Der/die Erzieher:in verlässt den Kindergarten oder die Kita? So begleitest du dein Kind bedürfnisorientiert

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Es ist eine dramatische Sache für dein Kind, wenn es erfährt, dass der vertraute Erzieher oder die vertraute Erzieherin die Einrichtung verlässt. Denn der sichere Boden unter den Füßen gerät ins Schwanken: Plötzlich geht jemand weg, der jeden Tag da war. Der tröstet, spielt, hilft, Orientierung und Sicherheit gibt.

Je nach Charakter reagiert dein Kind mit starken Gefühlen der Traurigkeit, Wut und/oder Unsicherheit.

Wie kannst du deinem Kind helfen, diesen Abschied zu schaffen? Was braucht dein Kind, damit es sich im Kindergarten wieder sicher und geborgen fühlt? Und wie könnt ihr zu einem anderen Erzieher oder einer neuen Erzieherin eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen?

In diesem Artikel erfährst du, was bei deinem Kind passiert, wenn eine wichtige Bezugsperson die Tagesstätte verlässt, und wie du es bedürfnisorientiert begleiten kannst.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Ein so wichtiger Abschied wie der vom/von der Bezugserzieher:in bringt das sichere Fundament deines Kindes ins Wackeln.

Deine Führung gibt Halt: Indem du präsent bist, Gefühle begleitest, Bedürfnisse erkennst und den Abschied aktiv gestaltest, stärkst du die innere Sicherheit deines Kindes.

Ein bewusster Abschied öffnet den Weg für Neues: Mit Ritualen, Gesprächen und liebevoller Präsenz hilfst du deinem Kind, loszulassen und Vertrauen in neue Beziehungen aufzubauen.

Was geht in meinem Kind vor? Die Bedeutung des Abschieds für dein Kind

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Ein:e Erzieher:in ist eine Bezugsperson für dein Kind und damit eine wichtige Säule, damit bei deinem Kind die Unterbedürfnisse von Sicherheit erfüllt werden.

Denn Kindergartenkinder befinden sich in der ersten Autonomiephase, in der das Oberbedürfnis nach Sicherheit im Vordergrund steht. Dieses darf in der ersten Autonomiephase dauerhaft und immer wieder neu erfüllt werden.

Dafür braucht es die Elterliche Führung – und eben auch die pädagogische Führung.

Es ist wichtig, dass Pädagog:innen die Bedürfnisse von Kindern dieses Alters im Blick haben: Abenteuer, Autonomie, Unterstützung, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Grenzen, Kooperation, Ordnung, Struktur, Orientierung und noch einiges mehr.

Eine Bezugsperson gibt dem Kind Zuverlässigkeit, Orientierung, Führung und im besten Fall Stabilität. Damit die Kinder wissen: Wer ist wann für mich zuständig?

Und:

Meine Bezugsperson weiß, was zu tun ist, damit ich in Sicherheit bin. Und wenn also ein:e Erzieher:in die Kita verlässt, dann heißt das für das Kind, dass ein Teil des Kartenhauses zusammenfällt.

Denn es steht auf verschiedenen Säulen. Mama ist eine starke Säule, Papa ist eine starke Säule. Vielleicht auch noch Großeltern.

Und in der Kita ist der/die Bezugserzieher:in eine wichtige Säule. Es gibt mehrere Erzieher:innen in der Kita, doch wenn der/die Bezugserzieher:in den Kindergarten oder die Kita verlässt, dann fällt für dein Kind eine dicke Säule weg.

Dann wackelt‘s da ordentlich im Fundament. Für dein Kind ist es, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird.

Das ist für dein Kind unglaublich herausfordernd:

Es fehlt ihm im Kindergarten die zuverlässige Strategie für Zuverlässigkeit, Stabilität, Unterstützung, Grenzen, Ordnung, Struktur. Es fehlt der Mensch, der an diesem Ort für das Kind zuständig ist, der die Führung übernimmt und weiß, was das Kind braucht, damit es in Sicherheit ist.

Und es fehlt die Ritualität. Denn bisher wusste dein Kind: Jeden Morgen, wenn ich komme, ist da Erzieher:in XY und übernimmt mich. Und dieses Ritual verschwindet dann.

