Du wünschst dir, dass dein Kind selbstbewusst ist: einen starken Selbstwert hat, Selbstvertrauen entwickelt, dass es für sich einstehen kann und gestärkt durchs Leben geht. Und du fragst dich: Was braucht es für ein starkes Selbst? Und was kannst du dafür tun, dass dein Kind oder dein Teenager positive Glaubenssätze entwickelt? Reicht es, einfach positive Glaubenssätze zu sprechen, damit dein Kind dann schon irgendwann einen starken Selbstwert entwickelt? Das schauen wir uns in diesem Artikel an!
Die wichtigsten Infos zusammengefasst:
Positive Glaubenssätze können deinem Kind dabei helfen, ein starkes Selbst zu entwickeln.
Ein starkes Selbst entsteht jedoch keineswegs allein dadurch, dass ihr euch positive Sachen vorsagt – sondern durch fundierte Bindung.
Fundierte Bindung heißt, dass dein Kind alles hat, was es braucht.
Es ist dein Job, dafür zu sorgen.
Entwickle gemeinsam mit deinem Kind die positiven Glaubenssätze, die es am meisten braucht.
Begleite negative Glaubenssätze mit Empathie, statt sie zu verurteilen.
Macht die positiven Glaubenssätze zu einem Teil eures Alltags.
Wieso sind positive Glaubenssätze und ein positives Mindset so wichtig für dein Kind?
Glaubenssätze sitzen tief in uns drin und formen unser Bild von uns selbst. Wenn sich dein Kind regelmäßig sagt: „Ich kann das nicht“ – dann kann es das irgendwann wirklich nicht. Doch du willst, dass dein Kind alles schaffen kann, was es schaffen will.
Das ist auch das Ziel der kindlichen Entwicklung: dass dein Kind sein Selbst entwickelt – voller Selbstbewusstsein, Selbstwert, Selbstliebe, Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, Selbstermächtigung.
Und die Basis für ein starkes Selbst ist fundierte Bindung – der feste Boden unter den Füßen deines Kindes. Dann hat es gelernt, sich selbst um sich kümmern zu können. Sich regulieren zu können. Es weiß, was es braucht. Es kennt seine Grenzen. Es hat Frustrationstoleranz. Es ist resilient.
Und all das entsteht, wenn dein Kind im Laufe seiner Entwicklung alles hat, was es braucht. Wenn es voller bedingungsloser Liebe aufwächst, ohne den Druck, es „richtig machen zu müssen“, ohne anderen „gefallen zu müssen“, frei von Perfektionismus.
Diese fundierte Bindung ist dann wie so ein krasses Wurzelwerk eines riesigen Baumes, aus dem letztendlich die Krone erwächst. Wie dein Kind fundierte Bindung entwickelt, erklärt mein zertifiziertes Erziehungs- und Beratungskonzept LilaLiebe®. In diesem Artikel erhältst du auf Grundlage der LilaLiebe® Antworten auf die Frage, wie du dein Kind oder deinen Teenager dabei unterstützt.
Welche Affirmationen helfen Kindern, resilienter zu werden?
Für fundierte Bindung, für ein starkes Selbst braucht es mehr als nur positive Glaubenssätze. Denn wenn wir nur positive Glaubenssätze haben, ohne sie mit Bedürfnissen zu verknüpfen, sind das nur leere Hüllen ohne was drin.
Doch wenn wir eben den Weg gehen, dass wir Glaubenssätze mit Bedürfnissen verknüpfen, dann sind sie unglaublich hilfreich. Der erste Schritt ist also, dass du versuchst, herauszufinden, was dein Kind braucht und um welches Bedürfnis du dich gerade vermehrt kümmern möchtest. Und dann entwickelt ihr daraus einen positiven Glaubenssatz und integriert ihn in den Alltag. Das ist eigentlich der wichtigste Schritt. Es können Sätze sein wie
- „Ich bin wichtig!“
- „Ich bin liebenswert!“
- „Ich darf Fehler machen!“
- „Ich darf nein sagen!“
- „Ich bin klug!“
- „Ich bin schön!“
- „Ich bin gut – so, wie ich bin!“
Diese positiven Glaubenssätze werden häufig auch als Affirmationen bezeichnet. Nur ihr könnt entscheiden, was davon für euch passend ist und bei welchem Bedürfnis du dein Kind besonders unterstützen möchtest. Also da geht es keineswegs darum, dass ihr irgendeine Liste mit Glaubenssätzen für Kinder abarbeitet. Sondern es hat für euch zu passen.
