Kinder übernachten zum ersten Mal bei Oma und Opa: wie ich Waltraud durch ihre Unsicherheit begleitet habe

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Die erste Übernachtung bei Oma und Opa ist für dein Kind ein großer Schritt. Einerseits freut es sich – und gleichzeitig sind da Fragen wie

Genauso war es auch bei meiner Tochter Waltraud. Und mir war klar: Sie braucht Sicherheit. Also haben wir gemeinsam geschaut: Welche Strategien helfen Waltraud, damit sie das schaffen kann?

In diesem Artikel nehme ich dich mit in unsere Geschichte und zeige dir, wie du dein Kind Schritt für Schritt auf die erste Übernachtung bei Oma und Opa vorbereiten kannst.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Ab wann können Kinder bei Oma und Opa schlafen? Warum es kein „richtiges“ Alter gibt

Waltraud war acht, als sie zum ersten Mal allein bei Oma und Opa übernachtet hat. Sie hätte genauso gut sechs oder zehn Jahre alt sein können. Denn wichtiger als das Alter ist, dass dein Kind sich sicher fühlt.

Deshalb entscheidet sich für mich die Frage, wann das Kind bei den Großeltern schläft, einzig und allein daran, ob es das schaffen kann – völlig unabhängig vom Alter.

Und damit dein Kind sich das zutraut, kannst du ihm ganz viel helfen. Es geht vor allem um das Oberbedürfnis nach Sicherheit. Wie du für Sicherheit sorgen kannst – dafür stelle ich dir in diesem Artikel einige meiner Lieblingsstrategien vor.

Waltrauds Geschichte: „Mama, und wenn ich das nicht schaffe?“

Als bei meiner Tochter die erste Übernachtung bei den Großeltern Thema wurde, war sie zunächst zwiegespalten, ob sie das wirklich will.

Eigentlich ja schon.

„Ich sehe, dass du das schaffen willst”, habe ich zu ihr gesagt, „gleichzeitig bist du unsicher, ob und wie du das schaffen kannst?!”

Und sie nickte und sagte: „Ja.“

Ich habe ihr die Sicherheit geschenkt, sie dabei zu unterstützen, es zu schaffen. Wie genau? Erzähle ich dir!

Kinder-Übernachtung vorbereiten: so habe ich Waltraud Sicherheit geschenkt

Sicherheit ist im Sinne der LilaLiebe®, dem von mir entwickelten Erziehungs- und Beratungskonzept zur Bedürfniswelt von Kindern, eines der wichtigsten Bedürfnisse von Kindern überhaupt. Um Waltraud diese Sicherheit zu schenken, habe ich sie zunächst gefragt: „Was hilft dir denn zu Hause, um schlafen zu können?”

Gemeinsam haben wir gesammelt, was das ist. Zum Schlafen braucht sie Mama-Nähe, Geborgenheit und Zuhause-Gefühl. Und sie braucht Orientierung, also genau zu wissen, wo das Bett ist, wo welche Geräusche herkommen, wo sie das Licht ein- und ausschalten kann und dass sie beim Aufstehen weiß, wo die Toilette ist.

Dann habe ich zu Waltraud gesagt: „Jetzt lass uns Dinge finden, die dir genau DAS erfüllen, wenn du bei den Großeltern bist.“ Und so haben wir unsere Strategien entwickelt – ich stelle sie dir gleich vor.

Zusätzlich habe ich Waltrauds Großeltern gebeten, mit ihr vorab einmal die Wege zu gehen, etwa vom Bett zur Toilette, und ihr zu erklären, welche Geräusche es dort gibt, wer wo schläft und was sie machen kann, wenn sie nachts aufwacht. Sodass Waltraud einen Plan hat, was wie abläuft.

Für Geborgenheit bekam Waltraud außerdem an diesem Tag ihr Lieblingsessen, das war damals Sushi. Meine Eltern waren bereit, all das zu machen, damit es Waltraud gut geht und sie sich wohlfühlt.

Und jetzt zeige ich dir unsere Strategien für Geborgenheit, Orientierung, Liebe und Zuverlässigkeit bei der ersten Großeltern-Übernachtung. Noch mehr Strategien für Nähe und Verbindung gibt es übrigens in meiner Podcast-Folge #232.

Wir lieben Pläne und Listen! 

