Kita-Eingewöhnung – 8 Tipps, um sie dir und deinem Kind zu erleichtern

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Die Eingewöhnung in die Kita ist in den allermeisten Familien die erste Trennung von Kind und Eltern überhaupt. Diese erste Trennungserfahrung bereitet den Weg für alle weiteren Trennungserlebnisse, die das Kind später im Leben haben wird: bei der Einschulung, bei Umzügen und vielem mehr.

Kein Wunder, dass das auf beiden Seiten oft Stress verursacht. Dazu kommt: Es gibt kein Patentrezept. Jedes Kind ist anders, jede Mama ist anders, jeder Papa ist anders.

Und trotzdem gibt es einige Hilfestellungen, um uns und unserem Kind die Kita-Eingewöhnung einfacher zu machen.

In diesem Artikel möchte ich dir Impulse geben: Erfahre alles Wichtige zur Kita-Eingewöhnung und 8 hilfreiche Tipps, wie du die Eingewöhnung für alle Seiten so angenehm wie möglich gestalten kannst.

Die Frage ist dabei immer: Was brauchst du und was braucht dein Kind, damit du dein Kind einfühlsam und bedürfnisorientiert begleiten kannst? Daraus kann bei dir das Gefühl entstehen, dass du die Trennung auch als Geschenk wahrnehmen, mit der Trennung wachsen darfst.

Wieso ist die richtige Eingewöhnung in die Kita so wichtig?

Die ersten Tage in der Kita sind für unsere Kinder die ersten Trennungserfahrungen in ihrem Leben.

Als Mama und Papa sind wir die ersten und wichtigsten Bindungspersonen für unser Kind. Die Kita-Eingewöhnung ist der erste Schritt aus der Kernfamilie heraus, der erste Schritt in das große Leben.

Damit diese Erfahrungen positiv und gut für unser Kind sind, können wir es bei der Eingewöhnung bedürfnisorientiert begleiten. Das macht es unserem Kind leichter, sich sicher zu fühlen und in der Kita gut anzukommen.

Ganz wichtig in der bedürfnisorientierten Begleitung der Kita-Eingewöhnung: Sie berücksichtigt auch die Bedürfnisse der Eltern.

Wie funktioniert die Eingewöhnung in die Kita eigentlich? Der Ablauf und die erste Trennung

Oft werde ich gefragt, ab welchem Alter die Eingewöhnung in die Kita aus Sicht der Bedürfnisorientierung überhaupt „okay“ ist. Ich glaube, dass es darauf keine allgemeinverbindliche Antwort gibt. In der Bindungstheorie geht man davon aus, dass das Kind im ersten Lebensjahr seine Beziehung zu seinen wichtigsten Bezugspersonen, also meistens Mama und Papa, stärkt und ausbaut. 

Und dass das wichtig und wertvoll ist. Gleichzeitig kann sich die gestärkte Bindung nach Ende des ersten Lebensjahres darin äußern, dass das Kind sich nur schwer von Mama und Papa trennen kann.

Der beste Zeitpunkt für die Kita-Eingewöhnung ist vor allem das: sehr individuell. Es geht ja auch um die Bedürfnisse der Eltern.

Vielleicht hast du als Mama im ersten Lebensjahr deines Kindes in erster Linie das Bedürfnis, viel Zeit mit deinem Kind zu verbringen. Im zweiten Lebensjahr deines Kindes ändert sich eventuell das Bedürfnis, du möchtest zurück in die Arbeit oder mehr Zeit für dich haben. Ich lade dich ein, genau hinzuschauen und dich einzufühlen: Wie geht es dir damit, wie geht es deinem Kind damit?

Und das kann sich immer wieder ändern. Wir sind es gewöhnt, dass wir meinen, einmal getroffene Entscheidungen „durchziehen“ zu müssen . „Wir müssen da jetzt durch“ ist dann möglicherweise so ein Gedanke. Wenn du dich schlecht damit fühlst und sich dein Kind damit schlecht fühlt, gibt es bestimmt einen anderen, einen besseren Weg. 

