Taschengeld als Strategie, um bei deinem Kind Autonomie und Selbstständigkeit zu fördern

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Wie viel Taschengeld ist sinnvoll? Ab welchem Alter sind Kinder für Taschengeld bereit? Wie lernt dein Kind den Umgang mit dem eigenen Geld? Und wie gehst du damit um, wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind sein Geld zu schnell oder für unsinnige Dinge ausgibt?

Das alles gucken wir uns in diesem Artikel an. Und ich erzähle dir, warum Taschengeld eine coole Strategie ist, um die Autonomie und Selbstständigkeit deines Kindes zu stärken – vom Kindergartenalter bis zur Pubertät.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Taschengeld ist eine Strategie für Autonomie: Dein Kind darf mit seinem eigenen Geld selber machen, selber Entscheidungen treffen und selber Erfahrungen sammeln.

Dein Kind entscheidet selbst, wofür und wie schnell es sein Geld ausgibt.

Bleib in deiner Elterlichen Führung: Du sorgst für Verlässlichkeit und Orientierung, ohne den Umgang deines Kindes mit Geld zu bewerten.

Warum ist Taschengeld für Kinder und Teenager wichtig?

Kinder haben das Bedürfnis nach Autonomie. Das heißt: Sie wollen selber machen, selber Entscheidungen treffen und selber Erfahrungen sammeln.

In meinem Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® unterteile ich die Bedürfniswelt von Kindern nach drei Autonomiephasen.

Für die erste Autonomiephase (etwa anderthalb bis fünf Jahre) übersetze ich Autonomie mit selber machen. In der zweiten Autonomiephase (etwa fünf bis acht Jahre) bleibt selber machen wichtig und selber Entscheidungen treffen kommt hinzu. Und in der dritten Autonomiephase (ab etwa neun Jahren) geht es um selber machen, selber Entscheidungen treffen und dann selber Erfahrungen sammeln.

Für dieses Streben nach Autonomie ist das Taschengeld eine total gute Strategie.

Gleichzeitig wünschen sich ja auch viele Eltern, dass Kinder selbstständig werden und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld erlernen, damit ihre Kinder dann klarkommen, wenn sie erwachsen sind.

Diese Wünsche der Eltern gehen in die gleiche Richtung wie das Bedürfnis des Kindes, das eigene Selbst mit Selbstwirksamkeit, Selbstermächtigung, Selbstständigkeit zu entwickeln. Das ist letztlich das Ziel und das Ergebnis von fundierter Bindung. Und für fundierte Bindung braucht es unter anderem das Bedürfnis nach Autonomie erfüllt. Wie das Taschengeld hier eine geeignete Strategie sein kann – das gucken wir uns in diesem Artikel an.

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Damit fundierte Bindung entsteht (woraus ja dann das große Selbst des Kindes wird), brauche ich dich in deiner Elterlichen Verantwortung: dass du fürsorglich bist, dass du die Führung übernimmst, dass du voller bedingungsloser Liebe und voller Achtung deinem Kind gegenüber bist.

(Das sind in meinem Konzept der LilaLiebe® die vier Elemente für Elterliche Verantwortung.)

Und ich brauche einen verantwortungsbewussten Umgang mit deiner Elternrolle auch in Bezug auf das Taschengeld.

Lass uns bewusst auf Aussagen, Interpretationen oder Gedanken verzichten wie etwa:

Was du außerdem in meinem Artikel keinesfalls finden wirst, sind empfohlene Taschengeldhöhen in Euro und Cent. Die Taschengeldhöhe darf altersgerecht sein und in euer Leben passen. Das heißt: Es darf für dich als Mama oder Papa einfach möglich sein, dieses Taschengeld zu zahlen. Du darfst deinen eigenen Wert haben. Den legt niemand anderes fest.

Taschengeld in der ersten Autonomiephase

Die erste Autonomiephase fängt bei anderthalb Jahren an – das ist erst mal zu früh für Taschengeld. Doch so ab etwa drei Jahren ist es auf jeden Fall machbar, Taschengeld einzuführen.

