Teenager hat keinen Bock auf gemeinsame Zeit mit der Familie – wie damit umgehen?

zuletzt aktualisiert:

Du hast den Eindruck, dass dein Teenager von Familienzeit nur noch genervt ist? Du bist traurig, weil du Gemeinschaft, Harmonie und Leichtigkeit vermisst? Du hast Sorge, dass du die Verbindung zu deinem Teenager-Kind verlierst?

Die Erfahrung, dass zunehmende Distanzierung stattfindet, wo vorher Nähe war, fühlt sich für dich gegebenenfalls unangenehm an. Vielleicht fragst du dich, ob du etwas „falsch“ gemacht hast, wie du die Verbindung mit deinem Kind wiederherstellen kannst und wie du es unterstützen kannst, wenn du den Eindruck hast, dass es Hilfe braucht.

In diesem Artikel gucken wir uns an, wie du das Verhalten deines Kindes verstehen lernst, warum es so wichtig ist, dass du in deine Elterliche Haltung kommst und welche Strategien euch aus Machtkämpfen raus- und in die Verbindung reinbringen!

 Die drei wichtigsten Infos zusammengefasst:

Dein Teenager macht nichts gegen dich – sondern etwas für sich.

Für deine Bedürfnisse bist allein du verantwortlich – keinesfalls dein Teenager.

Verbindung entsteht nie durch Druck – ich brauche dich in deiner liebevollen Elterlichen Führung.

Warum Teenager sich zurückziehen: Die dritte Autonomiephase

Erst mal grundsätzlich … was passiert in der Pubertät bei deinem Kind? 

In meinem zertifizierten Erziehungs- und Beratungskonzept, der LilaLiebe®, unterscheide ich drei Autonomiephasen bei Kindern. [NH2] Teenager sind in der dritten wichtigen Entwicklungsphase, die ab etwa neun Jahren beginnt und auch Pubertät genannt wird. In dieser Zeit passiert schon mal körperlich eine ganze Menge. Und auch die Bedürfniswelt erweitert sich. Dein Teenager will selber Erfahrungen sammeln.
Die Bedürfnisse aus den ersten beiden Autonomiephasen bleiben weiterhin. Nur: In der dritten Entwicklungsphase rücken andere Bedürfnisse in den Vordergrund. Teenager brauchen vor allen Dingen diese Bedürfnisse erfüllt, damit sie weiterhin fundierte Bindung aufbauen können (was das Hauptziel in der LilaLiebe® ist).
Und welche Bedürfnisse sind das nun für die dritte Autonomiephase? Das Oberbedürfnis ist Achtung. Und mit diesem Oberbedürfnis sind gewisse Unterbedürfnisse verknüpft, beispielsweise Anerkennung, Freiheit, Individualität, Integrität, Offenheit, Respekt, Wahrhaftigkeit, Wertschätzung und Wahrgenommenwerden. Je mehr der Teenager lernt, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen, desto mehr erfüllt sich auch das Oberbedürfnis nach Achtung. Dein Teenager möchte wahrgenommen werden mit all dem, was er/sie ist und was er/sie denkt.

In der dritten Autonomiephase stellt sich dein Teenager Fragen wie:

Das heißt:

Dein Teenager lernt, sich zu hinterfragen. So entstehen Individualität, Integrität, Menschlichkeit, Respekt. Und das geht halt selten von heute auf morgen. Dein Teenager probiert sich aus und wird sich in dieser Phase immer wieder verändern.

Und dann ist dein Teenager plötzlich im Rückzug 

So, und dann gibt es vielleicht eine Zeit, in der du den Eindruck hast, dass dein Kind sich zurückzieht. Es kommt kaum mehr aus seinem Zimmer raus, verbarrikadiert sich, erzählt nichts mehr. Es hat sich verändert. Beim Familienessen und anderen gemeinsamen Zeiten (die sowieso schon viel weniger geworden sind) ist dein Teenager nur noch genervt: von euch Eltern, von den Geschwistern, von allem eigentlich.

