„Mein Teenager rastet wegen Kleinigkeiten aus“ – was wirklich dahintersteckt

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Einführung

Türen knallen, Kinder-Beleidigungen fliegen dir um die Ohren, dein Teenager hält sich selten an Absprachen, hat null Bock auf Mitmachen und die Stimmungen ändern sich schneller als das Wetter im April. Und du hast keinen Bock, morgens in so eine Fresse zu gucken oder dir ständig solche Kommentare anzuhören.

Und vielleicht fragst du dich: Was ist bloß mit meinem Kind los? Warum rastet es gefühlt wegen jeder Kleinigkeit aus? Warum reichen manchmal eine Erinnerung an die Hausaufgaben oder die Frage, wie’s in der Schule war, damit die Situation durch die Decke geht?

Und genau das schauen wir uns in diesem Artikel an. Zusätzlich gebe ich dir konkrete Strategien an die Hand, was du tun kannst, wenn dein Zeiger mal wieder in den hochroten Bereich steigt.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Teenager rasten keineswegs grundlos aus. Hinter Wutausbrüchen und anderen heftigen Gefühlen stecken immer unerfüllte Bedürfnisse.

Stimmungsschwankungen gehören zur Pubertät dazu. Denn das Gehirn, der ganze Körper und die Seele deines Kindes sind im Komplettumbau.

Dein Kind handelt nie gegen dich, sondern immer für sich. Auch Aussagen, die du als verletzend empfindest, sind der Versuch deines Teenagers, sich um sich zu kümmern.

Je heftiger das Verhalten deines Teenagerkindes ist, umso größer ist seine Hilflosigkeit. Und vor allem neurodivergente Kinder brauchen ganz viel Sicherheit, Schutz, Orientierung (und noch einiges mehr).

Gefühle dürfen da sein. Alle. Wut, Traurigkeit, Überforderung bekommen den Raum, den sie brauchen.

Dein Teenager ist kein Erwachsener. Auch wenn dein Kind körperlich groß wirkt, befindet es sich noch mitten in seiner Entwicklung.

Die Veränderung beginnt bei dir. Wenn du die Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes erkennen lernst, entstehen mehr Verbindung, Kooperation und Leichtigkeit in deinem Familienalltag.

Hinter jedem Ausrasten deines Teenager steckt mindestens ein unerfülltes Bedürfnis

Es gibt diesen Spruch … Mir ist gerade entfallen, von wem der ist, bloß ich find viel Wahres drin: Bei Kindern in der Pubertät sind einige Bereiche im Gehirn wegen Renovierung geschlossen. Das ist wie in Berlin mit den Baustellen: Da ist heute unklar, wo morgen die Baustelle ist und wie lange sie da ist … Und dann ist sie auf einmal weg und bald ganz wo anders ne neue.

Und da darfst du dir einfach bewusst machen, dass dein Teenager-Kind in einer krassen Entwicklungsphase ist, in der im Gehirn, im Körper und in der Seele gerade total viel umprogrammiert wird. Dein Kind hat jede Menge zu tun. Es ist in der dritten und damit letzten Autonomiephase, also im Finale seiner Entwicklung.

Hinzu kommt noch, dass dein Kind in der dritten Autonomiephase (diesen Begriff verwende ich lieber statt „Pubertät“) selber Erfahrungen sammeln will. Und wenn es Erfahrungen sammeln will, kann es unmöglich immer gleich alles „richtig“ machen. (Mal abgesehen davon, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt.)

Und da ist es wenig überraschend, wenn du Momente hast, in denen du denkst: „Och Manno. Das ging doch jetzt die ganze Zeit gut mit unserer Eltern-Kind-Beziehung. Und plötzlich kracht es ständig und wir haben gefühlt einen Konflikt nach dem anderen.“ Und du manchmal den Eindruck hast, dass dein Teenager wegen „Kleinigkeiten“ ausrastet oder die Stimmungsschwankungen „aus dem Nichts“ kommen.

