Die Kita-Erzieher:innen schwärmen davon, wie dein Kind in der Kita mitmacht, wie sozialverträglich und hilfsbereit es sich verhält – doch sobald ihr zu Hause ankommt, rastet dein Kind gefühlt völlig aus?
Und du fragst dich: Warum benimmt sich mein Kind in der Kita so anders als daheim? Habe ich was „falsch“ gemacht? Die Antwort wird dich vielleicht überraschen: Das Gegenteil ist der Fall.
Warum dein Kind sich in der Kita anders verhält, was das für deine Elternschaft bedeutet und wie du mit herausfordernden Situationen nach der Kita umgehst – das schauen wir uns in diesem Artikel an.
Die drei wichtigsten Infos zusammengefasst:
Dein Kind lässt aufgestaute Gefühle dort raus, wo es sich sicher und bedingungslos angenommen fühlt: bei dir.
Hinter jedem Wutausbruch steckt mindestens ein unerfülltes Bedürfnis – und du darfst herausfinden, welches das ist.
Deine Elterliche Haltung ist die Grundlage für eine Elternschaft in Verbindung. So kommst du raus aus Machtkämpfen und fängst an zu verstehen, was dein Kind wirklich braucht.
Warum Kinder in der Kita „funktionieren“ und zu Hause „austicken“ - das steckt dahinter
Hand aufs Herz: Die Gesellschaft, in der wir leben, ist eine Gesellschaft, in der zum Funktionieren erzogen wird. Es geht darum, Leistung zu erbringen. Denn nur wer leistet, der gehört dazu, der ist liebenswert, aus dem wird etwas. Und dieser Leistungsdruck beginnt schon in der Kita. Wann dein Kind wie den Stift halten soll, wann dein Kind wie mit der Schere umgehen soll, wann dein Kind wie sprechen gelernt haben soll – all das ist normiert und geregelt und daran wird dein Kind gemessen. Und das betrifft auch das Sozialverhalten in der Gruppe: Dein Kind hat sich sozialverträglich zu verhalten, es hat „brav“ zu sein und zu gehorchen, es hat mitzumachen, es hat weder „zu laut“ noch „zu schüchtern“ zu sein und so weiter und so fort. Dein Kind hat an einem einzigen Tag in der Kita unglaublich oft zu kooperieren.
Das erzeugt einen unglaublichen Druck. Diesen Druck spüren Kinder und sie übernehmen diesen Druck. Viele Kinder passen sich den Kita-Regeln an, auch wenn es unglaublich anstrengend für sie ist. Und dann ist das Fass irgendwann voll.
So und dann kommt dein Kind nach Hause – wo es in Sicherheit ist, wo es von dir geliebt wird, so wie es ist … und lässt erst mal den ganzen angestauten Dampf ab. Weil es weiß: Hier darf ich das. Hier darf ich sein, wie ich bin.
Je nach Charakter deines Kindes bekommt es also einen Wutausbruch, ist im „Nein“ zu allem, was du sagst, dein Kind weint, wirkt völlig überdreht auf dich oder es geht in den Rückzug.
Und auch wenn sich das für dich erst mal scheiße anfühlt: Im Grunde genommen ist es doch ein Kompliment für dich in deiner bedürfnisorientierten Elternschaft – weil sich dein Kind bei dir sicher, geborgen und in seinem So-Sein angenommen fühlt. Und da sind wir schon auf der Spur zu Strategien, wie du dein Kind in solchen Situationen unterstützen kannst. Das hat nämlich ganz viel mit deiner Elterlichen Haltung zu tun. Dazu kommen wir gleich noch konkreter.
Vorab noch ein kleiner Ausflug zur kleinen Kathy …
So war das bei mir in der Kindheit
Ich bin in meiner Kindheit zum Funktionieren erzogen worden. Ich hatte mich so zu verhalten, dass es allen anderen passt. Ich hatte mich zu benehmen. Ich hatte brav und gesellschaftskonform zu sein. Ich hatte mitzumachen, ohne dass gefragt wurde, was ich eigentlich brauche.
Wenn ich etwas gemacht habe, was mein Vater doof fand, hat er manchmal tagelang kein Wort mit mir gesprochen. Liebesentzug vom Feinsten, sag ich dir.