Ich erzähle dir, wie ich das mit meiner Tochter umsetze.
Sie stand eines Tages (da war sie vier Jahre alt) vor dem Spiegel, kämmte sich die Haare und fragte mich: „Mama, bin ich schön?“ Ich habe das mit dem Bedürfnis „Glaube“ verknüpft – dem Glauben an mich.
Natürlich ist sie schön. Jeder Mensch ist schön. Nur: Wenn ich meiner Tochter einfach sage „Klar bist du schön! Ich finde dich schön!“ – dann wirkt das ganz anders, als wenn ich sage: Schau dich mal an: Was siehst du da? Gefällt dir, was du siehst? Was gefällt dir?“ Und meine Tochter sagte, dass sie ihre Haare mag.
Daraus haben meine Tochter und ich einen Glaubenssatz entwickelt: „Ich bin schön. Ich liebe mich. Ich bin ein Einhorn.“ Und aus diesem Glaubenssatz haben wir einen kleinen Song gemacht, um das zu verinnerlichen. Den haben wir jahrelang fast täglich gesungen.
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Wie stärke ich das Selbstbewusstsein meines Teenagers?
Die Entwicklung deines Kindes verläuft in drei Autonomiephasen. In jeder Autonomiephase stehen andere Bedürfnisse im Vordergrund. Fundierte Bindung entsteht dann, wenn diese Bedürfnisse sukzessive und immer wieder regelmäßig weitgehend erfüllt werden. Dafür zu sorgen – das ist unser Job als Eltern.
Ja, das ist eine Wucht an Verantwortung. Doch wenn wir uns unserer Verantwortung bewusst sind und diese Verantwortung leben, dann bekommen unsere Kinder alles, um ihr starkes Selbst zu entwickeln.
Das heißt, du darfst immer wieder hinschauen: Was versucht dein Teenager mit seinem Verhalten über sich zu sagen? Welche Bedürfnisse sind gegebenenfalls gerade unerfüllt? Und mit welchen gemeinwohlverträglichen Strategien könnt ihr dafür sorgen, dass sie erfüllt werden? Es geht also um bedingungslose Liebe. Ihr dürft rauskommen aus Machtkämpfen und rauskommen aus der Perfektion. Es geht um Verbindung, ums Verstehen und Verstandenwerden.
Die LilaLiebe® hilft dir dabei, einen Überblick zu bekommen, wo dein Kind gerade steht und was es gerade besonders braucht. Und je mehr du die Bedürfnisse hinter dem Verhalten deines Kindes erkennst, desto mehr kannst du mit deinem Kind in Verbindung kommen und auf Dauer deinem Kind zeigen, wie das geht – sich um sich selbst zu kümmern. Und dabei helfen natürlich auch positive Glaubenssätze.
Wenn du mehr über die Bedürfnisse der Autonomiephasen wissen möchtest und darüber, wie du deinem Teenager bei der Entwicklung eines starken Selbstbewusstseins helfen kannst, findest du bei mir sehr viele Informationen dazu.
- In meinem Blogartikel über Autonomiephasen bei Kindern bekommst du das wichtigste Grundlagenwissen. Wenn du speziell erfahren möchtest, wie du das Selbstbewusstsein beim Kind stärken kannst, findest du auch hierzu einen Artikel.
- Wie ihr von negativen Glaubenssätzen zum starken Selbst kommt, zeigt dir auch meine Podcast-Folge mit GFK-Rollenspielen durch alle drei Autonomiephasen.
- Am ausführlichsten habe ich die LilaLiebe® in meinen Spiegel-Bestseller-Büchern beschrieben: „Mein Kind macht es will“, dem Handbuch für Eltern von Kindern zwischen zwei und acht Jahren, sowie „Ich mach‘, was ich will“ für Eltern von Teenagerkindern. Beide Bücher bekommst du easy-peasy beim Buchhändler deines Vertrauens oder in meinem Bücher-Shop.
