Trösten statt beruhigen: wie du dein Kind bei starken Gefühlen bedürfnisorientiert begleitest

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Einführung

Diese Momente, in denen dich die Gefühle deines Kindes förmlich überrollen – du kennst sie. Nur zu gut. In diesen Momenten ist alles da und euch beiden alles erst mal zu viel: Lautstärke, Tränen, Wut. Du fühlst es in dir selber brodeln. Und du spürst diese Hilflosigkeit. Du weißt in dir drin ganz genau, dass dein Kind dich jetzt braucht – doch du bist mit dir selbst beschäftigt und dir völlig im Unklaren, wie du jetzt reagieren und du dein Kind auffangen kannst.

Du willst einfach nur, dass es aufhört. Dass wieder Ruhe einkehrt. Dass es deinem Kind wieder gut geht.

Und du fragst dich: Wie um alles in der Welt gehe ich mit diesen starken Gefühlen meines Kindes um – die mich regelmäßig selber an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen?

Ich schlage vor: Du atmest jetzt (ja: jetzt!) einmal ganz tief ein und langsam wieder aus. Und dann gucken wir uns gemeinsam an, wie du Situationen mit starken Gefühlen gemeinsam mit deinem Kind meistern kannst. In Verbindung. Ohne Belohnung, Bestrafung und Manipulation.

Die drei wichtigsten Infos zusammengefasst:

Gefühle (und ganz besonders die starken Gefühle) sind Wegweiser zu den unerfüllten Bedürfnissen deines Kindes.

Alle Gefühle dürfen sein und bekommen den Raum, den sie brauchen.

Trösten ist etwas grundlegend anderes als Beruhigen.

Warum triggern mich die starken Gefühle meines Kindes so sehr?

Dein Kind schreit, tobt, weint. Vielleicht schlägt es um sich. Flippt total aus.

Und du gleich mit. Die starken Gefühle deines Kindes bringen dich innerlich zum Kochen. Dein Zeiger geht in den roten Bereich und gleich brennen bei dir die Sicherungen durch und du willst auch nur noch schreien und weinen – oder wegrennen. Vielleicht denkst du so was wie: „Mein Kind macht mich aggressiv.“

Stopp.

An der Stelle sagst du dir: Stopp.

Lege dir für solche Situationen Exitstrategien zurecht, die dich erst mal runterbringen, zum Beispiel:

So kommst du erst mal aus der akuten Situation raus, ohne selber komplett auszuflippen oder dein Kind allein zu lassen.

Und dann, wenn du wieder bei dir bist und sich die Situation mit deinem Kind fürs Erste geklärt hat, darfst du hinschauen: Warum triggern dich die starken Gefühle deines Kindes so?

Und ich hab dazu eine Vermutung. Denn wahrscheinlich bist du (so wie ich und viele, viele andere Eltern) mit Belohnung und Bestrafung, mit Drohungen und mit Manipulation und mit Machtmissbrauch aufgewachsen. Und ohne, dass du damals bekommen hast, was du gebraucht hättest.

Ich nehme mal an, dass auch du keine starken Gefühle haben durftest. Schreien, weinen, toben – das hat in deiner Kindheit wahrscheinlich keinen Raum bekommen. Sie wurden „weggemacht“ mit Sätzen wie:

Die Gefühle wurden weggeschoben, du wurdest davon abgelenkt oder bestraft dafür, du wurdest manipuliert. Trösten? Fehlanzeige. Du warst allein mit deinen starken Gefühlen. Und ziemlich überfordert damit. Du hast gelernt, dass diese Gefühle unangenehm sind und keine andere Strategie mit auf deinen Weg bekommen, als dass sie möglichst schnell weggemacht werden müssen.

Das ist alles tief in dir drin und kommt dann jedes Mal wieder hoch, wenn dein Kind die Art von Gefühlen hat, die dir in deiner Kindheit untersagt waren. Das darfst du im ersten Schritt erkennen. Doch – hey, du bist dem keineswegs ausgeliefert. Denn du bist erwachsen und übernimmst die Verantwortung für dich und dein Inneres Kind. Du darfst da immer wieder in die Selbsteinfühlung gehen und dir anschauen, was dein Inneres Kind braucht. Und diese unerfüllten Bedürfnisse darfst du heute, im Hier und Jetzt, nachbeeltern. Und du wirst sehen, dass diese Situationen nach und nach leichter werden.

Dürfen wirklich alle Gefühle meines Kindes da sein?

Kurz gesagt: ja. Das hat mit der Elterlichen Haltung in einer bedürfnisorientierten Erziehung zu tun. Es ist wichtig, dass du weißt und inhalierst: „Mein Kind darf alle Gefühle haben, die gerade da sind.“

Mit „alle Gefühle“ sind wirklich alle gemeint.

Neben Zufriedenheit und Glücklichsein und Aufregung und so weiter gibt es eben auch Müdigkeit, Erschöpfung, Zorn, Traurigkeit, Einsamkeit und so weiter. Und all das darf sein. Auch wenn es dir manchmal schwerfällt! (Komm da in deine Elterliche Verantwortung und kümmere dich um dich.)