Ich habe mich als Kind oft alleine gefühlt. Und ich war oft ganz sauer, weil ich den Eindruck hatte, dass mich niemand versteht. Es ging fast nie um mich. Mir hat Empathie gefehlt, Schutz, bedingungslose Liebe. Und dadurch haben sich Glaubenssätze entwickelt wie beispielsweise: „Ich darf keine Fehler machen. Ich bin nur liebenswert, wenn ich leiste.“
Seit vielen, vielen Jahren arbeite ich daran, meine negativen Glaubenssätze hinter mir zu lassen. Und ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Gleichzeitig darfst du deinem Kind ersparen, negative Glaubenssätze überhaupt erst zu entwickeln – und das ist gleichzeitig ein Geschenk und eine riesengroße Verantwortung.
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Es wird dich kaum wundern zu hören, dass es in meiner Kindheit unglaublich viel Belohnung und Bestrafung, Drohungen, Manipulation und Ablenkung gab. Darauf verzichte ich heute in der Begleitung meiner Kinder völlig. Wenn auch du deine Elternschaft anders leben möchtest, als du es vermutlich selbst erfahren hast, dann kannst du dir mit meinem „Ohne-Wenn-Dann-Kompass“ deinen Boost für eine Elternschaft ohne Belohnung und Bestrafung holen! Dieses E-Book schicke ich dir gerne für 0 € in dein Postfach.

Starke Gefühle begleiten: Was Eltern tun können, um ihr Kind zu unterstützen
Also, wir halten noch mal fest: Wenn dein Kind sich in der Kita sozialverträglich verhält und austickt, sobald es nach Hause kommt, ist das ein Kompliment an dich. Gleichzeitig möchtest du dein Kind im Umgang mit seinen starken Gefühlen natürlich unterstützen.
Und da starten wir mal mit einer Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg: Alle Menschen sind grundsätzlich dazu bereit, zum Wohle der Gemeinschaft beizutragen, wenn ihre Bedürfnisse weitgehend erfüllt sind. Mit Blick auf dein Kind ist das unglaublich logisch. Denn das Mitmachen sichert deinem Kind das Überleben: Nur wenn es Teil der Gemeinschaft ist und dazugehört, kann es überleben und sich entwickeln.
Wenn allerdings die Bedürfnisse deines Kindes weitestgehend unerfüllt sind (weil es in der Kita sehr wenig drum ging, was dein Kind eigentlich braucht), dann wird es für dein Kind schwierig.
Und für dich wird es schwierig, herauszufinden, was eigentlich hinter dem Verhalten deines Kindes steckt, wenn du in der Haltung bist, dass dein Kind Dinge macht, um dich zu ärgern.
Ich brauche dich also wirklich in dieser Haltung, dass du verstehst, dass dein Kind sich mit seinem Verhalten ein Bedürfnis (oder mehrere) zu erfüllen versuchst. Und ich brauche dich in der Haltung, dass es dein Job und deine Verantwortung ist, zu checken, um welches Bedürfnis es denn da gerade geht. Und dass ihr dann gemeinsam Strategien findet, mit denen dein Kind sich das jeweilige Bedürfnis erfüllen kann.
Also: Jedes Mal, wenn dein Kind
- etwas macht, was für dich herausfordernd ist,
- „nein“ zu etwas sagt oder
- einen Wutausbruch hat,
kommst du raus aus Gedanken wie „Mein Gott, wie unverschämt benimmt sich mein Kind? Das geht doch so nicht! So kann man sich nicht verhalten!“
Und du kommst rein in eine Haltung mit Gedanken wie:
- „Ich sehe mein Kind.“
- „Mein Kind versucht gerade, sich um sich zu kümmern.“
- „Mein Kind sagt ‚nein‘ zu etwas, weil es ‚ja‘ zu etwas anderem sagt.“
- „Mein Kind möchte mich auf ein unerfülltes Bedürfnis aufmerksam machen.“
Denn du willst kein „funktionierendes“ Kind. Sondern du willst ein Kind, das im Laufe seiner Entwicklung sukzessive lernt, sich um sich zu kümmern.
Dafür braucht dein Kind Menschen, die ihm das vorleben. Dafür braucht dein Kind Menschen, die es weder be- noch verurteilen. Dafür braucht dein Kind Menschen, die ihm zeigen, welche Bedürfnisse es gibt und wie wir in jeder Situation eine Lösung finden, uns um die Bedürfnisse zu kümmern.
Es geht keineswegs darum, dass du die Bedürfnisse immer alle sofort erfüllst. Sondern es geht um deine Bereitschaft, hinzugucken und Lösungen zu finden. Und das fängt alles bei deiner Elterlichen Haltung an.