Doch ich bin mir sicher:

Dein Teenager-Kind möchte mitmachen. Es möchte teilhaben und es möchte wissen, was bei euch los ist. Und es möchte auch zu einem gewissen Teil, dass ihr wisst, was bei ihm los ist. Es möchte Teil der Gemeinschaft sein.

Gleichzeitig braucht es offensichtlich gerade Hilfe. Es kann sein, dass dein Kind genau das dir mit seinem Verhalten mitteilen möchte:

„Hallo, ich brauche Unterstützung. Ich check überhaupt nicht, was los ist.“

Es kann auch sein, dass im Leben deines Kindes etwas vorgefallen ist und es versucht, sich mit seinem Verhalten eine Art Schutzraum zu schaffen und sich um das Thema Grenzen zu kümmern.

Welche Strategien du anwenden kannst, wenn dein Teenager-Kind im Rückzug ist – dazu kommen wir weiter später. Gleichzeitig möchte ich hier noch festhalten, dass ich Rückzug als Strategie keineswegs verurteile. Das ist ja für sich genommen total in Ordnung. Dein Kind braucht dir weder alles zu erzählen noch hat es am Familienessen teilzunehmen oder im Haushalt mitzuhelfen noch sonst irgendwas anderes. Dein Kind muss einen Scheiß.

Teenager wollen sich ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Rückzug kann eine Strategie sein, mit der sich dein Kind das Bedürfnis nach Autonomie erfüllt. Und du weißt ja: Mit allem, was dein Teenager-Kind macht, gibt es sein in diesem Moment einzig Mögliches. Erkenne das an.

Nur: Du bleibst natürlich präsent. Du schaust hin. Du lässt es keinesfalls einfach laufen und belässt es bei „Na ja, er/sie braucht halt gerade Rückzug.“ Sondern du guckst, was dahintersteckt, welche Bedürfnisse dein Teenager hat und hilfst deinem Kind dabei, sich so darum zu kümmern, dass diese Bedürfnisse bestmöglich erfüllt werden.

Das heißt:

Du bist da für dein Kind. Bedingungslos. Und du übernimmst die Führung, wenn du siehst, dass dein Kind gerade Unterstützung braucht.

Bevor du auf dein Kind schaust: Schau auf dich

In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg gibt es die Haltung, dass grundsätzlich alle Menschen dazu bereit sind, zum Wohle der Gemeinschaft (und die Familie ist eine Gemeinschaft) beizutragen, sofern ihre Bedürfnisse weitestgehend erfüllt sind. Wer ist für die Bedürfniserfüllung von Kindern, auch von Teenagern verantwortlich? Das sind wir Eltern. Das heißt: Wir dürfen hingucken. Wir gucken auf unser Teenagerkind und wir gucken auf uns selbst.

Wie bist du groß geworden? Was hattest du für eine Teenagerzeit? Wie wurde mit dir umgegangen und wie hast du dich um dich gekümmert? Da darfst du wirklich mal schauen, welche Muster du in deiner Teenagerzeit erlernt hast.

Sei dabei barmherzig mit dir. Vielleicht warst du verzweifelt, einsam, traurig, wütend. Vielleicht konntest du gar keine Gefühle zulassen. Reflektiere deine eigene Teenagerzeit und schenke deinem Inneren Teenager im Hier und Jetzt das, was du damals gebraucht hättest. Das ist das Nachbeeltern. Dafür bist allein du zuständig – denn es ist keinesfalls die Aufgabe deines Teenager-Kindes, deine Bedürfnisse zu erfüllen.

Durch das Nachbeeltern deines Inneren Teenager-Kindes wird sich deine Welt kaum von heute auf morgen ändern. Doch du darfst Schritt für Schritt lernen, wie du dein Inneres Kind heilst. Das ist ein Prozess. Und auch ich habe in der Begleitung meines Teenagers mit manchen Dingen Herausforderungen gehabt. Zum Beispiel beim Thema Klamotten, beim Thema Drogen, beim Thema Medienkonsum. Es geht weniger darum, dass du da dann gar keine Herausforderungen mehr hast und dass ihr keine Konflikte habt.

