Bedürfnisorientierte Erziehung – das gehört dazu

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Ich höre aus meiner #gfkmitkathy-Community oft Sätze wie “Danke Kathy, durch dich durfte ich erfahren, was bedürfnisorientiert wirklich bedeutet.” oder “Die Gewaltfreie Kommunikation ist für mich die Sprache der Bedürfnisorientierung.”

Ich bin so dankbar, dass meine Arbeit zu solchen Erkenntnissen und Erfahrungen führt.

Doch was ist die Bedürfnisorientierte Erziehung eigentlich? Wie kannst du sie leben? Was ist meiner Meinung nach das größte Missverständnis in der Bedürfnisorientierten Erziehung?

Warum möchte ich persönlich auf das Wort Erziehung verzichten und was das eine mit dem anderen zu tun?

All das erfährst du jetzt. 

Was ist bedürfnisorientierte Erziehung?

Ich rolle das Feld mal von hinten auf mit den für mich größten Missverständnissen.

Eines der für mich größten Missverständnisse der modernen Elternschaft ist, dass viele denken, es ginge in der Bedürfnisorientierten Elternschaft nur darum, die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen – und zwar immer und am besten sofort.

Das kann langfristig fatale Folgen haben, die du dann am Verhalten der Kinder und auch an deinem eigenen feststellen kannst. Die Kinder werden dadurch nämlich zu Tyrannen und du zu einer Art Zombie mit Mutter-Burnout.

Aufgrund dieses Missverständnisses sind am Ende weder die Bedürfnisse der Kinder noch der Eltern erfüllt – alle sind überfordert und es ufert letztlich aus – komplett am Ziel der Bedürfnisorientierung vorbei. Doch warum geschieht das?

Bedürfnisorientierte Erziehung kommt ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum.

Bereits in den 80ern hat der amerikanische Kinderarzt William Sears seine Lehren zum “Attachment Parenting” erarbeitet.

Ins Deutsche wurde das dann in meinen Augen unglücklicherweise in “Bedürfnisorientierte Erziehung” übersetzt.

Ich persönlich ersetze das Wort “Erziehung” lieber durch “Elternschaft”, vom englischen Begriff “Parenting” abgeleitet und wörtlich übersetzt.

Und schwupps wird es für mich persönlich schon offensichtlich, um welche Bedürfnisse es gehen wird.

Doch ist es wirklich nur ein Übersetzungsfehler? Oder doch eher ein Verständnisproblem?

Nehmen wir den Begriff Bedürfnisorientierte Elternschaft mal auseinander

“Bedürfnisorientiert” bedeutet für mich, alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Alle Bedürfnisse sofort erfüllen zu müssen, steht erstmal nirgends.

Das Wort Elternschaft – hier steht eindeutig Eltern.

Für mich sind die Eltern verantwortlich dafür, ihre eigenen Bedürfnisse und die der Kinder im Blick zu haben. Als Erwachsene passen wir darauf auf, das alles im Lot ist.

Im Begriff “Elternschaft” findet sich nicht einmal das Wort “Kind:er” – daher wundere ich mich, warum dieses Missverständnis so hartnäckig besteht.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass es in der Bedürfnisorientierung auch darum geht, auf Belohnung und Bestrafung zu verzichten – auf gar keinen Fall autoritär sein zu wollen und dadurch der Fokus auf die Kinder fällt?

Keine Ahnung – auf jeden Fall ist mir hier schonmal wichtig zu erwähnen, dass Bedürfnisorientierte Elternschaft weder autoritär noch antiautoritär ist.

Beides wäre für mich ein Missbrauch der elterlichen Macht – die wir als erwachsene und ausgereifte Menschen den Kindern gegenüber haben.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft die goldene Mitte dieser beiden Richtungen.

Es ist genau das, was Kinder brauchen und ebenso wir als Eltern.

Warum sollte ich überhaupt bedürfnisorientiert erziehen? - Das spricht dafür

Ich will meine Kinder so begleiten, dass sie ihr mitfühlendes Wesen immer weiter entwickeln können – sowohl für sich als auch für andere.

Sie sollen lernen, ihre Bedürfnisse im Blick zu haben und zu erfüllen. Dadurch werden sie bereit sein, freiwillig zum Wohle anderer beizutragen.