Ich bin mir sicher:

Stimmungsschwankungen und Wutausbrüche kommen niemals „aus dem Nichts“. Sondern sie haben mit einem Bedürfnisdefizit zu tun. Und je „dramatischer“ das Verhalten deines Teenagerkindes ist, desto hilfloser fühlt es sich. Das gilt ganz besonders für neurodivergente Kinder und Jugendliche, die ein besonders großes Bedürfnis nach Elterlicher Führung haben und noch viel mehr Orientierung und ausgefeiltere Strategien brauchen.

Das heißt:

Du darfst dich intensiv mit der Bedürfniswelt von Teenagern beschäftigen. Du darfst aus der Verurteilung raus- und in deine liebevolle Elterliche Führung reinkommen. Der Prozess zu mehr Leichtigkeit im Leben mit deinem Teenagerkind beginnt bei dir und ich werde dir in diesem Artikel eine ganze Reihe von Impulsen dazu geben

Was sich verändert, wenn du den Blick auf dein Teenagerkind veränderst

Komm raus aus der Be- und Verurteilung und beobachte stattdessen dein Kind

Manchmal denkst du dir vielleicht, dass dein Teenager sich wie eine „Zicke“ oder wie ein „Muffel“ verhält. Weil dein Kind sich selten an Absprachen hält, du dich von ihm beleidigt fühlst oder es „ständig nur am Diskutieren ist“.

Und genau da fangen wir an: bei deiner Elterlichen Haltung. Denn diese Art von Gedanken sind eine Bewertung. In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg wollen wir jedoch weg von Bewertungen und Verurteilungen und hin zur objektiven Betrachtung.

Dein Teenagerkind ist keineswegs dazu da, um dir das Leben zur Hölle zu machen. Es ist weder böse oder trotzig, noch tanzt es dir auf der Nase herum. Sondern es versucht, sich mit seinem Verhalten um sich zu kümmern, und du darfst erkennen, welche Bedürfnisse sich dein Teenagerkind mit seinem Verhalten erfüllen will.

Das heißt vor allem: Du beobachtest dein Kind mal ganz ohne jede Bewertung: Was genau macht dein Kind? Was sagt dein Kind? Benutze gerne die wörtliche Rede, um zu wiederholen, was dein Kind gesagt hat.

Allein dieser neue Blick auf dein Teenagerkind wird in eurem System etwas verändern. Dein Kind wird wahrnehmen, dass du anders auf es schaust. Statt dein Kind zu verurteilen oder rumzumeckern, wie es sich verhält, guckst du es an und denkst dir: „Hey, ich sehe dich.“ Und dann bist du bereit, Empathie zu schenken.

 

Denke daran, dass dein Kind dir mit seinem Verhalten etwas über sich erzählt

Ich nehme mal an, dass du dein Teenagerkind verstehen möchtest. Weil du Leichtigkeit, Kooperation und Gemeinschaft brauchst. Und das geht nun mal kaum über Verurteilung, sondern über die genaue Beobachtung deines Kindes.

Und da hilft es dir, wenn du dir immer wieder vor Augen führst, dass dein Kind sich mit seinem Verhalten mindestens ein unerfülltes Bedürfnis zu erfüllen versucht. Dein Kind macht nichts gegen dich, sondern immer etwas für sich. Es kann sein, dass dein Kind dafür Strategien wählt, die wenig dazu geeignet sind, zum Ziel zu führen. Doch statt dein Teenagerkind dafür zu verurteilen, darfst du ihm dabei helfen, gemeinwohlverträgliche Strategien zu finden, mit denen es sich seine Bedürfnisse erfüllen kann. Du bist präsent am Start und hilfst deinem Kind, die Bedürfnisse hinter seinem Verhalten zu verstehen – voller bedingungsloser Liebe und voll in deiner Elterlichen Führung.

