Autonomiephasen bei Kindern: wie du dein Kind liebevoll begleitest und Konflikte bedürfnisorientiert löst

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Dein Kind sagt plötzlich zu allem „nein“, will alles selber machen, stellt gefühlt jede deiner Entscheidungen in Frage und reagiert mit starken Gefühlen auf scheinbar kleine Dinge? Und du fragst dich: „Warum ist das gerade so anstrengend?“

Dann sag ich: Herzlich willkommen in einer der drei Autonomiephasen deines Kindes!

Viele Eltern empfinden diese Entwicklungsphasen als herausfordernd. Ich dagegen sehe sie als großartige Schritte auf dem Weg deines Kindes zu einem/einer verantwortungsvollen Erwachsenen mit starkem Selbst.

Wenn du verstehen möchtest, was in den drei Autonomiephasen bei deinem Kind passiert, und Strategien brauchst, um dich, dein Kind und deine Familie verantwortungsvoll hindurch zu navigieren, dann ist dieser Artikel für dich.

Die drei wichtigsten Infos zusammengefasst:

Autonomiephasen sind Entwicklungsschritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Erst will dein Kind selber machen, dann selber entscheiden und schließlich eigene Erfahrungen sammeln.

Hinter jedem herausfordernden Verhalten deines Kindes stecken unerfüllte Bedürfnisse. Es ist deine Aufgabe, diese zu erkennen und mit deinem Kind passende Strategien für die Bedürfniserfüllung zu finden.

Du gibst deinem Kind den sicheren Rahmen und die Räume zum Ausprobieren. Das ist ein Balanceakt.

Autonomiephasen: Was ist das eigentlich und warum sind sie so wichtig?

In meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept, der LilaLiebe®, unterteile ich die Entwicklung von Kindern in drei Autonomiephasen.

Umgangssprachlich werden sie oft Trotzphase, Wackelzahnpubertät und Pubertät genannt. Ich bevorzuge die Einordnung in die erste Autonomiephase, zweite Autonomiephase und dritte Autonomiephase.

Das ist zum Ersten wertschätzender und zum Zweiten wird auch klarer, worum es eigentlich geht und was die Bedürfnisse von Kindern in diesen Entwicklungsstufen sind.

Denn allen drei Autonomiephasen ist gemein, dass Kinder und Jugendliche sich in Entwicklungsprozessen befinden, in denen sie Schritt für Schritt mehr Selbstständigkeit erlangen – also Autonomie. Das heißt: In jeder Autonomiephase lösen sie sich etwas mehr von den Eltern ab.

Und das ist so ungemein wichtig. Das ist evolutionär in uns angelegt. Denn ohne den Antrieb, selbstständig zu werden und zu einem/einer eigenverantwortlichen Erwachsenen heranzureifen, wäre das Überleben der Menschheit auf Dauer unmöglich. In den Autonomiephasen lernen Kinder nach und nach, wie sie Dinge selber machen und selber entscheiden können und wie sie schließlich selber Erfahrungen machen, aus denen sie wiederum lernen und ihr Selbst weiterentwickeln.

Es liegt auf der Hand, dass Selbstständigkeit bei einem dreijährigen Kind etwas anderes bedeutet als bei einem dreizehnjährigen Teenager. Und auch die Bedürfnisse sind in den drei Autonomiephasen unterschiedlich. Ich unterscheide sie in Oberbedürfnisse und Unterbedürfnisse.

Folgende Bedürfnisse stehen in den jeweiligen Autonomiephasen im Vordergrund:

Wie du ganz konkret die Bedürfnisse deines Kindes in allen drei Autonomiephasen erfüllen lernst – das zeige ich dir gleich.

Wann, wie lange und wie intensiv sind die Autonomiephasen?

Die erste Autonomiephase … 

… beginnt etwa mit anderthalb oder zwei Jahren und endet ungefähr mit fünf Jahren. Je nach Charakter und Persönlichkeit deines Kindes kann sie etwas früher oder etwas später liegen. Das ist individuell verschieden – doch wenn du dein Kind beobachtest, wirst du den Beginn bemerken.

Als Mama oder Papa erkennst du die erste Autonomiephase meist sehr deutlich daran, dass dein Kind auf einmal zu gefühlt allem einfach „nein“ sagt und weniger kooperiert, als du es zuvor von ihm kanntest.