Mal angenommen, dein dreijähriges Kind kriegt in der Woche 0,50 €. (Das nehme ich nur als Beispiel, weil ich keine Empfehlung für die Höhe des Taschengeldes gebe.) Das Geld bekommt dein Kind immer am gleichen Tag, zum Beispiel sonntags. Das gibt Orientierung. Und natürlich brauche ich dich da in deiner Zuverlässigkeit – dass du deinem Kind das Geld dann auch wirklich jede Woche gibst.

Mit diesem Geld kann dein Kind machen, was es will. Denn wie gesagt: In der ersten Autonomiephase geht’s um selber machen.

Jetzt möchtest du, dass dein Kind einen verantwortungsbewussten Umgang damit lernt.

Dafür könnt ihr beispielsweise gemeinsam eine Schatztruhe basteln, in die die 0,50 € reinkommen. Oder ihr macht einen Tag aus in der Woche, an dem ihr mit den 0,50 € losgeht, und dein Kind kann sich dann in einem bestimmten Laden etwas aussuchen – Süßigkeiten, Stifte, Bastelzeug oder etwas anderes.

Manche Kinder möchten das Geld sparen, um sich dann was Größeres davon zu kaufen. Und andere wollen jede Woche die 0,50 € ausgeben.

Die Entscheidung liegt bei deinem Kind. Gleichzeitig lässt du dein Kind keinesfalls alleine damit. Das heißt: Ich brauche im Umgang mit den 0,50 € deine Elterliche Führung. Du sagst deinem Kind: „Das ist das, was du von mir bekommst, und du kannst damit machen, was du willst.“

Und du zeigst deinem Kind, was mit den 0,50 € möglich ist. Also wenn dein Kind zum Beispiel sagt: „Boah, dieses Lego-Teil da, das will ich unbedingt haben!“ Oder: „Diese Barbiepuppe ist so toll, die will ich mir kaufen!“ … dann könnt ihr gucken, wie viel das kostet und gemeinsam überlegen, wie oft dein Kind 0,50 € braucht. Und dann bastelt ihr eine Sparbüchse und es wird gespart.

Taschengeld in der zweiten Autonomiephase

In der zweiten Autonomiephase zwischen etwa fünf oder sechs und neun Jahren stehen selber machen und selber Entscheidungen treffen im Vordergrund. In diesem Alter würde ich das Taschengeld sukzessive erhöhen. Vielleicht stellst du von wöchentlicher auf monatliche Zahlung um.

Selbstverständlich entscheidet dein Kind auch in der zweiten Autonomiephase, was es mit dem Geld macht. Das Geld ist für den Genuss des Kindes da: Süßigkeiten, Spaß, Spielsachen. Schönheit vielleicht auch, wenn dein Kind beispielsweise unbedingt ein bestimmtes Kleidungsstück haben möchte, das die von dir zur Verfügung gestellte Grundausstattung übersteigt.

Ich weiß noch, wie bei meiner Tochter in der ersten oder zweiten Klasse bestimmte Stifte total im Trend waren, die ich als relativ teuer empfand. Sicher bist du bereit, deinem Kind eine gewisse Anzahl an Stiften zu besorgen, weil es sie für die Schule braucht. Darüber hinaus kannst du sagen: „Wenn du einen zehnten dieser Trend-Stifte haben willst, dann hast du dafür dein Taschengeld und kannst dir davon selber Sachen besorgen.“ Dann kann dein Kind selber entscheiden, wie wichtig ihm denn jetzt der zehnte Stift ist.

Taschengeld in der dritten Autonomiephase

Ab etwa neun Jahren kommt zu selber machen und selber Entscheidungen treffen noch selber Erfahrungen sammeln hinzu. In der dritten Autonomiephase würde ich auf jeden Fall die Höhe des Taschengeldes erhöhen und ganz klar festlegen, wie viele und welche Standardklamotten du für dein Kind besorgst – also: Für welche Ausgaben du verantwortlich bist. Für Drogerieartikel und Schulsachen ebenfalls.