Nehmen wir mal an, dein Kind verhält sich dir gegenüber so, dass du sein Verhalten als beleidigend empfindest. Dann darfst du deinem Kind voller Elterlicher Achtung gegenübertreten und denken (oder sagen): „Ey, ich sehe dich, und ich nehme dich genau so an, wie du bist. Ich sehe, dass du klug bist. Deine Meinung zählt. Und ich weiß, dass du in jedem Moment dein Bestmögliches gibst.“

Hinter der Aussage „Du hast mir gar nichts mehr zu sagen“ könnte beispielsweise das Bedürfnis nach Autonomie stecken, und dann könntest du deinem Teenagerkind sagen: „Du willst halt deine eigenen Erfahrungen sammeln. Und du möchtest, dass ich dich wahrnehme … dass ich checke, dass du klug bist?!“

Und dann stell dir nur mal vor, wie dein Teenagerkind dann auf dich reagiert! Im ersten Moment, wenn ihr bisher keine bedingungslose Liebe gelebt hat, denkt dein Kind wahrscheinlich sowas wie: „Wow, was ist denn hier los? Hat Mama/Papa eine Pille genommen, oder was? Endlich fängt er/sie an, mich zu verstehen!“

Und damit sind die Türen geöffnet für ein ganz neues Miteinander: auf Augenhöhe und in Verbindung.

Noch mehr Impulse und Strategien für mehr Verständnis und Verbindung, wenn dein Kind Ich hasse dich!“, „Mir doch egal!“ oder „Nein!“ sagt findest du übrigens in meinem Vlog!

Verabschiede dich davon, die Gefühle deines Teenagers als „Stimmungsschwankungen“ zu bewerten

In der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation dürfen alle Gefühle da sein. Ja: alle. Wirklich alle. Auch alle Gefühle deines Teenagerkindes – so, wie sie gerade kommen. Und sie dürfen Raum bekommen.

Wenn du bisher gedacht hast: „Mein Kind hat mal wieder Stimmungsschwankungen“, dann sieh in Zukunft voller Achtung und mit der Haltung bedingungsloser Liebe darauf und komm hin zu so was wie: „Bei meinem Kind sind Gefühle am Start, die deutlich zum Ausdruck kommen wollen.“ Und diese Gefühle brauchen Raum und dein Kind braucht Empathie.

Dann kannst du zum Beispiel zu deinem Kind sagen:

„Ey, kann es sein, dass du gerade total überfordert bist?!“

Oder: „Du bist gerade total müde und dir ist irgendwie alles zu viel, oder?!“ Und du wirst sehen: Auf einmal öffnet sich da ein Raum. Ein Raum für dein Teenagerkind und dich.

Verabschiede dich auch von der Erwartung, dass dein Teenagerkind immer sofort weiß, was hinter seinem Verhalten steckt: warum welche Gefühle ausgelöst werden und welches unerfüllte Bedürfnis dahintersteckt. Denn mal ehrlich: Das kriegen die wenigsten Erwachsenen sofort hin.


Verzichte darauf, deinen Teenager mit einer erwachsenen Person zu vergleichen

Wenn dein Kleinkind einen Wutausbruch hat, fällt es dir wahrscheinlich leichter zu sagen: „Mein Kind ja erst drei. Das ist halt so.“

Dein Teenager dagegen ist körperlich womöglich schon genauso groß wie du oder größer. Und da neigen Eltern dazu, Kinder in der Pubertät mit Erwachsenen zu vergleichen: „Der ist ja schon 14. Das müsste er jetzt echt mal langsam selber auf die Kette kriegen.“ Nur: Dein Teenager ist halt mit sich selber beschäftigt und bestimmte Bereiche des Gehirns sind aktuell wegen Umbau und Renovierung geschlossen. Deswegen verhält sich dein Kind so, wie es sich eben verhält. Und das ist gegebenenfalls ein anderes Verhalten als das eines Erwachsenen.