Vielleicht hast du den Eindruck „Mein Kind hört nicht“. Typisch für diese Phase sind starke Gefühle wie etwa Wutausbrüche – die manche Kinder stärker und manche Kinder schwächer zeigen. (Ich denke, dass alle Kinder Wut empfinden, sie offenbart sich nur verschieden.)

In der ersten Autonomiephase geht es vor allen Dingen darum, dass dein Kind Dinge selber machen will. Am liebsten alles, was du vorher erledigt hast. Das geht immer dann mit Frust einher, wenn dein Kind dabei an körperliche Grenzen stößt oder ihm von außen Grenzen aufgezeigt werden. Hier braucht dein Kind deine Unterstützung, um mit seinen Gefühlen klarzukommen.

Und dein Kind braucht deine Elterliche Führung. Denn es kann die Konsequenzen seines Verhaltens noch kaum abschätzen.

Es ist also für dich der Tanz auf dem Drahtseil, dass du deinem Kind einerseits ermöglichst, sein Bedürfnis nach Autonomie und Selbermachen zu erfüllen, und andererseits aus deiner Elterlichen Verantwortung heraus dafür sorgst, dass dein Kind in jeglicher Hinsicht in Sicherheit ist.

Die zweite Autonomiephase … 

… liegt etwa in der Zeit der Grundschuljahre: Sie beginnt mit ungefähr fünf Jahren und geht bis zum Alter von acht oder neun Jahren. Es kann also sein, dass ihr gerade so die erste Autonomiephase gemeistert habt und es dann direkt mit den nächsten „Neins“ der zweiten Autonomiephase weitergeht.

Dein Kind hat Gefühlsausbrüche und sein Verhalten ändert sich. In dieser Phase geht es darum, dass dein Kind selber entscheiden will.

Während in der ersten Autonomiephase der Fokus auf dem Oberbedürfnis nach Sicherheit liegt, verschiebt er sich in der zweiten Autonomiephase auf das Oberbedürfnis nach Zugehörigkeit – wobei selbstverständlich die Bedürfnisse aus der ersten Autonomiephase weiterhin erfüllt sein wollen, nur der Schwerpunkt verschiebt sich.

Je mehr die Bedürfnisse deines Kindes in der ersten Autonomiephase erfüllt wurden, desto fester ist der Boden unter seinen Füßen – und desto weniger intensiv sind die Gefühlsausbrüche. Selbstverständlich kann das sichere Fundament auch immer wieder ins Wanken kommen – etwa durch die Einschulung, den Tod eines Haustiers oder eines Familienmitglieds, die Trennung der Eltern oder andere einschneidende Erlebnisse. Dann darfst du einen Schritt zurückgehen und den Fokus wieder mehr auf die Bedürfnisse der ersten Autonomiephase lenken, weil dein Kind gegebenenfalls mit der Situation überfordert ist und deine Unterstützung braucht. Du checkst also immer wieder, wo dein Kind gerade steht, und hilfst ihm dabei, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Die dritte Autonomiephase …. 

… beginnt etwa mit neun Jahren und oft mit fließendem Übergang. Jetzt geht es darum, dass dein Kind selber Erfahrungen sammeln will, statt sich auf die Erfahrungen und Tipps zu verlassen, die du als Mama/Papa ihm mit auf den Weg gibst.

Diese Phase ist ein ungemein wichtiger Prozess, bei dem sich dein Teenager zum Erwachsenen entwickelt und herausfindet, wer er oder sie ist und welchen Platz er oder sie in der Gemeinschaft hat. Und bestenfalls lernt dein Kind, sich um sich selbst zu kümmern und Verantwortung für sich zu übernehmen.

Dabei braucht dein Teenager-Kind weiterhin deine Unterstützung: Gib ihm den sicheren Rahmen, in dem es sich ausprobieren kann. Dein Kind braucht deine Elterliche Achtung. Das heißt, dass du dein Kind so annimmst und achtest, wie es gerade ist – ohne eine Erwartung, wie es sich zu verhalten hat.

Wenn wir jetzt noch mal auf die Gesamtheit der drei Autonomiephasen blicken, heißt das für dich als Mama oder Papa: Die Entwicklung deines Kindes ist kein kurzer Sprint, sondern eine Entwicklung in Wellen.

 

Wann ist es am „schlimmsten“?