Die Frage ist nur: Wie durchlebt ihr das – in Verbindung oder im Machtkampf? Und ich habe mich immer für Verbindung entschieden. Manchmal sitze ich vor meinem Sohn und mir laufen vor Stolz und Demut die Tränen runter, wenn ich ihm zuhöre und höre, wie er wirklich anfängt, sich um sich zu kümmern. Und dass es Themen gibt, über die er nur mit mir spricht. Weil er weiß:

„Da werde ich gehört, da werde ich gesehen und da bekomme ich das, was ich brauche. Da finden wir für alles eine Lösung. Ich werde nie verurteilt.“ Das geht so tief. Das ist magisch.

Und du willst ja auch, dass du mit deinem Teenager eine Beziehung auf Augenhöhe hast, dass ihr Konflikte in Verbindung lösen könnt, dass ihr gerne eine richtig, richtig cooles Team seid und dass dein Teenager-Kind einen Selbstwert, eine Selbstliebe und eine Selbstwirksamkeit entwickeln kann, von der du wahrscheinlich noch heute träumst.

Und dafür brauche ich dich in deiner Haltung der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg: Dein Teenager-Kind ist keineswegs auf der Welt, um dir das Leben zur Hölle zu machen.
Dein Teenager-Kind ist weder böse oder trotzig noch tanzt es dir auf der Nase herum.

Sondern:

Dein Teenager-Kind versucht, sich mit seinem Verhalten um sich zu kümmern, und du darfst erkennen, um welche Bedürfnisse es da denn geht. Und du darfst deinem Kind dabei helfen, dass es sich diese Bedürfnisse so erfüllt, dass es für alle Beteiligten in Ordnung ist.

Und das hat keinesfalls sofort zu klappen. Denn dein Kind braucht Räume, Erfahrungen sammeln zu dürfen. Wenn du ihm die im Rahmen deiner liebevollen Elterlichen Führung gibst, dann entsteht da diese magische Verbindung und dann kann dein Kind dieses große Selbst entwickeln.

Das heißt, deine neue Rolle ist auf Augenhöhe. Und du darfst loslassen. Du darfst dich von der Kindheit deines Kindes verabschieden und die Teenagerzeit begrüßen.

Typische Reaktionen, die zu noch mehr Distanz führen

Wenn sich dein Teenager zurückzieht, macht dich das wahrscheinlich traurig. Oder wütend. Du fühlst dich ohnmächtig, zurückgewiesen, ausgeschlossen. Darum darfst du dich kümmern, denn dein Teenager ist ja keineswegs für deine Gefühle und die Erfüllung deiner Bedürfnisse zuständig.

Jedenfalls kann es sein, dass du aus diesen Gefühlen heraus mit Druck, Vorwürfen, Ironie oder eigenem Rückzug reagierst. Du sagst vielleicht Sachen wie:

Das ist der Wolf in dir. Er arbeitet mit Druck, Bewertung, Schuldzuweisung, Erwartung an andere und mit Bedingungen. Wenn du dich bei solchen Sätzen ertappst, kannst du die bedauern. Auch mit deinem Kind zusammen. Schau da genau hin, welche Bedürfnisse bei dir dahinterstecken – wahrscheinlich geht’s da so in die Richtung Gemeinschaft, Austausch, Verbindung, Leichtigkeit, Wahrgenommenwerden oder auch Liebe.

Nur die Frage ist ja in der Situation dann auch, was dein Teenager hört. Gegebenenfalls hört dein Kind:

Und dann passiert wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem, was du erreichen wolltest: Dein Kind geht noch mehr in den Rückzug. Es geht entweder in den Widerstand oder in die Anpassung. Verbindung in beiden Fällen Fehlanzeige.