Ich glaube, dass wir davon wegkommen sollten, einen Schritt zurück als Scheitern, als Aufgeben zu bewerten. Ein viel besserer Gedanke für die Kita-Eingewöhnung wäre: „Alles kann, nichts muss.“ Dieser Gedanke nimmt Druck weg. Und zwar völlig unabhängig vom Alter des Kindes.

Das Warum klären

Wenn ich gefragt werde:

„Kathy, was hältst du für denn wichtig , um die Kita-Eingewöhnung vorzubereiten?“

, dann sage ich gerne:

„Kläre dein Warum.“

Also: Warum möchte ich mein Kind in die Kita geben? Das finde ich deswegen so wichtig, weil unsere Kinder Eltern brauchen, die wissen, was sie tun und warum sie es tun. Im besten Fall vermeiden wir so, dass wir später ins Überlegen kommen, ob wir das Kind doch wieder aus der Kita nehmen und die Eingewöhnung abbrechen sollen. Denn unser Kind spürt unsere Unsicherheit. 

Das heißt: Bevor ich mit der Eingewöhnung starte, bin ich mir völlig über das Warum im Klaren.

Hinter dem Warum verstecken sich Bedürfnisse. Das kann das Bedürfnis nach Unterstützung sein, nach finanzieller Sicherheit, nach Entspannung, nach Leichtigkeit, nach Selbstbestimmung und so vielem mehr. 

Das klingt vielleicht egoistisch. Und doch: Unsere Kinder brauchen Eltern, die selbstbestimmt handeln und wissen, dass sie sich auch um sich selbst kümmern dürfen.

Du kommst bei der ehrlichen Beantwortung der Frage nach deinem persönlichen Warum zu dem Ergebnis: 

„Eigentlich möchte ich mein Kind ja lieber selber betreuen“? 

Das ist völlig in Ordnung! In unserer Gesellschaft ist heute so viel Druck … Du kannst Druck empfinden, dein Kind selbst zu betreuen, obwohl du persönlich etwas anderes möchtest. Womöglich spürst du Druck, dein Kind in die Betreuung zu geben, obwohl es deinen Bedürfnissen und Wünschen widerspricht. Spüre hin, was du wirklich brauchst.

Mir ist klar, dass die Realität manchmal anders ist; dass Eltern beispielsweise meinen, in den Beruf zurückkehren zu müssen , bevor sie selbst zur Trennung von ihrem Kind bereit sind. In solchen Fällen kann ich nur laut rufen: „Wir müssen nicht . Du musst nichts machen. Du findest eine Lösung, selbst wenn es ein harter Weg wird.“

Ich habe meine Tochter auch schon mal aus einer Eingewöhnung rausgenommen, weil es für uns ganz schlecht funktioniert hat. Wir hatten es für uns anders geplant, und es war eine riesige Herausforderung für die ganze Familie, dann drei Monate ohne Kita zu gestalten. Und doch bin ich im Nachhinein so stolz auf uns, wie wir das alle gemeinsam geschafft haben.

Was brauche ich dafür?

Wenn wir unser Warum geklärt haben, ist aus meiner Sicht der nächste Schritt zu fragen:

„Was brauche ich dafür, damit diese Eingewöhnung für mich machbar ist?“

Ich bin also immer noch bei mir selber! Vielleicht brauchen wir Klarheit, Orientierung, Vertrauen, Sicherheit, Ruhe…Auf Grundlage dieser Bedürfnisse können wir Strategien sammeln, was wir als Eltern machen können, um die Kita-Eingewöhnung zu erleichtern.

Bei einer Begehung kannst du dich vorab schon sehr gut über die Konzeption der Kita informieren und nach welchen Modellen in der Einrichtung gearbeitet wird. Bei Elternabenden und Vorgesprächen stehen dir die Erzieher:innen für Fragen zur Verfügung.

