus aus der Verurteilung deiner selbst, raus aus einem Täter-Opfer-Schema, und rein ins Verstehen und Verstandenwerden, rein ins Mitgefühl für dich selbst. Schau dir deine Gefühle an und benenne sie für dich so genau wie möglich: Bist du verzweifelt? Traurig? Überfordert? Da gibt es ja ganz viele Möglichkeiten. Und hinter all diesen Gefühlen verstecken sich Bedürfnisse. Welche das bei dir sind, darfst du herausfinden. Und dann Strategien finden, wie du dir diese Bedürfnisse erfüllst.
Und wer bedauert, der feiert auch. Und ich möchte, dass du auch anfängst, konkret zu feiern: jeden kleinen Schritt, den du gehst und der dich immer mehr zu dem Menschen werden lässt, der du sein willst.
Wie verändert Nachbeeltern meine Elternschaft?
Und jetzt beginnst du vielleicht zu verstehen, welch ein Boost das Nachbeeltern für deine bedürfnisorientierte Elternschaft sein kann! Denn es holt dich raus aus automatisierten Abläufen, die dein System in der Kindheit als Überlebensstrategie bei dir abgespeichert hat. Sie waren eine Zeitlang eine wichtige Strategie für dich, doch jetzt sind sie dir hinderlich und sie blockieren dich.
Wenn du in bestimmten Situationen mit deinem Kind immer wieder in diesen Alarmmodus kommst, in dem du Dinge sagst und tust, die du später bedauerst, verhältst du dich im Grunde genommen selbst wie ein Kind mit drei oder sechs Jahren. Du verlässt den Erwachsenen-Modus und reagierst rein intuitiv. Und weil du die Situation mit bedrohlichen Erfahrungen deiner Kindheit verknüpfst, reagierst du eben aus deinem Alarmmodus heraus.
Je mehr du (Schritt für Schritt) dein Inneres Kind nachbeelterst, desto mehr heilst du und desto leichter fällt es dir, in herausfordernden Situationen mit deinem Kind im Hier und Jetzt zu bleiben und als die erwachsene Person zu handeln, die du bist und sein möchtest. Du kannst in der Situation mit deinem Kind ruhiger und gelassener reagieren, weil dein Inneres Kind weniger Raum braucht. So wird echte Verbindung möglich!
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Wie gelingt mir Nachbeeltern im Alltag?
Kenne deine Trigger!
Wenn du immer wieder in bestimmten Situationen starke Gefühle hast, kannst du dir so ziemlich sicher sein, dass das was mit deinem Inneren Kind zu tun hat.
Bei meiner Tochter beispielsweise ist mir zu Beginn ihrer Pubertät aufgefallen, dass sie – Achtung, ich interpretiere und bewerte bewusst – zu „zicken“ anfing. Also sie gab mir plötzlich so ganz ungewöhnliche Widerworte. So was wie „Du hast mir gar nichts zu sagen“ oder „Das entscheide ich selber.“ Da habe ich gemerkt, wie ich immer ganz kurz ins Schlucken gekommen bin. Denn solche Reaktionen war mir in meiner Kindheit nie erlaubt. Ich wäre dafür verurteilt worden und hatte auf jeden Fall zu funktionieren und mich zu benehmen.
Und dann habe ich verstanden, dass ich da ein Inneres-Kind-Thema hatte, weil ich mich in meiner Tochter gesehen habe.
Ich habe dann in solchen Situationen, wenn ich ins Schlucken gekommen bin, kurz meine Hand auf mein Herz gelegt und tief in mein Herz reingeatmet. Dann langsam wieder aus. Währenddessen habe ich mich selbst als Teenagerin gesehen und mir Liebe geschenkt.
Und dann war ich auch dazu in der Lage zu übersetzen, was meine Tochter mir eigentlich sagen möchte. Etwa „Hey, ich möchte selber Erfahrungen sammeln“, „Ich möchte selber entscheiden“, „Ich möchte das selber machen“ oder „Ich brauche deine Hilfe.“ Denn dann konnte ich wirklich mein Kind sehen statt mich selbst in meinem Kind. Und so wird ein Schuh draus.