Was dein Kind dir wirklich mitteilen möchte, wenn es sagt: „Nein!“, „Ich hasse dich!“, „Mir doch egal!“ – dazu habe ich auch eine Podcast-Folge für dich.
Wenn der Zeiger in den roten Bereich geht: Fünf konkrete Exitstrategien für Eltern und Kind
Mach dir immer wieder bewusst: Dein Kind macht nichts, um dich zu ärgern
Und diese Elterliche Haltung – das ist ja nichts, was du dir einmal vornimmst und ab da konsequent Tag für Tag umsetzt. Sondern das ist ein Prozess und du wirst immer in herausfordernde Situationen kommen und deine Grenzen wahrnehmen.
Wenn du bedingungslose Liebe wirklich leben möchtest, dann nimm diese Herausforderung an. Und das nächste Mal, wenn du das Verhalten deines Kindes als schwierig empfindest, dann sag dir innerlich immer wieder diesen einen Satz:
„Mein Kind macht nichts, um mich zu ärgern!“
Wiederhole das immer und wieder, bis es sich festigt. Denn du weißt jetzt: Dein Kind versucht mit allem, was es macht oder sagt, dir etwas über sich zu erzählen. Und es versucht immer, sich um sich zu kümmern. Und es ist deine Aufgabe als Teil deiner Elterlichen Verantwortung, dies zu erkennen und deinem Kind zu helfen. Was ist es denn, worum dein Kind versucht, sich zu kümmern? Und wie kannst du ihm dabei helfen, falls es Unterstützung braucht?
Kenne deine Trigger
Wenn dein Kind den zehnten Wutausbruch in dieser Woche hat, würdest du am liebsten auch schreien, toben, weinen? Das Verhalten deines Kindes bringt dich manchmal extrem auf Alarmstufe rot? Du bist nur noch gestresst und genervt davon, Mutter zu sein (oder natürlich Vater)?
Dann schau dir mal deine Trigger an. Welches Verhalten deines Kindes ist es genau, das dich so auf die Palme bringt? Und was haben deine Trigger mit deiner eigenen Kindheit zu tun?
Häufig ist es so, dass wir uns vom Verhalten unseres Kindes getriggert fühlen, wenn es in unserer eigenen Kindheit fatal gewesen wäre, uns auf diese Weise zu verhalten. Weil dann Bestrafung drohte, Liebesentzug vielleicht, Herabwürdigung irgendeiner Art. Das haben wir so gelernt. Deshalb geht unser Nervensystem da in den Alarmzustand: Achtung, das hier ist gefährlich!
Es ist wichtig, dass du deine Trigger kennst und sie annehmen lernst. Denn sie sind Teil einer Strategie, mit der du gelernt hast, dich vor Gefahr zu schützen. Sie sind ein wichtiger Teil von dir. Deine Trigger wollen dir nichts Böses – im Gegenteil. Und sie wollen auch deinem Kind nichts Böses.
Gleichzeitig sagst oder machst du vielleicht in deinem Trigger-Alarmzustand Dinge, die du hinterher bedauerst. Wenn das so ist und du dich künftig anders verhalten möchtest, dann kümmere dich um deine Trigger. Lerne sie kennen und sei in den Situationen, in denen sie auftreten, gut für dich da. Also schau, was du in diesen Momenten brauchst, damit es dir bestmöglich geht. Es kann sein, dass dein Trigger dich irgendwann kaum mehr stört. Und dass du jedenfalls mehr bei dir bleibst, wenn dein Kind den elften Wutausbruch hat.
Klopfe oder streichle deine Thymusdrüse
Meine absolute Lieblings-Exitstrategie für Trigger- und alle sonstigen schwierigen Situationen ist das Klopfen. Ich klopfe auf meine Thymusdrüse (sie liegt hinter dem Brustbein) oder streichle sie. Dazu sage ich mir positive Sätze wie beispielsweise „Ich bin in Sicherheit.“ Oder: „Ich schaffe das.“ Und das wiederhole ich immer und immer wieder. Es hilft mir, in herausfordernden Situationen mein Nervensystem zu regulieren.
Das kannst du auch vor deinem Kind machen. Zeig ihm, wie du dein Nervensystem runterfährst. Weil du anders reagieren möchtest und dein Nervensystem Hilfe braucht, aus dem Panikmodus rauszukommen. Zeig deinem Kind, wie du als Erwachsene:r Verantwortung für dich übernimmst. Und dein Kind kann gerne mitklopfen oder -streicheln.
