Dein Teenager kommt verheult nach Hause? So begleitest du dein Kind durch die Traurigkeit

zuletzt aktualisiert:

Dein Teenager-Kind ist offensichtlich traurig.

Es lässt die Schultern hängen, redet kaum ein Wort, verkriecht sich deinem Eindruck nach in seinem Zimmer. Vielleicht laufen auch Tränen.

Und dir bricht es wahrscheinlich das Elternherz, dein Kind in diesem Zustand zu sehen.

Du möchtest wissen, was vorgefallen ist. Und vor allem: wie du deinem Teenager helfen kannst. Also – wie gehst du mit dieser Situation um? Das schauen wir uns hier an. Und ich erzähle dir, wie ich das mache, wenn meine Kinder traurig sind.

Die 3 wichtigsten Infos zusammengefasst:

Unangenehme Gefühle dürfen sein.

Du brauchst keinesfalls sofort eine Lösung für den Konflikt parat zu haben.

Akzeptiere das Bedürfnis deines Teenager-Kindes nach Rückzug und bleibe gleichzeitig präsent.

7 Strategien, um mit deinem Teenager in Verbindung zu kommen

1. Präsenz zeigen, ohne Druck zu machen

Die meisten von uns haben gelernt, unangenehme Gefühle so schnell wie möglich wegzumachen. Traurigkeit, Wut, Verzweiflung – bloß weg damit!

Vielleicht spürst du den Impuls zu sagen:

„Wir müssen jetzt reden!“ Weil du genau wissen willst, was los ist. Weil du deinem Teenager jetzt sofort helfen willst. Doch das sind deine Bedürfnisse und dein Kind hat keineswegs die Verantwortung, dir dein Bedürfnis nach Verbindung oder nach Wirksamkeit zu erfüllen.

warum-haben-teenager-keinen-bock-auf-schule-und-lernen

Und wenn dein Kind dir ganz klar zeigt:

„Jetzt gerade Klappe halten“ – dann hältst du die Klappe.

Gleichzeitig lässt du dein Teenager-Kind keinesfalls mit sich allein. Du hast gesehen, dass gerade irgendwas los ist. Und du bleibst präsent. Du zeigst deinem Kind, dass du da bist.

Wie das geht?

Zum Beispiel so.

Wenn dein Kind sich traurig in sein Zimmer verzogen hat, kannst du erstmal klopfen und fragen: „Hey, darf ich reinkommen?“

Wenn als Antwort „nein“ kommt, dann sagst du: „Alles klar. Gleichzeitig möchte ich, dass du weißt, dass ich da bin.“

Und dann kannst du nach einer gewissen Zeit (zum Beispiel fünf Minuten) erneut klopfen und fragen: „Brauchst du was?“

Wenn wieder ein „Nein“ kommt, kannst du irgendwann ein Herz auf einen Zettel malen, ihn unter der Tür durchschieben und sagen: „Hier kommt Mama-Liebe für dich. Ich möchte, dass du weißt, dass ich da bin.“

Und so versuchst du, im Kontakt zu bleiben, deine Präsenz zu zeigen, ohne aufdringlich zu sein und ohne Fragen zu stellen. Doch du vermittelst deinem Teenager: „Hey, ich sehe dich, ich höre dich und ich bin da. Du bist hier sicher. Du bist geborgen.“

2. Gegebenenfalls die Führung übernehmen

Es kann sein, dass irgendwann der Moment kommt, an dem du den Eindruck hast, dass dein Kind wirklich Unterstützung braucht.

Dann übernimmst du die Führung und gehst (natürlich mit Ankündigung) in das Zimmer und sagst: „Ich komme jetzt rein, weil ich die Führung übernehme.“

Und dann bist du an dem gleichen Punkt, als wenn dein Kind auf deine Frage, ob du reinkommen darfst, dir ein „Ja“ gegeben hat.

Ihr seid nun also im gleichen Raum und kommt Schritt für Schritt in den Austausch.

