Teenager nur noch genervt von Geschwistern und Familie? Was dein Kind dir damit sagen möchte

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Einführung

Dein Teenagerkind kann mit seinen jüngeren Geschwistern rein gar nichts mehr anfangen? Ist nur noch genervt, findet sie blöd, will seine Ruhe vor ihnen?

Das findest du wahrscheinlich schade. Ihr seid doch eine Familie, denkst du dir vielleicht, wo ist denn da die Gemeinschaft? Wo die Harmonie, die Leichtigkeit? Ja und dass ihr alle in Verbindung seid, das wäre so schön …

Da hole ich dich ab und wir schauen uns an, warum dein Teenagerkind sich so verhält und wie du auf bestimmte Verhaltensweisen deines Kindes in der Pubertät reagieren kannst. Du erfährst, warum das Verhalten deines Teenagers kein Angriff auf die Familie ist, warum die Elterliche Achtung in dieser Phase unfassbar wichtig ist und wie ihr auch in der dritten Autonomiephase in Verbindung bleibt.


Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Geschwisterkonflikte zeigen dir, dass das Bedürfnis nach Gerechtigkeit weitgehend unerfüllt ist.

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Teenagerkind genervt ist, versucht es sich wahrscheinlich gerade um wichtige Bedürfnisse der dritten Autonomiephase wie Freiheit, Respekt oder Individualität zu kümmern.

Herausforderndes Verhalten deines Kindes ist kein Angriff auf die Familie oder dich – sondern ein Ruf nach Hilfe.

Verbindung entsteht, wenn dein Teenagerkind erlebt: Ich darf ich sein. Ich gehöre dazu – unabhängig von meinem Verhalten.

Deine Elterliche Führung bleibt auch in der Pubertät wichtig. Dein Teenagerkind braucht weiterhin Sicherheit und Orientierung.

„Warum ist mein Teenager so genervt?“

Vielleicht kommt es dir so vor, als wäre dein Teenagerkind plötzlich von ALLEM genervt:

Und du fragst dich irgendwann: „Ey, warum ist denn jetzt für mein Teenagerkind gefühlt alles nervig, was mit Familie zu tun hat?“

Die kurze Antwort lautet: Weil dein Kind gerade mitten in einem krassen Entwicklungsprozess steckt. In der Pubertät (ich nenne sie lieber „dritte Autonomiephase“) geht es darum, dass dein Kind nach und nach herausfindet: Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Wie möchte ich leben? Was sind meine Werte?

Dafür braucht dein Teenager ganz viel Raum für eigene Erfahrungen. Und alles, was sich wie Einschränkung, Einmischung, mangelnder Respekt oder eine Verletzung der Integrität anfühlt, nervt.

Es ist eine Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, dass jeder Mensch sich mit seinem Verhalten mindestens ein Bedürfnis zu erfüllen versucht. Und mein zertifiziertes Erziehungs- und Beratungskonzept, die LilaLiebe®, basiert auf den drei Autonomiephasen bei Kindern unterschieden. In jeder der drei Autonomiephasen stehen unterschiedliche Bedürfnisse im Vordergrund.

Dein Teenager ist in der dritten Autonomiephase und da geht es vor allem um Bedürfnisse wie Achtung, Respekt, Freiheit, Integrität, Individualität und noch einige andere.

Nehmen wir mal an, dein Teenagerkind möchte sich mit seinem Verhalten das Bedürfnis nach Respekt erfüllen. Respekt übersetze ich mit „Ich behandle andere so, wie ich auch behandelt werden möchte.“ Und das kommt dir jetzt vielleicht ein bisschen widersprüchlich vor und du denkst: „Mein Teenagerkind möchte wohl kaum so beleidigt oder zur Seite geschubst oder ausgeschlossen werden.“ Diesen Gedanken darfst du einmal umdrehen und dich fragen, wie du dein Teenagerkind behandelst, wenn es dir beispielsweise sagt, dass es nicht mit zu einem Familienausflug möchte. Tust du das auf die Art und Weise, wie du selbst auch behandelt werden möchtest? Bist du also respektvoll im Umgang mit deinem Teenie?

Dein Teenagerkind wiederum ist in der dritten Autonomiephase und darf noch lernen: Wie möchte ich denn behandelt werden? Und so behandle ich andere auch. Wie gehe ich also in Situationen damit um, wenn mich etwas stört? Wie lebe ich Konflikte?

