Wie schaffe ich es als Erzieher:in, allen Kindern gerecht zu werden?
Wie bleibe ich angesichts überfüllter Gruppen motiviert und stark?
Wie komme ich mit dem anhaltenden Personalmangel zurande?
Wie vermeide ich Überforderung, Stress, Burnout?
Das sind Fragen, die sich fast alle Erzieher:innen stellen, mit denen ich zu tun hatte. Ach ja, und dann auch noch: Was heißt das eigentlich – Kindern gerecht werden?
Genau das schauen wir uns in diesem Artikel an. Let’s fetz!
Die 3 wichtigsten Infos zusammengefasst:
Du darfst dich von deinem Anspruch an Perfektion verabschieden.
Nimm die Situation an: So kommst du aus dem Opfermodus raus und ins Handeln rein.
Kindern gerecht zu werden heißt keineswegs, alle gleichzeitig zufriedenzustellen.
Kindern gerecht werden – was heißt das eigentlich?
Ich weiß: Du hast deinen Beruf gewählt, weil du Kinder liebst. Und weil du sie bestmöglich auf ihrem Weg zu einem bedürfniserfüllten Leben begleiten möchtest – damit sie alles haben, was sie brauchen.
Da möchte ich dich abholen.
Indem ich sage: Kindern gerecht zu werden, das heißt, dass jemand da ist, der versucht,
- sich bestmöglich zu kümmern,
- ihre Bedürfnisse zu erkennen und
- diese weitestgehend zu erfüllen.
Wenn es um die Kinder geht, die dir als Erzieher:in anvertraut sind, dann bist das für bestimmte Zeiträume du. Und da ist es einfach so, dass du ja immer nur aus der Situation heraus handeln kannst, in der du gerade bist.
Das heißt: Wenn deiner Meinung nach die Gruppe zu voll ist und zu wenig Personal da ist, dann ist das die Situation, in der du dich gerade befindest. Punkt.
So und jetzt kommt’s!
Meine Botschaft an dich ist: DU kannst entscheiden, ob du Opfer dieser Situation bist – oder ob du in deine Verantwortung kommst! In deine Verantwortung kommen: Das heißt, dass du die Situation so annimmst, wie sie ist, und versuchst, in dem dir gegebenen Rahmen für dich Lösungen zu finden.
Wenn du Erzieher:in bist, dann ist es deine Aufgabe, weitestgehend die Bedürfnisse der dir anvertrauten Kinder zu erkennen und gegebenenfalls daraus folgend diese so schnell wie möglich zu erfüllen. Doch du kannst unmöglich allen Kindern gleichzeitig gerecht werden. Kein Mensch kann in jedem einzelnen Moment die Bedürfnisse aller Kinder in einer Gruppe erkennen – geschweige denn erfüllen.
Nur: Du kannst in deiner Verantwortung den Kindern gegenüber eine Hierarchie erstellen für das System, in dem du dich befindest. Und die Kita-Gruppe ist ein System, in dem es eine Hierarchie und eine Gerechtigkeit gibt. Das ist wie in einer Familie. Eine Familie ist auch ein System. Und zur Gerechtigkeit im Familienalltag habe ich übrigens eine Podcast-Folge für dich, die du für deinen Berufsalltag übersetzen kannst.
Im Grunde genommen ist es egal, ob es um ein System Kita-Gruppe, ein System Familie oder ein Wolfsrudel oder ein Elefantenrudel geht. Immer gilt: Ein Mensch (oder ein Tier) ist Rudelsführer:in. Im Falle deiner Kita-Gruppe bist das du – wobei du dich mit anderen Erzieher:innen in dieser Rolle abwechseln kannst. (Dazu kommen wir später.)
So, und in dieser Rolle ist es deine Verantwortung, die Bedürfnisse der Kinder im Blick zu haben – unabhängig davon, wie die Situation ist. Ich nehme dich gleich an die Hand und zeige dir Wege, wie du das schaffen kannst: in die Annahme zu kommen.
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Sag “Ciao, Kakao“ zu Drohen, Strafen, Belohnen und komm stattdessen in die Verbindung! Wenn du dich verabschieden möchtest von Sätzen wie „Wenn du jetzt nicht …, dann …“, habe ich was für dich – und zwar meinen dreiteiligen „Ohne-wenn-dann-Kompass“. Darin bekommst du konkrete Beispiele aus dem Alltag, Formulierungshilfen, die du direkt ausprobieren kannst und neue Impulse für deine Haltung, damit du die dir anvertrauten Kinder besser verstehen kannst. Und das Beste: Dieses E-Book kostet dich keinen Cent.

Akut überfordert im Kindergarten – was tun?