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Verzichte (weiterhin) auf Belohnung und Bestrafung

In meinem Buch „Mein Kind macht, was es will“ habe ich ausgiebig darüber geschrieben, warum es unmöglich ist, bedingungslose Liebe zu leben, ohne auf Belohnung und Bestrafung (Manipulation, Ablenkung und Drohungen gehören dazu) zu verzichten. Und weil mir das Thema unfassbar wichtig ist, findest du in meinem Podcast auch eine Folge zu B – wie Belohnung und Bestrafung und in meinem Herzenslexikon einen Artikel dazu, wie du dein Kind in einer Erziehung ohne Belohnung begleitest und es gleichzeitig zur Kooperation motivierst.

Das ist erst mal ungewohnt. Denn wahrscheinlich hattest du in deiner Teenagerzeit zu funktionieren und bestimmte Verhaltensweisen wurden auf die ein oder andere Art bestraft. Und jetzt kommt dein Teenagerkind um die Ecke und verhält sich auf eine Weise, die dir nie erlaubt war. Wow, das kann ganz schön triggern! Und in solchen Situationen neigen wir dazu, zu alten Mustern zu greifen – dann auf einmal doch zu belohnen und zu bestrafen … damit es „funktioniert“. Doch bei Teenagern ist es eigentlich noch krasser als bei kleineren Kindern … denn weder Bestrafung noch Belohnung erfüllen die Bedürfnisse nach Achtung, Wertschätzung, Individualität, Freiheit, Integrität, Respekt oder Menschlichkeit, die in der dritten Autonomiephase so wahnsinnig wichtig sind.

Und dann wird dein Teenager auf die eine oder andere Art rebellieren. Er wird dir gegebenenfalls auf dem Tisch rumtanzen, weil er auf eine Art behandelt wird, wie er ungern behandelt werden will. (Ich feiere übrigens jeden Teenager, der dann sagt: „Stopp. So nicht!“)

Das heißt:

Wenn du diese Neigung, alte Muster wie Belohnung und Bestrafung auszugraben, bei dir spürst, dann darfst du hingucken: Was löst das Verhalten deines Teenagers bei dir aus? Und gegebenenfalls darfst du auf dein Inneres Kind und deinen Inneren Teenager schauen und Bedürfnisse nachbeeltern, die damals unerfüllt geblieben sind. Dazu schreibe ich dir gleich noch mehr auf.

Lass los

Deine neue Elternrolle als Mama oder Papa eines Teenagerkindes bedeutet, dass du loslassen darfst. Du darfst die Kindheit deines Kindes verabschieden, die Teenagerzeit begrüßen und Räume schaffen, in denen dein Teenagerkind Erfahrungen sammeln darf.

Sei auch barmherzig mit dir selbst. Das ist ein Prozess und auch ich habe mit manchen Dingen während der Begleitung meines Teenagers Herausforderungen gehabt. Es ist keineswegs das Ziel, dass du keine Herausforderungen mehr mit deinem Teenager hast oder dass ihr keine Konflikte mehr habt. Die Frage ist: Wie durchlebt ihr das – in Verbindung oder im Machtkampf? Also ich bin dann doch für die Verbindung.

 

Wie du trotz Wutausbrüchen in Verbindung bleibst

Erst mal: Wutausbrüche dürfen sein. Sowohl bei dir als auch bei deinem Teenager. Die Wut darf auf beiden Seiten fließen und es geht keineswegs ums krampfhafte Ruhigbleiben – denn es sind nun mal starke Gefühle da und die brauchen Raum.

Verabschiede dich vom Perfektionsdenken

Wenn dein Zeiger in den roten Bereich geht, willst du oft einfach nur laut werden oder dir die Decke über den Kopf ziehen. Und im selben Moment verurteilst du dich dafür.

Mach Schluss mit dem Druck, deine Elternrolle jederzeit perfekt und dauerentspannt ausfüllen zu wollen. Und mach dir klar: Deine Wut bringt eine unheimlich wertvolle Energie mit. Sie zeigt dir in aller Deutlichkeit, wo deine Grenzen überschritten sind und welche Bedürfnisse bei dir gerade zu kurz kommen. Das Ziel ist keinesfalls, dieses Gefühl wegzudrücken, sondern zu lernen, die Wut fließen zu lassen, ohne die Verbindung zu deinem Kind zu verlieren.