Trösten vs. Beruhigen – den feinen Unterschied verstehen

Vielleicht denkst du im ersten Moment: „Hä, Kathy, Trösten und Beruhigen ist doch das Gleiche!?“

Ich meine: nein. Beruhigen heißt für mich, dass das Ziel ist, die unangenehmen Gefühle so schnell wie möglich wegzumachen. Etwa indem du dein Kind zum Beispiel ablenkst: „Guck mal da, da fliegt ein Vögelchen!“ Oder eine der anderen Strategien nutzt, die ich oben genannt habe.

Für mich ist es kein erstrebenswertes Ziel, die Gefühle wegzumachen und das Kind zu beruhigen. Denn die starken Gefühle dürfen ja alle sein! Nur: Du lässt dein Kind auf keinen Fall allein damit. Du fängst es auf, du schenkst ihm Halt und Sicherheit und du zeigst ihm, wie es sukzessive mit seinen starken Gefühlen umgehen lernt. Das ist Trösten. Und das ist für mich wirklich etwas grundlegend anderes als das Beruhigen.

Und jetzt hast du den Anspruch zu sagen: „Mein Kind darf alle Gefühle haben.“ Doch dir ist momentan vielleicht unklar, wie du das dann konkret in den jeweiligen Situationen hinbekommst. Das schauen wir uns gleich an.

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Schritt-für-Schritt Anleitung - so begleitest du Gefühlsstürme richtig

Schritt 1: Komm in deine Elterliche Haltung

Um vom Beruhigen zum Trösten zu kommen, braucht es als Allererstes deine innere Haltung dazu. Mit der Elterlichen Haltung meine ich im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, dass du weißt, dass dein Kind nichts macht, um dich zu ärgern. Mit jedem Verhalten versucht es sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Auch mit einem Wutausbruch.

Wenn du dich von den Gefühlen deines Kindes angegriffen fühlst, wenn die Wut hochkommt, wenn du dich überfordert fühlst – dann hat das wahrscheinlich damit zu tun, dass du als Kind diese Gefühle der Wut, des Zorns, der Traurigkeit, der Überforderung nie haben durftest. Darum darfst du dich kümmern.

Schritt 2: Reflektiere deine bisherigen Strategien

Und dann machst du dir bewusst, welche Strategien Gefühle wegmachen und das Kind beruhigen – statt es wirklich zu trösten. Mach da ruhig eine Sammlung mit Sätzen und Strategien, die du selbst verwendest und wahrscheinlich noch aus deiner eigenen Kindheit kennst. Ganz viele davon haben mit Belohnung, Bestrafung, Manipulation und Ablenkung zu tun. Klassiker sind beispielsweise:

Schritt 3: Lass die Gefühle da sein. Alle.

Du willst dein Kind trösten. Das heißt erst mal: Geh rein in die Wunde. Gib der Traurigkeit, der Wut, dem Zorn, dem Frust Raum.

Das fällt vielen Eltern schwer, weil sie Sorge haben, dass es dadurch noch schlimmer wird.

Doch dein Kind entscheidet selber, wie viel Raum es gerade dafür braucht. Und die Traurigkeit entscheidet auch selber, wie groß die Traurigkeit ist.

Das können wir ja keineswegs entscheiden. Also, noch mal: Lass die Gefühle da sein. So lange, wie es dafür braucht.

Schritt 4: Geh in die Einfühlung

Trösten hat damit zu tun, dass du erkennst, was bei deinem Kind los ist. Das heißt: Du gehst in die Einfühlung und findest Worte für die starken Gefühle. Etwa so:

Und so weiter. Also das erstmal zu benennen.

Schritt 5: Lasst die Gefühle raus

Und wenn ihr dann das passende Wort für das Gefühl gefunden habt (mach da ruhig mehrere Schleifen – du arbeitest hier keine Checkliste ab!), dann leite dein Kind dazu an, die Gefühle rauszulassen. Je nachdem, was zu den Gefühlen deines Kindes und zu euren Persönlichkeiten passt, könnt ihr

Natürlich sorgst du dafür, dass alles und alle heile bleiben. Das heißt: Du gibst deinem Kind einen geschützten Rahmen dafür, dass es seine Gefühle rauslassen kann. Du hilfst deinem Kind, es zu schaffen, mit den starken Gefühlen umzugehen.

Schritt 6: Fange dein Kind auf, wenn es in sich zusammenfällt

Und wenn die Gefühle dann irgendwann raus sind, wird dein Kind wahrscheinlich in sich zusammenfallen. Im besten Fall auf deinem Schoß, in oder auf deinem Arm. Und dann bist du einfach da für dein Kind. Du wiegst es und du streichelst ihm das Köpfchen und sagst etwa: „Wow. Da waren gerade so viele und so starke Gefühle bei dir. Das war bestimmt ganz anstrengend. Ich bin hier und halte dich.“

Das kannst du einfach so sagen, ohne es weiter zu kommentieren. Sei nur präsent, sei da. Sei in deiner liebevollen Elterlichen Führung.

