Selbstwirksamkeit fördern: wie dein Kind lernt, sich um sich zu kümmern

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Selbstwirksamkeit bei Kindern – wow. Das dürfte fast schon ein ganzes Buch sein!

Denn Selbstwirksamkeit ist das Ergebnis von fundierter Bindung – und damit das Ergebnis der LilaLiebe®. Sie entwickelt sich durch alle drei Autonomiephasen hindurch und damit über all die Jahre, die du dein Kind mit deiner Elterlichen Verantwortung begleitest.

Selbstwirksamkeit ist also nichts, was du deinem Kind mal eben „beibringst“. Sie entsteht bei deinem Kind dadurch, wie du dein Kind begleitest, wie du es führst, wie du es liebst und wie du ihm auf Augenhöhe begegnest.

In diesem Artikel schauen wir uns an, was dein Kind braucht, um handlungsfähig zu werden, sich um sich selbst zu kümmern und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln – also: um selbstwirksam zu werden.

Die wichtigsten Infos zusammengefasst:

Selbstwirksamkeit entsteht aus fundierter Bindung: Dafür braucht es dich in deiner Elterliche Verantwortung.

Selbstwirksamkeit ist ein Prozess über alle Entwicklungsphasen hinweg: Dein Kind lernt von dir Schritt für Schritt, wie es seine Bedürfnisse erkennt und Lösungen zur Bedürfniserfüllung findet.

Auch in der Pubertät braucht dein Kind deine Begleitung: auf Augenhöhe und aus der Elterlichen Achtung heraus.

Was ist Selbstwirksamkeit überhaupt?

Selbstwirksamkeit ist ein Unterbedürfnis des Selbst, und das Selbst ist das Ergebnis von fundierter Bindung, die im Laufe der Entwicklungsphasen von Kindern entstehen kann.

Das heißt: Die Fähigkeit, sein Selbst zu entwickeln, geht mit fundierter Bindung einher.

Außer Selbstwirksamkeit gibt es noch Selbstverantwortung, Selbstständigkeit, Selbstliebe, Selbstermächtigung … Im Grunde genommen alle Wörter mit Selbst.

Selbstwirksamkeit heißt: Ich kann mich um mich kümmern. Ich bin wirksam für mich selbst, für mein Selbst. Und mein Selbst betrifft alles, was ich bin.

Was bedeutet Selbstwirksamkeit bei Kindern?

In der Selbstwirksamkeit stecken alle Bedürfnisse der Entwicklungsphasen von Kindern drin, wie ich sie in meinem Erziehungs- und Beratungskonzept, der LilaLiebe® definiert habe:

All diese Bedürfnisse (und noch einige mehr) braucht dein Kind weitgehend erfüllt, um fundierte Bindung entwickeln zu können. Und je nach Entwicklungsphase sind bestimmte Bedürfnisse besonders zu beachten, damit sich die Bedürfnisse der verschiedenen Entwicklungsphasen erfüllen können und letztlich fundierte Bindung entsteht, aus der sich das große Selbst entwickeln kann. Am Ende ist dann da die Fähigkeit, sein Selbst zu entwickeln und zu gestalten. Und zu dieser Fähigkeit gehört eben auch die Selbstwirksamkeit.

Wieso ist Selbstwirksamkeit für Kinder so wichtig?

Selbstwirksamkeit heißt: „Ich habe gelernt, mich um mich zu kümmern.“ Das lernt dein Kind natürlich keineswegs erst am Ende seiner Entwicklung. Sondern das ist ein Prozess, der kontinuierlich während der Entwicklungsphasen stattfindet. Dein Kind weiß:

Natürlich sind das Erwachsenen-Formulierungen und dein Kind wird wohl kaum bewusst so denken. Doch diese Gewissheiten zeigen sich deinem Kind als Gefühl.

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6 Schritte, um Selbstwirksamkeit zu fördern und zu stärken

Schritt 1: Selbstwirksamkeit beginnt mit dem Wissen um Bedürfnisse

Was braucht dein Kind für Selbstwirksamkeit? Es braucht das Wissen,

Deinem Kind dieses Wissen mal eben in einer Art Wochenendkurs nahezubringen – das wird kaum klappen. Dieses Wissen erwirbt dein Kind über all die Jahre, die du es voll Elterlicher Verantwortung auf seinem Weg begleitest.

Elterliche Verantwortung heißt

So zeigst du deinem Kind, wie das mit der Selbstwirksamkeit geht. Und das braucht ganz viel Wiederholung.

Das heißt:

Nur weil du einmal deinem Kind vorgemacht hast „Du hast jetzt das Bedürfnis Schlaf, also gehst du jetzt ins Bett“, ist es keineswegs in seiner Selbstwirksamkeit angekommen.