Ein Vorschlag könnte sein: Schreibe eine Liste mit Fragen, die du im Zusammenhang mit der Kita-Eingewöhnung hast. Schäme dich für keine Frage – du brauchst die Liste keinem zu zeigen. Es ist deine Liste. Im nächsten Schritt kannst du überlegen:

Wo bekomme ich Antworten? Du kannst Fragen an die Kita stellen. Du kannst dir im Vorfeld entwicklungspsychologische Beratung holen: Ist mein Kind bereit für die Kita, ist es die richtige Kita für mein Kind? Gut ist es, wenn du mit deinem Partner, vielleicht auch deiner Familie auf einer Linie bist – das sorgt für Rückhalt.

Du kannst zusätzlich eine Liste mit Erwartungen machen:

Welche Vorstellungen habe ich von der Eingewöhnung und vom Alltag in der Kita? Das macht es leichter, transparent und fair mit den Erzieher:innen zu kommunizieren.

Bei allen Fragen und Ängsten möchte ich dich einladen, offen und wertschätzend auf die Kita, auf die Erzieher:innen zuzugehen. Sieh sie als Teil deines Unterstützernetzwerks, das dir dein Familienleben in Zukunft erleichtert.

Deine Familie und die Kita, ihr spielt ja künftig im gleichen Team. Deshalb würde ich vorschlagen, dass du im Erstgespräch dir auch erst einmal anhörst, was die Erzieher:innen zu sagen haben, bevor du ihnen deine Erwartungen und Vorstellungen mitteilst.

Du kannst dir die Beziehungen bei der Kita-Eingewöhnung wie ein Dreieck vorstellen:

Es gibt das Kind, es gibt die Familie und es gibt die Erzieher:innen. Zwischen all diesen drei Komponenten werden Beziehungen, wird Vertrauen aufgebaut, damit die Eingewöhnung und die Zusammenarbeit gut klappen.

Du und dein Kind, ihr habt schon eine starke Beziehung. Nun gilt es, gute Beziehungen zwischen Eltern und Kita-Personal sowie zwischen Kind und Erzieher:innen aufzubauen.

Was, wenn du andere Vorstellungen von der Eingewöhnung hast als das Kita-Personal?

Vielleicht hast du Sorge, dass es so laufen könnte:

Erster Tag der Kita-Eingewöhnung, die Erzieherin sagt, dass du jetzt eine Viertelstunde rausgehen sollst. Dein Kind weint und möchte, dass du bleibst. Die Erzieherin sagt:

„Da muss das Kind jetzt mal durch.“

Wenn dein Bauchgefühl dir signalisiert, dass es falsch wäre, rauszugehen:

Sprich es aus!

Das geht auch, ohne die Erzieherin zu kritisieren!

Statt „Nein, ich bin dagegen, ich habe andere Vorstellungen“ könntest du beispielsweise sagen: „Oh, das fühlt sich für mich jetzt falsch an. Finden wir da einen anderen Weg?“ Bleib bei dir, sprich über dich und dein Gefühl. Das öffnet eine Tür für ein gutes Gespräch.

Und selbst wenn das Gespräch schlecht verläuft, kannst du im Nachhinein nochmals hingehen und das bedauern. Auch dann kann man wertschätzend kommunizieren.

Und wenn du trotzdem ein schlechtes Gefühl bei der Eingewöhnung hast? Schütze die Seele deines Kindes. Das ist deine Verantwortung. Wenn du Sorge hast, was passieren wird, wenn die Eingewöhnung schlecht klappt oder lange dauert – versuche dich von diesem Druck zu lösen. 

Du kannst dein Kind nur dann bindungsorientiert begleiten, wenn du es mit einem guten Gefühl in der Kita abgibst. Es braucht bestimmt Zeit und Nerven, andere Lösungen zu finden. 

Und doch wird es einen Weg geben. Ich möchte dich einladen, den Mut zu haben, auf dein Gefühl zu hören. Du handelst für dich und dein Kind.

Wie lange dauert die Kita-Eingewöhnung für gewöhnlich?

Wir möchten unser Kind bedürfnisorientiert und individuell in der Kita eingewöhnen. Dafür nehmen wir uns bewusst die Zeit, die wir und das Kind brauchen.

