Konsequentes Erziehen ohne Schimpfen, Schreien und Strafen – Fünf Tipps, um auf Bestrafung zu verzichten

Erziehen ohne Strafen Titelbild

Die meisten von uns, also aus der jetzigen Elterngeneration, sind mit Konsequenzen aufgewachsen: Fernsehverbot, Hausarrest oder „Du gehst jetzt auf dein Zimmer“ – das kennen wir nur zu gut aus eigenem Erleben.

Ich persönlich erinnere mich an Sätze wie „Wenn du heute nicht Klavier übst, darfst du nicht Gitarre spielen.“

Noch schlimmer:
Wenn du dich als Kind anders als gewünscht verhalten hast und dann deine Eltern vielleicht tagelang kein Wort mit dir sprachen.

Ganz wichtig ist mir:

Ich möchte meinen Eltern keinen Vorwurf machen oder ihnen die Schuld geben an den Folgen, die dadurch bei mir entstanden sind. Sie haben damals das ihnen Bestmögliche getan. Heute reagieren sie anders. Und: Ich habe selber in der Hand, wie ich mit meinen Erfahrungen in der Vergangenheit umgehe.

Was ich sagen möchte, ist dies:

Ich weiß, wie schwierig es ist, in der eigenen Elternschaft solche erlernten und erlebten Verhaltensmuster abzulegen.

Ich möchte dich einladen, Geduld und Verständnis mit dir zu haben. Die aus den eigenen Erlebnissen entstandenen Knoten brauchen Zeit, um sich zu lösen. Wenn du sie jedoch einmal gelöst hast, wirst du dich frei fühlen und ganz anders mit dem Thema Konsequenzen umgehen können.

Schimpfen, Bestrafen und auch Belohnen: Du kommst sehr gut ohne aus, und dein Kind erst recht. Ich lade dich ein, in diesem Blogartikel zu lesen, wie du mit deinem Kind in Verbindung bleibst, auch wenn es sich gerade wenig kooperativ zeigt.

Gründe, wieso du auf Bestrafung verzichten solltest

Folgendes gilt als Einladung an dich. Keiner MUSS oder SOLL irgendetwas.

Eltern lösen mit Konsequenzen beim Kind Schuldgefühle, Angst und Scham aus. Die Kinder fangen dann an zu „funktionieren“, das heißt ihre Verhaltensweisen dienen der Vermeidung von Konsequenzen statt auf echter, eigener intrinsischer Motivation zu beruhen.

Oft bilden sich da auch negative Glaubenssätze wie

„Ich mache immer alles falsch“

oder

„Ich bin einfach nicht gut genug“

oder

„Ich muss erst alles richtig machen, damit ich geliebt werde“.

Das Selbstwertgefühl kann sich unter solchen Voraussetzungen natürlich nur schwer zum Positiven entwickeln.

Kinder können bis zu einem bestimmten Alter den Verlauf der Situation noch kaum absehen. Demnach können sie dafür auch keine Verantwortung übernehmen. Das kommt mit der Zeit. Und das lernen die Kinder, indem wir ihnen vorleben, wie es geht.

Darf mein Kind also tun, was es möchte?

Kinder ohne Konsequenzen zu begleiten bedeutet keinesfalls, dass du auf konsequentes Handeln verzichtest. Im Gegenteil! „Konsequent“ steht für Eltern, die wissen, wo der Hase langläuft; Eltern, die in ihrer Haltung klar sind; Eltern, die eine klare Richtung vorgeben.

Konsequente Eltern erfüllen durch ihr Verhalten das Bedürfnis des Kindes nach Sicherheit, Orientierung, Halt, Ordnung, Autorität und Führung.

Ja – du hast richtig gelesen: Auch Führung ist ein Bedürfnis von Menschen. Der eine Mensch braucht mehr Führung, der andere weniger. Genauso ist es mit Kindern. Das ist eine sehr individuelle Sache.

Frage dich also gerne:

Welches Bedürfnis steht hinter deiner Entscheidung? Wenn du auf so alte Glaubenssätze kommst wie „Na ja, das macht man halt so“ – dann geht es um Prinzipien und du steckst in einem Machtkampf fest.

Frage dich dann erneut:

Warum brauche ich das jetzt? Denn: Wer ist dieser ominöse „man“, und wer hat das eigentlich überhaupt gesagt, dass „man“ irgendwas so und so macht?

Ich darf dir sagen, dass solche Momente sehr erleuchtend sind, was die eigene Kindheit betrifft. Sicher kennst du diese Art von Sätzen aus deiner eigenen Kindheit – bei mir waren es Aussagen wie:

„Man sagt immer bitte und danke.“

„Man gibt immer die Hand.“

„Man isst erst, wenn alle etwas auf dem Teller haben.“

Es gibt noch so viele Beispiele mehr, und jeder hat eigene, die er nennen kann. Um wie viel freier fühle ich mich, seit ich diese „man“-Sätze aus meinem Leben entfernt habe!?

Sich von den „man“-Sätzen zu befreien bedeutet, nach den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der Kinder zu leben und zu handeln.

Kommen wir zurück:
Ich lade dich ein, dich immer zu fragen, welches Bedürfnis hinter deiner Entscheidung steht.

Ich bin mir sicher: Am Ende werden einige wenige Bedürfnisse übrigbleiben, bei denen du konsequent sein wirst.

Da geht es dann zum Beispiel um die körperliche und seelische Gesundheit deines Kindes, um Fürsorge, um Bewegung, ausreichend Schlaf und Essen und solche Bereiche.

Zu guter Letzt sind konsequente Eltern auch schlüssig.

Sie handeln nachvollziehbar und verständlich. Das bedeutet keineswegs, dass wir unsere Kinder volllabern, damit sie auch wirklich verstehen, warum wir etwas auf diese oder jene Weise entscheiden.

Gerade bei kleineren Kindern reicht es völlig zu sagen:

„Das entscheide ich als dein/e Mutter/Vater, weil ich für dich verantwortlich bin.“

Oder auch:

„Das entscheide ich jetzt, damit du gesund bleibst.“

Oder ähnliches.

Ich persönlich sage gerne:

„Ich bin deine Mama, und ich kümmere mich um dich.“

Das heißt übersetzt:

„Ich bin deine Mama, und ich weiß, was zu tun ist.“

Davon bin ich überzeugt. Deshalb habe ich da meinen Kindern eine ganz klare Haltung gegenüber.

Fakt ist:

Eltern haben die Verantwortung und sie tragen die Verantwortung ihres Handelns.

Erziehen ohne Strafen und gleichzeitig konsequent sein - geht das?

„Wenn du jetzt nicht aus der Badewanne kommst, gibt es heute Abend keine Gute-Nacht-Geschichte.“

Oder:

„Wenn du jetzt nicht endlich deine Hausaufgaben machst, kannst du Fernsehschauen für eine Woche lang vergessen!“

Die Momente, in denen wir solche Konsequenzen androhen, sind oft Stressmomente, in denen uns der Kragen platzt. Die Kinder verweigern die Kooperation.

In solchen Situationen die Nerven zu behalten, ist eine Kunst. Sei gerne geduldig mit dir. Du befindest dich in einem Prozess, und manchmal läuft es halt suboptimal. Du hast ja auch deine eigenen unerfüllten Bedürfnisse.

Ich schlage vor, statt Konsequenzen auszurufen, dich in solchen Momenten mal ganz kurz um dich selbst zu kümmern. So genannte Exit-Strategien helfen dir, die Nerven zu behalten.

Nimm dir wirklich ein bis zwei Minuten, in denen du dich um dich kümmerst. Es gibt eine Vielzahl an Exit-Strategien, mit denen du aus diesen Stresssituationen herausfindest. Da findet am besten jeder, was für ihn selbst gut funktioniert.

Für mich ist es beispielsweise stupides Zählen. Zwei Runden stupides Zählen und mein Puls ist wieder im Normalbereich. Und dann kann ich auch wieder empathisch auf mein Kind zugehen und Führung geben (sofern sie überhaupt nötig ist).

In der Gewaltfreien Kommunikation gibt es keine Konsequenzen, sondern es wird immer nach Wegen gesucht, damit es für alle machbar ist. Das kann ab und an mal dauern, bis das klappt. Doch statt Trennung, Schmerz, Schuld, Scham, Angst oder Überforderung haben wir Verbindung.

Die Verbindung mit unseren Kindern – das ist ein großes Ziel der bedürfnisorientierten Erziehung und Begleitung unserer Kinder. Erziehung ohne Bestrafung und die Verbindung mit unseren Kindern – diese Ziele erreichen wir nur, wenn wir auch mit uns in Verbindung stehen. Und das setzt voraus, dass wir klar wissen, was wir wollen und was wir brauchen.

Mein Lieblingssatz in dem Zusammenhang ist: Eltern entscheiden, was gemacht wird.

Das „Wie“ können die Kinder mitgestalten.

Beispiel Zähneputzen:
Dass das morgens und abends stattfindet, setzen wir als Eltern fest. Wie das Zähneputzen so gestaltet wird, dass es für die Kids möglichst angenehm ist, können wir gemeinsam herausfinden. Ähnliches gilt für den Umgang mit Medien, für das Anziehen, für das Einschlafritual usw.

Wieviel das Kind schon mitgestalten kann, kommt natürlich auf sein Alter an. In meiner Podcast-Folge „Handeln statt Reden“ gehe ich darauf genauer ein, dass es natürlich ein Missverständnis wäre, jetzt Zweijährige Kinder mit tausend Fragen zu bombardieren.

Am Ende bleiben wenige Bereiche, in denen wir als Eltern wirklich konsequent werden, doch diese sind dann mit viel Wissen gut zu begründen.

Ich als Mama oder Papa habe eine klare Haltung, und da gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Jeder bildet sich seine eigene Meinung und hinterfragt sie auch immer wieder.

Familie A kommt vielleicht zu völlig anderen Ergebnissen als Familie B. Das ist in Ordnung! Ich finde es nur wichtig, dass sowohl Familie A weiß, warum sie es so macht, wie sie es macht, wie auch Familie B sich über die Gründe ihrer Entscheidungen im Klaren ist.

Eines ist klar:

Wenn wir konsequent sind, wird es Momente geben, in denen unser Kind völlig außer sich ist, vielleicht auch Wutausbrüche bekommt. Denn in solchen Momenten wird sein Bedürfnis unter deines gestellt – da würde ich ja ehrlich gesagt auch ausflippen.

Diese starken Gefühle des Kindes gilt es zu begleiten. Sie dürfen sein! Die Gewaltfreie Kommunikation kann dir mit ihrer Haltung und ihrer Technik sehr dabei helfen, diese Gefühle deines Kindes zu begleiten.

Konsequente Eltern hinterfragen regelmäßig ihre Ansätze.

Es ist doch wunderbar: Wir dürfen unsere Meinung verändern! Denn wir und unsere Kinder verändern uns doch auch täglich!

Für viele Mamas und Papas ist dieser Denkansatz überraschend und neu, denn viele von uns sind ja mit Sätzen aufgewachsen wie „Wer A sagt, muss auch B sagen – komme, was da wolle.“

Ich habe kürzlich ein wunderbares Zitat von Bertolt Brecht dazu gefunden, und da heisst es:

„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.“

Ich finde diesen Denkansatz so wunderbar!

Führung ist ein Bedürfnis, doch sie ist nur in manchen Fällen der Schlüssel. Wenn du dauerhaft konsequent bist, weil du weißt, was du tust, weil du hinterfragst und klar in deiner Haltung bist, dann übernimmst du Verantwortung und dein Kind braucht keine Konsequenzen zu tragen.

Beobachte dein Kind:

Es zeigt dir durch sein Verhalten – mal deutlicher und mal etwas weniger deutlich –, was es braucht. Nähe, Führung, Ordnung, Orientierung, Sicherheit, Liebe oder etwas anderes … es gibt viele Gründe für einen Wutausbruch beim Kind!

Das unerfüllte Bedürfnis nach Führung kann eine Ursache sein, es gibt auch andere.

Unsichere Eltern entscheiden mal so, mal so. Diese Unsicherheit spüren die Kinder. Mal hü, mal hott – das überfordert die Kinder.

Vermutlich werden die Kinder irgendwann verhaltensauffällig, mit provozierendem Verhalten wie Brüllen, Schlagen, Verweigerung oder Ähnlichem.

Dabei fehlt es ihnen „nur“ an Sicherheit.

Fünf Tipps, damit Erziehung ohne Schimpfen funktioniert

Im Folgenden möchte ich dir kurz und knapp einige Tipps vorschlagen, die ich persönlich für sinnvoll und hilfreich halte. Sieh sie vielleicht weniger als Lösung all deiner Probleme oder als klare Handlungsanweisungen – ich möchte immer nur Denkanstöße geben.

Ich hoffe, meine Vorschläge sind dennoch hilfreich für dich.

Fazit

Kinder ohne Strafen und Belohnungen zu erziehen – das ist für unsere Generation ein geradezu revolutionärer Ansatz, denn wir wurden ja selbst meist so erzogen und kennen erst mal nur das.

Wenn du meine Argumente gegen eine Erziehung mit Konsequenzen überzeugend findest, freue ich mich sehr, wenn auch du die Verbindung zu deinem Kind über alles stellst und umdenkst. Sei geduldig mit dir – es ist ein Prozess, das habe ich selbst so erlebt, denn unsere inneren Glaubenssätze sitzen tief.

Ich lade dich herzlich ein, dich damit zu beschäftigen und glaube, dass sowohl du als auch dein Kind davon profitieren werden.

Für euren gemeinsamen Weg zu Erziehung ohne Bestrafung und Belohnung wünsche ich euch von Herzen alles Gute!!

Medienkonsum bei Kindern – so bringst du deinem Kind einen guten Umgang mit Medien bei

Umgang mit Medien Titelbild

Smartphone, Tablet, Laptop … Social Media, Gaming, WhatsApp … in Familien sind Medien und vor allem die Mediennutzung von Kindern oft hochbrisante Themen. Eltern befürchten, dass ihre Kinder süchtig werden oder anderweitig Schaden nehmen können, wenn sie zu viel Zeit mit Medien verbringen.

Wie kann ich die Mediennutzung einschränken, wie viel Medienzeit ist akzeptabel und was ist eigentlich „richtiger“ Umgang mit Medien? Mit diesen Fragen sind wir ja schon mitten in der Diskussion.

Denn im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation gibt es nun mal kein „Richtig“ und kein „Falsch“. Was kann denn dann die Richtschnur sein?

Meiner Meinung nach muss jeder für sich den Weg finden, mit dem er sich wohlfühlt. Ich weiß: Das ist eine Herausforderung. Und das, womit du dich wohlfühlst, ist vermutlich etwas anderes als das, womit dein Kind sich wohlfühlt.

Ich möchte dir dabei helfen, deine klare Haltung zum Thema Medien zu finden. Wenn du selbst eine klare Haltung dazu hast, kannst du entsprechend handeln und dein Kind bedürfnisorientiert begleiten. 

Und du wirst sehen: Nach und nach werden Gejammere, Genörgel und Wutausbrüche weniger – weil du deinem Kind Orientierung und Halt gibst. 

Und weil du so dein Kind Schritt für Schritt an einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien heranführen kannst.

Wie wirken digitale Medien überhaupt auf dein Kind?

In der Wirkung von Medien sind die Unterschiede zwischen den Individuen fast noch größer als die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Manchen Kindern kann eine eigentlich altersgemäße Animationsserie schon zu viel sein, während andere Kinder völlig unbeeindruckt von den digitalen Eindrücken erscheinen. Das hat mit der Medienkompetenz der Kinder zu tun, mit Resilienz, mit Sensibilität und vielem anderem.

Um einschätzen zu können, wieviel Medienkonsum zu viel ist, beobachten wir unsere Kinder genau und sprechen mit ihnen über ihre Eindrücke und Erfahrungen mit Medien oder spielen sie beispielsweise in Rollenspielen nach.

Grundsätzlich sind Kinder unter drei Jahren mit Medien überfordert – ob Fernseher, Tablet oder Handy. Sie können die schnellen Bildfolgen schlecht verarbeiten.

Kinder im Kindergartenalter können zwar mit altersgerechten Sendungen und Spielen etwas anfangen, komplexere Handlungen dagegen kaum nachvollziehen: 

Sie nehmen dann nur Bruchteile wahr. Und viele Kinder tun sich in dem Alter noch schwer, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Bilder und Geräusche aus Medien können Kinder nachhaltig verstören – auch wenn sie für Kinder in diesem Alter produziert wurden. 

Deshalb bitte immer das Kind beim Medienkonsum begleiten und beobachten, ob es ängstlich oder verspannt oder besorgt wirkt.

Die möglichen Folgen von übermäßigem Medienumgang

Bewegungsmangel, Einschränkung der sozialen Kontakte, Cybermobbing, Cyber-Grooming, Mediensucht, Schlafmangel: 

Die Risiken und Folgen unkontrollierten Medienkonsums sind vielfältig. Es drohen auch Langzeitschäden wie Augenbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen. 

Diese möglichen Folgen können Kinder und Jugendliche kaum absehen oder einschätzen – hier sind wir in unserer Verantwortung als Eltern gefragt.

So führst du dein Kind bedürfnisorientiert und verständnisvoll an Medien heran - Tipps für einen gesunden Umgang

Die Leitfrage nach den Bedürfnissen klären

In der Gewaltfreien Kommunikation ist es ja unser Ziel, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu erfüllen. Fragen wir uns doch mal: 

Welche Bedürfnisse erfüllen sich unsere Kinder mit der Mediennutzung eigentlich? Zunächst einmal geht es, vor allem bei Kleinkindern, um das Thema Spiel und Spaß. Später einmal spielt auch der Wunsch nach Zugehörigkeit eine Rolle: 

„Die anderen gucken das auch, ich will mitreden können.“ 

Wenn eure Kinder noch etwas größer werden, kommen das Bedürfnis nach Austausch und das Bedürfnis nach Wissen hinzu. Die Medien sind die Strategie unserer Kinder, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist soweit klar.

So, und jetzt wird es kompliziert. Denn indem die Kinder sich die genannten Bedürfnisse mithilfe der Medien erfüllen, bleiben andere Bedürfnisse, die sie auch haben, unerfüllt. 

Kinder haben beispielsweise auch das Bedürfnis nach emotionaler und körperlicher Gesundheit, nach Orientierung, nach Schutz, nach Autonomie, nach Verständnis, nach Entspannung, nach Unterstützung und nach noch vielem anderem mehr. 

Um sich diese Bedürfnisse erfüllen zu können, brauchen die Kinder bis zu einem bestimmten Alter unsere Unterstützung. Wir sind die Eltern, der sichere Hafen, wir geben Orientierung, Schutz, Geborgenheit und so weiter. Und manchmal steht das eben im Widerspruch zum Bedürfnis der Kinder nach Spiel und Spaß.

Und dann haben wir auch noch unsere eigenen Bedürfnisse. In der emotionalen Aufladung, die das Thema Medien meistens hat, zeigt sich, wie viel dazu in unseren Köpfen steckt. 

Ich denke an Sätze wie „So macht man das doch nicht“ oder „Das ist schädlich“, „Das ist ungesund“ und so weiter.

Eltern mit einer klaren Haltung: 

Das ist es, was unsere Kinder brauchen, denn das gibt ihnen Sicherheit, Schutz und Stabilität. Um zu dieser klaren Haltung zu kommen, darfst du dich erst mal durch einen Wust an pauschalen Aussagen und Sichtweisen kämpfen, die so um uns herumschwirren.