Und der Schlüssel, da rauszukommen, ist eine Veränderung in deiner Haltung. Dass du eben fragst: „Moment mal – worum versucht mein Kind sich gerade zu kümmern? Und wie kann ich ihm dabei helfen, seine Bedürfnisse zu erfüllen?“

So gelingt die Verbindung: Sieben Strategien für Eltern

Ändere den Blick auf dein Teenager-Kind

Wenn du sagst: „Boah ey, mein Teenager ist nur noch genervt von der Familie. Er/sie hat überhaupt keinen Bock mehr auf Familienzeit“ – dann ist das eine Interpretation. Ich brauche zuallererst, dass du den Blick auf dein Teenager-Kind änderst.

Komm raus aus der Bewertung und beobachte ganz neutral: Dein Kind sagt dies oder macht jenes. Also du nimmst eine ganz konkrete Beschreibung seines Verhaltens vor, ohne es zu bewerten. So kommst du in eine Verbindung. Niemand hat nett zu allen zu sein und niemand hat an Sachen teilzuhaben. Ihr seid als Familie eine Gemeinschaft – unabhängig davon, wie jeder Einzelne sich in der Gemeinschaft verhält.

Um deine Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Austausch, Harmonie kümmerst du dich selbst, denn die Erfüllung deiner Bedürfnisse liegt ganz allein in deiner Verantwortung.

Lebe bedingungslose Liebe zu deinem Kind

Das heißt: Dein Teenagerkind ist Teil von euch und du liebst es bedingungslos – ganz gleich, wie es sich verhält. Und das machst du deinem Kind auch deutlich: „Du gehörst dazu. Du bist Teil von uns.“ Und du wirst deinem Kind immer wieder sagen, wie du es liebst.

Gleichzeitig heißt bedingungslose Liebe natürlich auch, dass du in deiner Elterlichen Verantwortung bleibst. Denn dein Kind möchte dir ja mit seinem Verhalten etwas sagen. Und dafür brauche ich dich in deiner Elterlichen Achtung und vor allen Dingen brauche ich dich auch in deiner Elterlichen Führung.

Komm in deine Elterliche Führung

Das heißt, wenn dein Kind es vorzieht, nur noch wenig an Familienaktivitäten teilzunehmen, dann dürft ihr darüber sprechen. Du sagst beispielsweise: „Ich sehe, dass du dich gerade unwohl fühlst.“ Und ihr dürft Wege finden, damit sich dein Teenager in der Familie wohlfühlt.
Das ist Teil der bedingungslosen Liebe: dass du dich um die Bedürfnisse kümmerst, die dir dein Teenager mit seinem Verhalten zeigt. Denn dein Kind braucht Zugehörigkeit, Empathie und bedingungslose Liebe erfüllt, damit es überhaupt Strategien für sich finden kann, um ins Wahrgenommenwerden, in die Wahrhaftigkeit und in die Kooperation zu kommen.

Und wenn dein Kind stark im Rückzug ist, braucht es vermutlich ebenfalls deine Hilfe. Denn Zugehörigkeit ist enorm wichtig. (Nach meinem Konzept LilaLiebe® ist es das Oberbedürfnis der zweiten Autonomiephase.) Da braucht es deine Elterliche Führung. Denn wenn jemand sich auf einmal zurückzieht, ist da eine Schieflage, und es ist dein Job herauszufinden: Was ist passiert? Was war der Auslöser dafür, dass dein Kind sein Verhalten geändert hat? Und was sind das für Bedürfnisse, die dahinterstecken? Worum versucht dein Kind, sich zu kümmern?

Du gehst also hin und sprichst wertungsfrei über deine Wahrnehmung: „Hey, ich habe beobachtet, dass du seit einer Woche direkt auf dein Zimmer gehst, statt dass du dich wie vorher erst mal zu mir setzt. Da hat sich was verändert, oder?“ Also du teilst deine Beobachtung und fragst dann dein Kind, ob es das auch so wahrnimmt.