Zeige deinem Kind Grenzen

Natürlich kann das Verhalten deines Kindes auch ein Abfragen nach Grenzen sein: Wo sind deine Grenzen? Wo sind die Grenzen deines Teenagers? Also dein Kind hat ein Bedürfnis nach Grenzen. Und dafür brauche ich deine Elterliche Führung: dass du deinem Kind dabei hilfst, dass sich das Bedürfnis nach Grenzen erfüllt.

Damit meine ich keineswegs so was wie: „So redest du aber nicht mit mir!“ oder „Diese Wörter benutzen wir hier nicht!“ Sondern mehr in Richtung: „Stopp! So, wie du gerade mit mir redest, ist das für mich uncool. Ich helfe dir zu checken, was du brauchst und wir finden eine Lösung.“ Das ist für mich liebevolle Führung: dass du auf eine Verurteilung deines Kindes verzichtest, sondern stattdessen versuchst herauszufinden, was es dir eigentlich gerade sagen will. Und dass du ihm hilfst, sich so zu verhalten, dass es für alle cool ist.

Sei für dein Teenagerkind da und finde mit ihm seine unerfüllten Bedürfnisse

Und genauso darf dein Teenagerkind lernen, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen. Nur: Du lässt es keineswegs allein damit. Sondern du bist da und hilfst ihm, das zu schaffen. Dafür schaut ihr auf die Gefühle deines Kindes und versucht zu verstehen, was die unerfüllten Bedürfnisse dahinter sind.

Und da brauche ich dich in deiner Präsenz und dass du mit der Haltung bedingungsloser Liebe auf dein Kind guckst und ihm Empathie schenkst und den Raum öffnest für alles, was da ist. Und wenn sich dein Kind so verurteilungsfrei angenommen fühlen darf, dann wird es irgendwann dazu in der Lage sein, sich anders zu verhalten. Dann wird es lernen, dass es zu dir kommen und sagen darf: „Ey, ich komme gerade schlecht klar. Irgendwas ist los. Mir ist nur unklar, was. Ich brauche deine Hilfe.“


Hilf deinem Kind beim Nachbeeltern der unerfüllten Bedürfnisse früherer Entwicklungsphasen


Nach meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® verläuft die Entwicklung von Kindern in drei Autonomiephasen. Jede dieser Autonomiephasen hat ihre Besonderheiten, wenn es darum geht, welche Bedürfnisse im Vordergrund stehen.

Und das baut alles aufeinander auf. Das heißt: Wenn du in der dritten Autonomiephase deines Kindes angefangen hast, es im Sinne der LilaLiebe® zu begleiten, kann es sein, dass seine wichtigen Bedürfnisse aus dieser Autonomiephase wie beispielsweise Achtung, Autonomie, Respekt, Individualität oder Freiheit weitgehend unerfüllt bleiben, weil das Fundament wackelig ist – weil eben einige der in den ersten beiden Autonomiephasen wichtigen Bedürfnisse unerfüllt geblieben sind wie beispielsweise Orientierung, Geborgenheit, Führung (und damit das komplette Oberbedürfnis Sicherheit) oder Empathie, Gemeinschaft, Liebe, Verstehen und verstanden werden (und damit das komplette Oberbedürfnis Zugehörigkeit).

Das kannst du bedauern. Gleichzeitig bleiben wir keineswegs beim Bedauern stehen. Denn das Grenzgeniale ist, dass du die Bedürfnisse aus den früheren Autonomiephasen nachbeeltern kannst. Das heißt: Du kümmerst dich im Hier und Jetzt darum, dass sich bei deinem Kind die Bedürfnisse erfüllen, die damals unerfüllt geblieben sind.

Wenn dein 14-jähriges Kind beispielsweise einen Wutausbruch hat, siehst du in deinem Kind den Anteil des dreijährigen Kindes, das mit seinem Wutausbruch ganz laut „Hilfe“ schreit und vermutlich nach Sicherheit. Und dann handelst du, als ob dein Kind drei Jahre alt wäre, schenkst ihm Empathie und Sicherheit, und sprichst gleichzeitig mit deinem Kind, wie du eben mit einem 14-Jährigen sprichst. Denn du begegnest deinem Kind ja auf Augenhöhe.