Außerdem wollen wir Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen.
Tauchen wir einmal in dieses Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen ein:

Nun denkst du vielleicht:

“ABER ich kann doch nicht immer die Bedürfnisse aller sofort erfüllen.”

Wenn wir einen Konflikt haben, sind bei den Beteiligten mehrere Bedürfnisse unerfüllt.

Diese finden wir heraus und überlegen gemeinsam eine Vorgehensweise, um alle Bedürfnisse im Blick zu haben.

Manche werden dann zuerst erfüllt, andere danach.

Manchmal reicht dieses Wahrgenommen werden sogar schon aus, um unerfüllte Bedürfnisse zu erfüllen. Dadurch wächst unter anderem sogar die Bereitschaft bei uns und bei unseren Kindern, auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse warten zu können.

Wir finden gemeinsam eine Lösung, die für alle ok ist! Und das darf auch mal länger dauern oder sich über mehrere Tage oder Wochen hinziehen – von sofort war nie die Rede.

Wir wünschen uns also, dass unsere Kinder die Fähigkeit erlernen, sowohl in Schule und Beruf als auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zuhören zu können.

Sie lernen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und gemeinsam mit ihrem Gegenüber Strategien zur Konfliktlösung zu finden, die für alle Beteiligten passend sind.

Wenn unsere Kinder damit groß werden, dann fördert das unter anderem ihre Autonomie, Selbstwirksamkeit sowie das Verständnis für ihre Mitmenschen.

Darüber hinaus wird dein Kind Konflikte und zwischenmenschlichen Austausch als eine Bereicherung erleben dürfen statt als Bedrohung.

Das wiederum stärkt den Selbstwert deines Kindes ungemein.

Was ist wichtig dabei & worauf sollte ich achten?

Zuallererst: Du sollst gar nichts ;).

Du bist herzlich eingeladen, die kommenden Impulse auf dich wirken zu lassen. Nimm mit, was sich für dich gut anfühlt und lass das liegen, was unpassend scheint.

In der bedürfnisorientierten Elternschaft geht es darum, die Bedürfnisse aller im Blick zu haben und Lösungen für die Erfüllung dieser zu finden.

Ob sofort eine Lösung gefunden wird oder mit der Zeit, hängt von der Wichtigkeit bzw. Notwendigkeit des Bedürfnisses in dem Moment ab.

Für Kinder ist es lebensnotwendig, dass ihre Eltern sich um ihre Bedürfnisse kümmern.

Denn erst dann sind sie in der Lage, sich verantwortungsbewusst um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern.

Wessen Bedürfnisse stehen also an erster Stelle? Deine. Das ist genauso wichtig für dich, wie auch für deine Kinder.

Erst wenn du mit dir in Verbindung bist, kannst du mit anderen in Verbindung treten. Nur wenn dein Bedürfnis nach Liebe erfüllt ist, kannst du auch andere lieben.

Was sind Bedürfnisse eigentlich?

Bedürfnisse sind das, was alle Menschen zum Leben und zum Überleben brauchen.

Für die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Kinder sind wir selbst verantwortlich, sowie auch für die eigenen.

Und es gibt viele unterschiedliche Strategien, mit welchen wir Bedürfnisse erfüllen können.

Doch die Bedürfnisse sind bei allen, dieselben. Wenn auch situationsbedingt natürlich immer wieder in einer anderen Priorität.

Doch wir haben grundsätzlich alle dieselben Bedürfnisse.

Bedürfnisse sind nicht verhandelbar und unterliegen auch nicht dem freien Willen, sie sind das, was wir zum Leben brauchen.

Sie sind biologisch notwendig!

Wünsche hingegen – sind “nice to have” und im Prinzip mögliche Strategien, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Wünsche können erfüllt werden, doch ihre Erfüllung ist nicht lebensnotwendig. Sie sind individuell ausgerichtet.

Ich brauche Nahrung – die Strategie wäre zur Erfüllung was zu essen – ich kann mir Spaghetti wünschen.

Warum mache ich diesen Unterschied? Weil beides gerne in einen Topf geschmissen wird und ein weiteres Missverständnis der Bedürfnisorientierten Elternschaft besteht.

Wichtig:

Es geht darum, was Kinder und Eltern brauchen, weniger um das, was sie sich wünschen. Und schon gar nicht um eine permanente Erfüllung der Wünsche.