Pläne, die vorab ein festes Zeitfenster für die Eingewöhnung setzen, sind zum Scheitern verurteilt. Klar: Viele Kinder sind nach zwei Wochen gut eingewöhnt und fühlen sich geborgen in der Kita. Andere Kinder brauchen zwei, drei, vier Monate oder noch länger.

Ich weiß, dass da ein strukturelles Problem ist. Es gibt beispielsweise Kitas, die nur im Januar und September eingewöhnen. Vielleicht willst du im Februar wieder zu arbeiten beginnen, hast im September noch keinen Platz für dein Kind in der Kita bekommen und jetzt den Zeitdruck, dass die Eingewöhnung im Januar über die Bühne geht. 

Ich empfehle auf jeden Fall, mit der Kita ins Gespräch zu kommen. Möglicherweise gibt es doch einen Weg, ausnahmsweise mit der Eingewöhnung im Dezember oder noch früher zu beginnen.

Welche Probleme können bei der Eingewöhnung auftauchen?

Für viele Eltern der Stressmoment schlechthin: Sie verabschieden sich in der Kita von ihrem Kind und das Kind weint. Ich lade dich ein, es einmal so zu sehen: Tränen dürfen sein. Dein Kind hat ein Recht, deinen Abschied zu betrauern. 

Und: Tränen helfen deinem Kind, seine innere Anspannung abzubauen. Es kommt auf den Rahmen an: Wenn dein Kind beim Abschied weint und sich dann relativ schnell von der Erzieherin auffangen lässt, ist das in Ordnung. Ist das Kind auch nach einer Viertel- oder halben Stunde noch ganz aufgewühlt, wird es vielleicht sogar panisch, ist es besser, zwei oder drei Schritte in der Eingewöhnung zurückzugehen. 

Hier zeigt das Kind ganz klar, dass eine Grenze überschritten ist.

Wenn dein Kind wirklich nur im Moment der Trennung weint und dann schnell ins Spiel findet, kann es gut sein, die Trennung kurz zu halten. In anderen Fällen braucht es noch mehr Hilfe, Sicherheit und Geborgenheit von dir, um gut in der Kita ankommen zu können.

Es kann auch sein, dass die Eingewöhnung fünf Tage gut läuft und am sechsten Tag hast du das Gefühl, dass ihr wieder bei null anfangt. Wieder: Höre auf dein Kind, beobachte es gut, schau, was es braucht.

Die richtige Eingewöhnung in die Kita - 8 Tipps, um dir und deinem Kind die Trennung zu erleichtern

1.Kita-Tasche mit Geborgenheit füllen

Wenn dein Kind sich schwer damit tut, sich von dir zu trennen, dann, weil es Bedürfnisse hat, die in der Kita unerfüllt sind, zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Geborgenheit, nach Nähe. Bei der Eingewöhnung meiner Tochter haben wir eine Kita-Tasche gepackt, in der so viel Zuhause und so viel Geborgenheit wie nur möglich steckte.

Seid kreativ – vielleicht ist es Mamas Schlaf-Shirt, das deinem Kind hilft! Die Tasche hat meiner Tochter Mama-Nähe gegeben, obwohl Mama selbst gerade weg war.

2.Infos für die Erzieherinnen und Erzieher zusammenstellen

Bei der Eingewöhnung meiner Tochter habe ich Notizen gemacht, was ihr beim Einschlafen hilft, was und wie sie isst und so weiter. Die Erzieherinnen haben diese Infos dankbar angenommen, weil sie ihnen letztlich ja ihren Job auch leichter machen.

3.Übergänge üben

Übergänge und Übergaben können vorsichtig geübt werden. Lade zum Beispiel die Oma ab und zu mal ein oder die Tante oder eine Freundin und beobachte, was dein Kind braucht, um sich von dir zu trennen: Was ist nötig, damit du dich kurz zurückziehen kannst?