Und dann gibt es Dinge, die dein Kind haben will und die über die Standardausstattung hinausgehen. Dafür darf dein Kind dann sein eigenes Geld nehmen.

Da dürft ihr auch immer wieder in den Austausch gehen: Was möchte dein Kind haben? Wofür möchte dein Kind das haben? Welches Bedürfnis wird erfüllt? Ist es Genuss? Ist es Schönheit? Ist es Zugehörigkeit, Gemeinschaft? Und dann hast du schon wieder einen Anlass, um vom Thema Geld kommend mit deinem Kind über Bedürfnisse zu sprechen und darüber, mit welchen Strategien es sich seine Bedürfnisse erfüllen kann.

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Das Taschengeld reicht nie aus? So machen wir das bei uns zu Hause

Wahrscheinlich kennt auch dein Kind den Frust, wenn am Ende des Taschengelds noch ziemlich viel Monat übrig ist – also: das Taschengeld reicht selten oder nie für all die Dinge, die dein Kind haben will.

Bei uns gibt es die Möglichkeit, das Taschengeld zu erhöhen, indem die Kinder arbeiten.

Meine beiden Kinder arbeiten für die Herzenssache, meine Firma. Es ist festgelegt, wie viel sie pro Video oder Audio bekommen. Da meine Kinder achteinhalb Jahre auseinander sind, gibt es unterschiedliche Preise.

Mit meinem Sohn Günther (18) gab es auch mal eine Regelung, dass er jeden Dienstagnachmittag für seine Schwester zuständig war.

Und das war ein bezahlter Job, den er da hatte. Es gab auch Situationen, in denen er spontan auf sie aufgepasst hat, und das war dann Unterstützung in der Familie.

Der Dienstag hingegen war fix, das hat er fest zugesagt und es war ein Job. So hat er auch gelernt, zuverlässig zu sein und gegebenenfalls rechtzeitig abzusagen.

Denn wenn er dann doch lieber zu einem Freund wollte, habe ich gesagt:

„Du, wann anders gern. Doch heute habe ich einen Termin und ich verlasse mich auf dich. Ich brauche dich jetzt.“

Und so haben wir dann auch diese Konflikte besprochen.

Meine Kinder gehen übrigens sehr unterschiedlich mit Geld um. Mein Sohn gibt sehr gerne Geld aus und meine Tochter hortet das Geld lieber.

Diese Erfahrungen dürfen sie machen und sie dürfen auch lernen, was für ein Typ Mensch sie sind und wie sie mit Geld umgehen und ob es ihnen gefällt, wie sie es machen.

Und alles ist in Ordnung. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Fazit

Taschengeld ist wirklich eine richtig geile Strategie, um das Bedürfnis Autonomie zu erfüllen. Du kannst mit Taschengeld dein Kind unterstützen, zu Selbstständigkeit zu finden und den Umgang mit Geld zu lernen.

Du machst keine Verbote. Gleichzeitig gibst du einen Rahmen und du führst dein Kind in den verschiedenen Autonomiephasen und zeigst ihm, wie es mit dem Geld umgehen kann.

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FAQ

Mein Kind sagt ständig, das Geld sei zu wenig

Dein Kind entscheidet selbst über sein Geld. Wenn dann eben nichts mehr da ist – dann darf diese Erfahrung gesammelt werden. Und dein Kind darf mit dieser Erfahrung auch seine Frustrationstoleranz entwickeln. Ansonsten könnt ihr auch Strategien entwickeln, mit denen dein Kind selbstwirksam sein Taschengeld erhöht: Zeitungen austragen etwa oder Rasenmähen bei den Nachbarn oder Babysitten.

Mein Kind gibt sein Taschengeld für teure Markensachen aus statt für Sinnvolles. Was kann ich machen? 

Dein Kind kann mit seinem Geld machen, was es möchte. Es ist sein Geld. Wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind sein Geld verantwortungslos und zu schnell ausgibt: Dann ist das dein Thema. Die Entscheidung über die Verwendung des Taschengeldes liegt allein bei deinem Kind.

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Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, 2-fache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

Inhaltsverzeichnis
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