Und wenn es das bejaht, kannst du weiterforschen: „Kann es sein, dass du dich gerade um dich kümmerst?“ So und du kuckst du mal, was so kommt und was dein Kind beschäftigt und welche Strategien ihr erarbeiten könnt, damit die Bedürfnisse deines Kindes erfüllt werden.

Sei Schutzschild deines Kindes

Du bist der Schutzschild deines Kindes. Je jünger dein Kind ist, desto mehr braucht es dich als Schutzschild, weil es umso weniger für sich Verantwortung übernehmen oder die Konsequenzen seines Handelns absehen kann. Ich brauche dich als Schutzschild bei deinem Kind vor allen Dingen für die emotionale Gesundheit. Immer, wenn Übergriffe stattfinden, die du mitbekommst oder von denen dein Kind dir erzählt (etwa Belohnung, Bestrafung, Verurteilung oder eine Bewertung), dann bist du Schutzschild.

Wenn dein Kind mit der Gewaltfreien Kommunikation und der LilaLiebe® großgeworden ist, hat es im besten Fall in den ersten beiden Entwicklungsphasen bereits gelernt, dass es beschützt ist. Und wie sich um seinen Schutz kümmern kann und wie es „Nein“ sagen kann. Wie es bestimmte Formulierungen für sich übersetzen kann und wie es Grenzen für sich ziehen kann.

Jetzt in der Teenagerzeit geht es darum, dass dein Kind sich selber ausprobiert. Das heißt, du bist als Schutzschild weniger konkret in der Handlung. Du bist mehr im Hintergrund. Wenn dein Kind dir von Situationen erzählt, in denen es emotionale Übergriffe gegeben hat, hörst du dir an, was passiert ist, wie dein Kind reagiert hat und schenkst Empathie. Und dann könnt ihr gegebenenfalls üben, wie es sich nochmal anders verhalten könnte. Du kannst auch fragen, ob es dazu noch was hören möchte von dir. Wenn es „nein“ sagt, sagt es „nein“. Und dann hältst du auch deinen Mund.

Wenn dein Kind neu lernt, dass du sein Schutzschild bist, dann darfst du die Strategie Schutzschild eher wie bei einem jüngeren Kind umsetzen. Damit es diese Erfahrung erst mal machen kann.

Falls du darüber mehr wissen möchtest: In meinem Podcast habe ich übrigens eine Folge für dich, in der er darum geht, wie du dich für dein Kind einsetzen kannst und Schutzschild bist.

Stellvertretende Kraft

Es ist dein Job, sicherzustellen, dass körperliche und emotionale Bedürfnisse bei deinem Teenager-Kind erfüllt wird. Dafür kann es nötig sein, dass du die Stellvertretende Kraft als Strategie einsetzt. Wenn beispielsweise im Zimmer deines Teenagers schon der Schimmel über den Teller wächst, dann gehst du ins Zimmer rein, nimmst den Schimmel-Teller und trägst ihn raus. Oder wenn dein Teenager mal wieder bis in die Puppen in die Glotze schaut, obwohl am nächsten Tag Schule ist, dann gehst du hin und nimmst die Fernbedienung und machst den Fernseher aus.


Oder wenn du mitbekommst, dass dein Teenager mit dem Freund oder der Freundin bis in die Puppen streitet: Dann fragst du ein-, zwei-, dreimal, ob sie Hilfe brauchen. Und auch wenn sie „nein“ sagen: Irgendwann erkennst du, dass sie Hilfe brauchen, weil sie keine Ruhe finden. Und dann klopfst du an und sagst: „Ich komme jetzt rein und übernehme die Führung.“ Und dann sorgst du dafür, dass sie in den Schlaf finden.


Du handelst also für das Kind. Auch wenn das in dem Moment übergriffig ist und von deinem Kind auch so wahrgenommen wird. Denn es ist einfach deine Elterliche Verantwortung.
Bei deinem Teenager wirst du Strategien wie die Stellvertretende Kraft und die Schützende Gewalt (zu der ich gleich noch komme) deutlich seltener einzusetzen haben als bei einem Kleinkind. Nur: Wenn es körperlich oder emotional für dein Kind gefährlich wird, dann greifst du ein.