Wir machen total gern Pläne. Denn Orientierung ist ein Unterbedürfnis von Sicherheit. Das heißt: wenn du deinem Kind Orientierung schenkst, erfüllt sich bei ihm dadurch auch das Bedürfnis nach Sicherheit. Dabei übersetze ich Orientierung mit „Bescheid wissen“, also dass dein Kind weiß, wer zuständig ist, wie etwas abläuft, wo etwas ist, wann was passiert und so weiter. Ist das Bedürfnis nach Orientierung erfüllt, fördert das die Bereitschaft deines Kindes, mitzumachen, also zu kooperieren.

Eine meiner liebsten Strategien, um meinem Kind das Bedürfnis nach Orientierung zu erfüllen, sind Pläne – beispielsweise Wochenpläne zum allgemeinen Ablauf der Woche. Und für die erste Übernachtung bei den Großeltern, wo dein Kind besonders viel Sicherheit braucht, kannst du ihm einen Ablaufplan für die Zeit bei Oma und Opa machen. Also je nach Alter deines Kindes schreibt oder malt ihr auf, wann was passiert.

Oma und Opa wiederum brauchen das Wissen, wann dein Kind ins Bett geht, wie bei euch die Einschlafbegleitung abläuft, was gerade sein Lieblingsbuch für die Gute-Nacht-Geschichte ist und was es zum Einschlafen braucht. Deshalb ist es sowohl für die Großeltern als auch für dein Kind ein Stück Sicherheit, wenn du zusätzlich einen Großeltern-Plan machst.

Ich weiß schon: Pläne und Listen klingen nach abhaken, erledigen, funktionieren. Davon wollen wir ja wegkommen und vielleicht triggert dich das mit den Listen und Plänen. Für mich sind sie einfach eine Strategie in Bezug auf meine Kinder, die dazu beitragen, dass sich Orientierung bei allen Beteiligten erfüllt. Deshalb gibt es bei uns überall Listen und ich habe überhaupt kein Problem damit.

Unsere Mama-Box 

Ich stelle dir jetzt unsere Strategie mit der Mama-Box vor. Das kann natürlich genauso gut eine Papa-Box oder was auch immer sein. Nur ich bin ja nun mal eine Mama und ich erzähle dir, wie ich das mache.

Die Mama-Box finde ich total hilfreich bei Veränderungen, denn sie sorgt für Geborgenheit beim Kind trotz Abwesenheit der Eltern. Meine Tochter hat beispielsweise früher oft gesagt, dass sie möchte, dass ich mit in der Schule bin. Ich habe verstanden: „Ich brauche dich, ich brauche deine Nähe. Ich brauche deine Führung, deine Unterstützung, deine Liebe.“

Und das gilt eben genauso für die erste Übernachtung bei Oma und Opa. Also packt ihr eine Box, eine Schachtel, einen Koffer oder eine Tasche mit Dingen, die deinem Kind Mama-Nähe, Mama-Liebe und Mama-Geborgenheit erfüllen. In unserem Fall ist beispielsweise ein Kuss-Glas drin (ich erzähle dir gleich, was es damit auf sich hat), ein Zettel mit dem Ablauf, ein von mir getragenes T-Shirt und ein Duft von mir. Oder mein Lieblingslippenstift. Ein Stein, den ich mit Mama-Liebe aufgeladen habe. Ein Foto von uns. Dinge eben, die meine Tochter mit Mama-Nähe verbindet.

Und wenn sie dann Mama-Vermissung hat, geht sie zu ihrer Box und kann was daraus nehmen, um sich das Bedürfnis nach Mama-Nähe und Mama-Liebe zu erfüllen.

Unser Kuss-Glas 

Unser Kuss-Glas ist ein leeres, gewaschenes Mehrwegglas mit einem Schraubdeckel. Und da drin hat meine Tochter einen Zettel mit einem Herz drauf. Der ist mittlerweile schon total vergilbt, denn das Glas gibt es bei uns seit sehr vielen Jahren.

Vor ihrer ersten Übernachtung bei den Großeltern haben wir diese bewährte Strategie natürlich auch genutzt. Das geht so: Ich schraube das Glas vor ihren Augen auf und mache ganz viele Küsse rein. Gerne animiere ich sie dazu, mitzuzählen. Dann schraube ich das Glas mit meinen Küssen wieder zu und es kommt in die Mama-Box. Und wenn meine Tochter dann das Bedürfnis nach Mama-Liebe und Mama-Nähe hat, während ich abwesend bin, schraubt sie das Glas auf und nimmt sich so viele Mama-Küsse, wie sie braucht.