Und das ist natürlich ein Prozess, der mit etwa neun Jahren anfängt und teilweise bis ins Erwachsenenleben reingeht. Und dein Kind lernt diese Dinge, indem es Erfahrungen sammelt.

Geschwisterstreit in der Pubertät: Es geht um Gerechtigkeit

Bei Geschwisterstreit geht es nahezu jedes Mal um das Bedürfnis nach Gerechtigkeit und damit um die Hierarchie in der Familie. Dein Teenagerkind fühlt sich meist also ungerecht behandelt. „Die anderen dürfen viel mehr, als ich in dem Alter durfte“, „Nie werde ich gefragt“, „Die kommen einfach in mein Zimmer!“, „Ich will auch mal …“ und so was kommt dann.

Und du machst dir Sorgen, weil dein Teenagerkind unzufrieden ist, und du bist genervt, weil diese Diskutiererei wenig Leichtigkeit erfüllt. Du möchtest, dass ihr eine harmonische Gemeinschaft seid und dass dieses Gemecker aufhört. Vielleicht machst du dir auch Sorgen um seinen Selbstwert.

Was dein Kind braucht, ist die Sicherheit zu wissen: Ich zähle. Ich bin wichtig. Ich gehöre dazu. Ich werde bedingungslos geliebt. Ich bin Teil des Systems. Und genau hier ist mein Platz.

Und wenn es dann also im Verhältnis der Geschwister Herausforderungen gibt, möchte dich dein Teenagerkind mit seinem Verhalten darauf aufmerksam machen, dass da gerade das Fundament wackelt. Wie du für Gerechtigkeit unter Geschwistern sorgst, dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, den dürftest du dir dann gegebenenfalls anschauen.

Denn wenn dein Teenagerkind sich ungerecht behandelt fühlt, dürft ihr daran arbeiten, damit die Gerechtigkeit in der Familie erfüllt wird und dein Kind spürt, dass es in Sicherheit ist, was wiederum das Überbedürfnis von Gerechtigkeit ist. Das ist also das Fundament. Und solange das wackelt, kannst du deinem Kind so viel Liebe schenken, wie du willst – sie wird nur schwer ankommen.

Jedenfalls brauche ich dich da in deiner Elterlichen Verantwortung. Dass du dich wirklich fragst, was hinter dem Eindruck deines Kindes steckt, dass es ungerecht behandelt wird. Dass du dich fragst, ob die Werte, die ihr habt, wirklich so gelebt werden, dass es für alle in Ordnung ist.

Und vor allem: dass du dein Kind fragst! Denn der große Vorteil in der Begleitung von Kindern in der dritten Autonomiephase liegt ja darin, dass du jetzt völlig andere Gespräche führen kannst – auf einer neuen Augenhöhe. Dein 13-jähriges Kind hat viel mehr Wörter und sein Gehirn ist viel weiter entwickelt, als das bei einem, drei-, fünf- oder siebenjährigen Kind der Fall ist. Das heißt du kannst wirklich fragen: „Hast du den Eindruck, dass du ungerecht behandelt wirst? Dass sich alles nur noch um den/die Jüngere:n dreht?“ Und dann kannst du deinem Kind erklären, warum Gerechtigkeit wenig mit Gleichheit zu tun hat. Und dann könnt ihr gemeinsam überlegen, wie ihr Gerechtigkeit herstellt, sodass es für alle Beteiligten in Ordnung ist. Macht das gerne ganz konkret mit Beispielen aus eurem Alltag.

Oder du fragst: „Hast du den Eindruck, dass ich dich weniger liebe als deine Geschwisterkinder? Hast du den Eindruck, dass du weniger zählst?“ Und wenn dein Teenagerkind sich ungerecht behandelt fühlt, wird da wahrscheinlich ein „Ja“ kommen. Und dann geht ihr da rein und überlegt, wie sich bei deinem Teenagerkind Liebe erfüllt: durch welche Handlungen von dir, durch welche Worte von dir? Und dann nimmst du das mit. Du kannst sagen: „Ja, das habe ich gehört. Und ich will dir meine Liebe so zeigen, dass sie bei dir ankommt. Ich bin bereit, mich darum zu kümmern.“

Und frag dein Kind auch: „Wie möchtest du denn, dass deine Geschwister dich behandeln? So darfst du sie auch behandeln.“ Und ihr könnt überlegen, wie das in Alltagskonflikten konkret aussehen könnte.