Bleib im Hier und Jetzt!
Komm in deine Verantwortung und entscheide bei der nächsten herausfordernden Situation mit deinem Kind ganz bewusst, dass du im Hier und Jetzt bleibst und als erwachsene Person handelst.
Sag deinem Inneren Kind: „Ich habe dich gesehen. Ich habe dich gehört. Ich weiß Bescheid, wo die Wunden sind. Ich kümmere mich um dich, sobald ich hier fertig bin. Denn ich bleibe jetzt hier in meiner Rolle als Mutter/Vater.“
Diese Entscheidung zu treffen, finde ich essenziell, weil du es ein erster Schritt aus deiner Ohnmacht und Hilflosigkeit ist. Diesen ersten Schritt kannst du auch schon machen, bevor du genau verstanden hast, welches Inneres-Kind-Thema bei dir dahinter steckt.
Befasse dich mit den Bedürfnissen der drei Autonomiephasen
In meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® unterscheide ich diie Bedürfniswelt von Kindern anhand der drei großen Autonomiephasen bei Kindern. Jede Phase hat eine eigene Priorität der Bedürfnisse.
Und wenn du dein Inneres Kind nachbeeltern möchtest, gehst du die drei Autonomiephasen eine nach der anderen durch. Weil alles aufeinander aufbaut und es wenig bringt, wenn du dein Inneres Teenagerkind in der dritten Autonomiephase nachbeelterst, während es deinem Inneren Kind beispielsweise noch an Sicherheit mangelt, dem Oberbedürfnis der ersten Autonomiephase.
Nach und nach wirst du draufkommen (oder vielleicht hast du ja schon direkt ne heiße Spur), welche Bedürfnisse das sind, die da bei dir unerfüllt geblieben sind. Und das ist bereits die halbe Miete. Dann kannst du passende Strategien finden, um diese Bedürfnisse in deinem Alltag immer wieder zu erfüllen. Einige meiner Lieblingsübungen zur direkten Umsetzung, die ich selbst immer wieder einsetze, zeige ich dir gleich.
Wie gelingt Nachbeeltern ohne Perfektionsdruck? Drei Übungen zur direkten Umsetzung
Du kannst alles nachbeeltern. Alles. Dabei geht es keineswegs darum, dass du das perfekt zu machen hast. 100 % Bedürfniserfüllung sind utopisch. Viel wichtiger ist, dass du dranbleibst und dir selbst immer wieder mit Mitgefühl begegnest. Drei Übungen, die mir dabei helfen, zeige ich dir jetzt.
Finde positive Glaubenssätze
Wenn du – so wie ich – mit Belohnung und Bestrafung aufgewachsen bist, hast du vermutlich negative Glaubenssätze über dich abgespeichert, die aus deinen Erfahrungen entstanden sind. Solche negativen Glaubenssätze können sein:
- Ich darf keine Fehler machen!
- Ich bin naiv!
- Ich bin zu …
- viel!
- laut!
- schüchtern!
- anstrengend!
- störend!
- dick!
- zickig!
- empfindlich!
- dominant!
- launisch!
- …
- Ich muss brav sein!
- Ich kann nichts richtig!
- Ich muss funktionieren!
- Ich bin nicht gut genug!
- Ich bin dumm!
- Ich kriege nie was zu Ende!
- Ich passe nirgends hin!
- Ich falle allen zur Last!
Das sind Annahmen, die du über dich hast – abgeleitet aus Erfahrungen oder Aussagen anderer (deiner Eltern beispielsweise). Und sie blockieren dich.
Schmeiß sie über Bord. Ersetze sie durch positive Glaubenssätze wie zum Beispiel:
- Ich kann alles schaffen, was ich will!
- Ich darf mich zumuten!
- Ich bin klug!
- Ich bin stark!