Die dritte Autonomiephase, auch Pubertät genannt, ist unter vielen Eltern gefürchtet. Das Kind rebelliert, begehrt auf und stellt die Eltern in Frage. Und ich beobachte, dass viele Eltern aus meiner Generation daran verzweifeln, das Bedürfnis ihres Kindes nach Achtung mit den jeweiligen Unterbedürfnissen zu erfüllen, weil sie plötzlich in alte Muster rutschen und sich schwertun, ihrem Kind Raum für eigene Erfahrungen zu geben.

Diesen Eltern möchte ich mitgeben: Kinder, die in ihren Entwicklungsphasen alles bekommen, was sie brauchen, werden zu Erwachsenen, die ihr Selbst frei entfalten können.

Meine Erfahrung ist:

Je mehr in der ersten und zweiten Autonomiephase die Bedürfnisse des Kindes erfüllt waren, umso weniger konfliktverhaftet verläuft die dritte Autonomiephase. Denn wenn die Oberbedürfnisse nach Sicherheit und Zugehörigkeit mit ihren Unterbedürfnissen erfüllt sind, hat dein Kind ein stabiles Fundament, um eigene Erfahrungen zu machen.

 

Also ich persönlich feiere die dritte Autonomiephase, denn jetzt wird das Selbst zum Ganzen. Bei meinen beiden Kindern erlebe ich sie als das i-Tüpfelchen meiner Elternschaft, als das große und großartige Finale.

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Der Umgang mit den Autonomiephasen im Alltag: Was tun, wenn es knallt? Fünf Strategien, alle Phasen zu meistern

Strategie 1: Gib deinem Kind Räume für seine Autonomie 

Gib deinem Kind den Rahmen für seine Autonomie altersgerecht vor. Das heißt: Du entscheidest, WAS gemacht wird, und dein Kind darf über das WIE mitentscheiden. In der ersten Autonomiephase kannst du dein Kind beim Selber-Anziehen beispielsweise unterstützen, in dem du eine Anziehstraße machst. Weiter unten erzähle ich dir, was ich damit meine und wie ich das mit meinem Sohn damals gemacht habe.

In der zweiten Autonomiephase kannst du deinem Kind ein Budget an Medienzeit vorgeben. Dein Kind darf entscheiden, wann es diese Medienzeit nutzen möchte. Oder du bestimmt die Menge an Süßigkeiten, die dein Kind an dem jeweiligen Tag essen darf – und dein Kind entscheidet selbst, wann es sie isst und ob es alles auf einmal isst oder lieber über den Tag verteilt.

In der dritten Autonomiephase lässt du dein Kind selbst entscheiden, wann es ins Bett geht. So sammelt es die Erfahrung, wie viel Schlaf es braucht und wie es sich bei viel/wenig Schlaf am kommenden Tag fühlt. Du bleibst dabei, beobachtest, sprichst mit deinem Kind darüber und unterstützt es, wenn es dich braucht.

Mit solchen Abwägungen zwischen sicherem Rahmen und Raum für Autonomie nimmst du schon mal viel Druck aus dem Kessel. Bleibe frei von Erwartungen. Probiert euch immer wieder aus und findet gemeinsam heraus, ob dein Kind so weit ist, die ihm gegebene Verantwortung zu übernehmen. Falls dein Kind mit der Größe des Rahmens überfordert ist, passt du ihn an.


Strategie 2: Finde Exitstrategien, die für dich passen

Manche Verhaltensweisen deines Kindes bringen dich so richtig auf die Palme? Du würdest am liebsten explodieren, schreien oder weglaufen, irgendwie deiner Wut Raum geben, am liebsten ordentlich Dampf ablassen?

Für solche Situationen darfst du Exitstrategien parat haben, die dich erst mal runterbringen und wieder handlungsfähig machen. Ein paar Beispiele für Exitstrategien sind:

Wichtig ist, dass die Strategien für dich passen. Probiere dich da gerne aus und werde kreativ!

Strategie 3: Schau dir deine Trigger an

Exitstrategien sind das Eine. Sie helfen dir, aus akuten Situationen rauszukommen, ohne dass du etwas sagst oder tust, das du später bedauerst. Mindestens so wichtig ist, dass du dir danach – wenn der Zeiger wieder im Normalbereich ist – in Ruhe anguckst, welches Verhalten deines Kindes dich triggert – und warum.

Das ist eine Reise zu deinem Inneren Kind. Denn ein Trigger ist so was wie ein Alarmknopf, den du aufgrund von bestimmten Erfahrungen in dir angelegt hast. Unbewusst, klaro. Jedenfalls gab es in deinem Leben Momente, in denen du verletzt wurdest, deine Integrität angegriffen wurde oder die sonst irgendwie deine Grenzen überschritten haben. Wenn du in eine Situation kommst, die dein System an diese Erfahrung erinnert, wird sofort dieser Notschalter umgelegt und du bist auf Alarmstufe Rot.