Damit du auch in stressigen Situationen drandenkst, übst du das am besten: Klopfe (oder streichle) regelmäßig beim Aufstehen, beim Zähneputzen, beim Anstehen an der Kasse, beim Telefonieren. Damit sich das automatisiert.
Und wenn dich jemand für bescheuert hält, darf dir das scheißegal sein. Du kümmerst dich um dich und alles andere darfst du bei den anderen lassen.
Atme!
Eine ganz ähnliche Reaktion auf dein Nervensystem hat bewusstes Atmen. Also dass du dich wirklich auf deinen Körper und deinen Atem konzentrierst. Spüre beim langsamen Einatmen, wie die Luft deinen Körper weitet. Spüre, wie sich die Rippen bewegen und was dein Bauch macht. Spüre, wie die Luft deinem Körper guttut.
Und lass dann los: Lasse den Atem langsam los und lasse beim Ausatmen alles los, was gerade stört. Klingt banal, doch es ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass tiefes Einatmen und längeres Ausatmen das Nervensystem beruhigt.
Und das Geile ist: Auch diese Exit-Strategie kannst du gemeinsam mit deinem Kind machen. Wenn sich dein Kind gerade total in einem Wutausbruch verfängt: Dann übernimm die Führung, fass dein Kind an (sofern es das zulässt) und fordere dein Kind auf, sich im Raum umzuschauen – in die Ecke zu gucken, unter den Tisch, aus dem Fenster. Damit es wieder Orientierung bekommt. Und dann sagst du deinem Kind: „Wir sind hier in Sicherheit. Und jetzt atmen wir gemeinsam tief ein und langsam wieder aus.“ Mach das deinem Kind vor und lade es ein, im gleichen Rhythmus wie du zu atmen. So könnt ihr euch beide gleichzeitig regulieren.
Trinke bewusst Wasser
Ich trinke den Tag über wirklich viel Wasser. Nur: Es gibt Unterschiede, wie ich mein Wasser trinke. Oft trinke ich so nebenbei. Beispielsweise weil mein Hals trocken ist.
Doch manchmal – und das ist für mich eine super Exitstrategie in schwierigen Momenten – trinke ich ganz bewusst und achtsam. Wenn ich etwa merke, dass ich genervt bin, nehme ich mir ein Glas Wasser, trinke es langsam und bewusst und sammle mich dabei. Es kann auch sein, dass ich dabei kurz in mich reinbrülle, weil mich die Situation gerade so ankotzt.
Und dann kann ich auch wieder zurück in die Situation gehen und das managen, was gerade so ansteht. Weil ich dann wieder in der Bereitschaft bin, Dinge friedvoll zu lösen.
Diese und weitere Strategien zeige ich dir auch in meinem Vlog in der Folge „Achtsamkeit im Mama-Alltag“.
Fazit
Starke Gefühle können anstrengend und herausfordernd sein. Gleichzeitig will dir dein Kind mit seinem Verhalten etwas mitteilen. Je weniger du das Verhalten deines Kindes persönlich nimmst und je mehr du lernst, die Bedürfnisse dahinter zu erkennen, desto leichter wird es euch fallen, schwierige Momente zu gestalten.
Oft gestellte Fragen (FAQ)
Kind aggressiv nach Kindergarten: Was kann ich tun?
Wenn dein Kind komplett überdreht ist, darfst du dafür sorgen, dass es wieder runterkommt. Hier darfst du in deine Verantwortung kommen und herausfinden, was dein Kind gerade braucht: Braucht es Schutz? Braucht es Grenzen? Braucht es Entspannung? Braucht es deine Elterliche Führung? Braucht es Hilfe, Dinge zu schaffen?
Und falls dein Kind sich nach dem Kindergarten aggressiv gegen sich und/oder andere verhält, darfst du erst einmal für Schutz sorgen: für den Schutz deines Kindes, für den Schutz aller anderen, für deinen eigenen Schutz und auch dafür, dass alle Dinge heile bleiben. Falls also beispielsweise dein Kind Dinge wirft, darfst du in deine Elterliche Führung kommen und die Hand festhalten, mit der gerade geworfen wird. Du hältst die Hand allerdings mit der Haltung, dass dein Kind weder „böse“ ist noch dich ärgern will, sondern du hältst die Hand für Schutz. Das ist ein ganz großer Unterschied.
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