Geborgenheit brauchen Kinder in jeder Lebensphase. (Und wir Erwachsenen übrigens auch.) Am meisten fühlt sich dein Kind geborgen, wenn du physisch und emotional präsent bist.
Nur kannst du das wohl kaum immer und für jede einzelne Minute umsetzen. Da gibt es oft die Arbeit oder auch andere Situationen, die dazu führen, dass du mal abwesend bist.
Und dann ist die spannende Frage: Wie kannst du deinem Kind Geborgenheit schenken, wenn du als Mama oder Papa abwesend bist? Darum geht’s in diesem Artikel und du darfst dich auf ganz viele konkrete Vorschläge für Strategien freuen!
Die drei wichtigsten Infos zusammengefasst:
Du kannst deinem Kind Geborgenheit schenken, auch wenn du abwesend bist.
Wenn du dein Fortgehen transparent ankündigst und vorab den Bedürfnistank deines
Wenn du dein Fortgehen transparent ankündigst und vorab den Bedürfnistank deines Kindes auffüllst, fühlt es sich sicher und kann mit deiner Abwesenheit klarkommen.
Vertraute Gegenstände schenken deinem Kind Mama-/Papa-Nähe für die Zeit deines Wegseins.
Warum sich Kinder oft unsicher oder allein fühlen, wenn Eltern gehen
Für dein Kind ist das ein krasses Ding, wenn es räumlich von dir getrennt ist. Das gilt umso mehr, je kleiner dein Kind ist. Denn du bist der sichere Hafen deines Kindes – und wenn du weg bist, fühlt es sich gegebenenfalls unsicher und allein. Vor allem kleine Kinder haben noch kein Zeitgefühl. Für sie fühlt sich eine Stunde einfach nach „gaaaaanz lang“ an.
Und das ist okay so und wir dürfen uns überlegen, wie wir die Situation für das Kind so gestalten, dass es lernt, damit klarzukommen.
In meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® ordne ich das Bedürfnis „Geborgenheit“ dem Oberbedürfnis nach Sicherheit zu. Das heißt: Um sich sicher fühlen zu können, braucht dein Kind unter anderem das Unterbedürfnis nach Geborgenheit erfüllt. Erst wenn es sicheren, festen Boden unter den Füßen fühlt, kann dein Kind mitmachen. Und das bedeutet in einer Situation, in der du abwesend bist, dass dein Kind nur dann die Bereitschaft haben kann, die Situation gemeistert zu kriegen, wenn es sich sicher und eben auch geborgen fühlt.
Und je öfter dein Kind erlebt, dass es zwischendurch auch mal ohne dich klarkommt und dass du nach einer Phase der räumlichen Trennung ganz sicher und zuverlässig wieder zu ihm zurückkommst – umso mehr entwickeln sich bei deinem Kind Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und Selbstwert. Und umso mehr bekommt ihr Ängste deines Kindes in den Griff.
Bedeutet Geborgenheit fürs Kind immer körperliche Anwesenheit oder Kuscheln?
Ich übersetze „Geborgenheit“ in Kindersprache mit „Mama-Nähe“ bzw. „Papa-Nähe“. Wenn du da bist, kannst du deinem Kind körperliche Nähe und Berührung schenken, wann immer es das braucht. Und dann fühlt es sich automatisch geborgen. Das heißt: Es gibt Strategien, die sowohl das Bedürfnis nach Geborgenheit als auch das Bedürfnis nach Berührung erfüllen. Geborgenheit und Berührung sind ganz eng verwandt, doch es gibt auch Unterschiede zwischen den Bedürfnissen.
Wenn du weg bist, braucht dein Kind ebenfalls Geborgenheit. Die kannst du ihm schenken, auch ohne körperlich anwesend zu sein – also auch ohne Berührung, ohne es in den Arm zu nehmen, ohne zu kuscheln. Es gibt ganz viele Strategien, mit denen du deinem Kind Mama-Nähe beziehungsweise Papa-Nähe schenken kannst, wenn du unterwegs bist. Meine Lieblingsstrategien, die ich auch in meiner Familie einsetze, stelle ich dir gleich vor.