Damit du zu deiner klaren Haltung kommst, brauchen wir dein Warum. Wie du dein eigenes Warum findest? Schau dir mal deine eigenen Aussagen und Gedanken dazu an. 

Beobachte dich einfach mal über ein paar Tage hinweg und schreib dir alles auf, was dir zum Thema Medien so in den Kopf kommt. Danach kannst du zu jeder dieser Aussage ein Bedürfnis finden, das durch die Aussage gesehen und gehört werden möchte.

Nehmen wir als Beispiel die Aussage „Das ist schädlich“

Dahinter könnte sich das Bedürfnis nach emotionaler und körperlicher Gesundheit deines Kindes verstecken. Und damit können wir arbeiten. Wenn du deine Bedürfnisse herausgefunden hast, brauchst du Strategien, wie du diese erfüllen kannst. 

Was könnte dir also in unserem Beispiel helfen, die emotionale und körperliche Gesundheit deines Kindes zu bewahren? 

Ich würde sagen: erst mal Fakten sammeln und ein fundiertes Wissen darüber schaffen, welche Auswirkungen Medien auf Kinder haben können. Google, Bücher, Podcasts, Forschungsergebnisse, Vorträge – du hast unglaublich viele Möglichkeiten, dir ein Wissen dazu zu schaffen.

So habe ich es auch gemacht, und ich informiere mich immer weiter. 

Eine meiner Erkenntnisse: 

Medien haben eine starke Auswirkung auf körperliche Funktionen: Augen, Gehirn, Stoffwechsel. Allein die Sehkraft ist ja bei einem Kind noch voll in der Entwicklung. Dieses viele Auf-den-Bildschirm-Schauen, nah vor den Augen – das begünstigt Kurzsichtigkeit.

Und Medien versetzen unseren Körper in eine Art Trance. Der Körper und der eigene Wille werden lahmgelegt: Der Wille, wissbegierig und aktiv durchs Leben zu gehen; der Wille, selbstbestimmt zu handeln. In diesem Trancezustand kann dein Kind die ganzen Gefühle, die beim Auf-den-Bildschirm-Schauen entstehen, nur schlecht verarbeiten. Damit ist der Wutausbruch nach dem Medienkonsum nur folgerichtig! Sicher ist auch dein Kind nach dem Medienkonsum häufig unausgeglichen. 

Darüber hinaus sind die Auswirkungen von Medien auf die emotionale Gesundheit von Kindern sicher immer individuell zu betrachten: Manche Kinder können besser damit umgehen, andere weniger. 

Manche Kinder können selbstbestimmt sagen: 

„Mir reicht’s, ich mach aus.“ 

Andere würden ohne äußere Begrenzung tagelang durchschauen.

Wenn du nun also aufgrund deiner Recherchen zu dem Ergebnis kommst, dass Medien tatsächlich körperlich und emotional schädlich sind, dann wäre doch eine konsequente Folge zu sagen: 

„Keine Medien, das schadet deiner Gesundheit.“ 

Den Kindern Medien komplett zu verbieten ist andererseits natürlich völlig unrealistisch. Medien sind einfach omnipräsent und selbstverständlicher Teil unseres Alltags. Zudem halten wir in der GfK von Verboten sehr wenig – unser Ziel sind schließlich Freiwilligkeit und Verbindung statt Trennung. 

Und: Es gibt ja auch noch die Bedürfnisse des Kindes, die gesehen und gehört werden möchten.

Nach dem Medienkonsum kannst du etwas für dein Bedürfnis nach körperlicher Gesundheit deines Kindes tun, indem ihr euch dann gemeinsam bewegt. 

Deinem Bedürfnis nach emotionaler Gesundheit deines Kindes kannst du Genüge tun, indem du mit deinem Kind über das Gesehene sprichst. Oder spielt das Gesehene in einem Rollenspiel am nächsten Tag nach.

Solange dein Kind unter 13 ist, entscheidest du

Wichtig:

Grundsätzlich triffst du die Entscheidung über den Medienkonsum. Du bist der erwachsene Part, du kannst aufgrund deiner Lebenserfahrung mögliche Konsequenzen des Medienkonsums absehen.

Schließlich erfüllst du damit auch ein Bedürfnis deines Kindes: das Bedürfnis nach Orientierung, nach einer klaren Haltung der Eltern.

Das sieht dann beispielsweise so aus, dass du als Mama oder Papa aufgrund deines Wissens und unter Berücksichtigung von Alter und individuellen Eigenschaften des Kindes vorgibst, wie viel und was geguckt werden darf. 

Beachte auch das Bedürfnis des Kindes nach Autonomie: Das Kind kann zum Beispiel (je nach Alter) mitentscheiden, wann geguckt wird. Das Wann sollte natürlich auch für dich passen – es geht ja immer um die Bedürfnisse aller.

Je größer dein Kind wird, desto mehr entscheidet es mit. Ich sehe unsere Aufgabe als Eltern so, dass wir unsere Kinder auf dem Weg dorthin begleiten, dass sie Medien eigenverantwortlich nutzen, ohne sich selbst zu schaden. 

Das heißt Schritt für Schritt lass ich meine Kinder die Entscheidungen übernehmen, sie auch ausprobieren, was ihnen guttut. Zugegeben, manchmal ist es für mich schwer auszuhalten, meinem dreizehnjährigen Sohn diesbezüglich viel selbst entscheiden zu lassen, weil ich als Mutter bestimmte Sorgen habe. 

Und dann versuche ich immer wieder, ins Hier und Jetzt zu kommen: mein Kind zu beobachten und zu schauen, wie es ihm mit seinem Medienkonsum geht. Medien gehören zu unserem Leben einfach dazu, und wenn es meinem Kind gut damit geht, lass ich bei meinem Dreizehnjährigen das weitgehend laufen.

Medien sind keine Wunderwaffe gegen Langeweile

Zum Thema Medienkonsum und Langeweile möchte ich dir noch einen Impuls mit auf den Weg geben. Für mich sind Medien keine Strategie, um Langeweile zu bewältigen.

Langeweile ist ein unglaublich wichtiger Zustand in der Entwicklung, der uns Wege aufzeigen kann, zu uns zu finden. 

Mach ich bei Langeweile dem Kind die Glotze an, unterbreche ich diesen Prozess, der zu Kreativität, Aktivität und Selbstfürsorge führen kann. Wenn meine Kinder zu mir sagen: 

„Mama, mir ist langweilig!“

dann sag ich: 

„Bin gespannt, was du draus machst. Brauchst du meine Hilfe?“ 

Und dann können wir überlegen. Ich mache meinem Kind selbst keine Vorschläge, sondern helfe ihm dabei, Dinge zu finden. Du wirst staunen, wie schnell Kinder sich aus diesem Zustand selber befreien können. Und vielleicht erwächst irgendwann sogar mal das Bewusstsein, dass Langeweile ein positiver und durch aus kreativer Zustand werden kann.

Weg von Regeln, hin zu Absprachen!

Übrigens sehen wir bei uns in der Familie unsere Absprachen zum Medienkonsum weniger als „Regeln“, die die Kinder einhalten „müssen“. Statt von „Regeln“ sprechen wir lieber von „Absprachen“, und „müssen“ tun wir gar nichts. 

Wir gehen in den Austausch und versuchen einen Kompromiss zu erreichen, an den sich alle freiwillig halten. So habe ich mit meinem Sohn lange bestimmte Bildschirmzeiten festgelegt. 

Sie ihm aufzuzwingen war für mich keine Option – ebenso wenig wie eine Bestrafung, wenn er die vereinbarte Bildschirmzeit überschritten hat. In so einem Fall würde ich so lange den Kontakt und den Austausch mit ihm suchen, bis wir einen neuen Kompromiss gefunden haben.

Bleib auf dem Laufenden, was dein Kind mit Medien macht

Ich fand es in den Gesprächen mit meinem Sohn total spannend, gemeinsam zu überlegen, wofür er die Medien genau nutzt. Ein großer Anteil der Mediennutzung hat mit Austausch zu tun, mit Kontakt zu Gleichaltrigen. 

Für die jetzt junge Generation sind WhatsApp-Calls einfach normal – das Festnetztelefon wird kaum mehr genutzt. Ein weiterer großer Anteil der Mediennutzung entfällt üblicherweise auf Spiel und Spaß: 

Zocken, YouTube-Clips schauen etc. Ein bisher geringerer Anteil entfällt auf den Wissenserwerb. Bei meinem Sohn beispielsweise sind das Tutorials über Skater-Tricks.

Zusammenfassung

Ich empfehle im Sinne der bedürfnisorientierten Elternschaft, Kinder bis zum ca. 13. Lebensjahr beim Medienkonsum zu unterstützen. Das hängt natürlich sehr vom Kind und seiner Entwicklung ab. 

Lasst uns unsere Kinder begleiten auf ihrem Weg hin zu verantwortungsvollen Erwachsenen, die sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst sind. Manche Kinder brauchen mehr Orientierung, andere brauchen weniger Orientierung. 

Ich möchte dich dazu einladen, dein Kind und dich selbst dabei zu beobachten, was Medienkonsum mit euch als Individuen und als Familiengemeinschaft macht und dann individuell zu reagieren. Findet euren Weg, der alle Bedürfnisse bestmöglich erfüllt. 

Wenn bei euren Kindern auf diesem Weg hin und wieder Frust entsteht, seid ihr wiederum eingeladen, diesen im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation zu begleiten.

Ich kann dir versichern:

Der Umgang mit Medien wird im Laufe deiner Elternschaft ein Dauerthema sein. Dein Kind verändert sich, du veränderst dich, das Leben verändert sich. Wir sind in ständiger Bewegung. Du darfst deine Meinung immer wieder hinterfragen und ändern. Wenn du den Weg der Bedürfnisse gehst, wirst du immer sicheren Boden unter den Füßen haben. Worum geht es dir, worum geht es dem Kind und wo ist der Mittelweg – das gilt es immer und immer wieder neu zu finden. Findet in der Familie Strategien, wie ihr mit den unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen könnt.

FAQs

Ab welchem Alter ist es für Kinder in Ordnung, Medien zu nutzen?

Nach allem Wissen, was mir bis zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung steht, würde ich Folgendes empfehlen: keine bis sehr wenig Medien für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren. Das schaffst du – auch wenn es ältere Geschwisterkinder in der Familie gibt, die schon Medien nutzen dürfen. Ab wann dürfen Kinder fernsehen? Ich würde sagen: ab 3 Jahren – gerne so wenig wie möglich.

Wie lange dürfen Kinder fernsehen?

Startet mit 3 Jahren vielleicht mit zweimal fünf Minuten in der Woche. Wählt bewusst Sendungen mit langsamer Bildsprache und begleitet euer Kind dabei, auch nach dem Gucken. Sorgt danach für Bewegung, geht am besten raus mit eurem Kind. Oder dreht Musik auf und tanzt gemeinsam. Begleitet auch den Frust, wenn kein Medientag ist. Beobachtet euer Kind. Wenn es nach dem Medienkonsum ausgeglichen und unauffällig wirkt, könnt ihr auch mal eine andere Sendung ausprobieren oder behutsam die Zeit anheben, in der geguckt wird. Was für dein Kind noch einigermaßen verträglich ist und was zu viel ist – das herauszufinden ist deine Aufgabe als verantwortungsvolle:r Erwachsene:r.

Teilen lernen – Tipps & Beispiele, um es deinem Kind beizubringen

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„Gib doch mal dem Lukas deine blaue Schaufel, der möchte auch damit spielen. Du musst teilen lernen!“

Wie oft hab‘ ich diesen Satz so oder so ähnlich schon auf dem Spielplatz gehört … Kennt ihr ganz bestimmt auch!

Das ist natürlich ein Elternsatz. Die passenden Kindersätze dazu sind beispielsweise „Ich hatte das zuerst“ 

oder 

„Das ist aber meins!“ 

Auch diese Art von Sätzen wirst du schon sehr, sehr oft gehört haben, stimmt’s?

Wie cool wäre es denn, wenn Teilen keine Pflicht mehr ist, sondern etwas, das dein Kind freiwillig tut?

Im Rahmen der bedürfnisorientierten Elternschaft und der Gewaltfreien Kommunikation ist genau das unser Ziel. Komm mit und lass uns gemeinsam schauen, wie das gehen kann!

Wenn mein Kind nicht teilen möchte

„Du musst teilen“ – das ist erst mal so ein Glaubenssatz, der ganz tief in unseren Köpfen drin steckt.

Zum einen ist das sicher etwas, das wir selber in unserer Kindheit so vermittelt bekommen haben:

„Kinder müssen teilen lernen.“

Zum Zweiten ist Teilen-Können für uns als Erwachsene oft ein Wert, in dem wir viel Gutes und Richtiges finden.

Was wir vielleicht manchmal vergessen: dass es auch für uns ein langer Prozess war, dorthin zu kommen.

Was hat das Thema „Teilen“ mit uns als Eltern zu tun?

Die Gewaltfreien Kommunikation verzichtet auf solche Zwänge wie „man muss teilen können“.

Wir müssen gar nichts, und wer ist überhaupt „man“??

Ich möchte ganz klar in die Freiwilligkeit rein, und auch das Teilen ist eine freiwillige Verhaltensweise. Jeder entscheidet selbst, wann er bereit ist zu teilen!

Für viele Eltern ist das ein geradezu revolutionärer Denkansatz, weil solche Verhaltensnormen einfach ganz tief in uns drin sitzen.

Und dann ist es sehr schwierig auszuhalten, wenn unser Kind gerade nicht teilen möchte. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es schwer sein kann, diesen Prozess zu begleiten, weil wir dabei selber gegen tiefsitzende Glaubenssätze anarbeiten.

Ich kann nur sagen: Es lohnt sich. Für dich und dein Kind.

Was passiert, wenn mein Kind nicht teilen möchte?

Wenn ein Kind nicht teilen möchte, ist das auch deswegen schwer auszuhalten, weil das immer Frust schafft.

Entweder mein Kind ist gefrustet, weil ich es dazu bringe, etwas zu teilen, was es gerade nicht teilen möchte – oder ein anderes Kind ist gefrustet, weil es etwas haben möchte, was mein Kind gerade für sich haben möchte.

Und wir als Eltern sind sowieso gefrustet, weil wir auszuhalten haben, dass mindestens ein Kind gefrustet ist.

Ganz interessant an dem Thema finde ich übrigens auch, was für unterschiedliche Charaktere unsere Kinder da mitbringen. Manche Kinder wollen alles für sich behalten, von dem sie der Meinung sind, dass es ihnen gehört.

Andere sind vor allem froh, mit anderen Kindern spielen zu dürfen, und teilen dafür gerne ihre Spielzeuge. Für uns in der GfK ist immer wichtig, dass alle Verhaltensweisen von Grund auf in Ordnung sind.

Es gibt da kein „Richtig“ oder „Falsch“ oder “Besser” oder “Schlechter”.

Beispiel: Mein Kind möchte etwas von einem anderen Kind

Ich finde, am besten und leichtesten lernen wir die Gewaltfreie Kommunikation und die bedürfnisorientierte Begleitung unserer Kinder immer an konkreten Beispielsituationen aus dem Alltag mit Kindern.

Deswegen lade ich dich jetzt ein, dir einmal Folgendes vorzustellen:

Du kommst mit deiner Tochter auf den Spielplatz und sie sieht dort ein total cooles Laufrad eines anderen Kindes und ruft: „Mama, ich will mit dem Laufrad fahren!“

Jetzt hast du mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

Ich würde das so lösen:

„Okay, du möchtest gerne mit dem Laufrad fahren. Wenn ich es richtig sehe, gehört es dem Kind mit dem roten T-Shirt.“

Dann geh ich vielleicht noch ein bisschen in die Empathieschleife, zum Beispiel so:

„Sieht ja schon cool aus, das Laufrad, mit den Farben und so, hm? Würdest du echt gerne mal ausprobieren, oder? Ja, gehört halt dem Kind mit dem roten T-Shirt. Was können wir da jetzt machen?“

Vermutlich kommt dein Kind auf die Idee, das andere Kind zu fragen oder du begleitest dein Kind dabei auf diese Idee zu kommen. Gemeinsam fragen wir die Leute:

„Entschuldigen Sie, das Laufrad da vorne, ist das Ihres? Meine Tochter würde gerne einmal damit fahren.“

Stellen wir uns jetzt vor, die Mama oder der Papa fragt den Laufradbesitzer:

„Du schau mal, das Mädchen da würde gerne einmal mit deinem Laufrad fahren, ist das okay für dich?“

… und der kleine Laufradbesitzer sagt.

„Nein! Die darf das nicht! Das ist mein Laufrad!!“

Dann würde ich das auf jeden Fall so akzeptieren! Der Junge möchte sein Laufrad nicht teilen, das ist okay!

Dann kann es natürlich sein, dass meine Tochter einen Wutausbruch bekommt, frustriert ist oder enttäuscht. Na gut, dann ist es meine Aufgabe, ihren Wutausbruch oder ihre anderen starken Gefühle zu begleiten.

Für mich ist ganz klar:

Das andere Kind „muss“ das Laufrad nicht abgeben, wenn es nicht möchte. Und wenn das Kind sein Laufrad doch hergibt, darf es auch entscheiden, wann es sein Laufrad zurückhaben möchte.

Klingt gut und richtig für dich? Für mich auch.

Doch was ist, wenn deine Tochter das Laufrad haben darf und dann nicht mehr hergeben möchte? Na dann bist du eingeladen, dein Kind dabei zu begleiten, das Laufrad wieder zurückzugeben.

Also gehen wir wieder in die Empathie:

„Das Laufrad gefällt dir total gut, stimmt’s? Damit kannst du voll schnell fahren. Und die Farben – die sind auch einfach meeeeega … Am liebsten würdest du es behalten, hm?“

und so weiter.

Damit verbalisierst du das Bedürfnis deines Kindes: Das Laufrad ist so toll, ich möchte es gar nicht mehr hergeben. Indem ich das Bedürfnis meines Kindes in Worte fasse, umarme ich es zugleich.

Ich drücke aus, was bei meinem Kind gerade Fakt ist. Ich sage, was gehört werden möchte. Ich nehme mein Kind mit seinem Bedürfnis wahr.

Und immer wichtig:

Ich gehe dabei mit meinem Kind auf Augenhöhe. Das heißt, ich knie mich nieder oder setz mich hin und berühre mein Kind leicht, zum Beispiel indem ich meine Hand auf seine Schulter oder seinen Rücken lege. Außerdem erwähne ich nach der Einfühlung, dass das Laufrad dem anderen Kind gehört und dieses Kind entscheidet, wer das Laufrad haben darf. Ich schenke so lange Einfühlung gepaart mit der Klarheit der Fakten, bis mein Kind bereit ist, das Laufrad wieder zurückzugeben.

Das ist jetzt ein bisschen ein ideales Szenario. Es kann natürlich auch sein, dass die Mutter des Laufradbesitzers wirklich gerade gehen will und keine Zeit hat, bis ich das in aller Ruhe mit meiner Tochter geklärt habe.

Dafür bleibe ich offen. Wenn das der Fall ist, würde ich meine Tochter zur Not vom Laufrad herunterheben, damit der Junge seinen Besitz zurück bekommt. Den dann sicher folgenden Tobsuchtsanfall meiner Tochter zu begleiten – das ist meine Aufgabe.