 

Und wie geht das nun mit der bedürfnisorientierten Elternschaft?

Durch das reine Vorleben und spielerische Schulen des Gefühls- und Bedürfniswortschatzes können wir schon einen Riesenschatz weitergeben.

Doch auch wenn wir selbst einen schweren Zugang zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen finden, können wir diese gemeinsam mit unseren Kindern erforschen.

Wir können mit dem Benennen von unseren Gefühlen und Bedürfnissen wie auch dem Erfragen und Herausfinden derer unserer Kinder – in Verbindung kommen mit uns und unseren Kindern.

Dabei helfen dir die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation.

Im Alltag können tägliche Rituale z.B: Bettzeit dazu genutzt werden, um über den Tag und die erlebten Gefühle zu reflektieren.

Auch können nach Konflikten die Situationen nochmal aufgenommen werden – um entsprechend über die Gefühle die Bedürfnisse eines jeden Beteiligten zu erforschen und damit direkt die Empathie eines jeden zu stärken.

Ist das das Richtige für mich und meine Familie?

Ob es das Richtige für dich ist, kannst nur du dir beantworten. Doch wenn du meine Arbeit verfolgst, hier diesen Blog liest, dann möchtest du aller Voraussicht nach etwas anders machen.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft der einzige Weg, wie mit meinen Kindern leben und sie begleiten möchte.

Was wäre auch die Alternative? Doch autoritär oder antiautoritär zu erziehen?

Mit Belohnung und Bestrafung? Davon will ich persönlich weg (siehe auch mein Workbook “Wertschätzende Kommunikation mit deinem Kind”).

Viel zu schmerzhaft sind mir eigene Erinnerungen im Gedächtnis.

Genau diese wollte ich durchbrechen und habe für mich den Weg mit der Gewaltfreien Kommunikation gefunden.

Für mich gibt es keine Alternative, keine andere “Methode”

So kannst du bedürfnisorientierte Erziehung umsetzen

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation die Übersetzungsmöglichkeit, um überhaupt in die Bedürfnisorientierte Elternschaft zu kommen.

Durch die Gewaltfreie Kommunikation komme ich mit mir in Verbindung und dadurch auch erst authentisch und echt mit meiner Familie. Ich kann Konflikte mit der Weile wirklich als Geschenk betrachten und dies meinen Kindern Vorleben.

Ich bin verdammt stolz darauf, von welchen Glaubenssätzen und Gedankenmustern ich mich schon befreien konnte.

Auch darauf, welche Ansätze ich meinen Kindern nicht mehr mitgebe und bin gleichzeitig gespannt, was sie mir später erzählen werden und was sie selbst anders machen wollen.

Meine Kinder gehen bereits in ihren jungen Jahren ganz anders mit Konflikten um, als ich das in ihrem Alter tun konnte.

Ich liebe es – wenn sie zu mir kommen und sagen:

“Mama, finden wir dafür eine Lösung?”

Denn genau das tun wir – wir finden immer eine Lösung – und manchmal darf das auch dauern.

Fazit

Ich habe für dich hoffentlich aufschlüsseln können, was bedürfnisorientierte Elternschaft ist, was nicht und wie du sie selbst leben kannst.

Für mehr Tiefe mit der gewaltfreien Kommunikation:

Höre gerne in meinen Podcast rein, stöbere durch den Blog oder meine Instagram Highlights.

Auch gebe ich dir noch mein gratis EBook “Gewaltfreie Kommunikation in Kindersprache” an die Hand – es ist sowohl für dein Kind als auch dich eine Unterstützung.

Werdet gemeinsam Bedürfnisforscher.

Lasst uns gemeinsam die Welt ein wenig freundlicher gestalten.

Das Thema Elterliche Macht habe ich hier jetzt ausgelassen und doch bleibt es ein unglaublich sensibel und enorm wichtiges Thema in der Bedürfnisorientierten Elternschaft- falls du nun tiefer eintauchen möchtest, könnte mein neues GFK-Videotraining “Elterliche Macht fürsorglich einsetzen” was für dich sein – es geht schon ganz bald an den Start – hüpf gerne auf die Warteliste und sichere dir zum Start einen exklusiven Wartelistenrabatt!