Dann läuft ein Programm bei dir ab, weil die alten Gefühle und unerfüllten Bedürfnisse hochkommen – und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Du bist jetzt erwachsen und für dich selbst verantwortlich: für deine Gefühle und für die Erfüllung deiner Bedürfnisse.

Das heißt:

Wenn dich das Verhalten deines Kindes triggert, verzichtest du darauf, dein Kind für sein Verhalten zu verurteilen – sondern machst dich auf die Forschungsreise zu deinem Inneren Kind und kümmerst dich im Hier und Jetzt darum, dass es alles hat, was es braucht. Das nenne ich „Nachbeeltern“.

Je mehr du dafür sorgst, dass die Bedürfnisse deines Inneren Kindes erfüllt sind, desto weniger bringt dich das Verhalten deines Kindes zum Ausflippen. Du bist dann bei dir und bleibst handlungsfähig.

Strategie 4: Starke Gefühle dürfen sein! 

Wutausbrüche, knallende Türen, Tränen, Rückzug oder lauter Protest: Starke Gefühle gehören zu allen drei Autonomiephasen dazu. Und ich sag dir was: Die dürfen da sein!

Ich lade dich ein, hier einen Perspektivwechsel in dir selber zu machen. All die Ausdrucksformen starker Gefühle sind weder ein Zeichen dafür, dass dein Kind „schwierig“ ist, noch dafür, dass du als Mama oder Papa irgendwas „falsch“ machst.

Sondern sie sind Ausdruck von mindestens einem unerfüllten Bedürfnis. Und deine Aufgabe im Sinne deiner Elterlichen Verantwortung ist es, die Gefühle deines Kindes wahrzunehmen und ihm dabei zu helfen, die unerfüllten Bedürfnisse zu erkennen sowie Strategien zur Erfüllung derselben zu finden. So lernt dein Kind Schritt für Schritt: „Meine Gefühle sind okay. Ich bin okay.

Und wir finden zusammen Wege, mit den starken Gefühlen umzugehen.“

Strategie 5: Selbstfürsorge statt Meckern! 

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie wichtig die Verbindung zu mir ist, also das Erkennen und Erfüllen meiner eigenen Bedürfnisse, und habe mittlerweile viele Strategien ausprobiert. Denn nur wenn ich bei mir bin, kann ich mit meinen Kindern in Verbindung sein. Inzwischen habe ich viele praktische Alltagsstrategien und Rituale dafür entwickelt. Sie erfüllen mir meine Bedürfnisse nach Liebe, Annahme, Leichtigkeit, Abgrenzung oder auch Kooperation.

Kümmere auch du dich um dich und finde Strategien, die zu dir passen! Je besser du deine Bedürfnisse wahrnimmst und dafür sorgst, dass sie weitgehend erfüllt sind, desto weniger kommst du ins Schimpfen. Das erledigt sich dann sozusagen von selbst.

Als Anregung nenne ich dir hier einige meiner Top-Strategien für mehr Selbstfürsorge im Alltag:

Vielleicht fällt dir auf, dass viele der von mir vorgeschlagenen Strategien allenfalls indirekt mit deinem Kind zu tun haben. Viele setzen bei dir selbst an. Das ist kein Zufall!

Denn dein Kind hat keinesfalls die Aufgabe, brav zu sein, sich kontrollieren zu können und so zu funktionieren, dass es für dich leichter ist. Es ist deine Verantwortung, dass Bedürfnisse erkannt und erfüllt werden – bei dir und bei deinem Kind. Und dass es Lösungen für Konflikte gibt, die für alle okay sind.

Beispiele aus meinem Alltag

Erste Autonomiephase 

Mein Sohn Günther war in der ersten Autonomiephase der absolute Verweigerer beim Anziehen. Irgendwann habe ich gecheckt, dass sein „Nein“ zum Anziehen sich weniger auf das Anziehen an und für sich bezogen hat. Sondern er wollte es halt selber machen – ohne die Mami. Ganz alleine.

Also habe ich ihm geholfen, das zu schaffen. Und dafür habe ich ihm eine Anziehstraße gelegt.