Besser wäre es, wir hätten die Zeit, das ohne jegliche Art von Gewalt zu klären. Und meine Erfahrung ist: Wenn ich meinem Kind genügend Empathie gegeben habe, ihm mein Verständnis, mein Mitfühlen genügend spürbar gemacht habe, dann ist es auch bereit dazu, das Laufrad wieder herzugeben.

Beispiel: Mein Kind möchte nicht mit einem anderen Kind teilen

So, jetzt mal das andere Beispiel:

Meine Tochter und ich sind am Spielplatz und haben die tollen neuen Sandförmchen für den Sandkasten dabei. Ein anderes Kind kommt und nimmt sich ungefragt eines der Förmchen. Klar, wir versuchen unsere Kinder dazu anzuhalten, dass sie fragen, bevor sie die Sachen anderer Kinder nehmen.

Und ihnen nahezubringen, dass andere Kinder über ihre Spielsachen selbst entscheiden – siehe oben.

Das klappt manchmal besser und manchmal schlechter. In diesem Fall finde ich es völlig in Ordnung, wenn meine Tochter sagt, dass es ihre Sandförmchen sind und dass sie es blöd findet, wenn ein anderes Kind sie sich einfach nimmt, ohne zu fragen.

Genauso wäre mein Ziel, dass meine Tochter wartet, bis das andere Kind bereit ist, das Sandförmchen zurückzugeben, wenn es bereit dazu ist.

Dem anderen Kind das Sandförmchen aus der Hand zu reißen, wäre schon eine recht gewaltsame Art von Kommunikation. Ich würde versuchen, meine Tochter darin zu bekräftigen, dass ihr Gefühl in Ordnung ist – es sind ihre Sandförmchen.

Gleichzeitig würde ich versuchen wollen, dass mein Kind sein Bedürfnis, das Förmchen zurückzubekommen, anders als mit Gewalt durchzusetzen versucht.

„Du bekommst deine Sandförmchen zurück! Das sind deine! Doch wir warten, bis das andere Kind dazu bereit ist.”

Auch hier darf ich gegebenenfalls den Frust meiner Tochter begleiten.

So bringst du deinem Kind das Teilen bei

Für mich wäre es ein Ansatz, dass wir zunächst einmal reflektieren, was Teilen eigentlich für uns bedeutet. Was bedeutet Teilen für mich? Wo teile ich gerne? Wo ist für mich eine Grenze?

Für mich ganz persönlich ist zum Beispiel beim Essen eine Grenze. Ich teile total ungern mein Essen. Das kann ich eigentlich überhaupt nur dann gut finden, wenn meine Kinder der Meinung sind, dass es von meinem Teller am besten schmeckt.

Dennoch können wir schon in vielen Bereichen zu dem Punkt kommen, dass wir sagen: 

Für uns als Erwachsene bedeutet Teilen beispielsweise, dass ich gerne etwas abgebe. Teilen macht mir dagegen keine Freude, wenn ich etwas abgeben muss. Wenn ich etwas abgeben darf, und der andere Freude daran hat – dann ist das eine wunderbare Erfahrung. Und das wollen wir unseren Kindern doch eigentlich vermitteln: dass Teilen Freude macht.

In der Gewaltfreien Kommunikation ist es uns ein wichtiger Leitsatz, dass wir unser Kind und dass wir überhaupt auch niemanden sonst für bestimmte Verhaltensweisen verurteilen. Dein Kind ist der Meinung, alle seine Spielsachen gehören ihm? 

Na gut, dann ist das so! Natürlich darf dein Kind es doof finden, wenn andere Kinder mit seinen Sachen spielen! Der nächste Schritt in seiner Entwicklung kommt bestimmt. 

Und dann gibt dein Kind freiwillig seine Spielsachen ab. Weil es weiß, dass es schön ist, mit anderen Kindern harmonisch zusammenzuspielen. 

Und weil es schön ist, Anderen etwas Gutes zu tun. Und dabei dürfen wir unsere Kinder mit der Gewaltfreien Kommunikation begleiten.

Fazit

Wodurch lernen unsere Kinder am besten? Indem wir es ihnen vorleben. Es ist völlig natürlich, dass Kinder in der ersten Autonomiephase darauf beharren, dass dies oder jenes ihnen gehört. 

Es ist sogar ein wichtiger Entwicklungsschritt, bei dem sie zwischen „dein“ und „mein“, zwischen „innen“ und „außen“ genauer unterschieden lernen. 

Erst auf dieser Grundlage kann der nächste Schritt erfolgen:

dass es große Freude bereiten kann, von dem, was wir als „mein“ betrachten“, abzugeben. Weil Geben Freude bereitet – mehr Freude als Nehmen.

Familienrituale – brauchst du das?

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Was sind Familienrituale?

Für mich sind Rituale vorgegebene Handlungen, die sich zu einer bestimmten Tageszeit (ähnlich) wiederholen. Das kann zum Beispiel ein immer gleicher Guten-Morgen-Gruß beim Aufstehen sein.

Wer entscheidet über Rituale?

Ich liebe den Leitsatz „Das Was entscheiden wir als Eltern – das Wie dürfen unsere Kinder mitgestalten.“ Und das halte ich bei dem Thema Rituale genauso. 

Du bist das Vorbild deines Kindes. Dein Kind wird dich bewusst und unbewusst in Sprache und Handeln nachahmen.
Du hast also täglich die Möglichkeit deinem Kind ein Vorbild zu sein.

Um die für euere Familie passenden Rituale zu finden, gehe daher gerne vorab in die Selbsteinfühlung – bevor du Rituale übernimmst, die für euch als Familie unpassend sind.

Beispielfragen für deine Einfühlung:

Finde für dich und/oder auch deine:n Partner:in anhand dieser Fragen zunächst heraus, was eure Familie wann braucht.

Was bewirken Familienrituale?

Rituale mit Kindern erfüllen gleich mehrere Bedürfnisse in der Familie – daher liebe ich sie einfach.

Sie geben uns in erster Linie Sicherheit und Orientierung, da sie immer zur gleichen Zeit stattfinden können und sie unsere Kinder enorm bei Übergängen unterstützen.

Ein gutes Beispiel: das Zubettgehen.

Dieser Rahmen nimmt euch allen eine Riesenportion Stress im Alltag. Unser Gehirn liebt gleiche und sich wiederholende Abläufe, da es dann zur Ruhe kommen und sich regenerieren kann.

Durch Rituale entstehen auch ganz besondere Momente der Verbindung zwischen euch und euren Kindern. Die immer gleichen Zeiten und Abläufe schaffen Vertrauen und bieten euren Kindern einen Raum, in dem sie sich entfalten und öffnen können.

Da ihr die Rituale gemeinsam lebt, erfüllt ihr euch alle außerdem noch Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Zusammenhalt, Nähe, Liebe, Geborgenheit und vieles mehr.

Wie du lesen kannst, komme ich aus dem Schwärmen kaum mehr heraus, wenn es um Rituale geht. Für mich gibt es kein Leben ohne Rituale und ich liebe es klein und einfach – für noch mehr erfüllte Bedürfnisse wie beispielsweise Leichtigkeit.

Familienrituale, die deine Familie stärken und die du leicht umsetzen kannst

Ich möchte dir fünf meiner liebsten Familienrituale vorstellen.

Mit diesen kannst du die Gewaltfreie Kommunikation spielerisch in deine Familie einfließen lassen oder sie auch ganz ohne GfK leben – ganz so wie es für euch passt.

Wichtig:

Nimm gerne mit, was sich gut anfühlt. Und du darfst gerne liegenlassen, was keinen Nerv anspricht.

1. Stimmungsuhr
In der GfK geht es darum, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennenzulernen.
Um den Gefühlswortschatz deines Kindes spielerisch zu entwickeln und auch den eigenen auszubauen liebe ich die Stimmungsuhr.

Ihr bastelt eine Pappuhr mit einem beweglichen Zeiger und malt verschiedene Gefühle, beispielsweise in Form von Gesichtern, in regelmäßigen Abständen auf die Uhr.

Bastelt die Uhr gerne mit euren Kindern zusammen und lasst sie diese selbst gestalten.

Platziert die Uhr dann an einem Ort, der euch allen gefällt, um täglich über eure Gefühle sprechen zu können.

Tipp: Ich mach das gerne morgens, bevor es in den Kindergarten geht, um gegebenenfalls die beginnende Traurigkeit auffangen zu können.

Alternativ: Gefühlsbarometer
Altersempfehlung: ab 2 Jahre
In meinem Shop findet ihr eine ausführliche Bastelanleitung

2. Eine Giraffe zieht ein
Marshall Rosenberg hat als Symbole in der Gewaltfreien Kommunikation die Tiere Wolf und Giraffe gewählt. Näheres dazu findet ihr auch in meinem Artikel zur Giraffensprache (Link).

Kurz:
Der Wolf steht für die wertende Sprache.
Die Giraffe steht für die Sprache des Herzens.

Bei uns daheim ist daher eine kleine Stoffgiraffe eingezogen. Wir haben ihr einen Namen gegeben und sie begleitet uns seitdem bei den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation.

Wenn wir über unsere Gefühle und Bedürfnisse reden, nehmen wir dazu z. B. auch unsere Stimmungsuhr.

Wie gehen die vier Schritte der GfK noch mal genau? Eine detaillierte Beschreibung findest du auch in dem Artikel Giraffensprache.

Die Giraffe steht dann für diese Sprache des Herzens und gilt in der Familie als Symbol.

Du magst keine Giraffen? Dann wähle gemeinsam mit deinem Kind gerne ein anderes Tier, welches bei euch für die Herzenssprache stehen darf.

Macht euch frei von Vorgaben und findet euren Weg!

Dieses Familienritual eröffnet euch spielerisch die Möglichkeit, die GfK beziehungsweise den Austausch über eure Gefühle und Bedürfnisse bei euch im Alltag einziehen zu lassen.

Altersempfehlung: ab 2 Jahre

3. Feiern und Bedauern
Dieses Familienritual ist mein absolutes Lieblingsritual. Denn es bringt soviel Verständnis, Freude und Verbindung zu mir und zu meinen Kindern.

Was das ist, fragst du dich jetzt?

Im Laufe des Tages werden Bedürfnisse erfüllt – das dürfen wir feiern.

Gleichzeitig gab es auch einige unerfüllte Bedürfnisse, die sich über den Tag angestaut haben. Dies dürfen wir bedauern.

Du feierst und bedauerst also gemeinsam mit deinem Kind.

Nutze dafür gerne die jeweils gleiche Tageszeit, bspw. beim Abendessen, in der Einschlafbegleitung, in der Badewanne – jedenfalls da, wo ihr Raum und Zeit für diese Verbindung habt.

Finde eine für euch passende Situation ohne Trubel und Stress.

Wie geht das Ritual?

Gemeinsam mit deinem Kind formulierst du, was du feierst und welches Bedürfnis heute erfüllt wurde.

Beispiel:
„Ich feiere, dass wir heute zusammen Fahrrad gefahren sind, weil ich soviel Freude daran hatte und ich gerne Zeit mit dir verbringe.”

Nenne auch was du bedauerst und welches Bedürfnis unerfüllt ist.

„Ich bedauere, dass wir heute den ganzen Tag drinnen waren, da ich so gerne draußen bin, und ich vermisse den Ausgleich.“

Das Ritual ist kein Muss – jeder darf freiwillig mitmachen.

Und wenn die Formulierungen am Anfang noch holprig sind, gehe in den Formulierungen gerne als Vorbild voran und nenne ein Bedürfnis zu deinem Feiern und Bedauern.

Fällt deinem Kind das noch schwer, darfst du gerne mit kleinen Vorschlägen à la „… weil dir das Freude gemacht hat?“ unterstützen.

Wichtig ist die Freiwilligkeit und Freude an der Sache, deinem Kind etwas von dir und deiner Welt zu zeigen, dann wird es dir auch etwas von seiner zeigen wollen.

Und manchmal kommen auch versteckte Dinge zum Vorschein, die noch besprochen werden dürfen.

Wieviel jemand feiert oder bedauert, dafür gibt es meiner Meinung nach keine Grenzen. Es wird gefeiert und bedauert, was gerade da ist.

Altersempfehlung: ab 2 Jahre

4. Affirmationen
Das, was wir denken, formt bekanntlich unsere Realität.

Daher kann es hilfreich sein, mit positiven Gedanken durchs Leben zu gehen.

Du kannst also z. B. mit deinem Kind einen Spruch kreieren, mit dem ihr euch morgens für den Tag verabschiedet, oder einen Spruch, mit dem ihr euch in die Nacht verabschiedet.

Affirmationen eignen sich als Abschiedsrituale sehr, da es euch wie eine Art Schwur durch den Tag tragen kann.

Ich empfehle euch: Werdet kreativ!

Diese Sätze dürfen sich auch ändern – ganz wie es euch gefällt.

Doch sie können deinem Kind helfen, sicher durch den Tag zu kommen.

Beispiele:
„Ich bin ok – so, wie ich bin.”

„Ich bin für mich da.“

„Ich bin in Sicherheit.”

„Ich liebe diesen Tag.”

„Alles, was ich tue, macht mir Freude.”

Ich verbinde diese Sätze gerne mit einem Gefühl oder einem Bedürfnis. Sie sind positiv und in Ich-Form formuliert.

Altersempfehlung: wenn dein Kind Dreiwortsätze sprechen kann.

5. Familienschlüssel
Der Familienschlüssel ist ein Schlüsselwort oder eine Geste beispielsweise für Situationen, in denen jemand aus der Familie die Verbindung zu sich verliert oder laut wird.

Dann kann ein Familienmitglied durch diese Geste bzw. dieses Wort den anderen wieder runterholen.

Hier sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Lasst euch gerne etwas Eigenes und Passendes einfallen.

Beispiel:
Wort: Giraffenherz
Geste: Hand auf Schulter legen

Fangt bei euren Kindern an – sie werden es euch relativ schnell nachmachen und auch euch zurück holen können. Das wiederum schafft, wie ich finde, ganz bezaubernde Momente der Verbindung.

Wichtig:

Bitte verwendet den Familienschlüssel als Einladung – es ist keine Drohung.

Hinweis:

Weist dein Kind dich auf den Familienschlüssel hin, damit du die Verbindung zu dir wieder bekommst, bedanke dich anschließend gerne (sofern möglich) für seine Unterstützung.

Das ist selbstverständlich auch später noch möglich, wenn du in der Situation gerade keinen Raum dafür haben solltest – gehe gerne später nochmal ins Gespräch und sage: „Als du vorhin XY gesagt hast, hast du mir sehr geholfen, da waren einfach zu viele Gefühle bei mir. Danke für deine Unterstützung.“

Altersempfehlung: ab 2 Jahre

Extra Tipp:

Lesen (mit der Gewaltfreien Kommunikation)

Es gibt meiner Meinung nach nur wenige Kinderbücher, die bewusst oder unbewusst im Sinne der GfK geschrieben sind. Bis auf mein eigenes, „Das Abenteuer meines Lebens“, fallen mir wirklich auch jetzt noch sehr wenige ein.

Ich vermeide aus persönlichen Gründen – und aus der GfK heraus – grundsätzlich Kinderbücher, in denen mit Belohnung und Bestrafung gesprochen wird.

Manchmal kann ich entsprechende Sätze umformulieren – doch ich sortiere auch Bücher rigoros aus, wenn ich das Buch gänzlich umformulieren wollen würde.

Ich formuliere auch Sätze mit den Wörtern „aber”, „man” und „nicht“ um.

Höre dazu gerne auch meine Podcastfolge “W wie Wörter, auf die es sich zu verzichten lohnt”.

Geht gerne in die Sprache der Gefühle und Bedürfnisse. Was fühlt die Figur in eurer Geschichte und was braucht sie vielleicht? Sprecht gerne dazu im Laufe der Geschichte.

Alternativ:
Kreiere gerne eigene Geschichten im Sinne der GfK. Was fühlen deine Figuren und was brauchen sie?

Du kannst die Leserunde täglich einbauen, z. B. vor dem Schlafengehen oder zum Runterkommen nach dem Alltag.

Ich verbinde dieses Familienritual mit unserem Feiern und Bedauern beim Zubettgehen.

Schau dir gerne deinen Alltag an, wo es am besten für euch passt.

Altersempfehlung: ab der Geburt in Form des Vorlesen und Ausdenkens; ab dem Sprechalter in Verbindung mit dem Austausch

Fazit

Das waren jetzt einige Familienrituale, mit denen du die GfK spielerisch mit deinen Kindern in euren Alltag integrieren kannst, die jedoch auch losgelöst von der GfK stehen können.

Suche dir für dich/euch das Passende aus und werdet kreativ – euch sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig: Das sind Impulse aus meinem Leben. Was passt, entscheidet ihr. Und eure Verbindung geht vor. Keiner wird gezwungen und alles darf freiwillig sein. Hat jemand Schwierigkeiten mit einem Ritual, dann findet heraus, warum, und findet eine Lösung, die für alle ok ist.

Mobbing: Wo es herkommt und wie du damit umgehst

Mobbing Header

„Du bist nicht mehr meine Freundin“, „Du darfst da nicht mitspielen“ – diese Sätze kennen wir leider alle. Ab welchem Alter Mobbing eigentlich anfängt? In der Auseinandersetzung mit anderen Kindern sicher spätestens ab etwa drei Jahren.

Wenn wir einmal bedenken, was Mobbing eigentlich ist, nämlich Ausgrenzung und Herabsetzung durch andere, können wir den Startpunkt vielleicht sogar noch früher setzen. Dann geht Mobbing tatsächlich schon zu Hause los, bevor das Kind überhaupt in den Kindergarten oder in die Krippe kommt, und zwar immer dann, wenn wir unser Kind für eine bestimmte Verhaltensweise verurteilen.

Ich habe in meiner Community eine Umfrage gemacht, wer Sorge hat, dass sein oder ihr Kind Mobbing erlebt. Das Ergebnis: 86 Prozent haben mit „ja“ geantwortet.

Das heißt für mich:

Fast alle Eltern sind besorgt, dass ihr Kind mit Mobbing in Kontakt kommen könnte. Viele fragen sich, ob sie es überhaupt mitbekommen, wenn ihr Kind gemobbt wird, denn sie wollen ihr Kind dann begleiten können.

Auch interessant:

Manche Mamas und Papas machen sich Gedanken darüber, ob ihr Kind selber mobbt, also zur so genannten „Tätergruppe“ gehört. (Zu meinen Herausforderungen mit Zuschreibungen wie „Täter:in“ bzw. „Opfer“ liest du unten mehr.)

Fest steht:

Als Eltern wollen wir unseren Kindern Mobbing-Erfahrungen ersparen. Die Mamas und Papas in meiner Community befürchten, dass Mobbing im Selbstwertgefühl und im Seelenleben so einen Schaden anrichten könnte, dass die Wunde nie mehr zu heilen wäre.

Mobbing ganz aus der Welt zu schaffen ist leider unmöglich. Doch wir können unsere Kinder vielleicht doch ein Stück weit davor bewahren oder wenigstens im Umgang damit ein wenig stärker machen.

Ich finde es jedenfalls sehr schön, dass du dabei bist: dass wir gemeinsam die Welt ein bisschen freundlicher und harmonischer gestalten und uns dem Mobbing auf unsere ganz eigene, friedvolle GfK-Weise entgegenstellen.