Da brauche ich wirklich deine Bereitschaft, dein Kind das durch ganz viele Wiederholungen lernen zu lassen. Dein Kind dabei wieder und wieder zu begleiten: Das ist dein Job.

Schritt 2: Bedürfnisse erkennen, benennen und erfüllen lernen

Das machst du,

Es ist keinesfalls der Anspruch, das Bedürfnis immer zu 100 % zu erfüllen. Wir können nie alle Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen. Da ist es wichtig, auf die Bedürfnishierarchie zu achten.

Schritt 3: Deinem Kind deine Selbstwirksamkeit vorleben

Natürlich lebst du deinem Kind auch vor, wie du dich selbstwirksam um dich kümmerst.

Zeige deinem Kind, dass auch du Bedürfnisse hast und sie dir mit Strategie XY erfüllst.

Sprich über deine Bedürfnisse und zeige deinem Kind, wie du selbstwirksam bist: wie du erkennst, was du brauchst, und wie du dich darum kümmerst.

Das hat auch ganz viel mit Selbstverantwortung und Selbstermächtigung zu tun.

Schritt 4: Auch in der Pubertät an der Seite deines Kindes bleiben

Eltern sind meist bereit, ihre Kinder beim Erfüllen ihrer Bedürfnisse zu unterstützen, solange sie noch klein sind.

Doch spätestens in der Pubertät haben viele Eltern den Eindruck:

„So, du bist jetzt alt genug, das darfst du jetzt mal alleine machen. Also, jetzt kümmere dich um deinen eigenen Scheiß, jetzt darfst du auch mal selbstwirksam sein.“

Denn die meisten Eltern wurden in ihrer eigenen Pubertät so behandelt.

Da ist es wichtig, dass du weißt, dass dein Kind in der Pubertät immer noch in der Entwicklungsphase ist (der dritten, um genau zu sein). Das heißt: Dein Kind braucht dich immer noch an seiner Seite mit deiner Elterlichen Verantwortung.

Von den vier Elementen der Elterlichen Verantwortung, die ich oben genannt habe, hat sich natürlich die Augenhöhe ganz krass verändert im Vergleich zu der Zeit, als dein Kind noch jünger war.

Doch es braucht immer noch deine Hilfe, um zu lernen, wie es sich um sich kümmern kann – statt dass du erwartest, dass es jetzt alt genug ist und das gefälligst selber machen kann.

Und auch wenn du dein Kind bisher anders als mit der Gewaltfreien Kommunikation oder meinem Konzept der LilaLiebe® begleitet hast – dafür ist es nie zu spät! Das heißt: Deine Erziehung darfst du immer hinterfragen und ändern, auch wenn dein Kind schon ein Teenager ist.

Schritt 5: Dein Kind weder be- noch verurteilen

Und verurteile dein Kind keinesfalls, wenn mal was schiefläuft. Wenn du deinem Kind vermittelst „Guck mal, wie dumm du bist. Das hast du schon wieder falsch gemacht.

Du kriegst eigentlich einfach nichts gebacken“, dann lernt dein Kind: „Okay. Ich kann mich nicht um mich kümmern. Ich bin dumm. Ich bin naiv. Ich kriege nichts auf die Kette.“

Doch wir wollen ja, dass Kinder lernen, immer eine Lösung zu finden. Sie lernen, was sie brauchen und wie sie eine Lösung finden, um das zu bekommen, was sie brauchen. Und sie lernen, wie sie aus vermeintlichen Fehlern was für sich rausholen. Und dann werden sie selbstwirksam: weil sie anfangen, sich um sie zu kümmern, und weil sie handlungsfähig sind.

Schritt 6: Deinem Kind und dir selbst Empathie schenken

Wenn ein Kind ganz handlungsunfähig ist und gar keine Bereitschaft hat, in die Handlung zu kommen, dann braucht es erst mal ganz viel Empathie.

Und das gilt genauso für dich: Wenn du keine Bereitschaft hast, hier in deine hundertprozentige Elterliche Verantwortung zu kommen mit den vier Elementen, dann wirst du erst mal ganz viel Empathie brauchen, weil von dir wahrscheinlich ab einem bestimmten Alter erwartet wurde, dass du das jetzt gefälligst alleine zu schaffen hast.

Und da warst du sehr einsam und alleine und hast eben keine Unterstützung und keine bedingungslose Liebe bekommen.

Das heißt, da ist dein Tank sehr leer, und der darf gefüllt werden. Ich sehe und ich höre dich. Ich sende ganz viel Liebe zu dir raus und frage dich noch mal: Bist du bereit, in deine Elterliche Verantwortung zu kommen?