Okay. Ich nehme an, dass du diesen Artikel liest, weil du dich in deinem Berufsalltag überfordert fühlst … gestresst wahrscheinlich, vielleicht auch hilflos. Wir schauen uns jetzt an, was du konkret tun kannst, um Wege aus der Überforderung zu finden.
Die Realität anerkennen und auf eigene Bedürfnisse achten
Deiner Meinung nach sind zu viele Kinder in deiner Gruppe – beziehungsweise zu wenig Erziehende für die Zahl an Kindern? Das ist dein Eindruck.
Wie viele Kinder da sind und wie viele Betreuende – das ist Fakt. Das ist die Situation. Das kann dich herausfordern, du kannst überfordert sein, du kannst gestresst sein.
Wenn das so ist, dann schau hin – und zwar erst mal bei dir selber: Welche Bedürfnisse von dir stecken dahinter? Um die darfst du dich kümmern, damit du deinen Job ansatzweise so machen kannst, wie du das möchtest.
Frage dich selbst: Was brauchst du, um mitmachen zu können?
Du brauchst vermutlich sehr viel Empathie: dass das eine Scheißsituation ist, dass du überfordert bist, dass du hilflos bist, dass du manchmal sehr verzweifelt und frustriert bist, dass du dich alleine fühlst.
Du brauchst Unterstützung, deine Wirksamkeit ist unerfüllt, deine Pädagogische Führung ist unerfüllt, dein Verstehen ist gegebenenfalls unerfüllt.
Also: Das sind deine Bedürfnisse. Um die kümmerst du dich eigenverantwortlich, unabhängig von den Kindern. Und je mehr du mit dir da in Verbindung kommst und anfängst, dich um dich zu kümmern, desto leichter wird es dir fallen, den Blick auf die Kinder zu richten und hier ganz klare Muster zu erkennen.
Wie das konkret geht und was Kinder in der ersten Autonomiephase von dir brauchen, dazu komme ich gleich. Vorerst bleiben wir noch bei dir und ich habe eine geile Einladung an dich: Lass deinen Anspruch an Perfektion sausen.
Von Perfektion verabschieden
Du darfst den Anspruch rausnehmen, perfekt sein zu wollen.
Du darfst den Anspruch rausnehmen, allen sofort gerecht zu werden.
Du darfst die Situation annehmen, wie sie ist, und in diesem Rahmen dein Bestmögliches geben. Ich brauche, dass du bereit bist, in diesem Rahmen für dich Wege zu finden.
Die dir anvertrauten Kinder brauchen deine Pädagogische Führung: Führung ohne Machtmissbrauch, sondern Führung in Verbindung. Komm in deine Führung und komm in deine Verantwortung!
Denn solange du dasitzt und sagst: „Ich muss allen Kindern gerecht werden, ich schaffe das bei dem ganzen Personalmangel nicht“ – so lange bist du im Opfermodus. Doch ich brauche dich in deiner Verantwortung und in deiner Führung. Denn die Situation ist nun mal so, wie sie ist. Und du hast die Wahl, wie du mit dieser Herausforderung umgehst. Ich brauche dich in der Annahme der Situation, damit du aus der Ohnmacht rauskommst und ins Machen reinkommst.
Klar kannst du auch gucken, wie du die Grundsituation ändern kannst: indem du in den Austausch gehst, Gespräche führst, mit der Leitung sprichst und guckst, was sich verändern lässt. Doch für hier und heute wird die Grundstruktur erstmal so bleiben, wie sie ist.
Und es ist dein Job, für die Kinder da zu sein. Du bist neben den Eltern die wichtigste Bezugsperson in diesem Lebensabschnitt der Kinder.
Was Kinder in der ersten Autonomiephase von dir brauchen
Mein zertifiziertes Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe® macht es dir einfacher. Denn du weißt, dass Kinder ab etwa zwei oder drei Jahren in der ersten Autonomiephase sind.
Das heißt: Diese Kinder haben das Bedürfnis nach Sicherheit. Das Wichtigste für ihre Entwicklung ist gerade, dass sie in Sicherheit sind. Sicherheit ist das Oberbedürfnis der ersten Autonomiephase. Sicherheit ist das, wonach die Kinder mit ihrem Verhalten die ganze Zeit fragen.
Alles, was Kinder in diesem Alter zwischen anderthalb und fünf oder sechs Jahren machen, dreht sich um: „Bin ich hier in Sicherheit? Werde ich das Ding hier überleben? Ist hier jemand, der sich um mich kümmert? Ist hier jemand, der weiß, wie es geht? Ist hier jemand, der mich beschützen kann?“
Sicherheit ist in der LilaLiebe® das Oberbedürfnis der ersten Autonomiephase und Sicherheit hat Unterbedürfnisse. Diese Unterbedürfnisse darfst du dir als Erziehende:r immer wieder anschauen. Es geht um Unterbedürfnisse wie Führung, Schutz, Orientierung, Grenzen, Rituale, Routine, Geborgenheit oder auch Autonomie.