Zuerst ganz allgemein: Was ist Mobbing genau?

Wer sich in einem wissenschaftlichen Zusammenhang mit Mobbing beschäftigt, hat eine genaue Definition, was Mobbing ist. Wissenschaftler:innen machen das einfach immer so, dass sie zunächst einmal die wichtigsten Begriffe genau bestimmen und erklären.

Jetzt sind wir keine Wissenschaftler:innen. 

Und ich finde: 

Mobbing ist ziemlich schwer zu definieren. Für uns ist Mobbing in erster Linie ein gefühlter Prozess. Und die Gefühle im Zusammenhang mit Mobbing sind sehr stark.

Ein:e Wissenschaftler:in sucht so etwas wie eine objektive Realität. Wir dagegen würden sagen: Was als Mobbing wahrgenommen wird, liegt bei den jeweiligen Personen. Manche sind resilienter und halten mehr aus, bei anderen schlägt das Pendel viel früher hin zu etwas, das sie als Mobbing erfahren und bezeichnen würden.

Das bedeutet: Was wir als Mobbing bezeichnen, ist erst einmal unabhängig von strengen, gesetzten Kriterien. Mobbing entscheidet sich damit, wie jemand ein bestimmtes Verhalten wahrnimmt und empfindet. Diese Verhaltensweisen gibt es natürlich auch außerhalb der Welt unserer Kinder: Mobbing gibt es außer im Kindergarten und in der Schule auch am Arbeitsplatz und, ja, leider auch in der Familie.

Mobbing ist in dieser Sichtweise keine Frage von Gut und Böse, Richtig oder Falsch, sondern eine Frage des Miteinanders und des Dialogs.

Und: 

Wo Mobbing anfängt, liegt im Empfinden der beteiligten Personen. Damit sind vor allem die gemobbten Personen gemeint, denn die Mobbenden empfinden ihr Verhalten oft weniger extrem.

Wenn jemand merkt, dass ihm oder ihr ein bestimmtes Verhalten eines oder einer anderen an die Substanz geht, dass er oder sie Hilfe braucht, um die Verletzungen verarbeiten zu können, dann liegt aus unserer Sicht Mobbing vor. 

Und dann ist es auch wichtig, auf diese Gefühle zu hören. Für uns als Eltern bedeutet das, dass wir unsere Kinder in die Lage versetzen dürfen, diese Gefühle wahrzunehmen und in Handlung zu kommen. 

Das klingt erst einmal selbstverständlich, in der Realität ist es dagegen leider anders. Oft ist es ja gerade im Gegenteil so, dass das so genannte „Opfer“ sich mitschuldig an der Situation fühlt und meint, etwas falsch zu machen, was die Mobbing-Situation in irgendeiner Weise rechtfertigen würde.

Was steckt hinter dem Mobbing? Die Ursachen

Ganz klar, Schubladen im Kopf haben ihre Berechtigung: Wenn wir etwas mit bestimmten Begriffen belegen, ein bestimmtes Verhalten mit einem Schlagwort versehen, erleichtert uns das erst mal die Kommunikation. Wenn wir das Wort „Mobbing“ verwenden, wird das sofort eine gewisse Aufmerksamkeit erregen. Wir können dann anhand konkreter Beispiele und Situationen erläutern, worum es eigentlich genau geht.

Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Art von Bewertung, wenn wir ein bestimmtes Verhalten als „Mobbing“ bezeichnen, 

also: 

bestimmte Situationen in diese Schublade stecken, auf der das Wort „Mobbing“ steht. Das würden wir im Rahmen der Gewaltfreien Kommunikation eher als kritisch sehen, denn wir gehen ja davon aus, dass jeder Mensch das ihm jeweils gerade Bestmögliche tut, um sich um seine Bedürfnisse zu kümmern. 

Wenn ein Mensch als bestmögliche Verhaltensweise im Moment für sich das Mobben sieht, liegt es uns fern, ihn als „böse“ oder „schlecht“ zu klassifizieren. Er ist in der aktuellen Lage nur offenbar so verzweifelt, dass ihm nur dieser Weg zur Verfügung steht.

Deshalb bin ich sehr zurückhaltend, von „Täter:innen“, „Opfern“, „Mitläufer:innen“ oder „Zuschauer:innen“ zu sprechen. 

Das sind im Grunde genommen alles Kategorisierungen in Richtung „gut“ und „böse“. Davon möchten wir wegkommen. Natürlich ist es kein sozialverträgliches Verhalten, andere zu schikanieren, wir wollen das auch keinesfalls gutheißen. 

Wir versuchen vielmehr zu erkennen, welche unerfüllten Bedürfnisse hinter einem bestimmten Verhalten stehen, und an den Punkt zu kommen, dass der oder die so genannte „Täter:in“ andere Wege finden kann, um diese Bedürfnisse zu stillen. Wir wollen also zum Ursprung, zur Ursache des Verhaltens gelangen.

Welche Bedürfnisse das sein könnten? Ganz viele, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Beachtung, Gesehenwerden, Empathie, Liebe, Zugehörigkeit und so vieles mehr. Wenn wir die Ursache verstehen, können wir über alternative Wege nachdenken, wie der oder die Mobber:in sein bzw. ihr unerfülltes Bedürfnis stillen kann.

Woran erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?

Über manche Alarmsignale lese ich immer wieder. Da steht dann zum Beispiel:

Das können natürlich Anhaltspunkte sein. Ich finde allgemeine Regeln oder Aussagen dazu jedoch sehr schwierig. Jeder Mensch hat seine ganz individuellen Strategien, um mit Belastungen umzugehen und sie zu verarbeiten. 

Manche Menschen reagieren auf belastende Situationen vielleicht, indem sie eine Maske aufsetzen – für ihre Umgebung wirken sie lebendiger und aufgeweckter denn je, innerlich leiden sie jedoch. Dann wird es für uns als Eltern natürlich schwierig zu erkennen, ob unser Kind unter Mobbing leidet.

Meiner Meinung nach ist die einzige Lösung dieser Herausforderung, dass wir mit unseren Kindern in gutem Kontakt stehen und in stetigem Kontakt bleiben. Wenn unsere Kinder wissen, dass sie zu uns als Mama oder Papa immer kommen können, ohne dass sie verurteilt oder bewertet werden, haben wir eine sehr gute Grundlage, um solche Veränderungen und Belastungen frühzeitig wahrnehmen zu können.

Für mich ist das tägliche Feiern und Bedauern ein idealer Anlass für solche Gespräche, ein Türöffner sozusagen. Wenn wir gemeinsam einmal täglich als Ritual den Blick auf das richten, was gut gelaufen ist und wo unsere Bedürfnisse den Tag über unerfüllt geblieben sind, können sich Gespräche ergeben. 

Das ist natürlich ein freiwilliges Angebot für die Kinder. Oft ergeben sich dabei doch ganz wertvolle Einblicke in die Erlebniswelt der Kinder. 

Und bei diesen Gesprächen ist dann so viel mehr möglich als beim klassischen Frage-Antwort-Spiel à la: 

„Wie war’s im Kindergarten/in der Schule?“ 

„Gut.“


Für mich gibt es bessere Leitmotive als „Ich möchte erkennen, dass mein Kind gemobbt wird“. Ich setze sozusagen viel früher an.

Das Leitmotiv wäre vielleicht:

„Ich möchte erkennen, ob meinem Kind etwas fehlt.“

Was kann man dagegen tun? Meine Erfahrungen mit Mobbing und wie sie dir und deinem Kind helfen können

Allein unsere innere Fragestellung ist so ausschlaggebend. “Was kann ich dagegen tun?” ist viel griffiger für mich und bringt mich sofort in meine Eigenverantwortung.

Mobbing ist für mich ein sehr emotionales und persönliches Thema. Zum einen, weil die Folgen für die Seele so verheerend sein können. Zum Zweiten, weil ich in der siebten und achten Klasse selbst Mobbing erfahren habe. Ich habe damals weder von meinen Eltern noch von der Schule Unterstützung bekommen

– im Gegenteil: 

Es haben sogar Lehrer:innen bei dem Mobbing mitgemacht. Das Gefühl, das sich damals bei mir eingebrannt hat, ist die Einsamkeit.

Ich habe das wirklich sehr extrem wahrgenommen: Die Anderen, das ist der Anti-Katharina-Club. Es gab sogar Club-Ausweise. Und ich, ich sitze allein mit meiner Brotdose auf dem Schulhof. In jeder Pause, an jedem einzelnen blöden Tag.

Die Folgen: Mobbing-Erfahrungen können prägend sein

Erst im Rückblick ist mir so richtig klar geworden, was die Mobbing-Erfahrung eigentlich mit meinem ganzen Leben zu tun hat. Die Jahre gingen ins Land, ich habe viele Entscheidungen getroffen. 

Vieles war mir wahrscheinlich weitgehend unbewusst: 

warum ich auf eine bestimmte Art und Weise reagiert habe, warum ich mich so und so verhalten habe, warum ich Entscheidungen so getroffen habe, wie ich sie getroffen habe.

Im Nachhinein würde ich zum Beispiel sagen, dass meine Wahl, TV-Moderatorin zu werden, viel mit der Mobbing-Erfahrung zu tun hatte:

Ich hatte ein großes Bedürfnis gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden, Wertschätzung zu erfahren. Leider ist es so, dass diese Bedürfnisse in der TV-Branche ziemlich unerfüllt bleiben.

Erst im Prozess mit meiner Auseinandersetzung mit der Gewaltfreien Kommunikation habe ich begonnen, mich mit meiner eigenen Mobbing-Erfahrung auseinanderzusetzen. Mein Sohn war etwa drei Jahre alt, das war wohl so 2009 oder 2010. 

Damals hatte ich schon drei Jahre GfK-Erfahrung gesammelt. Und mich dabei natürlich immer mehr und immer weiter beobachtet. Irgendwann habe ich mich meinem Gefühl der Einsamkeit stärker gewidmet. Es trat immer auf nach Gefühlen starker Wut und Frustration. Womit ich furchtbar schwer umgehen konnte, war beispielsweise Kritik an meiner Person oder wenn ich das Gefühl hatte, dass Menschen mich ablehnen. 

Du kannst dir sicher vorstellen, dass das in der TV-Branche quasi zum täglichen Brot gehört. Einsamkeit und Angst, das sind die Gefühle, die ich nach der Wut fand. Und dann habe ich natürlich nach den unerfüllten Bedürfnissen gesucht, und das waren bei mir Empathie und Schutz.

Das klingt soweit wahrscheinlich nachvollziehbar und klar. Ich möchte dazusagen, dass der Prozess, diese Dinge so klar zu sehen, für mich mehrere Jahre gedauert hat. Allein die Einsamkeit hinter der Wut zu entdecken, war eine Mammutaufgabe.

Gewaltfreie Kommunikation als Weg zur Verarbeitung der Mobbing-Erfahrung

Meine Auseinandersetzung mit der Mobbing-Erfahrung war damit dennoch unabgeschlossen. Denn als 2016 meine Tochter zur Welt kam, brachte sie Verhaltensweisen mit, die bei mir sehr starke Gefühle auslösten.

Also habe ich mich nochmals drangesetzt. Wieder habe ich die Einsamkeit und die Angst gefunden, und die Empathie als Weg, um der Einsamkeit zu begegnen.

Mir das Bedürfnis nach Empathie zu erfüllen – das habe ich inzwischen selbst gelernt, und zwar mit der Gewaltfreien Kommunikation.

Nur was tun mit der Angst, die ich ja auch in mir gefunden habe? Irgendwann, eines Tages, nach viel Suche und Auseinandersetzung mit mir selbst fand ich heraus, dass mein unerfülltes Bedürfnis Schutz ist. Klingt für dich vielleicht total logisch – für mich war das dennoch ganz lange unklar, denn schließlich war ich Betroffene. Das verstellt oft ein bisschen den Blick.

Doch als ich es verstanden hatte, war es so eine Erleichterung für mich:

Mir sind solche Steine vom Herzen gefallen! Ich hatte mein unerfülltes Bedürfnis gefunden, und es erklärte mir so viele meiner Verhaltensweisen.

Der nächste Schritt? Ich brauchte Strategien: und zwar Strategien, um mir mein unerfülltes Bedürfnis nach Schutz zu erfüllen. Was solche Strategien sein können? Ich habe ein paar gefunden:

Text

Auch das ist natürlich ein Prozess. Mittlerweile schaffe ich es gelegentlich, wenn ich doch eine negative Nachricht z. B. über Instagram lese, dass ich so antworte, wie ich gerne antworten möchte: 

empathisch mir gegenüber und dem oder der anderen gegenüber. Und ich sehe in solchen Nachrichten keine Gefahr mehr.

Das hat viel zu tun damit, dass ich mich mit dem Mobbing von damals quasi versöhnt habe. Klar, wenn ich zu der Zeit Unterstützung von meinen Eltern oder von Seiten der Schule erfahren hätte, wäre mir einiges erspart geblieben. 

Doch hey, ich bin erwachsen. 

Ich habe gelernt, wie ich mir meine Bedürfnisse selbst erfüllen kann und wie ich daraus wachsen darf. Meine Eltern und die Schule haben damals ihr Bestmögliches gemacht. Meine Eltern würden es heute wohl anders machen und bedauern es glaube ich auch sehr. 

Natürlich haben auch sie ihre Gründe, warum sie sich genau so verhalten haben. Ich habe jedenfalls meinen Weg gefunden. 

Jetzt sitze ich hier und mag mich und mag das Leben und mag Menschen und finde Strategien, mich um mich selbst zu kümmern. Und zwar, weil ich endlich die unerfüllten Bedürfnisse gefunden habe, die ausgelöst durch das Mobbing von damals unerfüllt geblieben sind. 

Für mich sind aus dieser Erfahrung heraus Empathie und Schutz die Zauberformel zum Schutz meiner Kinder vor Mobbing.

Gewaltfreie Kommunikation als Weg der Mobbingprävention

Sich in Achtsamkeit und gewaltfreier Kommunikation zu trainieren, ist eigentlich gelebte Mobbingprävention. 

Wir geben damit unserem Kind im Idealfall ein gutes Selbstwertgefühl mit und eine gute Wahrnehmung für sich selbst. 

Damit sind Dinge gemeint wie: 

Meine Gefühle dürfen sein, meine Bedürfnisse können erfüllt werden und welche Wege habe ich, um meine Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist keine einmalige Sache. Das in einem einzigen Gespräch zu „erledigen“ ist selbstverständlich unmöglich. Das ist vielmehr eine gelebte Haltung, bestenfalls von Anfang an.

Bei meinen Hörer:innen aus dem Podcast, bei meinen Leser:innen aus dem Blog und aus den vielen, vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen weiß ich: Mobbing macht uns als Eltern Angst. Meine Botschaft wäre: Lasst uns aus der Angst herauskommen! Wir können unseren Kindern so viel mitgeben, was sie stark macht gegen die zerstörerische Kraft von Mobbing.

Wie wir das machen? 

Zunächst einmal, indem wir ihnen das Zuhause als sicheren Hafen anbieten. Unsere Kinder dürfen wissen: Zu Hause ist es friedlich und harmonisch.

Und dann finde ich es ganz wichtig, den Fokus von den so genannten Täter:innen wegzulenken. Statt die Klassengemeinschaft oder die kleinen “Tyrann:innen” aus der Kindergartengruppe verändern zu wollen, können wir bei uns selbst starten. Ich sage gerne: Ich entscheide, wie ich mich fühle. 

Und ich entscheide, ob ich mich als Opfer sehe. Es ist ein guter Weg da hinzukommen, dass das Kind sich denkt: Ich bin gut so, wie ich bin, und ich darf jetzt gerade Angst haben und ich weiß, wo ich mir Hilfe holen kann.

Was können wir konkret bei Mobbing tun?

So, was können wir denn jetzt konkret tun, wenn wir das Gefühl haben, dass unser Kind unter Mobbing leidet?

Zunächst einmal geht es sicher darum, Stärken unseres Kindes zu unterstützen. Denn wenn ein Kind unter Mobbing leidet, sich als Opfer fühlt, verschiebt sich schnell der Fokus. Vorher dachte dein Kind vielleicht noch, es wäre sympathisch und cool und beliebt und gut im Fußball und nett und toll und so vieles mehr. Mobbing kann dieses bestehende Selbstbild total in Frage stellen. 

Selbstzweifel kommen auf: 

Vielleicht bin ich doch eher unbeliebt? Vielleicht bin ich ungeeignet für Fußball? 

Und so weiter…

Als Familie können wir hier ein ganz wertvolles Korrektiv sein. Positive Verstärkung ist die Devise. Als Mama oder Papa fällt es uns ja in der Regel sehr leicht, Gutes und Schönes und Tolles an unseren Kindern zu sehen. Lasst uns diese Aspekte ins hellste Licht rücken, wenn unsere Kinder es am meisten brauchen. Lasst ihre Stärken hervortreten. 

Lasst uns unseren Kindern das Gefühl geben: 

Du bist mein:e Superheld:in.

Wie ihr das macht? Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es mit einem Wahlplakat für euer Kind, auf dem seine drei größten Stärken benannt sind? Gestaltet es gemeinsam und hängt es in den Flur, dort darf es strahlen. 

Oder, vor allem bei kleineren Kindern immer beliebt und sehr wirksam: Rollenspiele. Lasst zum Beispiel, wenn ihr mit Puppen spielt, einfach eine Puppe die empathische sein, die weint, wenn die anderen ohne sie spielen wollen, und die ihre Gefühle verbalisiert. Spielerische Wege sind für Kinder schließlich immer die besten Wege.

Auch mein eigenes Kinderbuch „Das Abenteuer meines Lebens“ kann euch dabei unterstützen (Zum Shop).

Fazit

Was das Thema Mobbing angeht, kann ich sowohl aus eigener Erfahrung sprechen als auch als Expertin für Gewaltfreie Kommunikation. Theorie und Praxis werden also quasi eins.

Wenn du bis hierher gelesen hast, und es war ja wirklich viel Text, hast du offenbar ein großes Interesse am Thema Mobbing. Und das vermutlich aus Sorge um das Wohlergehen deines Kindes. Vielleicht weißt du, dass dein Kind gemobbt wird, oder du machst dir Sorgen, ob dein Kind eventuell gemobbt werden könnte.

Ich möchte dir zwei Dinge mit auf den Weg geben, die mir in diesem Zusammenhang ganz besonders wichtig sind.

Erstens: Weder du bist hilflos, noch ist es dein Kind. Deine Aufgabe darf es sein, deinem Kind zu Hause die Geborgenheit und Sicherheit zu geben, die es im Kindergarten oder in der Schule so schmerzlich vermisst. Die Kraft des sicheren Hafens kann kaum überschätzt werden – daraus kann dein Kind so viel Positives ziehen, dass es gut durch diese überaus schwierige Phase kommt.

Zweitens: Selbst wenn die Situation noch so bedrohlich und traurig und belastend ist – Mobbing ist kein Todesurteil. Viele Menschen sind durch solche Phasen gegangen und hatten danach ein gutes Leben. Das ist selbstverständlich kein Gutheißen von Mobbing. 

Doch wir dürfen an den Schwierigkeiten unseres Lebens auch wachsen. Und ich bin mir sicher: Wenn du deinem Kind mit Achtsamkeit und der Grundhaltung der Gewaltfreien Kommunikation den Rücken stärkst, dann werdet ihr gemeinsam da durchkommen.