Das heißt:

Ich habe rausgesucht, was er anzieht. Und dann habe ich ihm die Klamotten in der Reihenfolge hintereinander auf den Boden gelegt, in der er sie anzieht. Da war dann auch ganz viel Spiel und Spaß für ihn dabei. Dadurch war er bereit, sich anzuziehen. So hat er das gemacht und dann habe ich ihn dafür gefeiert: „Wow, das hast du selber gemacht! Du bist ganz groß! Du kannst das!“

Bei meiner Tochter habe ich es ähnlich gemacht, da hatten wir das Anziehmännchen. Das heißt, dass du die Sachen, die das Kind anzieht, so hinlegst wie ein Männchen. Leg die Unterhose auf statt unter die Hose, weil es schwierig ist, erst die Hose anzuziehen und dann die Unterhose. (Kannst du auch machen. Sieht nur ein bisschen komisch aus, finde ich.)

Zweite Autonomiephase 

In der zweiten Autonomiephase steht ja das Selber-Entscheiden im Vordergrund.

Als meine Tochter acht Jahre alt war, ließ ich sie beispielsweise über den Schulweg mitentscheiden: „Verabschieden wir uns vor der Ampel, auf der Ampelinsel oder nach der Ampel?“ Oder noch etwas früher, als ich sie auf dem Schulweg noch etwas weiter begleitet habe:

„Verabschiede ich mich nach der Ampel, am Park oder vor der Schultür?“ Das habe ich ihr als Raum für ihre Autonomie gegeben. Und sie entschied mal so und mal so. Und ich habe gesagt: „Okay, die Entscheidung hast du heute allein getroffen. So machen wir es. Du bist groß. Du bist stark.“


Dritte Autonomiephase 

Inzwischen ist meine Tochter in der dritten Autonomiephase und möchte immer mehr eigene Erfahrungen sammeln. Das unterstütze ich beispielsweise bei den Reitturnieren, zu denen ich sie begleite. (Wir sind beide Reiterinnen.) Ich nenne sie für zwei Prüfungen, sie reitet die erste Prüfung und darf dann für sich entscheiden, ob sie die zweite Prüfung noch reitet.

Wenn ich den Eindruck habe, dass es zu viel ist, sage ich ihr das genau so: „Ich habe den Eindruck, es ist zu viel. Gleichzeitig finde ich wichtig, dass du die Erfahrung sammelst und du es ausprobierst und wir danach nochmal reflektieren, wie es denn jetzt gewesen ist.“ Und so gebe ich ihr den Raum, selber Erfahrungen sammeln zu können.

Mein Sohn war mit 17 ein Jahr in Amerika. Da hatte er ganz viel Raum, eigene Erfahrungen sammeln zu dürfen. Wichtig ist, dass du präsent bleibst, mit deinem Kind in den Austausch gehst und ihr gemeinsam reflektiert. Und das hat ganz viel mit deiner Elterlichen Führung zu tun.

Autonomie begleiten heißt: Raum geben und gleichzeitig Führung schenken

Das Selber-machen-Wollen aus der ersten Autonomiephase hört nie auf. Und wenn in der zweiten Autonomiephase das Selber-entscheiden-Wollen hinzukommt, dann bleibt das auch. Das nehmt ihr beides in die dritte Autonomiephase mit. Und dann kommt eben noch das Selber-Erfahrungen-sammeln-Wollen hinzu.

Deine Aufgabe ist, deinem Kind Räume zu öffnen, in denen es sich je nach Autonomiephase ausprobieren darf. Gleichzeitig kann es häufig die Konsequenzen seines Handelns noch schwer absehen. Und da ist es deine Elterliche Verantwortung, deinem Kind gegebenenfalls Grenzen zu setzen. Denn du gibst den sicheren Rahmen.

Das ist der Balanceakt aus „Raum geben“ einerseits und „Führung schenken“ andererseits. So begleitest du dein Kind keineswegs „nur“ durch einzelne herausfordernde Phasen, sondern durch den ganzen großen Entwicklungsprozess hin zu einem/einer verantwortungsbewussten Erwachsenen mit starkem Selbst. Und da wollen wir ja hin.

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Du hast beim Lesen dieses Artikels gecheckt, wie wichtig es ist, die unerfüllten Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes zu verstehen. Falls du dafür noch Unterstützung brauchst, leg ich dir meinen Bedürfnisübersetzer ans Herz. In diesem E-Book für 0 € bekommst du konkrete Formulierungen in Kindersprache – damit du auch in stressigen Momenten schneller erkennst, was dein Kind wirklich braucht.

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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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