- Und wenn dich interessiert, wie du als Erwachsene:r eigene Glaubenssätze und Muster aus der Kindheit auflösen kannst, dann erzähle ich dir in meinem Podcast, wie das bei mir ganz persönlich ist.
Wie vermittelst du deinem Kind positive Glaubenssätze? 3 Tipps
Macht positive Glaubenssätze zu einem Teil eures Alltags
Oben habe ich dir den von meiner Tochter und mir entwickelten Glaubenssatz-Song vorgestellt. Es braucht natürlich kein Song zu sein. Ihr könnt euren Glaubenssatz auch einfach sprechen, klatschen, auf dem Weg in die Kita oder zur Schule hüpfen, nach dem Abendessen auf dem Tisch trommeln – gönnt euch.
Wenn dein Kind da ungern mitmachen möchte – kein Problem. Das ist ja freiwillig. Keiner braucht Glaubenssätze zu sprechen, wenn er oder sie da keinen Bock drauf hat. Du kannst auch die Sätze für dein Kind sprechen und dein Kind hört zu. Auch das wird ankommen. Und du kannst deinem Kind Gedanken mitgeben, von denen du möchtest, dass es sie über sich denkt.
Ganz wichtig:
Sprich dabei immer in Ich-Form. Also statt „Du bist wichtig“ sagst du: „Ich bin wichtig.“ Und achte darauf, dass die Glaubenssätze auf Verneinungen verzichten. Also statt „Ich bin nicht dumm“ sagst du: „Ich bin klug.“
Ein Ritual, das meine Tochter und ich seit Jahren machen, ist, dass ich sie jeden Morgen frage: „Was brauchst du heute?“ Und dann sagt sie beispielsweise „Ich brauche heute Sicherheit.“
Und ich sage dann:
„Das brauche ich heute auch. Und ich brauche noch Spiel und Spaß dazu.“ Und dann sprechen wir unsere Sätze oder ich spreche sie und meine Tochter bekommt das mit. Diese Morgenaffirmation für Kinder finde ich auch für mich persönlich wertvoll für den Start in den Tag.
Begleite negative Glaubenssätze mit Empathie
Wenn du von deinem Kind einen negativen Glaubenssatz wie etwa „Ich kann das nicht“ hörst, dann willst du ihm helfen, zu einem anderen Satz zu kommen, so was wie „Ich kann das. Ich kann alles schaffen, was ich will.“
Und da kommst du hin, indem du mal nachfühlst: In welchen Situationen sagt dein Kind diesen Satz. Vielleicht, wenn es etwas ausprobiert? Und was möchte dein Kind dir in diesem Moment sagen? Wahrscheinlich, dass es das, was es da gerade macht, gerne können möchte. Wie reagierst du also auf den Satz „Ich kann das nicht“?
Erst mal kannst du die Gefühle abfragen:
„Das macht dich traurig?“ Oder: „Bist du sauer?“
Und dann sagst du:
„Du würdest es gerne können, stimmt‘s?“ Und wenn dein Kind mit „ja“ antwortet, kannst du ergänzen: „Und du fragst dich, wie du das jetzt schaffen kannst? Brauchst du Hilfe dabei?“ Und dann sagst du deinem Kind, dass du bereit bist, ihm zu helfen, und kannst dein Kind dabei unterstützen, dass es das schafft. „Hast du eine Idee, wie genau ich dir helfen kann?“
Und dann kannst du auch direkt mit deinem Kind an dem Glaubenssatz arbeiten. Indem du dein Kind anleitest:
„Komm, sag: ‚Ich schaffe das‘ oder auch erst mal ‚Ich probiere, das zu schaffen‘.“
Auch während ihr gemeinsam die Lösung für die herausfordernde Situation deines Kindes sucht, kannst du mit deinem Kind zusammen immer wieder sagen „Ich schaffe das“. Und so machst du es in jeder Alltagssituation – mal etwas tiefer, mal etwas weniger tief. Und wenn dein Kind wirklich öfter diesen positiven Glaubenssatz benutzt, dann ist er irgendwann verankert.