Mein Kind lügt – was kann ich tun?

Kind lügt ständig Header

Dein Kind sagt: „Ja, ich habe mir die Hände schon gewaschen“

…und du weißt genau, dass die Hände noch ungewaschen sind? Deine Tochter bringt vom Spielen bei der Nachbarin ein Armband mit und erzählt, das habe es „gefunden“? Oder dein Kind erzählt dir völlig abenteuerliche Geschichten, weshalb die neue Hose schon ein Loch hat?

Wenn Kinder lügen, ist das für uns Eltern meistens eine Herausforderung. Lügen widerspricht unseren Werten und unseren Bedürfnissen.

Warum lügen Kinder, und was haben ihre Lügen eigentlich mit uns zu tun? In diesem Blogartikel schauen wir uns typische Lügen-Situationen aus dem Elternalltag an und versuchen besser zu verstehen, was dahinterstecken könnte, also: Was eigentlich die Ursache für das Lügen ist.

Und am Ende können wir die Lügen unserer Kinder sogar als Geschenk annehmen, denn sie erzählen uns von unerfüllten Bedürfnissen unserer Kinder, was der bedürfnisorientierten Erziehung zugutekommt.

Warum lügen Kinder?

„Man lügt nicht.“

„Lügen gehört sich nicht.“

„Lügen haben kurze Beine.“

Sätze wie diese haben viele von uns Mamas und Papas in den Köpfen. Lügen ist verboten, Lügen ist etwas Schlechtes – das sind fest zementierte Glaubenssätze. Ich frage mich: Stimmt das wirklich? Oder können wir Lügen auch etwas Positives abgewinnen, sie vielleicht sogar nutzen, um unseren Kindern näher zu kommen?

Im Sinne der gewaltfreien Kommunikation ist Lügen erst einmal eine Strategie: der Versuch, sich ein Bedürfnis zu erfüllen oder auf ein unerfülltes Bedürfnis aufmerksam zu machen. Du merkst vielleicht gleich, dass das zu einer Umbewertung des Lügens führt: Lügen ist sicherlich gesellschaftlich problematisch und kollidiert mit angesehenen Werten wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Verlässlichkeit oder Respekt – wir kommen mit unserer GfK-Sicht jedoch davon weg, es als „falsch“ zu bezeichnen. Lügen ist ein zunächst einmal legitimer Versuch, sich um sich selbst zu kümmern.

Das wäre mein erster Impuls zum Thema Lügen:

Lass uns versuchen, die Verurteilung rauszunehmen und das vermeintlich Schlechte im Menschen zu sehen! Viel interessanter ist es doch, den Menschen hinter der Lüge zu entdecken. Was will mir mein Kind gerade damit sagen? Welches Bedürfnis versucht mein Kind sich gerade über das Lügen zu erfüllen?

Und schon sind wir raus aus dem Verurteilen und kommen rein ins Verstehen und in die Verbindung mit unserem Kind.

Schuld- und Schamgefühle

Eng verbunden mit dem Lügen sind Gefühle wie Schuld und Scham. Diese wollen wir im Umgang mit unseren Kindern im besten Falle vermeiden. Es gibt ja kein „Richtig“ und kein „Falsch“ in der GfK.

Gleichzeitig sind die Gefühle Schuld und Scham existent und auch wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Menschen. Scham- und Schuldbewusstsein sind eine Art Wegweiser. Sie geben uns Orientierung für unser soziales Miteinander. Wir können sie annehmen, wenn wir erfahren, dass auch diese Gefühle okay sind. Wir können sie als eine Art natürliches Feedbacksystem sehen, mit dem wir soziale Fähigkeiten entwickeln können. Doch häufig werden Schuld und Scham missbraucht um Menschen zu kontrollieren und sie unter Druck zu setzen.

Wir haben gelernt, uns und andere für diese Gefühle zu verurteilen. Das ist so schade, denn damit geht der eigentliche Sinn dieser Gefühle verloren! Wenn wir sie mit Empathie willkommen heißen, kann daraus viel entstehen. Denn hinter diesen Gefühlen verstecken sich Bedürfnisse wie Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Verantwortung, Selbstentfaltung und noch so vieles mehr. Wow – was für Schätze, oder??

Stell dir mal vor, du wärst für deine Schuld- und Schamgefühle nie verurteilt worden, sondern wärst damit in den Arm genommen worden, deine versteckten Bedürfnisse dahinter wären erkannt worden und dir wären Wege aufgezeigt worden, wie es auch anders geht … Was wäre uns alles erspart geblieben!?

Wie oft verurteilen wir uns, bekennen uns für schuldig, schämen wir uns, verurteilen dafür andere … ein Teufelskreislauf der Macht. Und wir wollen ja in das Miteinander und da ist es wichtig, dass auch diese Gefühle präsent sein dürfen und dass sie ihre Berechtigung haben.

Was heißt das für den Umgang mit den Lügen unserer Kinder?

Wie können wir die Akzeptanz von Schuld- und Schamgefühlen unseren Kindern mitgeben? Ganz einfach, indem wir

  1. sie mit ihrer Wirklichkeit sehen, also die Bedürfnisse hinter den Lügen erkennen und benennen.
  2. ihnen mitteilen, wie es uns mit ihren Handlungen (in diesem Fall: der Lüge) ergangen ist und was wir brauchen, also in der Regel Ehrlichkeit, Verbindung, Vertrauen usw.
  3. die daraus eventuell entstehenden Gefühle wie Scham und Schuld benennen, die dahinter versteckten Bedürfnisse erkennen und neue Wege suchen.

Okay, das hört sich am Anfang vielleicht doch etwas kompliziert an. Schenke mir bitte dein Vertrauen und folge mir bis zum Ende dieses Blogartikels. Eigentlich finde ich es total logisch und auch einfach.

Das Wichtigste für mich ist die Haltung der GfK in diesem Fall: Hinter jeder Handlung versteckt sich ein Bedürfnis. Dein Kind möchte dir mit der Lüge etwas über sich erzählen. Was das ist – das darfst du herausfinden.

Das kannst du gegen das Lügen deines Kindes tun

Kinder lernen auch, indem sie Erfahrungen machen dürfen: indem sie erfahren, dass ihr Handeln Konsequenzen nach sich zieht. Damit meine ich Konsequenzen aufgrund eines bestimmten Handelns. Unser Handeln kann ja bei anderen Menschen Gefühle auslösen. Damit sie diese Zusammenhänge lernen, brauchen Kinder unsere Hilfe, und zwar wohlwollende Hilfe.

In der bedürfnisorientierten Begleitung unserer Kinder suchen wir ja Verbindung statt Trennung. Folgt auf das Lügen eine Bestrafung, lernt das Kind nur, dass es etwas Falsches gemacht hat, dass es irgendwie ungenügend war, dass es vielleicht ungeliebt ist (im Erleben des Kindes).

Wenn das Kind künftig auf das Lügen verzichtet, dann nur, um es anderen recht zu machen, und in der Hoffnung, von anderen gemocht zu werden. Das nennen wir extrinsische Motivation.

Werde ich dagegen mit meinem Bedürfnis gesehen, das hinter der Lüge steht, fühle ich mich verstanden, gesehen, gehört, angenommen. Wenn ich erfahre, was anderen wichtig ist und wie es anderen mit meinem Verhalten geht, und dass ich so, wie ich bin, okay bin, fühle ich mich sicher. Dann kann ich mein Verhalten aus eigenem Antrieb zum Wohle aller verändern. Das mache ich dann gerne, aus mir selbst heraus: weil ich gesehen, berücksichtigt, gehört werden will. Und das ist dann die intrinsische Motivation.

Ich finde also:

Statt das Lügen zu verurteilen, dürfen wir es willkommen heißen. Denn über das Lügen möchte unser Kind uns etwas über sich erzählen.

Die Frage ist also:

Was will mir mein Kind mit seiner Lüge sagen? Allein mit dieser Haltung schaffst du eine Umgebung des Wohlfühlens, des Willkommenseins – so entsteht Vertrauen.
Du möchtest, dass dein Kind gerne zu dir kommt und dir alles erzählst?

Du möchtest, dass dein Kind dir vertraut und du es auch in schweren Zeiten begleiten darfst? Dann heiße es willkommen mit all seinen Handlungen, auch mit dem Lügen.

Wie kann das im Alltag aussehen?

Bei allem Verständnis für das Lügen:

Wir sind als Eltern dafür verantwortlich, dem Kind eine Rückmeldung zu geben. Und natürlich haben wir selbst auch unsere Werte und Bedürfnisse, denen das Lügen gegenübersteht.

Bleiben wir einmal beim Beispiel Händewaschen – weil es ein Klassiker ist und weil sich daran so viel zeigen lässt. Welches Bedürfnis könnte dahinterstecken, wenn dein Kind dir erzählt, dass es schon die Hände gewaschen hat, und du siehst, dass die Hände noch schmutzig sind?

Ein solches Bedürfnis könnte der Wunsch nach Autonomie sein, nach Selber-entscheiden-Dürfen, nach Selbstbeständigkeit. Es könnte auch das Bedürfnis nach Leichtigkeit sein: weil man ohne Händewaschen schneller fertig ist und wieder Zeit für anderes, für Schöneres hat.

Wörter sind mächtig. Sätze wie „Das ist doch schon wieder eine deiner Flunkergeschichten“ könnten bei den Kindern Glaubenssätze verankern, wie ich sie ganz am Anfang beschrieben habe.

Ich möchte dich dazu einladen, solche Situationen stattdessen nach den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation zu gestalten.

Für das Beispiel Händewaschen könnte das so aussehen:

„Du hast mir gerade gesagt, du hättest die Hände schon gewaschen. Ich sehe, dass deine Hände noch ganz schmutzig sind. Mir ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Bist du bereit, mir noch mal zu sagen, wie das war mit dem Händewaschen?“

Noch ein Beispiel:

Einmal kam meine Tochter vom Spielen mit der Nachbarin nach Hause. Ich sah an ihrem Handgelenk ein Armband, von dem ich wusste, dass es dem Nachbarskind gehörte. Sie hatte es von der Nachbarin genommen, behauptet mir gegenüber dennoch steif und fest, sie hätte es gefunden.

Erst einmal habe ich mich mit ihr über das schöne Armband gefreut, was für tolle Farben es hat, und sie gefragt, ob ich es auch mal kurz anlegen darf.

Ich denke, das Bedürfnis, das hinter dem „Diebstahl“ (in Erwachsenenkategorien) des Armbands stand, war das Bedürfnis nach Autonomie: selber entscheiden zu dürfen, was schön ist, was mir steht. Ich habe meiner Tochter vorgeschlagen, dass wir einmal schauen, wo wir für sie so ein schönes Armband besorgen können, und haben nach einer kurzen Rückfrage bei der Nachbarin herausgefunden, dass man es im Drogeriemarkt um die Ecke für kleines Geld kaufen kann.

Also habe ich vorgeschlagen, dass meine Tochter ein wenig Taschengeld aus ihrer Börse nimmt, ich habe noch was dazugegeben, und wir haben das Armband gekauft.

Dann habe ich meine Tochter gebeten, die Nachbarin zu fragen, ob das „gefundene“ Armband vielleicht doch ihr gehören könnte. So hatte meine Tochter das Armband, das sie sich so sehr gewünscht hatte, bekommen und hat dabei gelernt, dass es bessere Wege gibt, als sich Dinge einfach zu nehmen.

Und noch ein drittes Beispiel.

Ich finde, dass man an praktischen Beispielen aus dem Alltag einfach am besten lernen kann, worum es im Grunde geht.

Meine Freundin Frieda sagte einmal morgens zu ihrer Tochter Mine: „Es ist wichtig, dass du heute was isst. Dein Körper braucht das, um wieder fit zu werden!“ Abends erzählte ihr ihre Tochter ganz stolz: „Ich habe heute ein ganzes Brötchen mit Schinken gegessen!“ Von ihrem Mann erfuhr Frieda, dass sie weder beim Bäcker gewesen seien, noch dass Mine ein Brötchen gegessen habe.

Mines Realität ist, dass sie dieses Brötchen gegessen bzw. dass sie das der Mama erzählt. Warum macht sie das? Wahrscheinlich hat sie die Sorgen der Mama gespürt. Vielleicht hat sie auch einen gewissen Druck empfunden. Jedenfalls möchte Mine, dass Mama zufrieden mit ihr ist, und übernimmt die Verantwortung für die Gefühle ihrer Mama. Das kann passieren. Wenn wir es erkennen, können wir die Verantwortung zu uns zurückholen.

Ich würde Frieda in dem Fall empfehlen, mit ihrer Tochter darüber zu sprechen. Zum Beispiel so:

„Hey Mine, du hast mir gesagt, du hast gestern ein Brötchen gegessen. Papa hat mir dagegen erzählt, dass ihr für den Bäcker schon zu spät dran ward. Jetzt bin ich gerade ein wenig traurig, weil mir wichtig ist, dass wir ehrlich zueinander sind, also dass wir uns das sagen, was auch wirklich ist.“

Achtung:

Hier könnte jetzt das Scham- oder Schuldgefühl bei Mine einsetzen. Wir kennen ja unsere Kinder und würden das an ihrem Verhalten sicher erkennen, zum Beispiel weil sie den Sachverhalt abstreiten oder den Kopf senken – das kann sich sehr unterschiedlich äußern.

Dann würde ich das etwa so ansprechen:

„Oh, jetzt bist du beschämt, mhhh? Weil du möchtest mir ja alles erzählen, ja? Nur: Du wolltest auch, dass ich zufrieden bin mit dir, oder?“

„Ja …“

„Weißt du, ich liebe dich, weil du meine Tochter bist – egal, was du machst … auch ohne Brötchen.
Und ich kümmere mich um mich und dass ich zufrieden bin.
Mir ist so wichtig, dass wir ehrlich miteinander sind … Was meinst du, wenn du das nächste Mal was machst, wo du denkst, dass mir das missfällt: Was könntest du machen?“

„Keine Ahnung …“

„Magst du meine Idee hören?“

„Ja.“

„Na, du sagst mir zum Beispiel: ,Mama, heute konnte ich noch nichts essen.‘ Dann würde ich sagen: ,Dein Körper braucht vielleicht noch etwas Zeit, bis er wieder essen kann. Der wird sich melden! Danke, dass du mir das erzählt hast.“

Dann würde ich vielleicht noch fragen, ob ich mit dem Bauch mal sprechen kann, wir würden lachen, ich würde die Stimme des Bauchs imitieren, und sie dann fragen, ob sie bereit ist, mal auszuprobieren, was zu essen.

Das Kind darf also beschämt sein. Lasst uns das Bedürfnis hinter den Handlungen des Kindes erkennen. In diesem Fall würde ich sagen: Es war das Bedürfnis nach Liebe. Und dann erforschen wir gemeinsam neue Wege.

So macht das Kind Erfahrungen, ohne verurteilt zu werden. Aus jeder dieser Situationen wird das Kind etwas mitnehmen. Die Kinder werden dennoch immer mal wieder lügen. Und das ist ja auch okay.

Ich lüge auch ab und an in Notsituationen, weil es mir gerade die bestmögliche Handlungsweise ist. Ich kann es im Nachhinein immer noch zurechtbiegen.

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Sollte ich eigentlich mein Kind bestrafen, wenn es lügt?

Die Gewaltfreie Kommunikation kommt ohne Bestrafung aus, übrigens auch ohne ihr Gegenstück: die Belohnung. Höre dir dazu gerne auch meine Podcastfolge Nr. 2 an: B wie Belohnung und Bestrafung und wie es auch ohne geht. Bestrafungen blockieren wichtige Prozesse, trennen uns von unserem Kind statt uns in Verbindung zueinander zu bringen und missachten die Bedürfnisse unserer Kinder.

Fazit

Wenn unser Kind lügt, macht das etwas mit uns als Eltern.

Wir fühlen uns vielleicht in unseren Werten missachtet oder sind traurig über das Verhalten unserer Kinder. Diese Gefühle sind in Ordnung. Mein Wunsch und meine Einladung an alle Mamas und Papas ist, dass wir trotzdem oder vielleicht gerade deshalb genau hinhören:

Warum lügt mein Kind, welches unerfülltes Bedürfnis steht dahinter?

Deshalb habe ich am Anfang gesagt, dass wir die Lügen als Geschenk annehmen dürfen: weil sie uns so viel über unsere Kinder erzählen.

Und je besser wir die dahinter versteckten, unerfüllten Bedürfnisse aufdecken, umso weniger wird dein Kind auf längere Dauer das Bedürfnis haben, Lügen als Strategie einzusetzen: weil es durch deine bedürfnisorientierte Begleitung lernt, dass es bessere Strategien gibt, um Bedürfnisse zu erfüllen.

Kita-Eingewöhnung – 8 Tipps, um sie dir und deinem Kind zu erleichtern

Eingewöhnung Kita Header

Die Eingewöhnung in die Kita ist in den allermeisten Familien die erste Trennung von Kind und Eltern überhaupt. Diese erste Trennungserfahrung bereitet den Weg für alle weiteren Trennungserlebnisse, die das Kind später im Leben haben wird: bei der Einschulung, bei Umzügen und vielem mehr.

Kein Wunder, dass das auf beiden Seiten oft Stress verursacht. Dazu kommt: Es gibt kein Patentrezept. Jedes Kind ist anders, jede Mama ist anders, jeder Papa ist anders.

Und trotzdem gibt es einige Hilfestellungen, um uns und unserem Kind die Kita-Eingewöhnung einfacher zu machen.

In diesem Artikel möchte ich dir Impulse geben: Erfahre alles Wichtige zur Kita-Eingewöhnung und 8 hilfreiche Tipps, wie du die Eingewöhnung für alle Seiten so angenehm wie möglich gestalten kannst.

Die Frage ist dabei immer: Was brauchst du und was braucht dein Kind, damit du dein Kind einfühlsam und bedürfnisorientiert begleiten kannst? Daraus kann bei dir das Gefühl entstehen, dass du die Trennung auch als Geschenk wahrnehmen, mit der Trennung wachsen darfst.

Wieso ist die richtige Eingewöhnung in die Kita so wichtig?

Die ersten Tage in der Kita sind für unsere Kinder die ersten Trennungserfahrungen in ihrem Leben.

Als Mama und Papa sind wir die ersten und wichtigsten Bindungspersonen für unser Kind. Die Kita-Eingewöhnung ist der erste Schritt aus der Kernfamilie heraus, der erste Schritt in das große Leben.

Damit diese Erfahrungen positiv und gut für unser Kind sind, können wir es bei der Eingewöhnung bedürfnisorientiert begleiten. Das macht es unserem Kind leichter, sich sicher zu fühlen und in der Kita gut anzukommen.

Ganz wichtig in der bedürfnisorientierten Begleitung der Kita-Eingewöhnung: Sie berücksichtigt auch die Bedürfnisse der Eltern.

Wie funktioniert die Eingewöhnung in die Kita eigentlich? Der Ablauf und die erste Trennung

Oft werde ich gefragt, ab welchem Alter die Eingewöhnung in die Kita aus Sicht der Bedürfnisorientierung überhaupt „okay“ ist. Ich glaube, dass es darauf keine allgemeinverbindliche Antwort gibt. In der Bindungstheorie geht man davon aus, dass das Kind im ersten Lebensjahr seine Beziehung zu seinen wichtigsten Bezugspersonen, also meistens Mama und Papa, stärkt und ausbaut. 