Denn so lernt ja dein Kind auch, wie miteinander umgegangen wird: Ich benehme mich so, wie ich auch behandelt werden möchte, und dann werde ich ja so behandelt, und dann bin ich auch bereit, andere so zu behandeln.

Rückzug ins Zimmer – was tun bei Distanz?

Du hast den Eindruck, dein Kind hat sich verändert. Dein Teenager zieht sich zurück, ist in sich gekehrt, verbarrikadiert sich in seinem Zimmer, erzählt nichts mehr, interessiert sich gefühlt gar nicht mehr für die Familie, distanziert sich (so empfindest du es) von euch als Eltern.

Du bist traurig darüber, weil dir eure Gemeinschaft und eure Verbindung wichtig sind. Und du fragst dich, was eigentlich los ist – du würdest gerne verstehen. Und vielleicht machst du dir auch Sorgen um die emotionale Gesundheit deines Teenagerkindes.

Im ersten Schritt ist mal ganz wichtig, dass du dich um diese Bedürfnisse – denn es sind deine Elternbedürfnisse – selbst zu kümmern hast. Dafür ist keinesfalls dein Teenagerkind verantwortlich. Und dass du dir darüber im Klaren bist, dass das deine Wahrnehmung ist. Du versuchst zu beobachten, statt zu bewerten. Und genau so – nämlich mit deiner wertungsfreien Beobachtung – kannst du dann ins Gespräch mit deinem Teenagerkind gehen. Du kannst zum Beispiel sagen: „Seit einer Woche gehst du direkt in dein Zimmer, wenn du nach Hause kommst. Da hat sich was verändert, oder?“ Und dann kannst du dein Kind fragen, ob es das auch so wahrnimmt. Und so kommt ihr in ein Gespräch und du wirst nach und nach verstehen, was passiert ist – was der Auslöser dafür war, dass dein Kind sein Verhalten verändert hat und welche Bedürfnisse dahinterstecken. Und dann kannst du für dein Kind da sein.

Dein Teenagerkind möchte mitmachen, es möchte teilhaben. Es möchte wissen, was bei euch los ist, und es möchte auch zu einem gewissen Teil, dass ihr wisst, was bei ihm los ist. Nur gegebenenfalls braucht es dabei gerade Hilfe, und vielleicht ist es genau das, was es dir mit seinem Verhalten sagen möchte. Denn Zugehörigkeit ist das wichtigste Bedürfnis der zweiten Autonomiephase, und wenn jemand plötzlich stark in den Rückzug geht, dann ist da definitiv eine Schieflage.

Wenn dein Kind sagt: „Ich weiß überhaupt nicht, was los ist“, dann braucht es Unterstützung und Führung.
Wenn etwas in seinem Leben vorgefallen ist, braucht es Schutz und gegebenenfalls Grenzen.

Der Rückzug ist ein Versuch deines Kindes, sich um diese Bedürfnisse zu kümmern. Ich möchte Rückzug als Strategie keineswegs verurteilen. Es geht in der Pubertät ja ganz viel um Autonomie und Rückzug kann eine Strategie dafür sein. Teenager wollen sich ja auch ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Und das wollen wir ihnen keinesfalls nehmen. Nur geraten deinem Kind dabei gegebenenfalls andere Bedürfnisse aus dem Blick. Oder der Rückzug ist als Strategie ungeeignet zur Bedürfniserfüllung.

Und dann braucht es jetzt deine Hilfe, deine Elterliche Führung. Und deshalb gehst du eben hin und sagst: „Hey, ich habe das und das beobachtet. Kann es sein, dass du dich gerade um XY zu kümmern versuchst?!“

Das heißt du lässt das keinesfalls einfach so laufen … „Naja, dann braucht das Kind halt gerade Rückzug“ … und guckst weg. Denn dann hat dein Kind keine Möglichkeit, wirklich zu lernen, was dahintersteckt und wie es sich um seine Bedürfnisse so kümmern kann, dass sie bestmöglich und gesellschaftskonform erfüllt werden. Sondern du übernimmst die Führung, weil du siehst, dass dein Kind gerade Unterstützung braucht.