E-Book Bedürfnisübersetzer
Was braucht dein Kind? Welche Bedürfnisse stecken hinter seinem Verhalten? Und wie kannst du dein Kind dabei unterstützen, dass seine Bedürfnisse weitgehend erfüllt sind? Dazu habe ich meinen Bedürfnisübersetzer geschrieben. Darin bekommst du jede Menge Formulierungshilfen in Kindersprache, damit du dein Kind auch in stressigen Situationen schnell verstehst – für mehr Verstehen und Leichtigkeit in deinem Familienalltag.

Wie gibst du deinem Kind Geborgenheit auch in Abwesenheit? 7 Strategien für deinen Familienalltag
Kommuniziere klar und transparent
Du hast geplant, für ein oder zwei Tage abwesend zu sein. Oder vielleicht geht’s drum, dass dein Kind bei Oma und Opa übernachtet und du dort räumlich abwesend sein wirst.
Der erste Schritt ist mal, dass du das deinem Kind ankündigst. Damit es Bescheid weiß, Orientierung hat. Du kennst dein Kind am besten und wählst bewusst den Zeitpunkt, wann du deinem Kind diese Info gibst. Bei einem dreijährigen Kind machst du das in einem eher kurzen Zeitabschnitt, zwei Tage vorher vielleicht. Denn dein Kind kann lange Zeiträume kaum überblicken. Bei größeren Kindern kannst du eine längere Zeit im Voraus Bescheid geben, dass du demnächst abwesend sein wirst – und wie lange.
Geh in deine Elterliche Führung
Die Ankündigung, dass du bald weg sein wirst, sorgt bei deinem Kind vielleicht für Unsicherheit – je nach Entwicklungsstand und je nach Persönlichkeit deines Kindes. Und da braucht dein Kind dich. Es braucht Sicherheit von dir. Und Empathie. Geh da gern in die Einfühlung und sag so was wie: „Ich bin ab übermorgen für zwei Tage weg. Da brauchst du ganz viel Mama-/Papa-Nähe und darum werde ich mich kümmern.“
Genau. Und das machst du dann natürlich. Hier kommen meine Vorschläge für konkrete Mama-/Papa-Nähe-Strategien!
Packt einen Mama-/Papa-Korb
Also bei uns ist es ein Korb. Mal ist es ein kleiner geflochtener Korb und manchmal haben wir auch schon einen ganzen Wäschekorb voll gepackt. Du kannst auch eine Kiste oder eine Tüte packen, das ist egal. Such gemeinsam mit deinem Kind was Passendes. Groß genug sollte es sein. Wichtiger als das Gefäß ist jedenfalls das, was drin ist!
Und zwar packe ich in den Mama-Korb, wenn ich demnächst abwesend bin, alles rein, was für Mama-Nähe sorgt, während ich unterwegs bin. Hier ein paar Beispiele, was wir schon in den Mama-Korb gepackt haben:
- Ein von mir getragenes T-Shirt oder ein getragener Schlafanzug
- Ein Kussglas, das wir gemeinsam gebastelt haben. Es hat einen Deckel und bevor ich gehe, schmatze ich da ganz viele Küsse rein. Dann mach ich schnell den Deckel drauf, damit die Küsse drinbleiben. Mein Kind kann sich dann einen Kuss rausholen, wann immer es einen braucht.
- Dinge, die wir gemeinsam machen, wenn ich da bin. Zum Beispiel ziehen wir morgens immer gemeinsam eine Karte aus meinem Herzkartenset. Bevor ich abwesend bin, stecke ich das Herzkartenset in den Mama-Korb, damit mein Kind das gewohnte Ritual machen kann.
- Kuscheltiere, die ich vorher ganz feste mit Mama-Nähe auflade.
- Ein gemeinsamer Duft, beispielsweise ein Tuch, das ich mit meinem Lieblingsparfum besprüht habe.
Das sind so unsere Sachen für den Mama-Korb. Werde da gern kreativ und frage dich: Was bedeutet Mama-Nähe für dein Kind? Und dann: Welcher Gegenstand steht am meisten für Mama-Nähe für die Zeit, in der du abwesend bist?
Falls dein Kind dich tagsüber in der Kita oder Schule vermisst, kannst du das entsprechend abwandeln. Da ist es dann halt wohl kein kompletter Korb, sondern eher ein einzelner Gegenstand, der deinem Kind Geborgenheit schenkt, während es in der großen, weiten Welt unterwegs ist.