Und dass das wichtig und wertvoll ist. Gleichzeitig kann sich die gestärkte Bindung nach Ende des ersten Lebensjahres darin äußern, dass das Kind sich nur schwer von Mama und Papa trennen kann.

Der beste Zeitpunkt für die Kita-Eingewöhnung ist vor allem das: sehr individuell. Es geht ja auch um die Bedürfnisse der Eltern.

Vielleicht hast du als Mama im ersten Lebensjahr deines Kindes in erster Linie das Bedürfnis, viel Zeit mit deinem Kind zu verbringen. Im zweiten Lebensjahr deines Kindes ändert sich eventuell das Bedürfnis, du möchtest zurück in die Arbeit oder mehr Zeit für dich haben. Ich lade dich ein, genau hinzuschauen und dich einzufühlen: Wie geht es dir damit, wie geht es deinem Kind damit?

Und das kann sich immer wieder ändern. Wir sind es gewöhnt, dass wir meinen, einmal getroffene Entscheidungen „durchziehen“ zu müssen . „Wir müssen da jetzt durch“ ist dann möglicherweise so ein Gedanke. Wenn du dich schlecht damit fühlst und sich dein Kind damit schlecht fühlt, gibt es bestimmt einen anderen, einen besseren Weg. 

Ich glaube, dass wir davon wegkommen sollten, einen Schritt zurück als Scheitern, als Aufgeben zu bewerten. Ein viel besserer Gedanke für die Kita-Eingewöhnung wäre: „Alles kann, nichts muss.“ Dieser Gedanke nimmt Druck weg. Und zwar völlig unabhängig vom Alter des Kindes.

Das Warum klären

Wenn ich gefragt werde:

„Kathy, was hältst du für denn wichtig , um die Kita-Eingewöhnung vorzubereiten?“

, dann sage ich gerne:

„Kläre dein Warum.“

Also: Warum möchte ich mein Kind in die Kita geben? Das finde ich deswegen so wichtig, weil unsere Kinder Eltern brauchen, die wissen, was sie tun und warum sie es tun. Im besten Fall vermeiden wir so, dass wir später ins Überlegen kommen, ob wir das Kind doch wieder aus der Kita nehmen und die Eingewöhnung abbrechen sollen. Denn unser Kind spürt unsere Unsicherheit. 

Das heißt: Bevor ich mit der Eingewöhnung starte, bin ich mir völlig über das Warum im Klaren.

Hinter dem Warum verstecken sich Bedürfnisse. Das kann das Bedürfnis nach Unterstützung sein, nach finanzieller Sicherheit, nach Entspannung, nach Leichtigkeit, nach Selbstbestimmung und so vielem mehr. 

Das klingt vielleicht egoistisch. Und doch: Unsere Kinder brauchen Eltern, die selbstbestimmt handeln und wissen, dass sie sich auch um sich selbst kümmern dürfen.

Du kommst bei der ehrlichen Beantwortung der Frage nach deinem persönlichen Warum zu dem Ergebnis: 

„Eigentlich möchte ich mein Kind ja lieber selber betreuen“? 

Das ist völlig in Ordnung! In unserer Gesellschaft ist heute so viel Druck … Du kannst Druck empfinden, dein Kind selbst zu betreuen, obwohl du persönlich etwas anderes möchtest. Womöglich spürst du Druck, dein Kind in die Betreuung zu geben, obwohl es deinen Bedürfnissen und Wünschen widerspricht. Spüre hin, was du wirklich brauchst.

Mir ist klar, dass die Realität manchmal anders ist; dass Eltern beispielsweise meinen, in den Beruf zurückkehren zu müssen , bevor sie selbst zur Trennung von ihrem Kind bereit sind. In solchen Fällen kann ich nur laut rufen: „Wir müssen nicht . Du musst nichts machen. Du findest eine Lösung, selbst wenn es ein harter Weg wird.“

Ich habe meine Tochter auch schon mal aus einer Eingewöhnung rausgenommen, weil es für uns ganz schlecht funktioniert hat. Wir hatten es für uns anders geplant, und es war eine riesige Herausforderung für die ganze Familie, dann drei Monate ohne Kita zu gestalten. Und doch bin ich im Nachhinein so stolz auf uns, wie wir das alle gemeinsam geschafft haben.

Was brauche ich dafür?

Wenn wir unser Warum geklärt haben, ist aus meiner Sicht der nächste Schritt zu fragen:

„Was brauche ich dafür, damit diese Eingewöhnung für mich machbar ist?“

Ich bin also immer noch bei mir selber! Vielleicht brauchen wir Klarheit, Orientierung, Vertrauen, Sicherheit, Ruhe…Auf Grundlage dieser Bedürfnisse können wir Strategien sammeln, was wir als Eltern machen können, um die Kita-Eingewöhnung zu erleichtern.

Bei einer Begehung kannst du dich vorab schon sehr gut über die Konzeption der Kita informieren und nach welchen Modellen in der Einrichtung gearbeitet wird. Bei Elternabenden und Vorgesprächen stehen dir die Erzieher:innen für Fragen zur Verfügung.

Ein Vorschlag könnte sein: Schreibe eine Liste mit Fragen, die du im Zusammenhang mit der Kita-Eingewöhnung hast. Schäme dich für keine Frage – du brauchst die Liste keinem zu zeigen. Es ist deine Liste. Im nächsten Schritt kannst du überlegen:

Wo bekomme ich Antworten? Du kannst Fragen an die Kita stellen. Du kannst dir im Vorfeld entwicklungspsychologische Beratung holen: Ist mein Kind bereit für die Kita, ist es die richtige Kita für mein Kind? Gut ist es, wenn du mit deinem Partner, vielleicht auch deiner Familie auf einer Linie bist – das sorgt für Rückhalt.

Du kannst zusätzlich eine Liste mit Erwartungen machen:

Welche Vorstellungen habe ich von der Eingewöhnung und vom Alltag in der Kita? Das macht es leichter, transparent und fair mit den Erzieher:innen zu kommunizieren.

Bei allen Fragen und Ängsten möchte ich dich einladen, offen und wertschätzend auf die Kita, auf die Erzieher:innen zuzugehen. Sieh sie als Teil deines Unterstützernetzwerks, das dir dein Familienleben in Zukunft erleichtert.

Deine Familie und die Kita, ihr spielt ja künftig im gleichen Team. Deshalb würde ich vorschlagen, dass du im Erstgespräch dir auch erst einmal anhörst, was die Erzieher:innen zu sagen haben, bevor du ihnen deine Erwartungen und Vorstellungen mitteilst.

Du kannst dir die Beziehungen bei der Kita-Eingewöhnung wie ein Dreieck vorstellen:

Es gibt das Kind, es gibt die Familie und es gibt die Erzieher:innen. Zwischen all diesen drei Komponenten werden Beziehungen, wird Vertrauen aufgebaut, damit die Eingewöhnung und die Zusammenarbeit gut klappen.

Du und dein Kind, ihr habt schon eine starke Beziehung. Nun gilt es, gute Beziehungen zwischen Eltern und Kita-Personal sowie zwischen Kind und Erzieher:innen aufzubauen.

Was, wenn du andere Vorstellungen von der Eingewöhnung hast als das Kita-Personal?

Vielleicht hast du Sorge, dass es so laufen könnte:

Erster Tag der Kita-Eingewöhnung, die Erzieherin sagt, dass du jetzt eine Viertelstunde rausgehen sollst. Dein Kind weint und möchte, dass du bleibst. Die Erzieherin sagt:

„Da muss das Kind jetzt mal durch.“

Wenn dein Bauchgefühl dir signalisiert, dass es falsch wäre, rauszugehen:

Sprich es aus!

Das geht auch, ohne die Erzieherin zu kritisieren!

Statt „Nein, ich bin dagegen, ich habe andere Vorstellungen“ könntest du beispielsweise sagen: „Oh, das fühlt sich für mich jetzt falsch an. Finden wir da einen anderen Weg?“ Bleib bei dir, sprich über dich und dein Gefühl. Das öffnet eine Tür für ein gutes Gespräch.

Und selbst wenn das Gespräch schlecht verläuft, kannst du im Nachhinein nochmals hingehen und das bedauern. Auch dann kann man wertschätzend kommunizieren.

Und wenn du trotzdem ein schlechtes Gefühl bei der Eingewöhnung hast? Schütze die Seele deines Kindes. Das ist deine Verantwortung. Wenn du Sorge hast, was passieren wird, wenn die Eingewöhnung schlecht klappt oder lange dauert – versuche dich von diesem Druck zu lösen. 

Du kannst dein Kind nur dann bindungsorientiert begleiten, wenn du es mit einem guten Gefühl in der Kita abgibst. Es braucht bestimmt Zeit und Nerven, andere Lösungen zu finden. 

Und doch wird es einen Weg geben. Ich möchte dich einladen, den Mut zu haben, auf dein Gefühl zu hören. Du handelst für dich und dein Kind.

Wie lange dauert die Kita-Eingewöhnung für gewöhnlich?

Wir möchten unser Kind bedürfnisorientiert und individuell in der Kita eingewöhnen. Dafür nehmen wir uns bewusst die Zeit, die wir und das Kind brauchen.

Pläne, die vorab ein festes Zeitfenster für die Eingewöhnung setzen, sind zum Scheitern verurteilt. Klar: Viele Kinder sind nach zwei Wochen gut eingewöhnt und fühlen sich geborgen in der Kita. Andere Kinder brauchen zwei, drei, vier Monate oder noch länger.

Ich weiß, dass da ein strukturelles Problem ist. Es gibt beispielsweise Kitas, die nur im Januar und September eingewöhnen. Vielleicht willst du im Februar wieder zu arbeiten beginnen, hast im September noch keinen Platz für dein Kind in der Kita bekommen und jetzt den Zeitdruck, dass die Eingewöhnung im Januar über die Bühne geht. 

Ich empfehle auf jeden Fall, mit der Kita ins Gespräch zu kommen. Möglicherweise gibt es doch einen Weg, ausnahmsweise mit der Eingewöhnung im Dezember oder noch früher zu beginnen.

Welche Probleme können bei der Eingewöhnung auftauchen?

Für viele Eltern der Stressmoment schlechthin: Sie verabschieden sich in der Kita von ihrem Kind und das Kind weint. Ich lade dich ein, es einmal so zu sehen: Tränen dürfen sein. Dein Kind hat ein Recht, deinen Abschied zu betrauern. 

Und: Tränen helfen deinem Kind, seine innere Anspannung abzubauen. Es kommt auf den Rahmen an: Wenn dein Kind beim Abschied weint und sich dann relativ schnell von der Erzieherin auffangen lässt, ist das in Ordnung. Ist das Kind auch nach einer Viertel- oder halben Stunde noch ganz aufgewühlt, wird es vielleicht sogar panisch, ist es besser, zwei oder drei Schritte in der Eingewöhnung zurückzugehen. 

Hier zeigt das Kind ganz klar, dass eine Grenze überschritten ist.

Wenn dein Kind wirklich nur im Moment der Trennung weint und dann schnell ins Spiel findet, kann es gut sein, die Trennung kurz zu halten. In anderen Fällen braucht es noch mehr Hilfe, Sicherheit und Geborgenheit von dir, um gut in der Kita ankommen zu können.

Es kann auch sein, dass die Eingewöhnung fünf Tage gut läuft und am sechsten Tag hast du das Gefühl, dass ihr wieder bei null anfangt. Wieder: Höre auf dein Kind, beobachte es gut, schau, was es braucht.

Die richtige Eingewöhnung in die Kita - 8 Tipps, um dir und deinem Kind die Trennung zu erleichtern

1.Kita-Tasche mit Geborgenheit füllen

Wenn dein Kind sich schwer damit tut, sich von dir zu trennen, dann, weil es Bedürfnisse hat, die in der Kita unerfüllt sind, zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Geborgenheit, nach Nähe. Bei der Eingewöhnung meiner Tochter haben wir eine Kita-Tasche gepackt, in der so viel Zuhause und so viel Geborgenheit wie nur möglich steckte.

Seid kreativ – vielleicht ist es Mamas Schlaf-Shirt, das deinem Kind hilft! Die Tasche hat meiner Tochter Mama-Nähe gegeben, obwohl Mama selbst gerade weg war.

2.Infos für die Erzieherinnen und Erzieher zusammenstellen

Bei der Eingewöhnung meiner Tochter habe ich Notizen gemacht, was ihr beim Einschlafen hilft, was und wie sie isst und so weiter. Die Erzieherinnen haben diese Infos dankbar angenommen, weil sie ihnen letztlich ja ihren Job auch leichter machen.

3.Übergänge üben

Übergänge und Übergaben können vorsichtig geübt werden. Lade zum Beispiel die Oma ab und zu mal ein oder die Tante oder eine Freundin und beobachte, was dein Kind braucht, um sich von dir zu trennen: Was ist nötig, damit du dich kurz zurückziehen kannst?

4.Zuhause für Sicherheit und Struktur sorgen

Zuhause sollte sich in der Zeit der Kita-Eingewöhnung so wenig ändern wie möglich. Manche Mamas stillen ab, weil das Kind bald in die Kita kommt, oder versuchen die Schlafzeiten des Kindes zu ändern, damit sie besser in den Kita-Rhythmus passen. 

Wenn du das für nötig hältst, mache es auf jeden Fall ganz langsam und mit ganz viel Zeit im Vorfeld. Denn während der Kita-Eingewöhnung ändert sich für das Kind im Außen-Leben so viel. 

Da sollte das Innen-Leben in der Familie so viel Sicherheit und Struktur wie möglich und so wenig Veränderung wie möglich bieten. Die Bedürfnis-Tanks des Kindes an Nähe, Geborgenheit und Sicherheit sollten zur Eingewöhnung in die Kita randvoll sein.

5.Resilienz stärken

Mit der Kita-Eingewöhnung legen wir ja die Grundlage für spätere Veränderungssituationen im Leben unserer Kinder. Auch kleinere Kinder können lernen, dass sie die Situation nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen mitgestalten können. Du kannst deinem Kind beispielsweise sagen: „Wenn sich etwas für dich falsch anfühlt, sagst du nein.“ Oder: „Wenn du möchtest, dass die Mama kommt, sagst du es den Erzieherinnen.“

6.Kita und Zuhause verknüpfen

Du kannst eine Klammer zwischen Kita und Zuhause schaffen, indem das Kind eine Tätigkeit zu Hause anfängt und in der Kita fertigstellt, zum Beispiel ein Bild malen. Die Kraft dieser Klammer kannst du verstärken, wenn du dein Kind bei der Tätigkeit begleitest, also ihr das Bild gemeinsam zu Hause anfangt und gemeinsam in der Kita fertigstellt.

7.Rollenspiele

Kinder lernen über das Spielen und setzen sich spielerisch mit der Welt auseinander. Ich lade dich ein, mit deinem Kind zu Hause „Kita“ zu spielen. Dabei kann auch gern das Kind die Erzieherin spielen.

8.Ein anderes Familienmitglied die Eingewöhnung begleiten lassen

Wenn du als Mama oder Papa schon im Vorfeld weißt, dass du schlecht loslassen kannst und du selbst dich von deinem Kind in der Kita nur mit großen Schwierigkeiten trennen kannst – oder du vorhersehen kannst, dass dein Kind sich am allerschwersten von dir trennen kann:

Vielleicht kann eine andere enge Bezugsperson die Eingewöhnung begleiten. Dann kann es zu Beispiel eine gute Lösung sein, dass die Oma das Kind zur Eingewöhnung bringt und in den ersten Wochen zur Kita begleitet.

Fazit

Die Kita-Eingewöhnung ist ein Prozess, und manchmal ist dieser Prozess schwieriger und langwieriger, als wir uns das vorgestellt oder gewünscht haben.

Ich lade dich ein, immer offen zu bleiben für die Signale deines Kindes: hinzufühlen, auch in dich selbst immer wieder hineinzufühlen. Dein Kind wird dir zeigen, was es braucht und wann es für den nächsten Schritt bereit ist. Und dann wird die Kita-Eingewöhnung zu einer Phase, an der ihr alle wachsen könnt.

Bedürfnisorientierte Erziehung – das gehört dazu

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Ich höre aus meiner #gfkmitkathy-Community oft Sätze wie “Danke Kathy, durch dich durfte ich erfahren, was bedürfnisorientiert wirklich bedeutet.” oder “Die Gewaltfreie Kommunikation ist für mich die Sprache der Bedürfnisorientierung.”

Ich bin so dankbar, dass meine Arbeit zu solchen Erkenntnissen und Erfahrungen führt.

Doch was ist die Bedürfnisorientierte Erziehung eigentlich? Wie kannst du sie leben? Was ist meiner Meinung nach das größte Missverständnis in der Bedürfnisorientierten Erziehung?

Warum möchte ich persönlich auf das Wort Erziehung verzichten und was das eine mit dem anderen zu tun?

All das erfährst du jetzt. 

Was ist bedürfnisorientierte Erziehung?

Ich rolle das Feld mal von hinten auf mit den für mich größten Missverständnissen.

Eines der für mich größten Missverständnisse der modernen Elternschaft ist, dass viele denken, es ginge in der Bedürfnisorientierten Elternschaft nur darum, die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen – und zwar immer und am besten sofort.

Das kann langfristig fatale Folgen haben, die du dann am Verhalten der Kinder und auch an deinem eigenen feststellen kannst. Die Kinder werden dadurch nämlich zu Tyrannen und du zu einer Art Zombie mit Mutter-Burnout.

Aufgrund dieses Missverständnisses sind am Ende weder die Bedürfnisse der Kinder noch der Eltern erfüllt – alle sind überfordert und es ufert letztlich aus – komplett am Ziel der Bedürfnisorientierung vorbei. Doch warum geschieht das?

Bedürfnisorientierte Erziehung kommt ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum.

Bereits in den 80ern hat der amerikanische Kinderarzt William Sears seine Lehren zum “Attachment Parenting” erarbeitet.

Ins Deutsche wurde das dann in meinen Augen unglücklicherweise in “Bedürfnisorientierte Erziehung” übersetzt.

Ich persönlich ersetze das Wort “Erziehung” lieber durch “Elternschaft”, vom englischen Begriff “Parenting” abgeleitet und wörtlich übersetzt.

Und schwupps wird es für mich persönlich schon offensichtlich, um welche Bedürfnisse es gehen wird.

Doch ist es wirklich nur ein Übersetzungsfehler? Oder doch eher ein Verständnisproblem?

Nehmen wir den Begriff Bedürfnisorientierte Elternschaft mal auseinander

“Bedürfnisorientiert” bedeutet für mich, alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Alle Bedürfnisse sofort erfüllen zu müssen, steht erstmal nirgends.

Das Wort Elternschaft – hier steht eindeutig Eltern.

Für mich sind die Eltern verantwortlich dafür, ihre eigenen Bedürfnisse und die der Kinder im Blick zu haben. Als Erwachsene passen wir darauf auf, das alles im Lot ist.

Im Begriff “Elternschaft” findet sich nicht einmal das Wort “Kind:er” – daher wundere ich mich, warum dieses Missverständnis so hartnäckig besteht.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass es in der Bedürfnisorientierung auch darum geht, auf Belohnung und Bestrafung zu verzichten – auf gar keinen Fall autoritär sein zu wollen und dadurch der Fokus auf die Kinder fällt?