Schützende Gewalt

Die Schützende Gewalt ist eine weitere Strategie der Elterlichen Führung. Sie ist immer dann notwendig, wenn die körperliche Gesundheit deines Kindes in Gefahr ist. Du wirst beispielsweise die Hand deines Kindes festhalten oder dein Kind vom Herd wegschubsen, um zu verhindern, dass es auf die heiße Platte fasst. Oder du wirst dein Kind zurück auf den Gehweg zerren, wenn es auf die Straße laufen will, obwohl ein Auto kommt. Du greifst also zum Schutz deines Kindes ein.

Dein Kind empfindet das subjektiv als Gewalt und dein Verhalten als übergriffig. Deshalb nutze ich diesen Begriff, denn er zeigt transparent, worum es geht. Wir versuchen die Schützende Gewalt so wenig wie möglich und so viel wie nötig einzusetzen.

Bei deinem Teenager geht’s in der Regel um andere Themen als den Straßenverkehr und heiße Herdplatten. Es geht beispielsweise um Drogen, Gewalt und Schlafmangel. Und da kann es sein, dass es auch im Teenageralter deine Schützende Gewalt braucht. Wenn du zum Beispiel siehst, dass dein Kind zu Drogen greift – dass du ihm dann das Glas oder was auch immer aus der Hand nimmst. Oder dass du bei deinem Kind sitzen bleibst, bis es einschläfst, wenn sein Bedürfnis nach Schlaf krass unerfüllt ist.

Nachbeeltern beim Teenager

Wenn dein Teenager mit der #gfkmitkathy und der LilaLiebe® großgeworden ist, dürften die Bedürfnisse aus der ersten und zweiten Autonomiephase weitgehend erfüllt sind. Wobei es natürlich auch hier immer wieder sein kann, dass Bedürfnisse aus den ersten beiden Autonomiephasen plötzlich wieder in den Vordergrund rücken, beispielsweise bei größeren Veränderungen im Leben wie etwa einer Trennung – wenn auf einmal der zuvor sichere Boden unter den Füßen wackelt.

Und wenn die #gfkmitkathy und die LilaLiebe® erst später in euren Familienalltag gekommen sind, dann hast du so und so immer auch die Bedürfnisse der ersten beiden Autonomiephasen mit im Blick zu haben, denn das baut ja alles aufeinander auf.

Das heißt:

Wenn du dich beispielsweise um das Bedürfnis Respekt als Unterbedürfnis von Achtung (dem Oberbedürfnis der dritten Autonomiephase) kümmerst und versäumst zu erkennen, dass dein Kind auch Schutz (als Unterbedürfnis von Sicherheit, dem Oberbedürfnis der ersten Autonomiephase) braucht, dann wird das Bedürfnis nach Respekt unerfüllt bleiben – weil eben Sicherheit unerfüllt ist.

Deine Aufgabe ist also, sowohl die Bedürfniswelt von Teenagern in der dritten Autonomiephase im Blick zu haben, als auch zu erkennen, welche Bedürfnisse von Sicherheit und Zugehörigkeit aus den ersten beiden Autonomiephasen hier gegebenenfalls mit eine Rolle spielen.

Das nenne ich Nachbeeltern: die Bedürfniswelten früherer Entwicklungsphasen im Blick zu behalten. Und das ist wesentlich leichter, wenn du dein Kind bisher mit der LilaLiebe® begleitet hast, denn dann hat es bestimmte Dinge schon ein Stück weit gelernt. Doch es ist nie zu spät für GFK und LilaLiebe®, und wenn in der Entwicklung deines Kindes die Bedürfnisse nach Sicherheit und Zugehörigkeit im Sinne der LilaLiebe® bisher wenig oder kaum erfüllt wurden, dann darfst du da hingucken und das intensiver nachbeeltern. Das dauert dann länger.