Natürlich dürfen Gedanken wie „Ich kann das nicht“ da sein. Wir verurteilen das Kind keinesfalls dafür. Wir möchten nur, dass sie so wenig wie möglich kommen. Und wenn sie doch kommen, dass wir erkennen, dass wir was brauchen, und wir uns darum kümmern dürfen, beispielsweise indem wir Hilfe holen.
Verankert Glaubenssätze mit einer Empathiereise
Du hast dein Kind auf dem Schoß, liegst neben ihm im Bett oder auf dem Sofa. Ihr könnt diese Art der Affirmationen auch beim Einschlafen nutzen. Oder ihr sitzt zusammen irgendwo. Vielleicht wollt ihr euch an den Händen nehmen. Und dann leitest du dein Kind an:
- Wir atmen tief ein und langsam wieder aus.
- Vielleicht magst du deine Augen schließen.
- Spür mal hin, wo du dich spürst, wo du deinen Körper spürst.
- Spürst du deinen Popo? Deinen Rücken?
- Wie fühlt sich das unter dir an (die Matratze, der Boden, der Stuhl)?
- Ja, das bist du. Das ist dein Körper.
- Stell dir mal vor, wie sich vom Kopf her ein lila Wolkenschleier um dich herum bildet: vom Kopf über die Schultern, die Arme entlang, Bauch und Rücken, Popo, Beine, um die Füße herum.
- Alles ist lila. Wenn du willst, pack noch Glitzer rein. Es funkelt überall um dich herum.
- Spürst du, wie du in dieser Wolke aus lila Glitzer sitzt/liegst? Um dich rum ist alles lila.
- Du bist in Sicherheit. Du bist beschützt.
- Sag: „Ich bin in Sicherheit.“ Sag: „Ich bin geliebt.“ (Hier kannst du den Glaubenssatz reinpacken, der euch gerade besonders wichtig ist.)
- Diese Wolke speicherst du dir jetzt ab. Du behältst sie in deinem Kopf. Du kannst immer wieder in diese Wolke zurückkehren.
- Atme nochmals tief ein und wieder aus. Öffne deine Augen, wenn du dazu bereit bist.
- Hallo! Du bist da. Sag nochmals: „Ich bin in Sicherheit. Ich bin geliebt.“
Passe diese Empathiereise gerne so an, dass es für euch passt. Da geht es ja keinesfalls um Perfektion. Wichtig ist weniger das einzelne Wort, als dass sich dein Kind gesehen und gehalten fühlt. Und je öfter dein Kind seine positiven Glaubenssätze mit angenehmen Erfahrungen verbindet, desto mehr werden sie sich verankern.
Fazit
Ein starkes Selbst braucht mehr als gute Worte. Es braucht dich in deiner Fürsorge, deiner Führung, deiner Liebe und deiner Achtung. Und wenn du wirklich bereit bist, bei deinem Kind hinzugucken, legst du den Grundstein für echte innere Stärke.
Oft gestellte Fragen (FAQ)
Wie gehe ich mit negativen Glaubenssätzen bei Teenagern um?
Wahrscheinlich fällt es dir schwer, damit umzugehen, wenn dein Kind negative Glaubenssätze sagt – weil du selbst ohne bedingungslose Liebe aufgewachsen bist und dementsprechend Defizite mit dir herumträgst. Deshalb triggert es dich, wenn dein Kind Sätze sagt wie „Ich bin dumm“ oder „Ich bin hässlich“. Denn du weißt, wie schmerzhaft das ist.
Nur: Weil dein Teenagerkind das jetzt sagt, heißt das keineswegs, dass es das erlebt hat, was du erlebt hast, und dass es das gleiche Defizit hat wie du. Sondern dein Teenager möchte dir in diesem Moment etwas über sich erzählen. Und du darfst das Drama rausnehmen und stattdessen hinschauen, welches Bedürfnis hinter dem Satz deines Teenagers steckt, und dich darum kümmern.
Ab welchem Alter sind Affirmationen für Kinder sinnvoll?
Positive Glaubenssätze dürfen dein Kind schon im Kleinkindalter begleiten. Je weiter dein Kind in seiner Entwicklung voranschreitet, desto stärker kannst du es einbeziehen und ihr könnt gemeinsam Glaubenssätze und Strategien zur Integration in den Alltag entwickeln.
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