Keine Ahnung – auf jeden Fall ist mir hier schonmal wichtig zu erwähnen, dass Bedürfnisorientierte Elternschaft weder autoritär noch antiautoritär ist.

Beides wäre für mich ein Missbrauch der elterlichen Macht – die wir als erwachsene und ausgereifte Menschen den Kindern gegenüber haben.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft die goldene Mitte dieser beiden Richtungen.

Es ist genau das, was Kinder brauchen und ebenso wir als Eltern.

Warum sollte ich überhaupt bedürfnisorientiert erziehen? - Das spricht dafür

Ich will meine Kinder so begleiten, dass sie ihr mitfühlendes Wesen immer weiter entwickeln können – sowohl für sich als auch für andere.

Sie sollen lernen, ihre Bedürfnisse im Blick zu haben und zu erfüllen. Dadurch werden sie bereit sein, freiwillig zum Wohle anderer beizutragen.

Außerdem wollen wir Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen.
Tauchen wir einmal in dieses Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen ein:

Nun denkst du vielleicht:

“ABER ich kann doch nicht immer die Bedürfnisse aller sofort erfüllen.”

Wenn wir einen Konflikt haben, sind bei den Beteiligten mehrere Bedürfnisse unerfüllt.

Diese finden wir heraus und überlegen gemeinsam eine Vorgehensweise, um alle Bedürfnisse im Blick zu haben.

Manche werden dann zuerst erfüllt, andere danach.

Manchmal reicht dieses Wahrgenommen werden sogar schon aus, um unerfüllte Bedürfnisse zu erfüllen. Dadurch wächst unter anderem sogar die Bereitschaft bei uns und bei unseren Kindern, auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse warten zu können.

Wir finden gemeinsam eine Lösung, die für alle ok ist! Und das darf auch mal länger dauern oder sich über mehrere Tage oder Wochen hinziehen – von sofort war nie die Rede.

Wir wünschen uns also, dass unsere Kinder die Fähigkeit erlernen, sowohl in Schule und Beruf als auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zuhören zu können.

Sie lernen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und gemeinsam mit ihrem Gegenüber Strategien zur Konfliktlösung zu finden, die für alle Beteiligten passend sind.

Wenn unsere Kinder damit groß werden, dann fördert das unter anderem ihre Autonomie, Selbstwirksamkeit sowie das Verständnis für ihre Mitmenschen.

Darüber hinaus wird dein Kind Konflikte und zwischenmenschlichen Austausch als eine Bereicherung erleben dürfen statt als Bedrohung.

Das wiederum stärkt den Selbstwert deines Kindes ungemein.

Was ist wichtig dabei & worauf sollte ich achten?

Zuallererst: Du sollst gar nichts ;).

Du bist herzlich eingeladen, die kommenden Impulse auf dich wirken zu lassen. Nimm mit, was sich für dich gut anfühlt und lass das liegen, was unpassend scheint.

In der bedürfnisorientierten Elternschaft geht es darum, die Bedürfnisse aller im Blick zu haben und Lösungen für die Erfüllung dieser zu finden.

Ob sofort eine Lösung gefunden wird oder mit der Zeit, hängt von der Wichtigkeit bzw. Notwendigkeit des Bedürfnisses in dem Moment ab.

Für Kinder ist es lebensnotwendig, dass ihre Eltern sich um ihre Bedürfnisse kümmern.

Denn erst dann sind sie in der Lage, sich verantwortungsbewusst um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern.

Wessen Bedürfnisse stehen also an erster Stelle? Deine. Das ist genauso wichtig für dich, wie auch für deine Kinder.

Erst wenn du mit dir in Verbindung bist, kannst du mit anderen in Verbindung treten. Nur wenn dein Bedürfnis nach Liebe erfüllt ist, kannst du auch andere lieben.

Was sind Bedürfnisse eigentlich?

Bedürfnisse sind das, was alle Menschen zum Leben und zum Überleben brauchen.

Für die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Kinder sind wir selbst verantwortlich, sowie auch für die eigenen.

Und es gibt viele unterschiedliche Strategien, mit welchen wir Bedürfnisse erfüllen können.

Doch die Bedürfnisse sind bei allen, dieselben. Wenn auch situationsbedingt natürlich immer wieder in einer anderen Priorität.

Doch wir haben grundsätzlich alle dieselben Bedürfnisse.

Bedürfnisse sind nicht verhandelbar und unterliegen auch nicht dem freien Willen, sie sind das, was wir zum Leben brauchen.

Sie sind biologisch notwendig!

Wünsche hingegen – sind “nice to have” und im Prinzip mögliche Strategien, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Wünsche können erfüllt werden, doch ihre Erfüllung ist nicht lebensnotwendig. Sie sind individuell ausgerichtet.

Ich brauche Nahrung – die Strategie wäre zur Erfüllung was zu essen – ich kann mir Spaghetti wünschen.

Warum mache ich diesen Unterschied? Weil beides gerne in einen Topf geschmissen wird und ein weiteres Missverständnis der Bedürfnisorientierten Elternschaft besteht.

Wichtig:

Es geht darum, was Kinder und Eltern brauchen, weniger um das, was sie sich wünschen. Und schon gar nicht um eine permanente Erfüllung der Wünsche.

 

Und wie geht das nun mit der bedürfnisorientierten Elternschaft?

Durch das reine Vorleben und spielerische Schulen des Gefühls- und Bedürfniswortschatzes können wir schon einen Riesenschatz weitergeben.

Doch auch wenn wir selbst einen schweren Zugang zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen finden, können wir diese gemeinsam mit unseren Kindern erforschen.

Wir können mit dem Benennen von unseren Gefühlen und Bedürfnissen wie auch dem Erfragen und Herausfinden derer unserer Kinder – in Verbindung kommen mit uns und unseren Kindern.

Dabei helfen dir die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation.

Im Alltag können tägliche Rituale z.B: Bettzeit dazu genutzt werden, um über den Tag und die erlebten Gefühle zu reflektieren.

Auch können nach Konflikten die Situationen nochmal aufgenommen werden – um entsprechend über die Gefühle die Bedürfnisse eines jeden Beteiligten zu erforschen und damit direkt die Empathie eines jeden zu stärken.

Ist das das Richtige für mich und meine Familie?

Ob es das Richtige für dich ist, kannst nur du dir beantworten. Doch wenn du meine Arbeit verfolgst, hier diesen Blog liest, dann möchtest du aller Voraussicht nach etwas anders machen.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft der einzige Weg, wie mit meinen Kindern leben und sie begleiten möchte.

Was wäre auch die Alternative? Doch autoritär oder antiautoritär zu erziehen?

Mit Belohnung und Bestrafung? Davon will ich persönlich weg (siehe auch mein Workbook “Wertschätzende Kommunikation mit deinem Kind”).

Viel zu schmerzhaft sind mir eigene Erinnerungen im Gedächtnis.

Genau diese wollte ich durchbrechen und habe für mich den Weg mit der Gewaltfreien Kommunikation gefunden.

Für mich gibt es keine Alternative, keine andere “Methode”

So kannst du bedürfnisorientierte Erziehung umsetzen

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation die Übersetzungsmöglichkeit, um überhaupt in die Bedürfnisorientierte Elternschaft zu kommen.

Durch die Gewaltfreie Kommunikation komme ich mit mir in Verbindung und dadurch auch erst authentisch und echt mit meiner Familie. Ich kann Konflikte mit der Weile wirklich als Geschenk betrachten und dies meinen Kindern Vorleben.

Ich bin verdammt stolz darauf, von welchen Glaubenssätzen und Gedankenmustern ich mich schon befreien konnte.

Auch darauf, welche Ansätze ich meinen Kindern nicht mehr mitgebe und bin gleichzeitig gespannt, was sie mir später erzählen werden und was sie selbst anders machen wollen.

Meine Kinder gehen bereits in ihren jungen Jahren ganz anders mit Konflikten um, als ich das in ihrem Alter tun konnte.

Ich liebe es – wenn sie zu mir kommen und sagen:

“Mama, finden wir dafür eine Lösung?”

Denn genau das tun wir – wir finden immer eine Lösung – und manchmal darf das auch dauern.

Fazit

Ich habe für dich hoffentlich aufschlüsseln können, was bedürfnisorientierte Elternschaft ist, was nicht und wie du sie selbst leben kannst.

Für mehr Tiefe mit der gewaltfreien Kommunikation:

Höre gerne in meinen Podcast rein, stöbere durch den Blog oder meine Instagram Highlights.

Auch gebe ich dir noch mein gratis EBook “Gewaltfreie Kommunikation in Kindersprache” an die Hand – es ist sowohl für dein Kind als auch dich eine Unterstützung.

Werdet gemeinsam Bedürfnisforscher.

Lasst uns gemeinsam die Welt ein wenig freundlicher gestalten.

Das Thema Elterliche Macht habe ich hier jetzt ausgelassen und doch bleibt es ein unglaublich sensibel und enorm wichtiges Thema in der Bedürfnisorientierten Elternschaft- falls du nun tiefer eintauchen möchtest, könnte mein neues GFK-Videotraining “Elterliche Macht fürsorglich einsetzen” was für dich sein – es geht schon ganz bald an den Start – hüpf gerne auf die Warteliste und sichere dir zum Start einen exklusiven Wartelistenrabatt!

 

Ein Erfahrungsbericht mit der GfK

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„Wenn jemand das, was Marshall Rosenberg sich gedacht hat, weiterführen kann, dann ist das Kathy.”

In meiner neuen Interviewreihe mit der #gfkmitkathy-Community nehme ich dich mit auf eine Reise voller Erfahrungen.

Marshall B. Rosenberg hat die Gewaltfreie Kommunikation theoretisch entwickelt – doch erst durch seine Geschichten hat er sie auf Seminaren, Konferenzen und ähnlichem für Millionen von Zuhörer:innen spürbar werden lassen. Mit seinen Geschichten hat er die Menschen berührt und bewegt.

Die GfK lebendig zu halten ist auch mein großes Ziel. Ich möchte sie sogar (er-)lebbar machen. Das schaffe ich durch so viele Beispiele aus meinem Alltag wie möglich. Mittlerweile gibt es immer wieder Eltern, die durch meine Impulse täglich profitieren und sich bei mir wertschätzend zurückmelden.

Die Gewaltfreie Kommunikation lebt meines Erachtens von genau diesen Geschichten und spürbaren Erfahrungen, und diese Interviews helfen dir neben meinem persönlichen Input aus dem Podcast und von Instagram eben auch die Erfahrung anderer spürbar werden zu lassen.

Im heutigen Interview haben sich meine Assistentin Jennifer und Marny erstmalig austauschen dürfen. Und es war mir ein Fest, diesem Gespräch nach meinem Urlaub zu lauschen.

Marny lebt mit ihren beiden Töchtern (4 und 1) und ihrem Mann in Brandenburg an der Havel.

Sie berichtet von ihren Erfahrungen mit der Gewaltfreien Kommunikation in ihrem Mama-Alltag, mit weiteren Familienmitgliedern und im beruflichen Kontext. Marny studiert Soziale Arbeit und ist Erzieherin und hat viele Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendhilfe.

Auch ihr Mann ist als Kindheitspädagoge offen und nimmt sich viel mit aus dem Wissen, das Marny sich mit dem Hören meines Eltern-Podcasts „Familie Verstehen – das ABC der Gewaltfreien Kommunikation”, meinen Instagraminhalten und nun auch vertiefend mit dem Gewaltfreie Kommunikation Onlinekurs „Mit Kindern in Verbindung” erarbeitet hat.

Lasst uns eintauchen in die Erfahrungen von Marny!

Wie hast du zur Gewaltfreien Kommunikation gefunden?

Ich studiere Soziale Arbeit, daher war mir Marshall Rosenberg schon aus dem Studium bekannt und mir war die Thematik auch nicht ganz fremd.

Doch irgendwie ist der Funke im Studium noch nicht übergesprungen.

Es war zwar interessant. Doch es war mir zu taktisch, prozessual und entfremdet vom Menschlichen.

Aber vor ca. zwei Jahren hat mich eine Freundin angesprochen, dass ich verhältnismäßig oft scheiße” im Alltag sage. Sie wiederum würde darauf verzichten wollen, da sie es mit Gewaltfreier Kommunikation versuchen.

Und da erinnerte ich mich an mein Seminar und hatte das für mich anders im Kopf: dass die Gewaltfreie Kommunikation weniger damit einhergeht, auf Kraftausdrücke zu verzichten.

Und dann recherchierte ich und kam auf Kathy. Kathy hat mich mit ihrer Art mitgerissen und hat mich die Gewaltfreie Kommunikation erfahrbarer werden lassen. Ich habe auch verstanden, es ist weniger strategisch das Modell als solches, sondern vielmehr eine Haltung oder sogar ein Menschenbild.

Mit Kathys Arbeit ist bei mir der Groschen dann gefallen.

Und obwohl wir, mein Mann und ich, vom Fach sind, lernen wir jede Menge dazu. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft mir in meiner Fachlichkeit und auch in meinem alltäglichen Leben.

Und sagst du noch „scheiße“?

Ja. Ich finde, wenn was „scheiße“ ist, darf ich das auch sagen.

Was hat dich in den Bann gezogen und was hält dich am Ball?

Kathy hat für mich eine unglaublich fesselnde Energie.

Und das zieht mich wirklich in den Bann. Tatsächlich sie als Person hält mich am Ball.

Ihre Energie und ihre Beispiele machen es so erfahr- und nachahmbar.

Dass es nicht so das Gefühl von „Ich lerne eine Theorie und versuche diese anzuwenden“ ist – sondern mehr ein Erleben wird.

Ich kann ja fast eins zu eins Sätze übernehmen und mich daran üben. Auch wenn das nicht ihr Ansinnen dahinter ist, hilft mir genau das für den Start, die Technik erfahrbarer werden zu lassen und daraus dann meine eigenen Sätze zu formulieren.

Was hat sich für dich verändert, seitdem du die Gewaltfreie Kommunikation lebst?

Wir haben schon vorher bedürfnisorientiert gelebt.

Durch die GfK wurde ich (selbst)verantwortlicher in meinem Tun und stehe für meine eigene Stimmung und mein Befinden ein.

Es ist kein innerliches Schimpfen mehr auf das Verhalten des Kindes. Es geht mehr ins Beobachten und Erforschen.

Was sehe ich?

Was macht es mit mir? Was kann ich jetzt tun, um meinem Kind sinnvoll zu begegnen?
Das hebt für mich die Verantwortlichkeit im Familienalltag wieder zu den Eltern und weg vom Kind. Auch mein Mann sagte, als ich ihm die Frage stellte, dass er viel reflektierter in (Konflikt-)Situationen gehen kann.

Ich persönlich finde schon alleine den ersten Satz, den ich an mein Kind richte, so wertvoll.
Wenn ich im ersten Satz sage, was ich sehe, statt was ich bewerte, hilft mir das persönlich total dabei, mich in mein Kind reinfühlen zu können.

„Du ärgerst dich“ oder „Ich sehe du hast …”

Dieser erste Satz hilft mir Abstand zu nehmen und raus aus meinem Gefühl, z. B. der Wut, zu kommen.

Oft ist das die Eintrittstür, um auf meine eigene Empathie zugreifen zu können.

Schaffst du das immer? Auf deine Empathie zugreifen zu können?(

Nee.

Ich schaffe es oft. Ich schaffe es auch sehr oft, meinen Mann mit zu involvieren.
Und er lebt das mit mir zusammen, obwohl er noch keine Sekunde was von Kathy Weber angehört hat.

Es „funktioniert” nicht immer – gerade, wenn meine Bedürfnisse nicht gedeckelt sind.
Es ist für mich ein Prozess. Und der wird vielleicht für immer dauern.

Ich habe eine Oma, die ist an Demenz erkrankt, und selbst hier hilft mir die Gewaltfreie Kommunikation für den nötigen Abstand und das Einfühlen in gewissen Situationen.

Was sind deine größten Herausforderungen mit der Gewaltfreien Kommunikation?

Es immer anzuwenden ist meine größte Herausforderung.

Und als Nächstes mit den Blicken der anderen – also von meiner Familie und meinen Freunden – umzugehen.

Unsere Großeltern sind sehr offen, und doch merke ich, wie sie für mich genervt gucken, wenn ich mit meinen Kindern rede.

Ich versuche den Großeltern dann viel zu erklären und doch merken wir, dass es oft noch belächelt wird.

In deren Generation wurde einfach auch nicht diskutiert mit Kindern.

Das schmerzt manchmal, da ich schon gerne unterstützt und gesehen werde in meinem Sein. Mir fehlt da die Anerkennung und Wertschätzung vom Außen.

Ich bin mir bewusst, das kommt aus meiner Kindheit und habe mir dahingehend auch professionelle Unterstützung geholt. Und im Sinne der GfK kümmere ich mich um mich selbst.

Noch bin ich sehr abhängig von den Kommentaren anderer und kann mich auch noch nicht selbst für mein Tun und Sein wertschätzen.

Ich weiß in der Theorie, was ich leiste, doch im Herzen ist es noch nicht angekommen.

Extrem herausfordernd finde ich außerdem Worte für meine Bedürfnisse zu finden.

Am Anfang habe ich dann die Gefühls- und Bedürfniskarte (siehe auch im Shop) genommen und die Bedürfnisse auswendig gelernt, da ich immer nur auf drei Bedürfnisse komme.

Ich hätte da gerne manchmal die kleine Kathy auf meiner Schulter, die mich dann immer noch mal hinterfragt.

Welche drei Bedürfnisse hast du für dich da herausgefunden?

Ruhe/Entspannung, Schlaf und Freiheit im Sinne von eigenen Raum finden.

Was ist dein Lieblingszaubermoment?

Hab ich lange drüber nachgedacht.

Ich finde, dass jeden Tag Zaubermomente passieren. Jeder Tag, wenn meine Tochter mir zeigt, was sie fühlt und braucht, ist für mich ein Zaubermoment. Denn sie hat einen Zugang zu sich selbst, der mir selbst leider verloren gegangen ist.

Sie übernimmt sogar bereits Sätze der Gewaltfreien Kommunikation im Umgang mit ihrer kleinen Schwester.

Und wenn ich einen einzigen Moment nehme, dann ist es folgender:

Als wir frisch nach Brandenburg gezogen sind, haben wir einen Monat hier gewohnt. Am Anfang waren wir viel in der Wohnung. Es war auch kalt hier. Und eines Tages wollten wir mal die Gegend erkunden und hatten uns dann vorgenommen: Heute gehen wir in den Wald.

Zwei Kinder und sich selbst fertigmachen, damit zieht immer ein bisschen Zeit ins Land.
Es gibt auch viele Konflikte zwischen dem Weg vom Bett in den Wald.

Und nach dem fünften begleiteten Konflikt waren wir alle angezogen und meine Tochter sagte in der Situation des Losgehens: „Ich will die Kreide mitnehmen.”

Ich verdrehte die Augen und sagte:
„Wir brauchen die Kreide nicht im Wald. Nein, du nimmst die bitte nicht mit.”

Und dann kam so ein:
„Warum eigentlich nicht?” in meinen Kopf und ich sagte: „Naja komm, nimm sie mit. Wir probieren aus, was wir mit der Kreide im Wald machen können.”

Dann sind wir los und direkt vor der Tür sagte sie:
„Ich will mit Kreide malen.”