4.Zuhause für Sicherheit und Struktur sorgen

Zuhause sollte sich in der Zeit der Kita-Eingewöhnung so wenig ändern wie möglich. Manche Mamas stillen ab, weil das Kind bald in die Kita kommt, oder versuchen die Schlafzeiten des Kindes zu ändern, damit sie besser in den Kita-Rhythmus passen. 

Wenn du das für nötig hältst, mache es auf jeden Fall ganz langsam und mit ganz viel Zeit im Vorfeld. Denn während der Kita-Eingewöhnung ändert sich für das Kind im Außen-Leben so viel. 

Da sollte das Innen-Leben in der Familie so viel Sicherheit und Struktur wie möglich und so wenig Veränderung wie möglich bieten. Die Bedürfnis-Tanks des Kindes an Nähe, Geborgenheit und Sicherheit sollten zur Eingewöhnung in die Kita randvoll sein.

5.Resilienz stärken

Mit der Kita-Eingewöhnung legen wir ja die Grundlage für spätere Veränderungssituationen im Leben unserer Kinder. Auch kleinere Kinder können lernen, dass sie die Situation nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen mitgestalten können. Du kannst deinem Kind beispielsweise sagen: „Wenn sich etwas für dich falsch anfühlt, sagst du nein.“ Oder: „Wenn du möchtest, dass die Mama kommt, sagst du es den Erzieherinnen.“

6.Kita und Zuhause verknüpfen

Du kannst eine Klammer zwischen Kita und Zuhause schaffen, indem das Kind eine Tätigkeit zu Hause anfängt und in der Kita fertigstellt, zum Beispiel ein Bild malen. Die Kraft dieser Klammer kannst du verstärken, wenn du dein Kind bei der Tätigkeit begleitest, also ihr das Bild gemeinsam zu Hause anfangt und gemeinsam in der Kita fertigstellt.

7.Rollenspiele

Kinder lernen über das Spielen und setzen sich spielerisch mit der Welt auseinander. Ich lade dich ein, mit deinem Kind zu Hause „Kita“ zu spielen. Dabei kann auch gern das Kind die Erzieherin spielen.

8.Ein anderes Familienmitglied die Eingewöhnung begleiten lassen

Wenn du als Mama oder Papa schon im Vorfeld weißt, dass du schlecht loslassen kannst und du selbst dich von deinem Kind in der Kita nur mit großen Schwierigkeiten trennen kannst – oder du vorhersehen kannst, dass dein Kind sich am allerschwersten von dir trennen kann:

Vielleicht kann eine andere enge Bezugsperson die Eingewöhnung begleiten. Dann kann es zu Beispiel eine gute Lösung sein, dass die Oma das Kind zur Eingewöhnung bringt und in den ersten Wochen zur Kita begleitet.

Fazit

Die Kita-Eingewöhnung ist ein Prozess, und manchmal ist dieser Prozess schwieriger und langwieriger, als wir uns das vorgestellt oder gewünscht haben.

Ich lade dich ein, immer offen zu bleiben für die Signale deines Kindes: hinzufühlen, auch in dich selbst immer wieder hineinzufühlen. Dein Kind wird dir zeigen, was es braucht und wann es für den nächsten Schritt bereit ist. Und dann wird die Kita-Eingewöhnung zu einer Phase, an der ihr alle wachsen könnt.

Bedürfnisorientierte Erziehung – das gehört dazu

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Ich höre aus meiner #gfkmitkathy-Community oft Sätze wie “Danke Kathy, durch dich durfte ich erfahren, was bedürfnisorientiert wirklich bedeutet.” oder “Die Gewaltfreie Kommunikation ist für mich die Sprache der Bedürfnisorientierung.”

Ich bin so dankbar, dass meine Arbeit zu solchen Erkenntnissen und Erfahrungen führt.

Doch was ist die Bedürfnisorientierte Erziehung eigentlich? Wie kannst du sie leben? Was ist meiner Meinung nach das größte Missverständnis in der Bedürfnisorientierten Erziehung?

Warum möchte ich persönlich auf das Wort Erziehung verzichten und was das eine mit dem anderen zu tun?

All das erfährst du jetzt. 