- Ich bin mutig!
- Ich gehöre dazu!
- Ich bin liebenswert!
- Ich bin gut so, wie ich bin!
Wie du die für dich passenden Glaubenssätze findest? Indem du sie mit Bedürfnissen verbindest. Denn anderenfalls wären sie nur leere Hüllen. Also wenn ich dir beispielsweise sage: „Komm, lass uns mal ‚Ich bin liebenswert‘ klatschen, dann ist das nullkommanull fundiert.
Um Glaubenssätze wirklich mit Bedürfnissen zu verknüpfen, habe ich übrigens mein eigenes Herzkartenset entwickelt. Dort gibt es auch Vorschläge für Strategien, wie du dir das jeweilige Bedürfnis erfüllen kannst. Das Herzkartenset habe ich für Kinder ab drei Jahren entworfen – doch selbstverständlich kannst du dir von den Karten richtig viel für dich selber mitnehmen.
Logo: Für ein starkes Selbst (und da wollen wir ja hin) braucht es mehr als nur positive Glaubenssätze. Gleichzeitig sind sie unglaublich hilfreich, wenn du sie in deinen Alltag integrierst und immer und immer wieder wiederholst. So lange bis sie fest verankert sind und die alten negativen Glaubenssätze ersetzen. Dafür gebe ich dir auch gleich ein paar Strategien an die Hand.
Vorher lege ich dir noch eine Podcast-Folge ans Herz, in der ich dir davon erzähle, wie ich den Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert“ hinter mir lasse.
Klopfe (oder streichle) deine Thymusdrüse
Die Arbeit mit deinen Glaubenssätzen kannst du optimal mit dem Klopfen oder Streicheln deiner Thymusdrüse verbinden. Sie sitzt oben im Brustkorb. Da kannst du deine Hand drauflegen oder sie sanft klopfen. Und dazu sagst du dir immer wieder den positiven Glaubenssatz, den du für dich gefunden hast.
Wenn ich mich in herausfordernden Situationen befinde, klopfe ich beispielsweise gern „Ich bin in Sicherheit.“ Ich achte dabei auch auf meinen Atem: tief ein, langsam aus. Das bringt mein Nervensystem sofort runter.
Wenn du dir einmal anschauen möchtest, wie ich Mama Stephie bei ihrer Inneren-Kind-Arbeit begleitet und wir dabei auch gemeinsam die Thymusdrüse klopfen, schau gern auf meinem Vlog vorbei und guck dir die Folge Eltern-Wut: Was du tun kannst, wenn dein Kind dich triggert an.
Mach eine Empathiereise zu deinem Inneren Kind
Eine Empathiereise gibt den Gefühlen deines Inneren Kindes Raum. Sie werden gesehen und gehört. Das kleine Kind wird gewiegt, das Köpfchen wird gestreichelt, es wird in den Arm genommen. Ich zeige dir, wie du die Empathiereise machen kannst:
- Setze, stelle oder lege dich so hin, wie es für dich angenehm ist.
- Atme tief ein und ziehe die Schultern dabei hoch. Atme langsam aus, lasse die Schultern sinken und gib allen Ballast ab. Wiederhole dies noch zwei weitere Male in deinem Tempo. Wenn du magst, schließe die Augen und komme ganz bei dir an.
- Lade nun dein Inneres Kind ein. Schau dich als Kind an: Wie siehst du aus? Welchen Gesichtsausdruck hast du? Wie bewegst du dich?
- Sag deinem Inneren Kind „Hallo“: „Hallo, ich bin's, dein erwachsenes Ich.“ Vielleicht antwortet dir dein Inneres Kind, sagt auch „Hallo“, oder es winkt dir und ihr begrüßt euch.
- Ihr seid an einem sicheren Ort. Nehmt euch an die Hände. Hand in Hand geht ihr nun weiter durch diese Meditation.