Ähnliches gilt übrigens, wenn sich im Leben deines Kindes größere Veränderungen ergeben wie etwa die Trennung der Eltern, ein Umzug, ein Schulwechsel. Dann kommt das Fundament ins Wackeln und dein Kind rutscht mit seiner Bedürftigkeit in die erste und/oder zweite Autonomiephase mit den jeweiligen Bedürfnissen zurück. Das heißt: Auch dann dürfen sich Sicherheit und Zugehörigkeit noch mal verstärkt erfüllen.

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E-Book für 0€

Du findest es herausfordernd, die unerfüllten Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Teenagerkindes zu verstehen? Dann lege ich dir meinen Bedürfnisübersetzer ans Herz. Dieses E-Book habe ich für Eltern jüngerer Kinder geschrieben, doch sicher kannst du auch für die Begleitung deines Teenagerkindes vieles von den Impulsen für dich mitnehmen. Und das Beste: Den Bedürfnisübersetzer schenke ich dir für ganz genau 0 €.

0 Euro - Du bekommst ein dreiteiliges PDF mit 29 Seiten per E-Mail!

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Wenn du kurz vorm Explodieren bist - drei Strategien, wenn dein Teenager dich an deine Grenzen bringt

Schrei – und zwar den Giraffenschrei

Ey ganz ehrlich – auch bei mir geht manchmal der Zeiger in den roten Bereich und ich bin bis Obenhin voll mit starken Gefühlen. Fast nie mit meinen Kindern – eher so im Außen. Und dann schreie ich manchmal. „Ernsthaft, Kathy, du schreist?“, denkst du dir vielleicht. Und ich sage ganz deutlich „Ja“ zum Schreien, weil sich das mit Gewaltfreier Kommunikation nullkommanull beißt. Denn es dürfen nun mal alle Gefühle da sein. Und manchmal sind das eben starke, unangenehme Gefühle wie Wut, Zorn, Ärger, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Überforderung.

Es geht nur darum, wie du schreist, wenn du deinen Gefühlen Luft machst. Verzichte auf Schuldzuweisungen und Verurteilungen deines Gegenübers. Bleib stattdessen bei dir, bleib beim „Ich“. Wie das alles genau geht und warum deine Haltung dabei so unfassbar wichtig ist, erkläre ich dir in einem eigenen Artikel speziell zum Giraffenschrei.

Geh aus der Situation raus

Wenn das Verhalten deines Kindes dich total triggert, hast du im Zusammenleben mit einem Teenager in der dritten Autonomiephase einen unfassbaren Vorteil gegenüber der Begleitung eines Kleinkindes: Du kannst erst mal aus der Situation rausgehen und dich um dich kümmern. Und wenn sich dein Nervensystem beruhigt hat, kommst du darauf zurück und ihr besprecht das in Ruhe. Ich schätze das so unglaublich, dass ich mit einem Sechzehnjährigen ganz anders reden kann als mit einem Dreijährigen!

Kümmere dich um dein Inneres Kind

Wie ich eingangs schon erwähnt habe, hat es verdammt viel mit deiner eigenen Kindheit zu tun, wenn dich das Verhalten deines Teenagers regelmäßig so richtig auf die Palme bringt. Weil du dich in deiner eigenen Kindheit und Jugend nie so verhalten durftest, wie sich dein Teenager verhält. Weil es gefährlich für dich war: mit Liebesentzug oder sonstiger Bestrafung verbunden. Aufgrund dieser alten Erfahrungen geht dein Nervensystem dann in den Alarmzustand.