Wir speichern unsere Herzensmomente 

Ich mache das schon sehr lange: Wenn ich im Alltag den Eindruck habe, dass das ein Herzensmoment ist, leite ich meine Tochter dazu an, dass wir den speichern – und dann kann sie ihn abrufen, wenn sie es braucht, beispielsweise wenn sie Mama-Vermissung hat.

Was für euch ein Herzensmoment ist, das wisst nur ihr. Für mich und meine Tochter ist es beispielsweise, wenn wir mit den Ponys ausreiten und nebeneinander galoppieren. Dann halten wir uns an der Hand und ich sage: „Das ist ein Herzensmoment! Ganz tief einatmen und das Gefühl speichern, das du jetzt gerade hast!“ Um das zu vertiefen, kannst du auch fragen: „Wie ist denn dein Gefühl gerade? Welche Farbe hat dein Gefühl? Wo fühlst du es genau? Und was hörst du gerade?“

Und wenn es dann bei der ersten Übernachtung bei den Großeltern einen Moment gibt, in dem dein Kind dich vermisst, kannst du es anleiten, diesen Herzensmoment wieder aufzurufen, zum Beispiel so: „Mach mal deine Augen zu. Weißt du noch, wie wir vorgestern gemeinsam Hand in Hand durch den Wald galoppiert sind? Kannst du das sehen? Und jetzt erinnere dich, wo du es gespürt hast und wie sich das angefühlt hat. Und diese Farbe, die du gesehen hast. Atme tief ein und spüre diese Fülle. Diese Mama-Nähe und Mama-Liebe, die da waren. Da ist jetzt alles auch da. Und jetzt kannst du die Augen wieder öffnen.“

Und dann ist meine Tochter so voll von Mama-Liebe und Mama-Nähe und hat alles, was sie in dem Moment braucht.

Findet eure eigenen Strategien 

Ich habe dir einige unserer Strategien vorgestellt. Für uns passen sie. Bevor du eine Strategie für dich nimmst, darfst du immer erst prüfen, welches Bedürfnis dein Kind denn gerade hat. Und am liebsten wäre es mir, wenn ihr eigene Strategien entwickelt. Im besten Fall fragst du dein Kind, ob es eine Idee hat, wie sich dieses Bedürfnis erfüllt. Und wenn es keine hat, sagst du: „Ich habe eine Idee. Willst du sie hören?“

Und dann probiert ihr es einfach mal aus. Und gegebenenfalls braucht es eine andere Strategie. Immer und immer wieder.

 

Lila und ihr Großelternplan

Auf Grundlage meiner Mama-Erfahrung und aus der Beratung tausender Familien habe ich meine eigenen Kinderbücher geschrieben. Da gibt es auch eines zum Übernachten bei Oma und Opa. Es heißt „Lila und ihr Großelternplan“. Außer der Vorlesegeschichte mit liebevollen Illustrationen findest du in dem Büchlein auch einen Elternimpuls, einen Einblick in Lilas Gefühls- und Bedürfniswelt und einen Tagesplan zum Ausfüllen.

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Übernachtung Checkliste: Das gehört in die Tasche

Ich habe dir ja schon erzählt, dass es bei uns total viele Listen und Pläne gibt. Und eine Checkliste für die erste Übernachtung bei den Großeltern darf mehr als die rein praktischen Sachen wie Zahnbürste und frische Socken enthalten. Packe die Tasche für die Übernachtung gern zusammen mit deinem Kind – so könnt ihr gleichzeitig immer wieder überlegen: „Was brauchst du, damit du dich sicher fühlst?“ Hier mein Vorschlag:

Fürs Schlafen

Für Mama-/Papa-Nähe

Für Orientierung

Der große Abend: Abschied, Heimweh und der nächste Morgen

Die Tasche war gepackt, Oma und Opa wussten Bescheid und Waltraud wusste, was sie bei den Großeltern erwartete. Und dann war es so weit: die erste Übernachtung bei Oma und Opa.

Für mich war dabei wichtig, Waltraud den Schritt zuzutrauen. Ich hatte vorher mit ihr geschaut, was ihr Sicherheit gibt, und gemeinsam hatten wir Strategien entwickelt, auf die sie zurückgreifen konnte. Damit hatte ich meine Elterliche Verantwortung übernommen: Ich hatte dafür gesorgt, dass mein Kind alles hat, was es braucht, um diese Veränderung zu schaffen.