- Stelle dir eine Situation aus deiner Kindheit vor, in der du dich unwohl gefühlt hast. Falls dir keine konkrete Erinnerung kommt, genügt auch ein Gefühl oder ein vager Eindruck davon.
- Und dann schau dir dein Inneres Kind noch mal in dieser Situation an. Wie wirkt es? Welche Körperhaltung hat es? Welche Gefühle kannst du erkennen?
- Frag dein kleines Ich, ob du dich zu ihm setzen darfst, ihm deine Hand auf die Schulter oder um den Oberkörper legen darfst. Vielleicht mag es auch auf deinen Schoß. Schau, was für dein kleines Ich okay ist. Wie viel Nähe kann es gerade ertragen?
- Schenke nun als erwachsenes Ich deinem kleinen Ich Empathie in dieser Situation. Höre zu, was es dir erzählen möchte, und benenne seine Gefühle liebevoll: „Du bist gerade ganz ängstlich, oder?!“ “Du fühlst dich alleine?”“ „Du bist so unglaublich sauer?!“ „Ganz traurig bist du.“ Gib allem Raum, was da ist.
- Frage dein Inneres Kind, wo ein bestimmtes Gefühl sitzt, und lege deine Hand dort auf. Frage auch: „Welche Farbe hat dieses Gefühl? Ist es groß oder klein?“ Frag dein kleines Ich, ob du sein Gefühl halten darfst. Sprich: „Ich halte dein Gefühl. Dein Gefühl ist bei mir in Sicherheit. Ich sehe dein Gefühl und ich höre dich.“
- Streichle dein kleines Ich, wiege es. Mach das, was geht, und sprich zu ihm: „Ich bin da. Du bist in Sicherheit.“
- Bleibe dort, solange es für euch beide gut ist.
- Verabschiede dich dann von deinem Inneren Kind. Sage ihm, dass du dich ab jetzt darum kümmern wirst, dass es jetzt alles hat, was es braucht, und dass du wiederkommen wirst.
- Atme noch einige Male tief ein und aus und öffne langsam die Augen, sofern du sie geschlossen hattest.
Reflektiere noch kurz:
Wie war das für dich? Fiel dir die Übung leicht? Selbst wenn du sie herausfordernd fandest und zunächst nur einen vagen Eindruck von deinem Inneren Kind bekommen hast, ist das völlig in Ordnung. Denn das hier ist keine Leistung, die du zu erbringen hast. Es geht vielmehr darum, deinem Inneren Kind immer wieder zu zeigen: „Ich sehe dich. Ich höre dich. Und ich kümmere mich um dich.“
Fazit
Auch ich habe noch so meine Inneren-Kind-Prozesse. Und auch ich bin keineswegs immer die Mama, die ich sein möchte. Und doch werde ich es jeden Tag ein bisschen mehr. Und das feiere ich sehr. Weil ich Verantwortung für meine Gefühle, meine Bedürfnisse und mein Verhalten übernehme.
Sei auch du barmherzig mit dir auf deinem Weg. Heilung auf Knopfdruck gibt’s höchstens im Märchen. Feiere jeden kleinen Schritt. Denn jeder kleine Schritt verändert außer deinem eigenen Leben auch die Beziehung zu deinem Kind. Und du wirst sehen: Je mehr du verstehst, was in herausfordernden Situationen in dir passiert, desto leichter fällt es dir, in solchen Momenten im Hier und Jetzt zu bleiben und als erwachsene Person deine Elterliche Verantwortung zu leben.
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Nachbeeltern ist dein Weg, um dir im Hier und Jetzt die Bedürfnisse zu erfüllen, die in deiner Kindheit und Jugend weitgehend unerfüllt geblieben sind. Wenn du deinem Kind die Innere-Kind-Arbeit später einmal ersparen möchtest, lege ich dir meinen Bedürfnisübersetzer ans Herz. Damit checkst du auch in stressigen Situationen, was dein Kind wirklich braucht. Den Bedürfnisübersetzer gibt’s für sage und schreibe 0 € ins Postfach!