Wenn du das also immer wieder bei dir beobachtest und dann vielleicht auch Sachen sagst oder machst, die du hinterher bedauerst, darfst du dich um dein Inneres Kind kümmern und es nachbeeltern. Das heißt: Du kümmerst dich im Hier und Jetzt um Bedürfnisse, die in deiner Kindheit und Jugend unerfüllt geblieben sind. Das ist definitiv ein längerer (ich würde sagen: lebenslanger) Prozess. Doch Schritt für Schritt werden die Situationen mit deinem Teenagerkind leichter für dich, wenn du deinem Inneren Kind Stück für Stück Heilung schenkst.

Fazit

Wenn dein Teenager gefühlt wegen Kleinigkeiten ausrastet, ist es keineswegs das Ziel, dieses Verhalten möglichst schnell abzustellen. Es geht darum, dass du verstehst, was dahintersteckt.

Denn kein Kind braucht in dieser intensiven Entwicklungsphase mehr Druck, Kontrolle, Bewertung. Was dein Teenagerkind braucht, ist ein:e Erwachsene:r, der/die bereit ist, wirklich hinzuschauen.

Und je mehr du lernst, die Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes zu erkennen, desto leichter wird es dir fallen, aus Machtkämpfen auszusteigen und dein Kind beim großen Finale seiner Entwicklung in Verbindung zu begleiten. Das heißt: Die Veränderung beginnt bei dir. Du darfst in deine Bereitschaft kommen, mitzumachen, und in deine Bereitschaft, Führung zu übernehmen. Und dann klappt’s auch mit deinem Teenager.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Mein Teenager beleidigt mich massiv – wie reagiere ich richtig? 

„Mein Teenagerkind beleidigt mich“ – das ist dein Eindruck. Deine Wahrheit. Das ist deine Interpretation der Äußerungen deines Kindes. Ändere den Blickwinkel auf das, was dein Kind sagt, und finde die Bedürfnisse, um die dein Kind sich damit zu kümmern versuchst. Je krasser die Wörter sind, die dein Kind benutzt, desto dringender braucht es deine Unterstützung.

Mein Teenager wird auch respektlos. Muss ich mir das gefallen lassen? 


Ähnlich ist es, wenn du denkst: „Mein Kind ist respektlos und frech.“ Auch das ist eine Interpretation deinerseits. Und da ist es total spannend, dass du mal hinterfragst: Was hast du über Respekt gelernt? Wie hattest du dich zu verhalten, damit du als respektvoll wahrgenommen wurdest? Vielleicht so was wie: „Ich verhalte mich richtig. Ich bin brav. Ich mache alles so, wie andere es wollen.“
Für mich ist Respekt was völlig anderes und ich übersetzt das mit „Ich behandle andere so, wie ich auch behandelt werden möchte – ohne wiederum von diesen Menschen zu erwarten, dass sie das genauso tun.“
Und so wird ein Schuh draus.

Teenager wird sogar handgreiflich gegenüber den Eltern oder Geschwistern. Was sollte ich tun? 

Wenn dein Kind sich körperlich gewalttätig verhält, machst du dir wahrscheinlich viele Sorgen: erst mal in der konkreten Situation darum, dass alles und alle heile bleiben, und dann auch, ob dein Kind gesellschaftsfähig ist, wenn es sich weiter so verhält.
Also, was ist da los mit der emotionalen Gesundheit deines Teenagerkindes und was kannst du tun? Ich würde annehmen, dass es deine Elterliche Führung ist, die hier weitgehend unerfüllt bleibt. Und dass dein Teenager Hilfe braucht. Wie du sie ihm schenken kannst, erkläre ich dir ausführlich in meinem Buch „Ich mach‘, was ich will“, meinen Ratgeber für alle Eltern, die ihr Teenagerkind bedürfnisorientiert begleiten wollen.

 

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Du willst dein Kind in der Pubertät verstehen, aus Machtkämpfen und endlosen Diskussionen rauskommen? Dann leg ich dir meinen Teenie-Dolmetscher ans Herz. Mit diesem dreiteiligen E-Book erfährst du, wie du Teenagerkonflikte in Verbindung lösen kannst und einen neuen Blick auf deinen Teenager entwickelst.

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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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