Deshalb ist das Oberbedürfnis nach Sicherheit in dem Moment eher unerfüllt.

Und wenn das unerfüllt ist, dann schlägt das Nervensystem an, dann verändern sich die Kinder im Verhalten: sind ängstlich, voller Panik, haben mehr Wutausbrüche, sind weniger bereit zu kooperieren.

Es ist schon dann eine große Nummer für Kinder, wenn der Abschied eines/einer Erzieher:in vorab bekanntgegeben wird. Und dann gibt es auch noch Situationen, wo es von heute auf morgen so ist.

Und da ist es so wichtig, dass wir als Eltern ein Bewusstsein dafür haben, wie elementar das für das Kind ist, was das für das Kind bedeutet. Wir Eltern dürfen dafür sorgen, dass die Bedürfnisse von Sicherheit erfüllt werden, zu Hause und auch wieder in der Kita.

Wie kann ich als Mama/Papa damit umgehen und was braucht mein Kind von mir?

Dein Kind ist unsicher, traurig, wütend, ängstlich – je nach Charakter. Jedenfalls sind Bedürfnisse unerfüllt. Diese Gefühle dürfen ihren Raum bekommen. Immer und immer wieder. Bis sie sich in etwas anderes umwandeln.

Und gleichzeitig dürfen wir als Eltern diese Gefühle begleiten und den Abschied gestalten.

Das heißt:

Dein Kind braucht deine Empathie und deine Führung. Damit es lernen kann, mit starken Gefühlen wie Trauer, Wut oder Angst umzugehen. Damit es wieder den sicheren Boden unter den Füßen spürt, der plötzlich ins Wackeln gekommen ist. Und es ist deine Elterliche Verantwortung, deinem Kind diese Sicherheit zu schenken.

Dafür brauchen wir Strategien. Ich gebe dir hierzu gleich ganz konkrete Impulse, die du leicht umsetzen kannst.

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Strategien, um den Abschied bewusst zu gestalten

1. Komm in deine Führung.

Wenn du erfährst, dass ein:e Erzieher:in in vier Wochen den Kindergarten verlässt – dann sind vier Wochen für dein Kind eine lange Zeit. Gegebenenfalls wartest du etwas ab, bist du deinem Kind davon erzählst. Denn vier Wochen kann es schwer absehen.

In dieser Zeit kannst du aktiv werden und in die Gestaltung des Abschieds kommen. Du kannst alles vorbereiten. Frage in der Kita nach, wie dort der Abschied geplant wird. Und fange dann beispielsweise eine Woche vorher an, dein Kind durch diesen Abschied zu begleiten.

Hier einige Impulse, wie ihr den Abschied gestalten könnt:

So könnt ihr diesen Abschied zelebrieren. Genauso übrigens dann das Willkommen für die/den neue:n Erzieher:in. (Zur Eingewöhnung mit dem/der neuen Erzieher:in kommen wir gleich noch.)

Überlasse dieses Zelebrieren des Abschieds keinesfalls einfach der Kita bzw. dem Kindergarten. Denn du bist die fürsorglich führende, liebevolle Person, das Elternteil an der Seite deines Kindes. Und du darfst in deiner Verantwortung erkennen:

„Ah, da ist eine Situation, die bei meinem Kind das Fundament ins Wackeln bringen wird. Und ich darf mein Kind dabei unterstützen, damit klarzukommen.“

2. Redet.

Wenn dein Kind bereit ist zu sprechen, so redet über die Gefühle, die da sind. Frag dein Kind beispielsweise:

Schritt für Schritt setzt sich dein Kind mit seinen Gefühlen auseinander – und du bekommst ein besseres Verständnis dafür, was in deinem Kind vor sich geht.

3. Schweigt.

Was jedoch, wenn dein Kind sich zurückzieht und es ablehnt, über den Abschied des Erziehers bzw. der Erzieherin zu sprechen? Vielleicht grundsätzlich wenig bis nichts von der Kita erzählt?

Da sag ich erst mal: Trauer oder Angst dürfen sich sehr unterschiedlich zeigen. Dein Kind darf mit seinen Gefühlen so umgehen, wie es das nun mal tut.