Was ist bedürfnisorientierte Erziehung?

Ich rolle das Feld mal von hinten auf mit den für mich größten Missverständnissen.

Eines der für mich größten Missverständnisse der modernen Elternschaft ist, dass viele denken, es ginge in der Bedürfnisorientierten Elternschaft nur darum, die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen – und zwar immer und am besten sofort.

Das kann langfristig fatale Folgen haben, die du dann am Verhalten der Kinder und auch an deinem eigenen feststellen kannst. Die Kinder werden dadurch nämlich zu Tyrannen und du zu einer Art Zombie mit Mutter-Burnout.

Aufgrund dieses Missverständnisses sind am Ende weder die Bedürfnisse der Kinder noch der Eltern erfüllt – alle sind überfordert und es ufert letztlich aus – komplett am Ziel der Bedürfnisorientierung vorbei. Doch warum geschieht das?

Bedürfnisorientierte Erziehung kommt ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum.

Bereits in den 80ern hat der amerikanische Kinderarzt William Sears seine Lehren zum “Attachment Parenting” erarbeitet.

Ins Deutsche wurde das dann in meinen Augen unglücklicherweise in “Bedürfnisorientierte Erziehung” übersetzt.

Ich persönlich ersetze das Wort “Erziehung” lieber durch “Elternschaft”, vom englischen Begriff “Parenting” abgeleitet und wörtlich übersetzt.

Und schwupps wird es für mich persönlich schon offensichtlich, um welche Bedürfnisse es gehen wird.

Doch ist es wirklich nur ein Übersetzungsfehler? Oder doch eher ein Verständnisproblem?

Nehmen wir den Begriff Bedürfnisorientierte Elternschaft mal auseinander

“Bedürfnisorientiert” bedeutet für mich, alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Alle Bedürfnisse sofort erfüllen zu müssen, steht erstmal nirgends.

Das Wort Elternschaft – hier steht eindeutig Eltern.

Für mich sind die Eltern verantwortlich dafür, ihre eigenen Bedürfnisse und die der Kinder im Blick zu haben. Als Erwachsene passen wir darauf auf, das alles im Lot ist.

Im Begriff “Elternschaft” findet sich nicht einmal das Wort “Kind:er” – daher wundere ich mich, warum dieses Missverständnis so hartnäckig besteht.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass es in der Bedürfnisorientierung auch darum geht, auf Belohnung und Bestrafung zu verzichten – auf gar keinen Fall autoritär sein zu wollen und dadurch der Fokus auf die Kinder fällt?

Keine Ahnung – auf jeden Fall ist mir hier schonmal wichtig zu erwähnen, dass Bedürfnisorientierte Elternschaft weder autoritär noch antiautoritär ist.

Beides wäre für mich ein Missbrauch der elterlichen Macht – die wir als erwachsene und ausgereifte Menschen den Kindern gegenüber haben.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft die goldene Mitte dieser beiden Richtungen.

Es ist genau das, was Kinder brauchen und ebenso wir als Eltern.

Warum sollte ich überhaupt bedürfnisorientiert erziehen? - Das spricht dafür

Ich will meine Kinder so begleiten, dass sie ihr mitfühlendes Wesen immer weiter entwickeln können – sowohl für sich als auch für andere.

Sie sollen lernen, ihre Bedürfnisse im Blick zu haben und zu erfüllen. Dadurch werden sie bereit sein, freiwillig zum Wohle anderer beizutragen.

Außerdem wollen wir Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen.
Tauchen wir einmal in dieses Konflikte so lösen, dass alle bekommen, was sie brauchen ein:

Nun denkst du vielleicht:

“ABER ich kann doch nicht immer die Bedürfnisse aller sofort erfüllen.”

Wenn wir einen Konflikt haben, sind bei den Beteiligten mehrere Bedürfnisse unerfüllt.

Diese finden wir heraus und überlegen gemeinsam eine Vorgehensweise, um alle Bedürfnisse im Blick zu haben.

Manche werden dann zuerst erfüllt, andere danach.