Erkläre der zuständigen Betreuungsperson, was es mit dem Korb auf sich hat
Ganz gleich, wer für dein Kind in deiner Abwesenheit zuständig ist – ob der andere Elternteil, die Großeltern, ein:e Erzieher:in oder ein:e Babysitter:in: Sag dieser Person, was es mit dem Mama-Korb auf sich hat. Damit sie weiß: Wenn dein Kind dich vermisst, begleitet der/die Betreuende dein Kind zum Mama-Korb und die beiden nehmen sich was raus, was ganz doll mit Mama-Nähe aufgeladen ist. Okay, es kann natürlich sein, dass du hier Konflikte zwischen Eltern und Großeltern zu meistern hast, weil deine Eltern oder Schwiegereltern andere Vorstellungen von der Begleitung deines Kindes haben. Doch es ist ja dein Kind und du sorgst aus deiner Elterlichen Verantwortung heraus dafür, dass es alles hat, was es braucht, während du weg bist.
Vereinbart feste Verbindungszeiten
Für die Zeit deiner Abwesenheit hilft es deinem Kind, wenn ihr vorab vereinbart, wann ihr euch meldet. Du kannst zum Beispiel sagen: „Ich rufe dich morgen nach dem Abendessen an“ oder „Ich schicke dir gleich morgen Früh eine Sprachnachricht, damit du mit Mama-/Papa-Nähe in den Tag starten kannst“.
Diese Verabredung gibt deinem Kind Orientierung und Sicherheit. Es weiß: „Mama/Papa denkt an mich. Wir haben unsere gemeinsame Zeit, auch wenn er/sie abwesend ist.“
Tanke dein Kind mit Mama-Papa-Nähe voll
Bevor du gehst, tankst du dein Kind noch mal so richtig mit Mama-/Papa-Nähe voll. Ich mach das so, dass ich mein Kind noch mal feste in den Arm nehme und es ganz viel und ganz bewusst anfasse. Und dann sage ich: „Ich tanke dich jetzt voll mit Mama-Nähe! Oben und unten und in der Mitte und überall. Hier ist dein Vorrat an Mama-Nähe für die Zeit, in der ich weg bin.“
Tragt die gleiche Kleidung
Wenn ihr habt, könnt ihr an den Tagen deiner Abwesenheit den gleichen Pulli tragen. Mit meiner Tochter mache ich das manchmal so, dass wir beide einen Pulli aus meinem Shop tragen, den es sowohl in Kinder- als auch in Erwachsenengröße gibt. Das schenkt meiner Tochter Geborgenheit.
Es darf gerne auch was anderes sein als genau der gleiche Pulli in unterschiedlichen Größen. Ihr könnt beispielsweise vereinbaren, dass ihr an diesem einen Tag beide einen Pulli in Blau, Lila, Gelb oder sonst was tragt. Das verbindet euch, auch wenn ihr räumlich getrennt seid.
Und wenn es doch schwierig wird? Tränen dürfen sein!
Bei all den tollen Strategien und trotz optimaler Vorbereitung kann es natürlich sein, dass dein Kind dich trotzdem richtig dolle vermisst. Beispielsweise am Abend, wenn es Schlafenszeit ist und dein Kind nicht allein einschlafen kann. Und weißt du was? Das darf es auch. Es darf traurig sein. Diese ganzen Gefühle dürfen ja immer da sein und Raum bekommen. Und die zuständige Betreuungsperson darf diese Gefühle begleiten. Das ist kein Drama und dein Kind wird in solchen Situationen lernen, dass es sich zwar blöd anfühlt – dass es das gleichzeitig schaffen kann. Und das nährt dann die Frustrationstoleranz, die Resilienz und das Selbstwertgefühl.
Fazit
Du kannst deinem Kind auch Geborgenheit schenken, wenn du räumlich abwesend bist. Für dein Kind ist es wichtig zu wissen:
- Mama/Papa denkt an mich.
- Mama/Papa kümmert sich um mich.
- Mama/Papa kommt wieder.
Und wenn dein Kind das weiß, fühlt es sich sicher. Und dann schafft es auch Zeiträume der Trennung zu bewältigen.
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