Und ich ging in mich, merkte, wir sind erstmal draußen, wir haben Zeit und so sagte ich in Absprache mit meinem Mann:
„Ja mal mit Kreide, fünf Minuten, und dann gehen wir in den Wald.”

Damals waren die „fünf Minuten“ unsere Strategie. Unabhängig davon, dass sie die als Dreieinhalbjährige wohl noch nicht greifen konnte, war das eben unsere Wahl.

Sie malte und malte und wir merkten schnell, wie intensiv sie gerade dabei war und wollten das auch nicht unterbrechen. So ließen wir sie malen und malen.

Am Ende waren es 50 Minuten.

Irgendwann sagte mein Mann: „So, wir gehen jetzt los in den Wald.”

Und sie schaute hoch und sagte nur „nein“ und hat weitergemalt.

Wir merkten: So wird das jetzt nichts. Und dann ging mein Mann bewusst in die Empathieschleife.

„Du findest das gerade richtig super mit dem Malen?“

„Ja.”

„Du würdest gerne ewig weitermalen, weil das so viel Spaß macht?”

„Ja.”

„Und die Farben sind auch so bunt, oder?”

„Ja.”

Nach noch zwei weiteren Fragen und gefolgten „Jas“ meiner Tochter sagte mein Mann dann zu ihr:
„Mir gefällt das gerade richtig gut, zu sehen, wie viel Spaß du hast. Gleichzeitig ist mir jetzt richtig kalt, und ich möchte mich bewegen, damit mir wieder warm wird, und ich habe mich auch so auf den Wald gefreut. Können wir vielleicht doch in den Wald gehen?”

Sie stand auf, klopfte ihre Hände ab und wir konnten in den Wald gehen.

Durch den Raum für ihren Spaß und das Gesehenwerden war sie einfach ganz freiwillig bereit mitzukommen. Das war ein großer Zauber für uns.

Du sagtest, dein Mann hat noch nichts von Kathy angehört, das klingt jetzt schon anders, oder?

Er hat viel von mir angenommen. Ich rede viel und gerne und mit ihm auch über alles. Und habe ihn an meinen Erkenntnissen erst aus dem Podcast und jetzt auch dem Kurs teilhaben lassen.

Er kann es gut annehmen und er will durch seinen beruflichen Hintergrund eben auch wertschätzend leben.

Ich lebe es außerdem aktiv im Alltag allen immer wieder vor, und das wird von beiden angenommen – von meiner Tochter und meinem Mann.

Wo hilft dir die Gewaltfreie Kommunikation deine bedürfnisorientierte Elternschaft zu leben?

Ich bin vor der Gewaltfreien Kommunikation ganz oft über meine eigenen Grenzen gegangen.

Hab mich und meine Bedürfnisse immer nach hinten weggeschoben.

Die Gewaltfreie Kommunikation hilft mir, diese im Alltag immer mehr zu sehen.

Mit der Empathieschleife kann ich mich auch von Gefühlen anderer abgrenzen, dafür bin ich durch meine Hochsensibilität sehr empfänglich.

Ohne die GfK hatte ich oft das Gefühl, dass sich alles gegen mich richtet und Konflikte immer mit mir zu tun haben. Da hilft mir die Gewaltfreie Kommunikation auch sehr.

Fällt dir die Haltung hinter der Gewaltfreien Kommunikation noch schwer?

Nein.

Wo es am meisten Klick gemacht hat, ist in der Grundannahme:

„Ich kann jederzeit meine Meinung ändern.”

Das hat so viel Erleichterung gebracht.

Alleine der Prozess der Elternschaft zeigt mir die ständigen Veränderungen im Leben auf.

Konsequent sein bedeutet für mich nicht mehr, dass ich immer hart sein muss und jeden Tag die gleiche Antwort nutzen muss.

Als Sozialarbeiterin bin ich es auch gewohnt mit Menschen zu arbeiten, die vielleicht dumme Dinge getan haben. Und hier erlebe ich täglich, dass es das ihnen Bestmögliche in dieser Situation war und dass sie Hilfe brauchen. 

Ich weiß gerade durch meine Arbeit: Der Mensch ist und handelt ja nicht ohne Grund so.

Ich verfalle da eher in die Situation und Aufopferung:

„Ich rette alle.”

An die Grenze könnte mich die Haltung der GfK bringen, wenn es an meine eigenen Kinder gehen würde, z. B. Richtung Pädophilie. Es wäre schwierig dann zu leben, dass „jeder sein Bestmögliches tut”. Gleichzeitig wüsste mein fachlicher Verstand, dass auch diese Menschen Hilfe brauchen.

Ich merke auch, dass genau diese Grundannahme mich zwickt, wenn meine Große trotz Absprache körperlich gegenüber der Kleinen wird.

Welche Frage würdest du Kathy gerne stellen?

Mein erster Impuls war: „Möchtest du meine Freundin sein?”

Dann dachte ich, das wäre vielleicht etwas schnell und viel. Doch vielleicht so was wie:

„Können wir gemeinsam einen Kaffee trinken?”

Kathy sagte mal auf die Frage „Wer ist dein Vorbild?”: „Ich habe keine Vorbilder.”

Für mich ist es schon irgendwie Kathy. Und sie daher mal live zu erleben und gemeinsam mit ihr schnattern zu können, das wäre schön.

Kathys Antwort!

Liebe Marny, danke dir für deine Offenheit und deine Wertschätzung mir und meiner Arbeit gegenüber.

Deine Worte und Erfahrungen haben mich zutiefst berührt.

Gerne bin ich dein GfK-Kumpel und ich arbeite im Hintergrund, sobald es Corona zulässt, auch an der Möglichkeit meine Community live – in echt und in Farbe – kennenzulernen.

Darauf freu ich mich schon jetzt – und da wird definitiv geplaudert.

Alles Liebe,

Unterschrift Kathy Weber in lila

Gewaltfreie Kommunikation einfach erklärt

Gewaltfreie Kommunikation Header

In Konflikten zwischen dir und deinem Kind, z.B. beim Anziehen (siehe auch Artikel zur Giraffensprache) oder Zähneputzen (siehe auch Artikel: Gewaltfreie Kommunikation – Ein Beispiel der Giraffensprache beim Zähneputzen) kann dich die Gewaltfreie Kommunikation (kurz: GfK) unterstützen. Sogar in der Kommunikation mit deinem Partner:in, deinen Eltern und allen anderen Mitmenschen.

Die Gewaltfreie Kommunikation kann dich auf allen Ebenen bereichern. Hast du sie einmal in dein Herz gelassen, wird sie viel mehr Leben und Verbindung einziehen lassen.

Und genau das hat mich von Beginn an fasziniert. Was die GfK genau ist, wie ich zur GfK gefunden habe und wer Marshall B. Rosenberg ist erfährst du hier im Folgenden.

Gewaltfreie Kommunikation - Was ist das genau?

Die Gewaltfreie Kommunikation wird oft als Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess definiert und gelehrt.

Für mich ist sie viel mehr – Sie ist eine Lebensweise, denn neben der Technik – den sogenannten 4 Schritten –geht es in dem Modell von Marshall B. Rosenberg um die Haltung zu mir selbst, zu anderen Menschen und eigentlich zu allen Lebewesen. Die GfK geht davon aus, dass alles, was wir tun, uns dazu dient uns Bedürfnisse zu erfüllen. Und Bedürfnisse sind wiederum das, was wir zum Leben brauchen. Klingt erstmal logisch und einfach.

Doch Auswahl an Strategien zur Erfüllung unserer Bedürfnisse bergen dann wiederum Konfliktpotenzial. Daher beginnt die GfK immer bei uns und dem Erforschen unserer Bedürfnisse mittels der vier Schritte (später mehr dazu).

Entwickelt wurde die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg. Er ist amerikanischer promovierter Psychologe mit jüdischen Wurzeln und Autor etlicher Bücher.

Nach seinem Studium wurde er zum Konfliktmediator und Gründer seiner Non-Profit-Organisation „The Center of nonviolent Communication“, kurz CNVC und übersetzt ins Deutsche mit Gewaltfreie Kommunikation.

Doch für viele war er viel mehr – eher eine Art – „Geschichtenerzähler, dessen Geschichten man nicht vergisst“. So beschreibt ihn Gabriele Seils in ihrem Buch „Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation“. Bedauerlicherweise habe ich keine Chance gehabt, Marshall B. Rosenberg persönlich zu treffen und kenne ihn nur aus seinen Büchern und aus Onlinevideos. Doch seine Geschichten als Mediator in Kriegsgebieten oder Haftanstalten gingen mir unter die Haut.

Wie kam Marshall B. Rosenberg zur Gewaltfreien Kommunikation?

Er ist in Detroit aufgewachsen und hat dort ganz eigene Erfahrungen mit Gewalt als weißer Jude zu einer Zeit großer Rassenkonflikte gemacht.

Er hat dort viele rassitische Konflikte miterlebt – und eben auch unterschiedliche Umgangsweisen damit. Aus der Frage heraus:

“Wie kann es sein, dass Menschen sich in Konfliktsituationen unterschiedlich behandeln – die einen mit Gewalt und die anderen mit Empathie?” – entwickelte er schließlich die ersten Ansätze der Gewaltfreien Kommunikation.

Worauf gründet sein Modell?

Marshall B. Rosenberg hatte sozusagen zwei Mentoren, die ihn persönlich, mental oder auch nur fachlich anhand ihrer Lehren in seiner Forschungsarbeit begleitet haben Er involvierte ihre Thesen und Arbeiten in seine Forschung und baute sie weiter aus.

Das waren zum einen sein Lehrer Carl Rogers und dessen Arbeiten zur klientenzentrierten Psychotherapie sowie die Lehren zur „Gewaltfreiheit“ von Mahatma Ghandi. Aus beiden Lehren entwickelte er einen spezifischen Zugang zur Kommunikation über das Sprechen und Zuhören und nannte dieses Modell in seiner Forschungsarbeit Nonviolent Communication.

Der heute etwas sperrige und oft diskutierte Begriff Gewaltfreie Kommunikation stammt also aus der Begriffsfindung seiner Forschungsarbeiten und blieb dann einfach bestehen und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Die Ziele der GfK

In seinem Buch nennt Marshall B. Rosenberg die GfK selbst auch die „Einfühlsame Kommunikation“ und beschreibt sie als eine „sprachliche und kommunikative Fähigkeit, die unsere Möglichkeiten erweitert, selbst unter herausfordernden Umständen menschlich zu bleiben.“ (Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens, Marshall B. Rosenberg, S. 22.)

Er lädt mit seinem Modell in verständlichen Schritten dazu ein aus gewohnten und automatischen Verhaltensmustern auszusteigen und bewusst wahrzunehmen, was wir fühlen und brauchen, um in eine einfühlsame Verbindung mit uns und unserem Gegenüber zu kommen.

Für mich persönlich ist das Ziel, mit der Gewaltfreien Kommunikation Konflikte so zu lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen, und gemeinsam (kreative) Strategien zu finden, mit denen alle Beteiligten ok sind.

Das bedeutet verstehen und verstanden zu werden, Gefühle und Bedürfnisse zu erforschen und gemeinsam im Gespräch Strategien und Kompromisse zu finden und in die freiwillige Kooperation zu kommen statt den Wettbewerb oder Machtpositionen zu stärken.

Ich lade dich dazu ein, weg von einem „richtig und falsch“ oder einem „man macht das so“ zu kommen und herauszufinden, – wie es für dich möglich wird, dass sowohl deine als auch die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder erfüllt werden können.

Wie funktioniert die Gewaltfreie Kommunikation?

Die Gewaltfreie Kommunikation besteht aus der Haltung bzw. den so genannten Grundannahmen und der Technik (bekannt als vier Schritte). Für mich gibt es kein “Funktionieren” der GfK, sondern ich lebe sie. Alles andere wäre für mich manipulativ.

Was ist die Haltung hinter der Gewaltfreien Kommunikation?

Marshall B. Rosenberg geht in seinem Modell unter anderem davon aus, dass wir Menschen alle die gleichen Bedürfnisse haben und wir zur Erfüllung dieser selbst verantwortlich sind.

Auch, und daran glaubte er aus tiefstem Herzen seit seinen eigenen Gewalterfahrungen, dass wir Menschen unserem Wesen nach gerne alle zum Gemeinwohl beitragen möchten und stets mit unserem Handeln das uns gerade Bestmögliche tun, um uns eines unserer (unerfüllten) Bedürfnisse zu erfüllen.

Die vier Schritte der GfK

Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation bilden die Technik in dem Modell und stehen oft im Vordergrund. Viel wichtiger als die reine Abfolge der Schritte ist die Haltung hinter der Technik wie z.B., dass Gefühle Auslöser, jedoch keine Ursache sind, oder dass wir selbst für unsere Bedürfnisse verantwortlich sind.

Das können wir zunächst in der Stille – in der sogenannten Selbsteinfühlung – für uns erforschen, bevor wir verbal mit der Fremdeinfühlung an unser Gegenüber herantreten.
Sind wir mit uns verbunden, können wir uns auch authentisch mit anderen verbinden.

Wie sehen nun die vier Schritte aus?

Warum gerade Gewaltfreie kommunikation? So hat es mich überzeugt

Ich werde oft gefragt:

„Kathy, wie kamst du zur Gewaltfreien Kommunikation und wie ist dein Werdegang?“

Hier möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine langjährige Reise mit der GfK geben.

Ich war gerade 26 Jahre alt und hatte frisch als Moderatorin eine eigene Kindersendung ergattert – als ich ungeplant schwanger geworden bin.

Und das, obwohl ich eigentlich nie Kinder haben wollte. Heute bin ich unfassbar dankbar, dass ich in dieser Zeit meine Meinung dazu ändern und dann das Leben annehmen konnte, wie es kam.

Ich konnte mich dann auf meinen Sohn freuen, und wenn ich mich damals anders entschieden hätte, dann hätte ich vermutlich heute noch keine Kinder.

Durch meine mir damals spürbaren Wunden aus Familienkonflikten, zum Beispiel dem Liebesentzug meines Papas, und auch meiner für mich extremen Mobbingerfahrung in der Schulzeit – hab ich mich bewusst fragen können: Was für eine Mama möchte ich für meinen Sohn sein? Und für mich stand fest – ich möchte es anders machen.

Ich wollte das „anders machen wollen“ hinterfragen und habe angefangen, wie es mein Naturell ist, mich mit Menschen darüber zu unterhalten. Ich wollte einfach eine Idee haben – wie ich als Mama es anders machen kann als meine Eltern.

Und so kam es, dass ich bei meiner Heilpraktikerin war und ihr meine Gedanken mitgeteilt habe. Sie hat mich dann auf die Gewaltfreie Kommunikation gestoßen, und von da an hat mich die Gewaltfreie Kommunikation gefesselt.

Durch die ungeplante Schwangerschaft mit meinem Sohn habe ich – oder hat mich die GfK finden dürfen.

Und auf meiner langjährigen Reise von der Schwangerschaft über unsere Patchworkfamilie und auch die intensivsten Gefühle mit unserer Tochter (5) habe ich mich immer mehr mit mir verbinden können und habe meine ganz eigenen Wege als Mama gefunden.

Ich habe mich damals ganz anders kennenlernen dürfen – bin in tiefe Verbindung zu meinen Eltern, meinem Sohn und mit mir gekommen.

Ich glaube fest daran: Wenn wir den Zugang zu uns und unserem mitfühlenden Wesen wiederfinden und vertiefen, dass dann so viel mehr Liebe entstehen kann und sich vieles friedvoll(er) ändern lässt – im Kleinen wie im Großen.

Im Familienalltag gibt es immer wieder Herausforderungen des Lebens.
Hier ist es die Kunst – immer wieder zu schauen, wie guck ich auf mich, auf die Menschen und auf die Welt um mich herum.

Heute kann ich sagen: Ich lebe die GfK aus tiefstem Herzen und bin sehr dankbar einen Weg gefunden zu haben, sie heute sogar beruflich leben zu dürfen.

Und so wendest du es an - Gewaltfreie Kommunikation in einem Praxisbeispiel mit Kindern

Gewaltfreie Kommunikation - Wie du aus einer Bewertung eine reine Beobachtung machen kannst

Gerne möchte ich dir hier einmal ein Praxisbeispiel geben mit meiner eigenen Selbsteinfühlung anhand eines Beispiels aus meinem Leben und den oben genannten vier Schritten.

Beachte: Ich lebe die GfK seit fast 15 Jahren. Es bedarf einiges an Übung und Geduld. Doch es ist möglich diesen Zauber auch selbst zu erleben.

Außerdem habe ich mich in dieser Situation bewusst der Selbsteinfühlung hingeben können, aufgrund meiner langjährigen Übung, meines Energielevels in dem Moment UND weil keine Gefahr in Verzug bestand.

Folgendes habe ich mit meiner Tochter (5) also erleben dürfen: 

Zusammenfassung

Meinen Weg am Anfang mit der Gewaltfreien Kommunikation vergleiche ich oft mit einer Gehirnwäsche.

Ich meine das positiv. Ich wollte was ändern. Ich wollte gewisse Gedanken umformen, damit ich anders handeln kann.

Ich habe mich damit beschäftigt, was welche Wörter auslösen können.
Was bedeutet bedürfnisorientiert bzw. bedürfnisorientierte Erziehung (Elternschaft) für mich?

Mir wurde nach und nach bewusst, dass ich am Ende aller Fragen immer bei mir selbst landete.

Denn du kommst nur in die Verbindung zu anderen, wenn du sie zu dir hast.

Die GfK kann kein Tool sein – da sie so viel mehr auslösen kann, und dann wird es ein Prozess, um in erster Linie mit sich in Verbindung zu kommen. Und das kann dann sogar ein lebenslanger Prozess sein. Für mich gibt es kein Ende in diesem Prozess – und daher ist die Gewaltfreie Kommunikation für mich eine Lebensweise.

Konflikte dürfen sein, wir dürfen uns reiben, das ist das Leben. Wir brauchen Reibung sogar, damit wir Grenzen erfahren. Grenzen dienen unserem Schutz und der Geborgenheit und in geschützter und sicherer Umgebung sind wir bereit zu wachsen.

Lasst uns Konflikte als eine Einladung sehen uns mit uns zu verbinden und unsere Welt im Kleinen immer friedvoller und freundlicher zu gestalten.

Du möchtest lernen, die Gewaltfreie Kommunikation richtig anzuwenden?

Die Gewaltfreie Kommunikation zu leben ist, wie schon gesagt, ein Prozess. Und für diesen gibt es kein Richtig oder Falsch.

Um dich in deinem Prozess mit der Gewaltfreien Kommunikation bestmöglich zu begleiten – dafür stehe ich dir mit der KathyWeberHerzenssache zur Seite.

Hole dir gerne im ersten Schritt mein gratis EBook “Gewaltfreie Kommunikation in Kindersprache” sowie das gratis Workbook “Wertschätzende Kommunikation mit deinem Kind”.
In meinem Podcast erfährst du regelmäßig nützliche Tipps und Impulse und kannst dir Schritt für Schritt das aus meinen Angeboten raussuchen, was dich in deinem persönlichen Prozess bestmöglich unterstützt.

Ich nehme dich mit meinen Impulsen an die Hand, lade dich zum Umdenken an und sitze in schwierigen Situationen gerne imaginär auf deiner Schulter als innere Begleitung. 😉

Viel Freude bei der Umsetzung!