Manchmal reicht dieses Wahrgenommen werden sogar schon aus, um unerfüllte Bedürfnisse zu erfüllen. Dadurch wächst unter anderem sogar die Bereitschaft bei uns und bei unseren Kindern, auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse warten zu können.

Wir finden gemeinsam eine Lösung, die für alle ok ist! Und das darf auch mal länger dauern oder sich über mehrere Tage oder Wochen hinziehen – von sofort war nie die Rede.

Wir wünschen uns also, dass unsere Kinder die Fähigkeit erlernen, sowohl in Schule und Beruf als auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zuhören zu können.

Sie lernen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und gemeinsam mit ihrem Gegenüber Strategien zur Konfliktlösung zu finden, die für alle Beteiligten passend sind.

Wenn unsere Kinder damit groß werden, dann fördert das unter anderem ihre Autonomie, Selbstwirksamkeit sowie das Verständnis für ihre Mitmenschen.

Darüber hinaus wird dein Kind Konflikte und zwischenmenschlichen Austausch als eine Bereicherung erleben dürfen statt als Bedrohung.

Das wiederum stärkt den Selbstwert deines Kindes ungemein.

Was ist wichtig dabei & worauf sollte ich achten?

Zuallererst: Du sollst gar nichts ;).

Du bist herzlich eingeladen, die kommenden Impulse auf dich wirken zu lassen. Nimm mit, was sich für dich gut anfühlt und lass das liegen, was unpassend scheint.

In der bedürfnisorientierten Elternschaft geht es darum, die Bedürfnisse aller im Blick zu haben und Lösungen für die Erfüllung dieser zu finden.

Ob sofort eine Lösung gefunden wird oder mit der Zeit, hängt von der Wichtigkeit bzw. Notwendigkeit des Bedürfnisses in dem Moment ab.

Für Kinder ist es lebensnotwendig, dass ihre Eltern sich um ihre Bedürfnisse kümmern.

Denn erst dann sind sie in der Lage, sich verantwortungsbewusst um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern.

Wessen Bedürfnisse stehen also an erster Stelle? Deine. Das ist genauso wichtig für dich, wie auch für deine Kinder.

Erst wenn du mit dir in Verbindung bist, kannst du mit anderen in Verbindung treten. Nur wenn dein Bedürfnis nach Liebe erfüllt ist, kannst du auch andere lieben.

Was sind Bedürfnisse eigentlich?

Bedürfnisse sind das, was alle Menschen zum Leben und zum Überleben brauchen.

Für die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Kinder sind wir selbst verantwortlich, sowie auch für die eigenen.

Und es gibt viele unterschiedliche Strategien, mit welchen wir Bedürfnisse erfüllen können.

Doch die Bedürfnisse sind bei allen, dieselben. Wenn auch situationsbedingt natürlich immer wieder in einer anderen Priorität.

Doch wir haben grundsätzlich alle dieselben Bedürfnisse.

Bedürfnisse sind nicht verhandelbar und unterliegen auch nicht dem freien Willen, sie sind das, was wir zum Leben brauchen.

Sie sind biologisch notwendig!

Wünsche hingegen – sind “nice to have” und im Prinzip mögliche Strategien, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Wünsche können erfüllt werden, doch ihre Erfüllung ist nicht lebensnotwendig. Sie sind individuell ausgerichtet.

Ich brauche Nahrung – die Strategie wäre zur Erfüllung was zu essen – ich kann mir Spaghetti wünschen.

Warum mache ich diesen Unterschied? Weil beides gerne in einen Topf geschmissen wird und ein weiteres Missverständnis der Bedürfnisorientierten Elternschaft besteht.

Wichtig:

Es geht darum, was Kinder und Eltern brauchen, weniger um das, was sie sich wünschen. Und schon gar nicht um eine permanente Erfüllung der Wünsche.

 

Und wie geht das nun mit der bedürfnisorientierten Elternschaft?

Durch das reine Vorleben und spielerische Schulen des Gefühls- und Bedürfniswortschatzes können wir schon einen Riesenschatz weitergeben.