3. Beobachtungen zum Ausdruck bringen

Du beschreibst, ohne zu werten oder etwas zu interpretieren, was du siehst und hörst.

Also beispielsweise so:

„Hey, du weinst.“

Oder:

„Du bist in dein Zimmer gegangen und hast die Tür zugemacht. Deine Schultern hängen runter.“

Oder auch:

„Ich habe gesehen, dass bei dir irgendwas los ist. Ich werde keine nervigen Fragen stellen.“

4. Empathie schenken

Empathie heißt, dass Gefühle gesehen und gehört werden dürfen. Du setzt dich, wenn es möglich ist, neben dein Kind, kannst es streicheln, kannst ihm den Arm um die Schultern legen und sagen: „Hey, du bist ganz traurig, ganz verzweifelt. Irgendwas ist vorgefallen. Fühlst du dich einsam?! Ganz alleine?! Bist du vielleicht auch sauer?!“

Die Fragen stellst du natürlich keinesfalls alle so der Reihe nach. Du kennst dein Kind am besten und weißt, wie viele und welche Fragen passen.

Du fragst also in einer angenehmen Geschwindigkeit Gefühle ab und lässt diese dann im Raum stehen. Wenn es für dein Kind okay ist, halte ihm die Hand oder streichle sie. Oder nimm dein Kind in den Arm, streichle ihm den Rücken – sei nonverbal am Start.

5. Bedürfnisse benennen

Wenn dein Kind bereit ist, könnt ihr über Bedürfnisse kommunizieren. Ich gebe dir hier ein paar Formulierungshilfen mit:

Noch mal:

Es geht keineswegs darum, dass wir jetzt sofort die Gefühle wegmachen wollen oder dass wir sofort eine Lösung brauchen. Sondern das Ziel ist, dass die Gefühle da sein dürfen, dass das Kind weiß, dass es beschützt ist und geborgen und in Sicherheit ist. Das machst du, indem du präsent bist, Empathie schenkst und Bedürfnisse aus dem Hier und Jetzt benennst.

6. Sich auf Lösungssuche begeben

Wenn dein Teenager-Kind dafür bereit ist – und auch nur dann – kannst du irgendwann fragen: „Magst du mir erzählen, was passiert ist?“

Und wenn es das ablehnt, ist das in Ordnung. Dann sagst du: „Kein Problem. Ich frag dich später noch mal. Jetzt ist erstmal wichtig, dass du hier so sein kannst, wie du bist.“

Wenn dein Kind dir erzählt, was passiert ist, dann hörst du zu und dann fragst du wieder Gefühle ab und worum es deinem Kind geht.

Also worum ging es und wie ging es deinem Kind damit genau? Und dann könnt ihr gegebenenfalls am Ende überlegen, wie es mit dem Konflikt jetzt umgehen kann. Das kann auch an einem anderen Tag besprochen werden, zu einem anderen Zeitpunkt.

Hier geht es wirklich erstmal um die pure Empathie und dass die Bedürfnisse von Sicherheit nach meinem Konzept der LilaLiebe® wie zum Beispiel Geborgenheit und Schutz erfüllt werden.

7. Mit deinen eigenen Bedürfnissen klarkommen

Wenn du merkst, dass du Druck hast, weil du wissen willst, was los ist, und verstehen und helfen willst – dann sei gewiss, dass du dein Kind verstehst, weil du ihm Raum für die Gefühle gibst. Und dass du deinem Kind gerade hilfst, weil es lernt, dass diese Gefühle sein dürfen, dass es gut so ist, wie es ist, und dass es lernt, diese Gefühle zu halten und zu tragen.

E-Book für 0 €

Hol dir den Teenie-Dolmetscher!

Wenn du dein Teenager-Kind voller Verbindung und Verstandenwerden durch die Pubertät begleiten willst, lege ich dir meinen „Teenie-Dolmetscher“ ans Herz. In diesem dreiteiligen E-Book erfährst du, wie du Teenagerkonflikte in Verbindung statt im Machtkampf lösen kannst. Den Teenie-Dolmetscher kannst du dir für 0 € mit nur wenigen Klicks in dein Postfach holen.