Je auffälliger oder dramatischer das Verhalten deines Teenagerkindes auf dich wirkt, desto eher braucht es das Nachbeeltern. Und da darfst du Strategien finden, die für deinen Teenager in Ordnung sind. Denn auch wenn es um ein Bedürfnis aus der ersten Autonomiephase geht, wirst du deinen Teenager wohl kaum wie eine:n Dreijährige:n behandeln – sondern weiterhin auf Teenager-Augenhöhe.

Fazit

Abstand, wo früher Nähe war, und Rückzug, wo vorher Gemeinschaft war: So erleben viele Eltern die dritte Autonomiephase ihrer Kinder. Wenn ihr die LilaLiebe® lebt, fallen diese Veränderungen weitaus weniger intensiv aus – das habe ich selbst als Mama und in vielen meiner Beratungen erlebt.

Auch wenn du dein Kind bisher anders als im Sinne der LilaLiebe® begleitet hast, so kannst du doch in jeder Entwicklungsphase etwas in deiner Elternschaft ändern. Du kannst rauskommen aus Machtkämpfen, Druck, Drohen, Belohnung, Bestrafung und Manipulation – reinkommen in die Verbindung und das große Finale deiner Elternschaft. Dazu lade ich dich von Herzen ein!

Oft gestellte Fragen (FAQ

Ab wann ist der Rückzug ins Zimmer bedenklich? 

Rückzug an und für sich ist in Ordnung und wir haben das Verhalten des Teenagers keineswegs zu be- oder verurteilen. Rückzug wird dann bedenklich, wenn das Verhalten deines Kindes ein Hilferuf ist. Was dein Kind dir mit seinem Verhalten sagen möchte und ob es Hilfe braucht, findest du raus, indem ihr in den Austausch kommt und du bewertungsfrei und ohne Erwartungen mit deinem Teenager darüber sprichst.

Was tun, wenn das Kind nur noch am Handy hängt, statt bei der Familie zu sein? 

Auch hier brauche ich erst mal einen anderen Blick von dir. Denn „Mein Kind hängt nur noch am Handy“ ist eine Bewertung. Die spannende Frage ist doch: Worum kümmert sich dein Teenager mit dem Handy gerade?
Vielleicht um Zugehörigkeit. Oder Verbindung. Oder Anerkennung. Oder Entspannung. Das heißt keineswegs, dass du einfach alles laufen lässt und keine Grenzen setzt. Doch bevor ihr euch um Absprachen kümmert, braucht es erst mal dein Verständnis für die Bedürfnisse hinter dem Verhalten. Und dann braucht es dich in deiner Elterlichen Führung. Wertungsfrei. Ihr dürft gemeinsam schauen: Was tut deinem Teenager gerade gut? Was ist zu viel – für seine körperliche und emotionale Gesundheit? Und welche Strategien sind für euch als Familie stimmig?

E-Book für 0€

Du brauchst noch mehr Impulse und Strategien, um deinen Teenager bedürfnisorientiert durch die Pubertät zu begleiten? Dann hol dir meinen Ratgeber für Teenie-Eltern „Ich mach was ich will!“ Mit diesem Nachschlagewerk kommst du raus aus Machtkämpfen zu Absprachen, Bildschirmzeit oder Zocken – und rein in Gespräche auf Augenhöhe!

Mockup_E-Book_Kooperation
kathy-weber-versprechen
Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

Inhaltsverzeichnis
Privacy

Du willst noch mehr Kathy-Impulse?

Hol dir mein Ohne-Wenn-Dann-Kompass für 0 € für deine Elternschaft ohne “Wenn-Dann-Sätze” und echte Verbindung in deinem Familienalltag.


Mit Download meines E-Books meldest du dich automatisch auch für meinen Herzensletter an. Abmelden kannst du dich jederzeit mit nur einem Klick.

Ich freue mich auf dich!