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Teenager und Familie: So bleibt ihr in Verbindung

Dein Teenagerkind muss nicht am Familienessen teilnehmen.
Dein Teenagerkind muss dir nicht alles erzählen.
Dein Teenagerkind muss nicht im Haushalt mithelfen.
Dein Teenagerkind muss nicht immer nett zu allen sein.
Dein Teenagerkind muss einen Scheißdreck.

„Oha“, denkst du jetzt vielleicht. Und denkst dir: „Ja, nur wir sind doch eine Familie. Natürlich gehört mein Kind dazu!“

Und das tut es ja. Ihr seid eine Gemeinschaft – unabhängig davon, wie sich jeder Einzelne in der Gemeinschaft verhält. Dein Kind gehört dazu, ganz gleich, ob es mit am Tisch sitzt, im Haushalt mithilft oder dir aus seinem Leben erzählt. Und du darfst deinem Teenagerkind genau das deutlich machen, dass es Teil von euch ist – egal, wie es sich verhält.

Klar wäre es schön, wenn ihr alle in Verbindung sein könntet und es schön harmonisch zuginge bei euch. Nur … noch mal: Dafür ist keineswegs dein Teenagerkind verantwortlich. Das sind deine Bedürfnisse. Und es ist allein deine Aufgabe, dass du dich darum kümmerst, dass sich diese Bedürfnisse erfüllen.

Und du darfst den Blick auf dein Teenagerkind verändern. Wenn du sagst: „Mein Kind ist genervt von seinen Geschwistern“, dann ist das eine Interpretation. Stattdessen gehst du hin und machst eine konkrete Beschreibung ohne Bewertung, also beispielsweise: „Mein Kind sagt XY.“

Schon allein dadurch wird Verbindung leichter. Aus dieser Haltung heraus kannst du einen Raum schaffen, in den dein Kind freiwillig zurückkommen möchte. Etwa so:

Keine Diskussion, keine Vorwürfe, kein schlechtes Gewissen. Sondern bedingungslose Liebe.

Und dann kannst du mal überlegen:

Denn Verbindung entsteht ja keineswegs dadurch, dass dein Teenager möglichst oft mitmacht, gegebenenfalls unter Druck. Sondern Verbindung entsteht, wenn dein Teenager checkt: Ich darf ich sein. Und ich gehöre dazu.

Fazit: Sieh Konflikte als Einladung

Jeder Streit unter Geschwisterkindern ist im Grunde genommen ein Geschenk. Er lädt dich jedes Mal dazu ein, ohne Bewertung hinzugucken, in die Beobachtung und vor allem in die Führung zu kommen – zu sagen: „Ich regele das. Ich bin da.“ Und das ist ja als Familienoberhaupt deine Aufgabe.

Konflikte helfen euch also, Bedürfnisse sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden. Und das fördert unglaublich den Boden dafür, dass überhaupt eine Gemeinschaft voll bedingungsloser Liebe entstehen kann, weil sich alle an ihrem Platz sicher und geborgen fühlen und gerecht behandelt fühlen. Und wo dein Teenagerkind den Raum bekommt, eigene Erfahrungen machen zu dürfen und sein großes Selbst zu entwickeln – gegebenenfalls dann sogar ohne Verhaltensweisen, die du früher als „Mein Teenager ist genervt“ interpretiert hättest. Und ganz nebenbei lernst du Pubertät neu verstehen: als das große und großartige Finale deiner Elternschaft.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Freiraum braucht ein Teenager wirklich? 

Es gibt keine feste Regel dafür, wie viel Freiraum ein Teenager braucht. In der dritten Autonomiephase stehen jedenfalls Bedürfnisse wie Freiheit, Individualität und Respekt im Vordergrund. Gleichzeitig braucht dein Teenagerkind weiterhin deine Elterliche Führung. Das gilt es immer wieder auszubalancieren.

Warum hat mein Teenager auf keine Familienaktivitäten Lust?

Wenn dein Teenagerkind es ablehnt, an Familienaktivitäten teilzunehmen, ist das keineswegs ein Angriff auf die Familie. Und es bedeutet keineswegs, dass dein Teenagerkind euch weniger liebt oder so was. Es stehen nur gerade andere Bedürfnisse im Fokus.

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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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