Doch auch wenn wir selbst einen schweren Zugang zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen finden, können wir diese gemeinsam mit unseren Kindern erforschen.

Wir können mit dem Benennen von unseren Gefühlen und Bedürfnissen wie auch dem Erfragen und Herausfinden derer unserer Kinder – in Verbindung kommen mit uns und unseren Kindern.

Dabei helfen dir die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation.

Im Alltag können tägliche Rituale z.B: Bettzeit dazu genutzt werden, um über den Tag und die erlebten Gefühle zu reflektieren.

Auch können nach Konflikten die Situationen nochmal aufgenommen werden – um entsprechend über die Gefühle die Bedürfnisse eines jeden Beteiligten zu erforschen und damit direkt die Empathie eines jeden zu stärken.

Ist das das Richtige für mich und meine Familie?

Ob es das Richtige für dich ist, kannst nur du dir beantworten. Doch wenn du meine Arbeit verfolgst, hier diesen Blog liest, dann möchtest du aller Voraussicht nach etwas anders machen.

Für mich ist die bedürfnisorientierte Elternschaft der einzige Weg, wie mit meinen Kindern leben und sie begleiten möchte.

Was wäre auch die Alternative? Doch autoritär oder antiautoritär zu erziehen?

Mit Belohnung und Bestrafung? Davon will ich persönlich weg (siehe auch mein Workbook “Wertschätzende Kommunikation mit deinem Kind”).

Viel zu schmerzhaft sind mir eigene Erinnerungen im Gedächtnis.

Genau diese wollte ich durchbrechen und habe für mich den Weg mit der Gewaltfreien Kommunikation gefunden.

Für mich gibt es keine Alternative, keine andere “Methode”

So kannst du bedürfnisorientierte Erziehung umsetzen

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation die Übersetzungsmöglichkeit, um überhaupt in die Bedürfnisorientierte Elternschaft zu kommen.

Durch die Gewaltfreie Kommunikation komme ich mit mir in Verbindung und dadurch auch erst authentisch und echt mit meiner Familie. Ich kann Konflikte mit der Weile wirklich als Geschenk betrachten und dies meinen Kindern Vorleben.

Ich bin verdammt stolz darauf, von welchen Glaubenssätzen und Gedankenmustern ich mich schon befreien konnte.

Auch darauf, welche Ansätze ich meinen Kindern nicht mehr mitgebe und bin gleichzeitig gespannt, was sie mir später erzählen werden und was sie selbst anders machen wollen.

Meine Kinder gehen bereits in ihren jungen Jahren ganz anders mit Konflikten um, als ich das in ihrem Alter tun konnte.

Ich liebe es – wenn sie zu mir kommen und sagen:

“Mama, finden wir dafür eine Lösung?”

Denn genau das tun wir – wir finden immer eine Lösung – und manchmal darf das auch dauern.

Fazit

Ich habe für dich hoffentlich aufschlüsseln können, was bedürfnisorientierte Elternschaft ist, was nicht und wie du sie selbst leben kannst.

Für mehr Tiefe mit der gewaltfreien Kommunikation:

Höre gerne in meinen Podcast rein, stöbere durch den Blog oder meine Instagram Highlights.

Auch gebe ich dir noch mein gratis EBook “Gewaltfreie Kommunikation in Kindersprache” an die Hand – es ist sowohl für dein Kind als auch dich eine Unterstützung.

Werdet gemeinsam Bedürfnisforscher.

Lasst uns gemeinsam die Welt ein wenig freundlicher gestalten.

Das Thema Elterliche Macht habe ich hier jetzt ausgelassen und doch bleibt es ein unglaublich sensibel und enorm wichtiges Thema in der Bedürfnisorientierten Elternschaft- falls du nun tiefer eintauchen möchtest, könnte mein neues GFK-Videotraining “Elterliche Macht fürsorglich einsetzen” was für dich sein – es geht schon ganz bald an den Start – hüpf gerne auf die Warteliste und sichere dir zum Start einen exklusiven Wartelistenrabatt!