Dass du sagst:

„Mein Kind zieht sich zurück“ – das ist deine Interpretation. Du kannst fragen: „Bist du traurig? Gehst du mit deiner Traurigkeit in dein Zimmer?“

So bleibst du präsent. Und du gestehst gleichzeitig deinem Kind zu, seine Traurigkeit so zu leben, wie es zu deinem Kind passt.

Wenn du merkst, dass dein Kind es ablehnt, über seine Gefühle zu reden, dann zeig ihm, wie es stumm und schweigend trauern kann. Auch das ist erlaubt. Das heißt: Nur weil Reden eventuell deine Strategie ist, mit starken Gefühlen umzugehen, hast du keineswegs zu entscheiden, welche Strategie für dein Kind die passende ist.

Gleichzeitig finde ich deine Präsenz da wirklich wichtig. Ich würde nachhaken:

Das heißt:

Lass dein Kind da keinesfalls allein mit seinen Gefühlen. Sei da. Sei immer wieder präsent. Und kommuniziert über die Bedürfnisse deines Kindes – altersgerecht, versteht sich.

4. Weint.

Eine Strategie, die ich selbst einsetze, wenn ich in der Trauer bin, sieht so aus: Ich mache mir traurige Musik an (ich habe ein bestimmtes Lied dafür) und weine.

Das Lied mache ich ganz bewusst für meine Traurigkeit an. Ich nehme meine Trauer in den Arm und lasse sie zu.

Und wenn das Lied vorbei ist, dann fährt sich das Nervensystem wieder ein bisschen runter. Ich wische mir die Tränen ab. Und schüttele die Trauer ein Stück weit ab.

5. Gebt dem Ganzen die Zeit, die es braucht.

Das alles ist ein Prozess und wir dürfen unsere Strategien regelmäßig einsetzen. Wie lange der Abschiedsprozess dauert, bis dein Kind in die Annahme kommt:

Das ist bei Kindern genauso unterschiedlich wie bei Erwachsenen. Die Trauer bestimmt ihr Tempo selbst.

Der/die Erzieher:in ist von heute auf morgen weg - was dann?

Wenn der/die Erzieher:in die Kita oder den Kindergarten ganz plötzlich verlässt, ohne dass ihr den Abschied vorbereiten und zelebrieren könnt, dann ist das Ganze für dein Kind noch viel dramatischer.

Dann kann es sein, dass dein Kind erst mal zu Hause bleiben darf, wenn es dir möglich ist. So könnt ihr runterfahren und gucken, wie die Kita sich organisiert.

Und ihr könnt überlegen, wie ihr den Abschied rückblickend zelebriert. Das könnt ihr ähnlich machen, wie ich es oben beschrieben habe.

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Also zum Beispiel Fotos raussuchen und ausdrucken und ein Fotoalbum gestalten. In Ruhe traurig sein.

Wenn die Kita einen Abschied innerhalb der Gruppe zelebriert, so würde ich gucken, dass mein Kind dabei ist und mitmachen kann. Nur vielleicht holst du es an diesem Tag früher ab.

Warum? Weil du weißt, dass das für dein Kind eine Extremsituation ist.

Wenn es dir unmöglich ist, dein Kind zu Hause zu lassen oder früher abzuholen, dann kümmere dich darum, dass es vor Ort alles hat, was es braucht.

Da darfst du mit der Einrichtung noch mal in den Austausch gehen. Damit die Gefühle begleitet werden, eine Beziehung verabschiedet wird und eine neue Beziehung aufgebaut wird.

Der Blick nach vorn: Vertrauen zum/zur anderen Erzieher:in aufbauen

Wenn jemand Neues in die Einrichtung kommt oder eine andere Person innerhalb der Einrichtung zum/zur Bezugserzieher:in deines Kindes wird, braucht es zu diesem Menschen eine neue Eingewöhnung.

Es werden neue Rituale entwickelt und es darf neues Vertrauen aufgebaut werden.

Das läuft im Prinzip ab wie eine Mini-Eingewöhnung in die Kita bzw. in den Kindergarten. Ich würde mir vorab in der Einrichtung Infos einholen, bestenfalls ein Foto und einen kleinen Steckbrief zu dem/der neuen Erzieher:in.