Bist du bereit, dein Kind zu unterstützen, alles zu schaffen, was es schaffen will? So wird dein Kind lernen, intrinsisch in die Selbstwirksamkeit zu kommen.

Beispiele aus meinem Mama-Alltag

Alles, was ich dir hier erzähle, ist ja auch Teil meines Mama-Alltags. Und ich möchte hier zwei Beispiele mit dir teilen, wie das bei uns in der Familie mit der Selbstwirksamkeit ist.

Selbstwirksamkeit auf Augenhöhe mit meinem 18-jährigen Sohn

Mein 18-jähriger Sohn Günther ist, wie ich finde, unfassbar selbstwirksam, selbstverantwortlich und auch voller Selbstliebe. Gleichzeitig lebt er noch zu Hause. Und solange er zu Hause lebt, ist er unabhängig von seinem Alter noch in der letzten Autonomiephase.

Ich bin an seiner Seite und ich frage ihn, wie ich ihn unterstützen kann, weil ich meinen Kindern immer signalisiere: „Ich bin da und ich helfe dir total gerne, alles zu schaffen, was du brauchst.“

Bei einem 18-Jährigen haben viele die Erwartung, dass er das Aufstehen selber geregelt kriegen muss. Er kann sich einen Wecker stellen und wenn er verpennt, verpennt er eben.

Wir machen das bei uns daheim anders. Wir sprechen darüber.

Ich sage: „Ey, du hast den Wecker gestellt und trotz Wecker bleibst du liegen. Brauchst du Unterstützung?“

Und dann sagt er: „Ja.“

Ich frage: „Wie kann ich dich unterstützen?“

Günther: „Naja, könntest du jeden Morgen um 6:40 Uhr gucken, ob ich es geschafft habe aufzustehen? Ansonsten … bist du bereit, mich zu wecken?“

Ich bin total gerne bereit, ihn um 6:40 Uhr zu wecken. Allerdings bleibt er danach weiter liegen.

Dann ist es seine Verantwortung.

Nur: Darüber wird ganz klar gesprochen, dass ich ihn gerne wecke und ihn gerne unterstütze. Gleichzeitig ist er keine sechs Jahre mehr alt und ich werde keinesfalls neben ihm sitzen, bis er aufsteht, oder fünfmal ins Zimmer reinrennen.

Sondern ich unterstütze ihn auf Augenhöhe. Er ist 18 Jahre alt und wir sind im Austausch.

Wie ich mit meiner 9-jährigen Tochter Selbstwirksamkeit entwickle

Meine Tochter Waltraud (9) möchte in der Schule unbedingt in das Deutschheft Nummer drei kommen.

Das ist ihr Ziel. (Aktuell ist sie im Deutschheft Nummer zwei.) Ich überlege mit ihr gemeinsam, was sie dafür tun kann.

Statt ihr einfach Strategien vorzuschlagen, frage ich sie:

„Okay, hast du Ideen, wie du das schaffen kannst?“

Und dann überlegt sie. Und dann hat sie vielleicht eine. Und dann habe ich vielleicht noch eine und wir tauschen uns darüber aus und machen dann einen Plan.

Und ich unterstütze sie dann dabei, diesen Plan umzusetzen. Und wenn ich merke, der Plan ist am Ende weniger cool, als wir uns das gedacht haben, dann erarbeiten wir einen neuen Plan. Ich bleibe an ihrer Seite und ich helfe ihr, sich um sich zu kümmern.

Und wenn was schiefläuft, dann dürfen wir das bedauern. (Ich bin ein Riesen-Fan von Bedauern.)

Ja, so läuft das bei uns. Du siehst: Wir sind da auch immer im Prozess.

Fazit

Selbstwirksamkeit bedeutet, dass dein Kind weiß: „Ich kann mich um mich kümmern.“ Dass es seine Bedürfnisse erkennen und benennen kann und dafür Lösungsstrategien findet. Das kann dein Kind auf gar keinen Fall von heute auf morgen. Sondern das ist ein Prozess, der sich durch alle Entwicklungsphasen deines Kindes zieht.

Und dein Kind braucht dafür immer wieder deine Begleitung und deine Unterstützung – auch noch in der Pubertät. Also wenn du mich fragen würdest: „Kathy, in einem Satz: Was braucht mein Kind, um selbstwirksam zu werden?“, dann wäre meine Antwort: „Dein Kind braucht dich in deiner Elterlichen Verantwortung – immer und immer wieder.“

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Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Ich bin Kathy Weber, 2-fache Mama und ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.
Ich helfe dir zu verstehen, was dein Kind dir mit seinem Verhalten wirklich sagen möchte und wie ihr Konflikte im Alltag in Verbindung lösen könnt.

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