Teenie-Dolmetscher-Mockup

Das Problem dauerhaft und in Verbindung lösen - so machen wir das zu Hause

Teenager-Kind kommt verheult nach Hause Zitat

Mit meinen Kindern Günther (17) und Waltraud (9) habe ich solche Situationen regelmäßig.

Erst kürzlich hatte ich ein Gespräch mit meinem Sohn, bei dem er mir etwas aus seinem Leben erzählt hat. Über eine Situation, in der er sich sehr geärgert hat. Ich habe ihm Empathie geschenkt: wie es ihm mit der Situation ging, wie es ihm jetzt damit geht und worum es ihm bei diesem Konflikt ging.

Es ging ihm in dem Fall um Grenzen.

Ich habe seine Schulter gestreichelt und mal was gefragt. Dann habe ich wieder meine Klappe gehalten. Und irgendwann haben wir dann überlegt, wie er sich um sich und seine Grenzen kümmern kann. Und wir haben Strategien entwickelt.

Das sind so verbindende Gespräche!

Und ich habe nie den Anspruch, jetzt sofort eine Lösung zu finden. Sondern mein Anspruch ist immer Verbindung, dass diese Gefühle sein dürfen und dass wir herausfinden, worum es geht. Und dann kommen die Strategien irgendwann von ganz alleine.

Mit meiner neunjährigen Tochter führe ich solche Gespräche auch fast täglich – etwa weil es Konflikte in der Schule gab oder in ihrem Sport etwas schiefgelaufen ist.

Es ist mir so wichtig, dass auch sie lernt: „Ich darf traurig sein, ich darf verzweifelt sein, ich darf enttäuscht sein. Keines meiner Gefühle wird mir ausgeredet.“ Das tut so gut, denn je mehr eine Akzeptanz da ist, dass diese Gefühle auch sein dürfen, desto mehr ist es dann auch möglich, sich wieder von ihnen zu lösen und etwas daraus zu machen – daraus zu wachsen.

Fazit

Wenn die Bedürfnisse nach Schutz, Geborgenheit und Empathie erfüllt werden, kann dein Kind in die Bereitschaft kommen, über die Situation zu reden – und letzten Endes auch Strategien zum Umgang mit der Situation finden.

Mein Fazit ist: Es braucht keine sofortige Lösung des Konflikts, sondern Empathie, Empathie, Empathie – und Zeit.

Das haben Leser:innen noch gelesen:

Relevante Podcast-Folgen:

Aus Kind mach Teenie

So begleitest du deinen Teenager

Als Mama oder Papa eines Teenager-Kindes bist du im großen Finale deiner Elternschaft angekommen. Wie du dein Kind voller Verbindung durch die Pubertät begleitest, erfährst du in meinem viertägigen Audio-Kurs „Aus Kind mach Teenie“. 

aus-kind-wird-teenie-titelbild
kathy-weber-versprechen
Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, 2-fache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

Inhaltsverzeichnis
TeenieDolmetscher_Mockup

Fülle beide Felder aus und hole dir den dreiteiligen Teenie-Dolmetscher für 0 Euro. Teil 1 bekommst Du sofort per E-Mail.


Mit Download des Teenie-Dolmetschers meldest du dich automatisch auch für meinen Herzensletter an. Abmelden kannst du dich jederzeit mit nur einem Klick.

Du willst noch mehr Kathy-Impulse?

Hol dir mein Ohne-Wenn-Dann-Kompass für 0 € für deine Elternschaft ohne “Wenn-Dann-Sätze” und echte Verbindung in deinem Familienalltag.


Mit Download meines E-Books meldest du dich automatisch auch für meinen Herzensletter an. Abmelden kannst du dich jederzeit mit nur einem Klick.

Ich freue mich auf dich!