Und ich würde als Mama oder Papa zum Kennenlernen nochmals in die Tagesstätte mitkommen.

Ich würde auch dem/der neuen Erzieher:in eine Art Steckbrief über mein Kind mitgeben. Wie heißt es? Was braucht es am meisten?

Welche Strategien sind gerade die Lieblingsstrategien? Das hilft deinem Kind schon mal, denn es sieht: „Ah, Mama/Papa unterstützt mich.“

Und auch der/die neue Erzieher:in bekommt eine Orientierung.

Dann folgt wieder eine Phase des Beschnupperns. Vielleicht holst du dein Kind wieder eine Zeitlang früher ab.

Und sprich selbst mit dem/der neuen Erzieher:in – dann sieht dein Kind: „Mama/Papa geht dort in Beziehung.

Wenn Mama/Papa mit dem Menschen spricht, kann ich das auch.“

So entsteht Vertrauen.

Meine Erfahrungen mit dem Abschied von Erzieher:innen

Heidewitzka, wir haben in unserer Familie viel Erfahrung mit dem Abschied von Erzieher:innen. Mit meinem Sohn Günther war ich damals in einer extremen Situation.

Als er etwa anderthalb oder zwei Jahre alt war, habe ich für ihn einen Kita-Platz gefunden. Das war damals hier in Berlin Prenzlauer Berg eine große Herausforderung. Denn alle Einrichtungen waren rappelvoll.

Doch dann habe ich in einer Privat-Kita einen Platz für ihn gefunden. Die hatte gerade neu aufgemacht und das Konzept las sich total gut. Auch zu der Leiterin hatte ich einen Draht. Ich hatte zunächst einen rundum guten Eindruck. Ich dachte: Hier können wir ein zweites Zuhause bekommen.

Dann hat jedoch von den Erziehenden plötzlich gefühlt jede Woche jemand gekündigt. Und es kam jemand Neues.

Die neue Person war ein oder zwei Wochen da und sagte dann wieder, dass er oder sie geht.

Das habe ich mir zwei Monate lang angeguckt. Und dann habe ich entschieden: Hier scheint etwas unstimmig zu sein. Mit der Führung, mit dem Konzept der Kita, keine Ahnung.

Auf jeden Fall blieb hier für meinen Sohn das Oberbedürfnis nach Sicherheit mit diversen Unterbedürfnissen unerfüllt. Ich habe deshalb die Reißleine gezogen und gekündigt – ohne zu wissen, ob und wann ich wieder einen Kitaplatz haben werde.

Das habe ich so entschieden, weil ich verantwortlich für die Bedürfnisse meines Sohnes bin: für sein Überleben mit den Unterbedürfnissen und auch für das Oberbedürfnis Sicherheit.

Ich habe dann, glaube ich, über 80 Kitas abtelefoniert. Nach ein paar Monaten habe ich einen neuen Platz für ihn bekommen. In diese Kita bin ich acht Jahre später auch mit unserer Tochter gegangen.

Das konnte ich mir so erlauben, weil ich es mir so eingerichtet habe. Es war für mich einfach keine Lösung, dass er dort in dieser Situation bleibt.

Denn durch diesen ständigen Wechsel der Bezugspersonen wären bei ihm Defizite entstanden, die unmöglich aufzufangen gewesen wären.

Ich bin in meine Elterliche Verantwortung gekommen und habe Wege gefunden, wie ich das machen kann. Ich habe meine Eltern mit eingespannt.

Es war für mich ausgeschlossen zu sagen:

Ich finde dafür keine Lösung und mein Sohn „muss da jetzt durch“. Sondern ich habe für uns eine Grenze gesetzt. Denn das war einfach zu viel an Wechsel und Abschieden.

Fazit

Auch wenn der Abschied von einem/einer Bezugserzieher:in für dein Kind ein dickes Brett ist:

Ihr habt jetzt jede Menge Strategien und Impulse, um diesen Abschied zu gestalten.

Und dann ist es doch auch so, dass Abschiede zum Leben dazugehören und dein Kind durch diesen Prozess lernen darf, Frustrationstoleranz aufzubauen.

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Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, 2-fache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

Inhaltsverzeichnis
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