Die erste Autonomiephase übersetze ich in der LilaLiebe® mit „selber machen wollen“. Zusammengenommen mit dem Oberbedürfnis nach Sicherheit bedeutet das: Die Kinder wollen selber machen können und gleichzeitig geführt werden, damit sie ihre Unterbedürfnissen von Sicherheit erfüllt bekommen.
Die dir anvertrauten Kinder sind alle in der ersten Autonomiephase. Also guckst du hin: Was sind die Unterbedürfnisse und wie kannst du diese erfüllen? Leg dein Hauptaugenmerk auf diese Bedürfnisse und schon wirst du den Kindern automatisch gerecht. Weil du ihnen genau das gibst, was sie in ihrer Entwicklungsphase brauchen.
Denn das sind alles typische Verhaltensweisen, die Kinder in diesem Alter an den Tag legen. Da ist nichts außergewöhnlich. Die schreien mit allem nach Sicherheit. Manche lauter, manche öfter, manche leiser, manche weniger. Nur: Sie brauchen alle Sicherheit. Und ganz wichtig ist diese Autonomie, das Selbermachen.
Um den Kindern dabei zu helfen, ihre Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, brauchst du Strategien. Einige hast du schon aus deiner beruflichen Erfahrung heraus. Manche kannst du hinterfragen, manche wirst du optimieren und du wirst neue Strategien hinzufügen. Das kannst du als Pädagog:in.
Hierarchie der Bedürftigkeit: So triffst du Entscheidungen im Alltag
So und dann höre und lese ich immer wieder, dass das Gefühl von Überforderung vor allem dann entsteht, wenn ein Kind „schwieriges Verhalten“ zeigt. Weil dieses Kind dann engere Betreuung braucht, damit die Gruppe und das Kind selbst geschützt sind.
Ja, es gibt Kinder, die in bestimmten Situationen eine engere Einzelbetreuung brauchen, weil sie einen Wutausbruch haben, um sich schlagen, beißen, sich selber hauen oder Dinge kaputt machen.
Hier braucht es eine Hierarchie der Bedürftigkeit.
Denn jemand, der gerade starke Gefühle hat, hat in dem Moment eine höhere Bedürftigkeit. Darauf richtest du den Fokus. Du kannst unmöglich alle Kinder gleichzeitig an die Hand nehmen. Mach dich frei von dem Anspruch, dass du allen immer zu jeder Zeit gerecht werden müsstest oder überhaupt alle zufriedenstellen müsstest. Stattdessen darfst du in deiner Pädagogischen Verantwortung immer wieder neu entscheiden, wo es in diesem Moment und in dieser Situation gerade die höchste Bedürftigkeit gibt. Die anderen Kinder behältst du im Blick – oder teilst dir die Zuständigkeit mit einem Kollegen oder einer Kollegin.
Kinder dürfen auch lernen, dass sie manchmal zu warten haben. Und wenn jemand einen Wutausbruch hat, dann braucht dieser Mensch jetzt gerade mehr Hilfe als ein Kind, das etwas trinken möchte. Da brauche ich dich in deiner Flexibilität.
Kinder können warten. Kinder können viel mehr, als wir denken. Doch sie brauchen dabei Führung.
Und ja: Das ist herausfordernd. Anstrengend. Schenke dir selbst Empathie und hole dir zusätzlich von außerhalb so viel Empathie wie nur möglich. Doch komm raus aus der Opferrolle, denn die Lösung liegt in dir. Es gibt immer eine Lösung.
Und wenn du sagst, du packst es einfach auf gar keinen Fall mehr, dann verabschiede dich von dem Job an dieser Arbeitsstelle oder komplett von dem Beruf. Dann ist das deine Lösung.
Fazit: Raus aus der Ohnmacht – rein in deine Pädagogische Führung!
Komm raus aus Hilflosigkeit, Opfermodus und Ohnmacht – komm rein ins Handeln, ins Machen, in deine Pädagogische Führung! Denn ich brauche dich in deiner Bereitschaft mitzumachen, Lösungen zu finden, gemeinsam die Welt freundlicher zu gestalten. Und das fängt bei dir selber an!
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die Impulse und Strategien, die du dort findest, für deinen Berufsalltag als Pädagog:in übersetzen.
Gleichzeitig arbeite ich mit meinem #TeamHerzenssache an neuen Angeboten speziell für Fachkräfte und Pädagog:innen. Wenn du als Erste:r erfahren möchtest, wann es Neuigkeiten gibt, so komm gern auf die Warteliste. Alle vier bis sechs Wochen sende ich dir Impulse und Infos, die besonders für Pädagog:innen wertvoll sein können.