Oder du sagst etwas wie: „Hey, ich nehme deine Traurigkeit in den Arm. Wo sitzt sie denn? Wo sitzt die Traurigkeit? Welche Farbe hat sie? Wie groß ist sie? Wie sieht sie aus? Ja, ich sehe sie!“

Du wirst spüren, was der Weg ist, der deinem Kind in dieser Situation am meisten hilft. Du bist da und du schenkst deinem Kind diesen Raum.

Das ist Trösten.

Wie kann ich mein Kind emotional stärken und die Selbstregulation fördern?

Ja, das dauert länger, als zu sagen: „Da brauchst du nicht zu weinen!”, „Jetzt ist mal Schluss!“ oder „Guck mal, da ist ein Eichhörnchen”. Nur: Das Ergebnis ist wahrhaftig echte Verbindung.

Und dein Kind lernt durch die Wiederholung (denn solche Situationen wird es immer wieder geben und du darfst immer wieder starke Gefühle deines Kindes begleiten):

Und so erlernt dein Kind mit der Zeit und durch die Wiederholung ja auch, Frustrationstoleranz zu entwickeln. Und letztlich lernt es, je älter es wird, selbst mit diesen Gefühlen umzugehen, sich selbst zu trösten, sich um sich selbst zu kümmern. Das hat auch was mit Selbstwirksamkeit zu tun.

Fazit

Bei starken Gefühlen braucht dein Kind deine Unterstützung. Es braucht deine Elterliche Liebe und deine Elterliche Führung.

Wenn du aufhörst, Gefühle „wegzumachen“, sondern ihnen Raum gibst, und deinem Kind dabei hilfst, mit den Gefühlsausbrüchen klarzukommen, entsteht echte Verbindung. Außerdem lernt dein Kind Frustrationstoleranz und wie es nach und nach selber Strategien finden kann, mit starken Gefühlen umzugehen.

Und das Gleiche gilt für dich: Je mehr du bereit bist, deine Trigger zu verstehen und dein Inneres Kind nachzubeeltern, desto leichter kannst du deinem Kind in herausfordernden Situationen Halt und Sicherheit schenken.

So wird aus dem Gefühlsausbruch deines Kindes eine Einladung an euch beide, gemeinsam zu wachsen.

Oft gestellte Fragen (FAQ)

Was mache ich, wenn mein Kind aus seinem Gefühlsstrudel gar nicht rausfindet? 

Was ist, wenn dein Kind in einem Strudel aus starken Gefühlen richtig gefangen ist? Sich in seinen Gefühlen verfängt und völlig durchdreht?

Dann darfst du in deine Elterliche Führung kommen und so etwas sagen wie: „Guck mich an! Wir atmen jetzt gemeinsam tief ein und wieder aus. Gut so. Gleich noch mal. Du bist hier in Sicherheit. Ich bin hier und ich halte das mit dir zusammen aus. Und wir kommen jetzt gemeinsam runter.“

Wenn dein Kind Berührung zulässt, dann fasse es an. Am Arm oder an der Schulter. Vielleicht darfst du es umarmen.

Dein Kind braucht in diesem Moment, dass das Nervensystem runterfährt, dass es wieder Orientierung bekommt. Schaut im Raum umher. Leite dein Kind an: „Okay, und jetzt machst du die Augen auf und guckst mal da in die Ecke. Da, schau mal auf den Boden, unter den Stuhl. Wir sind hier in Sicherheit. Lass noch mal tief ein- und langsam wieder ausatmen. Soooooo, genau.“

Denn tiefes Einatmen und längeres Ausatmen beruhigt das Nervensystem. Und dann nimmst du wieder dein Kind in den Arm und wiegst es. So wie oben beschrieben.

Wie kann ich Wutausbrüche vermeiden? 


Ja, diese Frage wird mir tatsächlich hin und wieder gestellt. Doch du hast ja jetzt diesen Artikel gelesen und weißt die Antwort selbst: Du brauchst keine Wutausbrüche zu vermeiden. Wut bei Kindern darf da sein – wie alle anderen Gefühle auch. Wut ist ein starkes Gefühl und ein riesengroßer Wegweiser zu mindestens einem unerfüllten Bedürfnis. Wenn du dich um die unerfüllten Bedürfnisse deines Kindes kümmerst, werden die Wutausbrüche automatisch weniger.

Wie lange dauert so eine Begleitung? 


Die Begleitung starker Gefühle dauert immer so lang, wie dein Kind es braucht. Das können mal ein paar Minuten sein – und manchmal dauert es viel, viel länger. Ja, ich weiß: Das kann anstrengend und herausfordernd sein. Doch was ist die Alternative? Das Kind mit seinen Gefühlen alleinlassen, die Gefühle „wegmachen“ und unterdrücken? Das mag kurzfristig einen gewissen Effekt haben. Doch langfristig wirst du die Verbindung mit deinem Kind verlieren und mit umso häufigeren und stärkeren Gefühlsausbrüchen zu tun haben.

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Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, zweifache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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