Und Waltraud hat es tatsächlich geschafft. Sie hat bei Oma und Opa in den Schlaf gefunden.

Am nächsten Morgen haben wir das natürlich gefeiert! Waltraud fühlte sich stolz und groß – und ich war auch stolz auf sie. Und diese Erfahrung darf auch dein Kind machen: „Ich war unsicher. Doch ich habe mich getraut. Und ich habe es geschafft. Ich bin groß.“

Und wenn es nicht klappt?

Fazit: Du darfst deinem Kind die Sicherheit schenken, es zu schaffen

Wenn du dich im Alltag immer wieder um Geborgenheit, Orientierung und Zuverlässigkeit kümmerst, wird sich bei deinem Kind sukzessive automatisch immer mehr das Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen. Dein Kind wird immer mehr festen Boden unter den Füßen haben und bei Übergängen wie etwa der ersten Übernachtung bei den Großeltern weniger wackelig sein und weniger überfordert sein.

Das braucht Wiederholungen. Die Strategien, die ich dir vorgestellt habe, machen wir weder einmal noch fünfmal – wir machen sie gefühlt zehntausendmal. Immer und immer wieder. Das darf sich ritualisieren. Denn Rituale geben im Alltag Sicherheit.

Also genau das ist für mich Elterliche Führung: dass wir erkennen, was unser Kind in verschiedenen Situationen braucht, und dass wir ihm helfen, sich das zu erfüllen.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Was tun, wenn mein Kind nachts bei den Großeltern Heimweh bekommt? 


Wenn meine Tochter woanders übernachtet, ist es mir wichtig, dass sie weiß, dass sie mich jederzeit anrufen kann. Dass ich präsent bin, obwohl ich abwesend bin. In der Regel telefonieren wir in solchen Fällen abends um 19:30 Uhr, bevor sie ins Bett geht. Ich sage ihr dann vorher: „Ich rufe dich um halb acht an. Du kannst mich jederzeit anrufen und ich gehe ran, wenn ich erreichbar bin. Gegebenenfalls rufe ich dich so schnell wie möglich zurück.“

Und dann kann es sein, dass wir telefonieren und sie mir sagt: „Ich habe ganz dolle Mama-Sehnsucht.“ Dann gehe ich in die Empathie: „Du vermisst mich gerade ganz doll. Wo in deinem Körper spürst du das denn? Leg mal deine Hand drauf.“ Und weiter: „Du brauchst jetzt gerade ganz viel Mama-Nähe und Mama-Liebe?!“ Und dann leite ich sie an, dass sie zu ihrer Mama-Box geht und sich das Mama-T-Shirt andere Dinge aus rausholt. Und so lernt meine Tochter, sich auch bei Vermissung und Heimweh um sich zu kümmern, und so kann ich ganz nebenbei ihre Selbstwirksamkeit fördern.

Sollte ich mein Kind abholen, wenn es anruft und nach Hause will? 

Wie oft dürfen Kinder bei Oma und Opa übernachten? 


Dafür gibt es kein Richtig oder Falsch. Es darf einfach für alle Beteiligten passen: für dein Kind, für dich und für Oma und Opa.

Was mache ich, wenn die Großeltern andere Regeln haben als wir? 

Du hast deine Vorstellungen davon, wie du dein Kind begleitest. Gleichzeitig ist es in Ordnung, wenn die Großeltern ihre Welt haben und dein Kind anders begleiten. Komm raus aus der Verurteilung und aus Erwartungen, wie sich die Großeltern zu verhalten haben. Wenn du erwartest, dass die Großeltern beispielsweise auf Belohnung und Bestrafung verzichten, bist du automatisch im Kampf drin. Komm mit deinen Eltern und Schwiegereltern in Verbindung und bleib in deiner Haltung, dass sie nichts falsch machen – sondern dass sie genau so gut sind, wie sie sind. Wenn du mehr Impulse zu Konflikten zwischen Eltern und Großeltern möchtest: Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben.

 

E-Book für 0€

A und O ist immer wieder, welche Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes stecken: wenn es im „Nein“ zur Übernachtung bei den Großeltern ist, wenn es Heimweh hat, wenn es dich ganz doll vermisst. Und wenn du da noch mehr ins Verstehen kommen möchtest, lege ich dir meinen Bedürfnisübersetzer ans Herz. Mit diesem E-Book für 0 € verstehst du auch in stressigen Momenten leichter, was dein Kind wirklich braucht.

Bedürfnisübersetzer-Mockup
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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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